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Veröffentlicht am 16.02.2026

Sprachfeuerwerk zwischen Wahnsinn, Wortliebe und Familiengeschichte

Die Enthusiasten
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Die Enthusiasten erzählt die Geschichte von Vince Bär, der aus einer außergewöhnlichen, buchverrückten Familie stammt. Gemeinsam mit seiner Schwester Elfi und seinem Bruder Marcellus wächst er in einer ...

Die Enthusiasten erzählt die Geschichte von Vince Bär, der aus einer außergewöhnlichen, buchverrückten Familie stammt. Gemeinsam mit seiner Schwester Elfi und seinem Bruder Marcellus wächst er in einer Welt auf, in der Literatur, Kunst und Ideen nicht nur Hobby, sondern Lebensinhalt sind. Besonders Vince verliert sich früh in der Literatur und allen voran in Tristram Shandy von Laurence Sterne. Als plötzlich Hinweise auf einen möglichen zehnten Band auftauchen, entwickelt sich daraus eine fast obsessive Suche, die Vergangenheit, Familie und Gegenwart miteinander verwebt.

Der Roman lebt stark von seiner Sprache. Markus Orths schreibt verspielt, rasant, manchmal überbordend und voller skurriler Ideen, unerwarteter Abschweifungen und origineller Szenen. Dabei entstehen Momente, die gleichzeitig absurd, humorvoll und überraschend berührend sind. Vor allem die Familiengeschichte rund um das Verschwinden der Mutter und die Verbindung der Geschwister zueinander sorgen dabei für emotionale Tiefe zwischen all dem literarischen Chaos. Gleichzeitig verlangt das Buch jedoch viel Aufmerksamkeit. Die Handlung ist bewusst nicht linear, springt zwischen Ideen, Ebenen und Gedankenspielen. Gerade zu Beginn und stellenweise auch später wird das Tempo durch ausführliche Gedankengänge und sprachliche Experimente deutlich gebremst. Wenn man geradliniges Erzählen bevorzugt, tut man sich mit dieser Erzählweise durchaus schwer. Stark gelungen ist jedoch die Verbindung von großen Themen wie Verlust, Identität, Kunst und der Frage, wie Geschichten Menschen prägen. Die Figuren wirken eigenwillig, manchmal exzentrisch, aber immer interessant genug, um neugierig zu bleiben, wohin ihre Wege führen.

Ein ungewöhnlicher, sprachlich intensiver Roman mit vielen verrückten Ideen, emotionalen Familienmomenten und literarischer Leidenschaft. Anspruchsvoll, stellenweise fordernd, aber definitiv besonders.

Veröffentlicht am 16.02.2026

Zwischen Schicksal, Magie und dunklen Geheimnissen

Capture the Changeling
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Capture the Changeling, derAuftakt der Destined Hearts Reihe, entführt seine Leser in eine vielschichtige Fantasywelt voller Magie, politischer Spannungen und unterschiedlichster Wesen. Im Mittelpunkt ...

Capture the Changeling, derAuftakt der Destined Hearts Reihe, entführt seine Leser in eine vielschichtige Fantasywelt voller Magie, politischer Spannungen und unterschiedlichster Wesen. Im Mittelpunkt stehen Leila und Riven, deren Wege auf schicksalhafte Weise miteinander verknüpft werden, auch wenn ihre Welten und Ziele zunächst kaum zusammenpassen.

Der Roman beeindruckt mit seinem Worldbuilding, denn die verschiedenen Spezies wie Fae, Drachen, Dschinn und Menschen wirken lebendig und haben eigene Motive und Konflikte. Durch die mehreren Perspektiven entsteht ein breites Bild der Welt und der drohenden Entwicklungen, ohne dabei unübersichtlich zu werden. Gerade die unterschiedlichen Blickwinkel auf gemeinsame Ereignisse sorgen dabei für zusätzliche Spannung. Leila ist greifbar, mutig und emotional nahbar, während Riven mit seiner geheimnisvollen, kontrollierten Art einen starken Kontrast bildet. Die Dynamik zwischen beiden lebt dazu von Spannung, unterschwelliger Anziehung und Konflikten, die sich glaubwürdig entwickeln. Auch die Nebenfiguren und tierischen Begleiter fügen sich stimmig in die Geschichte ein und machen die Welt noch lebendiger. Der Schreibstil ist dabei bildhaft, flüssig und emotional, auch wenn der Einstieg etwas Zeit braucht und stellenweise viele innengedankliche Passagen das Tempo leicht bremsen. Sobald die Handlung Fahrt aufnimmt, entsteht jedoch eine sehr fesselnde Mischung aus Fantasy, Romantik und politischer Spannung.

