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Veröffentlicht am 09.02.2026

Interessanter humoristischer Ausflug eines Comedians in die Manosphere

Alpha-Boys
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Aurel Mertz ist mit starken Frauen aufgewachsen und hat von klein auf die Power von Mama, Schwester, Oma erlebt, genauso wie einen progressiv eingestellten Vater. So hat er im Erwachsenenalter mit Erstaunen ...

Aurel Mertz ist mit starken Frauen aufgewachsen und hat von klein auf die Power von Mama, Schwester, Oma erlebt, genauso wie einen progressiv eingestellten Vater. So hat er im Erwachsenenalter mit Erstaunen das Erstarken sehr konservativer, längst überwunden geglaubter Männlichkeitsideale in vielen Gesellschaften bemerkt.

Mir ist der Autor sehr sympathisch und man merkt ihm an, dass er sich - vielleicht auch aufgrund eigener Marginalisierungs- und Diskriminierungserfahrungen als PoC mit einem ghanaischen Großvater - selbst schon viel Perspektiven jenseits derer weißer, mächtiger Männer auseinandergesetzt hat.

Neugierig und humorvoll begibt er sich in diesem Buch auf die Spuren der sogenannten "Manosphere", beschäftigt sich mit Donald Trump genauso wie mit der Incel- und Red-Pill-Bewegung, mit Pick-Up-Artists, dem konservativen kanadischen Psychologen und Influencer Donald Peterson oder einem Männlichkeitsmentor, der im balinesischen Dschungel ein Camp für angehende Alphamänner veranstaltet.

Authentisch und humorvoll analysiert der Autor, was in diesen Bereichen der Gesellschaft los ist, welche Männlichkeitsideale dort vertreten werden und was die Auseinandersetzung damit mit ihm selbst als Mann mit progressiven, linken Einstellungen macht.

Wer sich noch nicht viel mit diesen Trends beschäftigt hat, bekommt durch dieses Buch interessante Impulse, wo man näher hinschauen könnte, um diese kontroverse Zeitgeistbewegung besser zu verstehen. Ansonsten ist es aber auch einfach eine unterhaltsame Lektüre bzw. in der Audioversion ein vom Autor selbst humorvoll vorgetragenes unterhaltsames Hörbuch, das ich empfehlen kann.

Im Nachwort erwähnt er übrigens, dass er das auf dem Cover sichtbare Tierschutzkätzchen gemeinsam mit einem zweiten Kätzchen adoptiert hat: ein weiterer Sympathiepunkt für den tierlieben Autor, Sprecher und Comedian.

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Veröffentlicht am 08.02.2026

Ein moderner Klassiker der Literatur

Zeit der Mutigen
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An „Zeit der Mutigen“ hat der Autor nach eigenen Angaben 13 Jahre lang geschrieben. Es hat sich gelohnt! Entstanden ist ein monumentales Epos, in der Printausgabe über 1000 Seiten lang, ein ganzes Jahrhundert ...

An „Zeit der Mutigen“ hat der Autor nach eigenen Angaben 13 Jahre lang geschrieben. Es hat sich gelohnt! Entstanden ist ein monumentales Epos, in der Printausgabe über 1000 Seiten lang, ein ganzes Jahrhundert europäischer Zeitgeschichte umfassend, leichtfüßig erzählt und dabei sorgfältig recherchiert, viel Wissen vermittelnd und dabei auf jeder Seite ein unterhaltsames und mitreißendes Leseerlebnis!

Ich habe noch nie ein so umfangreiches Buch gelesen, bei dem ich mich gleichzeitig so gut unterhalten habe und das von der ersten bis zur letzten Seite mitreißend und spannend war, und dabei gleichzeitig voll von schönen Sprachbildern, profundem Verständnis für die menschlichen Beziehungen und tiefsinnigen Gedanken über das 20. Jahrhundert in Europa mit all seinen Schrecken, aber auch für das, was Mensch-Sein, (Wahl)-Familie und Verbindung ausmacht.

Abwechselnd werden die miteinander auf vielfältige Weisen verflochtenen Schicksale der Mitglieder dreier Familien erzählt: einer österreichischen, einer bulgarischen und einer Roma-Familie, beginnend mit der Zeit vor dem ersten Weltkrieg bis in 1990er Jahre. Es geht um Täter, Mitläufer und Widerstandskämpfer, Loyale und Verräter, Gedächtnisverlust und Rollentausch, die Frage, was Verwandtschaft ausmacht (Abstammung? Soziale Elternschaft? Eine Wahl?) und ganz viel um hehre Ideale, die sich dann in Schreckensherrschaft und Unterdrückung verwandeln können. Um Ausgrenzung und unverhoffte Freundschaft und Unterstützung. Um Kommunismus vs. Kapitalismus, Westen vs. Osten. Und um vieles mehr.

