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Veröffentlicht am 12.02.2026

Frühlingszauber auf Gotland

Ein Frühling zum Tanzen
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In Ein Frühling zum Tanzen entführt Kristin Emilsson ihre Leser auf die schwedische Insel Gotland, wo zwischen blühenden Landschaften, den schmalen Gassen in Visby und österlicher Stimmung mehrere Leben ...

In Ein Frühling zum Tanzen entführt Kristin Emilsson ihre Leser auf die schwedische Insel Gotland, wo zwischen blühenden Landschaften, den schmalen Gassen in Visby und österlicher Stimmung mehrere Leben aufeinandertreffen. Eine Hochzeit steht bevor und soll der perfekte Neubeginn werden, doch je näher der große Tag rückt, desto deutlicher werden Zweifel, Stress und unausgesprochene Konflikte. Während einige auf romantische Frühlingstage hoffen, werden andere mit Unsicherheiten in ihren Beziehungen konfrontiert. Alte Fragen brechen auf, Zukunftspläne geraten ins Wanken, und plötzlich zeigt sich, dass nicht alles so stabil ist, wie es scheint.

Der Roman lebt vor allem von seiner warmen, typisch skandinavischen Atmosphäre. Gotland als Kulisse kann dabei überzeugen. Die engen Gassen von Visby, das sanfte Frühlingslicht, Lämmer auf den Wiesen und österliche Traditionen schaffen ein stimmungsvolles Setting, das sofort Fernweh auslöst. Im Mittelpunkt stehen die Beziehungen der Figuren und ihre Zweifel, Hoffnungen und Entscheidungen. Freundschaft über Generationen hinweg spielt ebenso eine Rolle wie die Frage, was Liebe langfristig trägt. Besonders schön sind die leisen Momente, in denen Unsicherheiten sichtbar werden und sich zeigt, wie verletzlich selbst scheinbar gefestigte Partnerschaften sein können. Die Geschichte bleibt dabei ruhig und feelgood im besten Sinne. Es gibt keine übertriebenen Dramen, sondern emotionale Entwicklungen, die nachvollziehbar und lebensnah wirken. Man begleitet die Figuren durch Hochzeitsstress, Missverständnisse und Frühlingsgefühle, alles dabei mit einem angenehmen Erzähltempo und viel Herz.

Eine warmherzige, atmosphärische Frühlingslektüre über Liebe, Freundschaft und Neuanfänge und besonders schön, wenn man den skandinavischen Flair und eine Portion Hochzeitschaos mag und sich beim Lesen ein kleines bisschen nach Gotland träumen möchten.

Veröffentlicht am 12.02.2026

Zwischen Klinge und Gefühl

Empire of Whispers and Shadows
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In Empire of Whispers and Shadows von Ursa Jaumann steht Saya im Zentrum einer brutalen Welt, in der nur die Stärksten überleben. Um sich ihre Freiheit zu erkämpfen, lässt sie sich zur Assassinin des Gottkaisers ...

In Empire of Whispers and Shadows von Ursa Jaumann steht Saya im Zentrum einer brutalen Welt, in der nur die Stärksten überleben. Um sich ihre Freiheit zu erkämpfen, lässt sie sich zur Assassinin des Gottkaisers ausbilden und betritt so einen Weg voller tödlicher Prüfungen. Ausgerechnet mit Teno, dem Mann, den sie für den Tod ihrer Eltern verantwortlich macht, wird sie bei den Aufgaben zusammengeführt. Zwischen Misstrauen, Rache und unausgesprochenen Wahrheiten müssen beide lernen, zusammenzuarbeiten, obwohl am Ende vielleicht nur einer überleben darf.

Der Roman überzeugt vor allem mit seiner intensiven Dynamik zwischen Saya und Teno. Aus Feinden werden gezwungene Verbündete und dies wird hier schön konsequent und langsam aufgebaut. Die Abneigung ist spürbar und das Vertrauen wächst nur zögerlich, aber jeder Blick und jede Entscheidung tragen Spannung in sich. Gerade dieser Slow Burn sorgt für eine aufgeladene Atmosphäre. Die japanisch inspirierte Welt, das Training zur Assassinin und die tödlichen Prüfungen schaffen zudem ein düsteres, teilweise brutales Setting. Actionreiche Szenen, Intrigen und überraschende Wendungen halten die Spannung hoch. Gleichzeitig bleibt manches im Worldbuilding jedoch noch geheimnisvoll, das Magiesystem, Götter und Hintergründe werden eher angedeutet als vollständig erklärt. Dadurch eine zwar eine mystische Aura, aber etwas mehr Klarheit und Tiefe wären hier und da von Vorteil. Der Schreibstil wird ist aber flüssig und mitreißend beschrieben. Besonders das emotionale Knistern zwischen den Hauptfiguren und der konsequente Spannungsbogen bis zum fiesen Cliffhanger sorgen dafür, dass das man am Ende Lust auf Band zwei hat, auch oder gerade weil nicht alle offenen Fragen vollständig befriedigend beantwortet werden.