Ein atmosphärischer, vielschichtiger Fantasyauftakt mit starker Weltgestaltung, spannenden Figuren und emotionaler Tiefe.

Veröffentlicht am 12.02.2026

Frühlingszauber auf Gotland

Ein Frühling zum Tanzen
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In Ein Frühling zum Tanzen entführt Kristin Emilsson ihre Leser auf die schwedische Insel Gotland, wo zwischen blühenden Landschaften, den schmalen Gassen in Visby und österlicher Stimmung mehrere Leben ...

In Ein Frühling zum Tanzen entführt Kristin Emilsson ihre Leser auf die schwedische Insel Gotland, wo zwischen blühenden Landschaften, den schmalen Gassen in Visby und österlicher Stimmung mehrere Leben aufeinandertreffen. Eine Hochzeit steht bevor und soll der perfekte Neubeginn werden, doch je näher der große Tag rückt, desto deutlicher werden Zweifel, Stress und unausgesprochene Konflikte. Während einige auf romantische Frühlingstage hoffen, werden andere mit Unsicherheiten in ihren Beziehungen konfrontiert. Alte Fragen brechen auf, Zukunftspläne geraten ins Wanken, und plötzlich zeigt sich, dass nicht alles so stabil ist, wie es scheint.

Der Roman lebt vor allem von seiner warmen, typisch skandinavischen Atmosphäre. Gotland als Kulisse kann dabei überzeugen. Die engen Gassen von Visby, das sanfte Frühlingslicht, Lämmer auf den Wiesen und österliche Traditionen schaffen ein stimmungsvolles Setting, das sofort Fernweh auslöst. Im Mittelpunkt stehen die Beziehungen der Figuren und ihre Zweifel, Hoffnungen und Entscheidungen. Freundschaft über Generationen hinweg spielt ebenso eine Rolle wie die Frage, was Liebe langfristig trägt. Besonders schön sind die leisen Momente, in denen Unsicherheiten sichtbar werden und sich zeigt, wie verletzlich selbst scheinbar gefestigte Partnerschaften sein können. Die Geschichte bleibt dabei ruhig und feelgood im besten Sinne. Es gibt keine übertriebenen Dramen, sondern emotionale Entwicklungen, die nachvollziehbar und lebensnah wirken. Man begleitet die Figuren durch Hochzeitsstress, Missverständnisse und Frühlingsgefühle, alles dabei mit einem angenehmen Erzähltempo und viel Herz.

Eine warmherzige, atmosphärische Frühlingslektüre über Liebe, Freundschaft und Neuanfänge und besonders schön, wenn man den skandinavischen Flair und eine Portion Hochzeitschaos mag und sich beim Lesen ein kleines bisschen nach Gotland träumen möchten.

Veröffentlicht am 12.02.2026

Zwischen Klinge und Gefühl

Empire of Whispers and Shadows
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In Empire of Whispers and Shadows von Ursa Jaumann steht Saya im Zentrum einer brutalen Welt, in der nur die Stärksten überleben. Um sich ihre Freiheit zu erkämpfen, lässt sie sich zur Assassinin des Gottkaisers ...

In Empire of Whispers and Shadows von Ursa Jaumann steht Saya im Zentrum einer brutalen Welt, in der nur die Stärksten überleben. Um sich ihre Freiheit zu erkämpfen, lässt sie sich zur Assassinin des Gottkaisers ausbilden und betritt so einen Weg voller tödlicher Prüfungen. Ausgerechnet mit Teno, dem Mann, den sie für den Tod ihrer Eltern verantwortlich macht, wird sie bei den Aufgaben zusammengeführt. Zwischen Misstrauen, Rache und unausgesprochenen Wahrheiten müssen beide lernen, zusammenzuarbeiten, obwohl am Ende vielleicht nur einer überleben darf.