Ein düsterer, emotional aufgeladener Romantasy-Auftakt mit tödlichen Prüfungen, intensiver Dynamik und einem starken Slow Burn, der mit seinen komplexen Beziehungen, gefährliche Trainingssettings und ein asiatisch inspiriertes Ambiente überzeugt.

Veröffentlicht am 10.02.2026

Wenn Freundlichkeit zur Verpflichtung wird

Richtig gutes Essen
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Richtig gutes Essen erzählt von drei Angestellten eines japanischen Unternehmens, deren Arbeitsalltag von unausgesprochenen Regeln, stillen Erwartungen und sozialen Ritualen geprägt ist. Nitani, neu in ...

Richtig gutes Essen erzählt von drei Angestellten eines japanischen Unternehmens, deren Arbeitsalltag von unausgesprochenen Regeln, stillen Erwartungen und sozialen Ritualen geprägt ist. Nitani, neu in der Abteilung, empfindet Essen vor allem als lästige Notwendigkeit. Oshio arbeitet hart, passt sich an und zahlt dafür mit Überstunden und Erschöpfung. Ashikawa hingegen bringt regelmäßig selbstgebackene Süßigkeiten mit ins Büro und ist freundlich, fürsorglich und scheinbar selbstverständlich. Doch hinter diesen all diesen Gesten beginnen sich Spannungen aufzubauen, die weniger mit Nahrung als mit Macht, Rollenbildern und Anpassung zu tun haben.

Junko Takase nutzt Essen als überraschend scharfes Werkzeug, um Bürohierarchien und gesellschaftliche Erwartungen sichtbar zu machen. Der Roman wirkt dabei bewusst leise und zurückhaltend, fast beiläufig und und kann genau deshalb überzeugen. Statt klarer Urteile entstehen Grauzonen und man fragt sich: Ist Ashikawas Fürsorglichkeit echte Freundlichkeit oder eine subtile Form von Kontrolle? Bedeutet Anpassung Sicherheit oder Selbstaufgabe? Die Figuren bleiben dabei sperrig: Nitani wirkt distanziert und unangenehm ehrlich, Oshio auf der anderen Seite wütend und erschöpft und Ashikawa glatt und schwer greifbar. Gerade diese Unbequemlichkeit zwingt dazu, zwischen den Zeilen zu lesen. Eindrucksvoll ist dabei, wie sehr Erwartungen an Weiblichkeit und Harmonie den Arbeitsalltag bestimmen und wie wenig Raum für offene Ablehnung bleibt. Die Perspektivwechsel unterstreichen diese innere Zerrissenheit zusätzlich, auch wenn sie nicht immer leicht zugänglich sind.

Der Roman von Takase ist keine Geschichte zum Wohlfühlen, sondern eine präzise Beobachtung darüber, wie soziale Rituale als Druckmittel funktionieren können. Die Geschichte verlangt Aufmerksamkeit und Geduld, belohnt aber mit klugen Denkanstößen zu Arbeit, Geschlecht und Konformität. Ein stilles, unbequemes Buch, das lange nachwirkt.

Veröffentlicht am 09.02.2026

Zwei verlorene Herzen auf demselben Pfad

The Trail of Lost Hearts
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Wren Waters steckt fest in ihrer Trauer. Sie sich zurück, bis sie durch Zufall das Geocaching für sich entdeckt. Was zunächst nur ein kleiner Ausbruch aus dem Alltag ist, wird bald zu einer einwöchigen ...

Wren Waters steckt fest in ihrer Trauer. Sie sich zurück, bis sie durch Zufall das Geocaching für sich entdeckt. Was zunächst nur ein kleiner Ausbruch aus dem Alltag ist, wird bald zu einer einwöchigen Solo-Reise nach Oregon. Allein, abgeschieden, mitten in der Natur. Auf einem der Trails begegnet sie Marshall Hendricks, ebenfalls Geocacher. Nach einer bedrohlichen Situation entscheiden sich die beiden, ihre Wege zusammen fortzusetzen und was als pragmatische Entscheidung aus Sicherheitsgründen beginnt, entwickelt sich langsam zu einer intensiven Verbindung. Doch beide tragen ihre eigenen Wunden mit sich, und nicht jeder ist bereit, sie offen zu zeigen.