Der Roman überzeugt vor allem mit seiner intensiven Dynamik zwischen Saya und Teno. Aus Feinden werden gezwungene Verbündete und dies wird hier schön konsequent und langsam aufgebaut. Die Abneigung ist spürbar und das Vertrauen wächst nur zögerlich, aber jeder Blick und jede Entscheidung tragen Spannung in sich. Gerade dieser Slow Burn sorgt für eine aufgeladene Atmosphäre. Die japanisch inspirierte Welt, das Training zur Assassinin und die tödlichen Prüfungen schaffen zudem ein düsteres, teilweise brutales Setting. Actionreiche Szenen, Intrigen und überraschende Wendungen halten die Spannung hoch. Gleichzeitig bleibt manches im Worldbuilding jedoch noch geheimnisvoll, das Magiesystem, Götter und Hintergründe werden eher angedeutet als vollständig erklärt. Dadurch eine zwar eine mystische Aura, aber etwas mehr Klarheit und Tiefe wären hier und da von Vorteil. Der Schreibstil wird ist aber flüssig und mitreißend beschrieben. Besonders das emotionale Knistern zwischen den Hauptfiguren und der konsequente Spannungsbogen bis zum fiesen Cliffhanger sorgen dafür, dass das man am Ende Lust auf Band zwei hat, auch oder gerade weil nicht alle offenen Fragen vollständig befriedigend beantwortet werden.

Ein düsterer, emotional aufgeladener Romantasy-Auftakt mit tödlichen Prüfungen, intensiver Dynamik und einem starken Slow Burn, der mit seinen komplexen Beziehungen, gefährliche Trainingssettings und ein asiatisch inspiriertes Ambiente überzeugt.

Veröffentlicht am 10.02.2026

Wenn Freundlichkeit zur Verpflichtung wird

Richtig gutes Essen
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Richtig gutes Essen erzählt von drei Angestellten eines japanischen Unternehmens, deren Arbeitsalltag von unausgesprochenen Regeln, stillen Erwartungen und sozialen Ritualen geprägt ist. Nitani, neu in ...

Richtig gutes Essen erzählt von drei Angestellten eines japanischen Unternehmens, deren Arbeitsalltag von unausgesprochenen Regeln, stillen Erwartungen und sozialen Ritualen geprägt ist. Nitani, neu in der Abteilung, empfindet Essen vor allem als lästige Notwendigkeit. Oshio arbeitet hart, passt sich an und zahlt dafür mit Überstunden und Erschöpfung. Ashikawa hingegen bringt regelmäßig selbstgebackene Süßigkeiten mit ins Büro und ist freundlich, fürsorglich und scheinbar selbstverständlich. Doch hinter diesen all diesen Gesten beginnen sich Spannungen aufzubauen, die weniger mit Nahrung als mit Macht, Rollenbildern und Anpassung zu tun haben.

Junko Takase nutzt Essen als überraschend scharfes Werkzeug, um Bürohierarchien und gesellschaftliche Erwartungen sichtbar zu machen. Der Roman wirkt dabei bewusst leise und zurückhaltend, fast beiläufig und und kann genau deshalb überzeugen. Statt klarer Urteile entstehen Grauzonen und man fragt sich: Ist Ashikawas Fürsorglichkeit echte Freundlichkeit oder eine subtile Form von Kontrolle? Bedeutet Anpassung Sicherheit oder Selbstaufgabe? Die Figuren bleiben dabei sperrig: Nitani wirkt distanziert und unangenehm ehrlich, Oshio auf der anderen Seite wütend und erschöpft und Ashikawa glatt und schwer greifbar. Gerade diese Unbequemlichkeit zwingt dazu, zwischen den Zeilen zu lesen. Eindrucksvoll ist dabei, wie sehr Erwartungen an Weiblichkeit und Harmonie den Arbeitsalltag bestimmen und wie wenig Raum für offene Ablehnung bleibt. Die Perspektivwechsel unterstreichen diese innere Zerrissenheit zusätzlich, auch wenn sie nicht immer leicht zugänglich sind.

Der Roman von Takase ist keine Geschichte zum Wohlfühlen, sondern eine präzise Beobachtung darüber, wie soziale Rituale als Druckmittel funktionieren können. Die Geschichte verlangt Aufmerksamkeit und Geduld, belohnt aber mit klugen Denkanstößen zu Arbeit, Geschlecht und Konformität. Ein stilles, unbequemes Buch, das lange nachwirkt.