Tracey Garvis Graves erzählt diese Geschichte ruhig, emotional und erstaunlich lebensnah. Der Fokus liegt klar auf Trauer, Heilung und der Frage, ob zwei Menschen einander Halt geben können, ohne selbst schon ganz gefestigt zu sein. Wren und Marshall wirken dabei wie echte Menschen und zeigen sich verletzlich, manchmal widersprüchlich, aber immer glaubwürdig. Positiv ist auch. dass die Protagonisten in ihren Dreißigern sind. Das verleiht der Geschichte eine wohltuende Reife, denn es gibt keine unnötlichen Dramen, sondern leise Entwicklungen, ehrliche Gespräche und spürbares Zögern. Die Natur Oregons und das Geocaching sind dabei zudem mehr als nur Kulisse. Sie spiegeln schön den inneren Weg der Figuren wider. An manchen Stellen wirkt abeer der Dialog etwas zu erklärend, fast therapeutisch, was einen manchmal kurz aus dem Lesefluss reißen kann. Überwiegend hat man jedoch den Eindruck einer warmen, ehrlichen Geschichte, die Zeit braucht und sich diese Zeit auch nimmt.

Eine sanfte, emotionale Romance mit Tiefgang. Keine laute Liebesgeschichte, sondern ein stilles Annähern zweier Menschen, die lernen müssen, mit ihrer Vergangenheit zu leben.

Veröffentlicht am 06.02.2026

Absurd, brutal und unfassbar unterhaltsam

Dungeon Crawler Carl
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Dungeon Crawler Carl ist laut, grotesk und vollkommen durchgeknallt und genau das macht dieses Buches auf jeden Fall zu etwas besonderem. Was zunächst wie eine völlig absurde Idee klingt, entwickelt sich ...

Dungeon Crawler Carl ist laut, grotesk und vollkommen durchgeknallt und genau das macht dieses Buches auf jeden Fall zu etwas besonderem. Was zunächst wie eine völlig absurde Idee klingt, entwickelt sich schnell zu einem erstaunlich fesselnden Leseerlebnis. Nach der Zerstörung der Erde werden die letzten Überlebenden gezwungen, an einem intergalaktischen Dungeon-Crawler teilzunehmen, der als Unterhaltungsshow für Außerirdische dient. Mitten drin steckt Carl, ein ziemlich normaler Typ, der gemeinsam mit seiner sprechenden Katze Princess Donut ums Überleben kämpft. Donut ist dabei weit mehr als nur Sidekick, denn ihre scharfzüngigen Kommentare und ihr überzogenes Selbstbewusstsein sorgen für viele der besten Momente der Geschichte.

Das Buch liest sich wie ein Videospiel in Romanform. Levelaufstiege, Skills, Lootboxen und Achievements sind allgegenwärtig. Fans von RPGs, LitRPG oder Pen-and-Paper werden sich sofort abgeholt fühlen. Die Action ist schnell, die Herausforderungen eskalieren stetig und der Einfallsreichtum des Autors ist beeindruckend, von bizarren Gegnern bis zu völlig überdrehten Spielmechaniken. Der Humor ist dabei sehr speziell, er ist derb, schwarz und bewusst grenzüberschreitend. Nicht jede Szene überzeugt und das Buch polarisiert ganz klar. Gleichzeitig ist scheint diese Rücksichtslosigkeit aber Teil des Konzepts zu sein. Hinter der grellen Fassade blitzen zudem immer wieder Themen wie Machtmissbrauch, Sensationslust, Ausbeutung und Unterhaltung auf Kosten anderer durch, was nicht sehr subtil ist, aber effektiv. Auch wenn die Geschichte selten inne hält, um emotional zu reflektieren, entwickelt sich vor allem die Dynamik zwischen Carl und Princess Donut spürbar weiter. Gerade diese Beziehung verleiht dem Chaos Herz und sorgt dafür, dass das Buch mehr ist als nur eine Aneinanderreihung von Kämpfen und Gags.

Sicherlich kein Buch für jeden, aber für die richtigen Leser ein Volltreffer. Wer Spaß an Gaming-Mechaniken, schwarzem Humor und völligem Eskalationswahnsinn hat, wird hier bestens unterhalten.