Die Figuren sind liebevoll gezeichnet, originell und nicht klischeehaft. Da gibt es eine ausschließlich unter Männern aufgewachsene, sehr toughe Schafhirtin in Bulgarien, einen blonden, blauäugigen Roma und Enkel des Clanchefs, eine Stasimitarbeiterin, die doch auch ihr Herz am rechten Fleck hat, einen österreichischen Wehrmachtssoldaten, der seine Exekution durch die Sowjetarmee überlebt hat und fortan mit Gedächtnisverlust und einer Kugel im Kopf durchs Leben irrt, eine junge Frau, die ihre eigenen Suizid in der Donau überlebt hat und deren Tochter zeitlebens eine besondere Verbindung zu dem Fluss haben wird, und viele mehr. Eine stille und doch eindrucksvolle Protagonistin, die all die Schicksale immer wieder auf ihre Art verbindet und eine bestimmte Mythologie mit sich bringt, ist auch die Donau selbst, an deren Wachau-Ufer die eine österreichische Familie lebt… aber auch das bulgarische Konzentrationslager Belene ist von ihr geprägt.

Dadurch, dass aus so vielen unterschiedlichen Perspektiven erzählt wird, entsteht ein vielfältiges Bild, und mir sind selbst manche der moralisch durchaus zweifelhaften Charaktere auch ans Herz gewachsen bzw. habe ich ihre Antriebe und Motivationen nachvollziehen können.

Das Schreckliche der Kriege, Diktaturen und Konzentrationslager des 20. Jahrhunderts nimmt einen großen Raum im Buch ein. Insbesondere geht es ausführlich um das bulgarische Lager Belene, in dem jede und jeder aufgrund des kleinsten Vergehens oder auch völlig unschuldig für Jahre landen konnte und in dem viele Menschen grausam ums Leben kamen. Insgesamt befasst sich das Buch, neben den Schrecken der beiden Weltkriege, viel mit der Zeit der kommunistischen Diktatur in Bulgarien samt Bespitzelung, Überwachung und Staatssicherheit: ein wichtiges und mir bisher nicht sehr bekanntes Thema, über das ich in diesem Buch viel gelernt habe. Man merkt, dass der selbst ursprünglich aus diesem Land stammende Autor sich ausführlich und auch, wie er im Nachwort anmerkt, anhand umfangreicher Quellen, mit diesem Thema auseinandergesetzt hat.

Auch sprachlich mochte ich das Buch sehr und insbesondere die tiefsinnigen Gedanken über das Mensch-Sein, das Verständnis für ihre Psyche sowie mythologischen Bezüge haben mir ausgezeichnet gefallen:

„In einer nahezu unbekannten Sprache so viel wie möglich über sich zu erfahren, war ein schwieriges Unterfangen. „Wo bin ich?“, fragte er so lange mit Worten und Gesten, bis der andere ihn verstand. „Bei mir“, antwortete dieser. Ja, das verstand er, aber was sollte er mit so einer Antwort anfangen? Wobei dieses „Bei mir“ zwar nicht zurück zu seinem früheren Leben geführt hatte, so doch eindeutig zurück ins Leben. Und überwältigt von dieser Erkenntnis, begann er zu weinen.“ (S. 125 im E-Book)

„Ein ganz klares Bild von ihm hatte sie nie in ihrem Kopf aufbewahrt, da sie es als reine Platzverschwendung empfand. Trotzdem wusste sie genau, welche Gefühle seine Präsenz im Raum in ihr geweckt hatte. Deswegen wusste sie genau, dass dieser Mann, der wie aus dem Nichts erschienen war, nicht Helmut war. Seine Augen hatten vielleicht die gleiche Farbe, aber ein Blick hinein hatte gereicht, um ein ganz anderes Licht, eine ganz andere Welt in ihnen zu entdecken.“ (S. 270 im E-Book)

„Sie verschaffte ihrer Tochter immer neue und neue Aufgaben, kümmerte sich darum, dass sie nicht lange Zeit allein mit ihren Gedanken blieb. Vierzig Tage nach der Geburt war jede Wöchnerin sehr gefährdet, denn sie befand sich zwischen der Welt der Ahnen und der Welt der Lebenden, zwischen Leben und Tod, zwischen Gott und Teufel. Ihre Seele hatte Zugang zu allen Welten.“ (S. 700 im E-Book)

Insgesamt ist es trotz all der dunklen Themen kein hoffnungsloses Buch: dafür sorgen die liebevoll gezeichneten Charaktere, die raschen Perspektivwechsel und die vielen fast humorvollen Situationen unwahrscheinlichen Glücks, in denen unsere Helden und Heldinnen doch noch einmal davonkommen und sich aus einer scheinbar ausweglosen Situation retten können, auch wenn ihnen bei weitem nicht alles Unheil erspart bleibt.

So bleibt mir nach mehreren Wochen intensiver Lesezeit ein tiefgreifendes emotionales Erlebnis zurück, das noch lange nachwirken wird. Für mich ist dieses Buch schon jetzt ein moderner Klassiker der Literatur, der sich auf unterhaltsame Weise mit vielen grundlegenden Themen des Mensch-Seins und europäischer Zeitgeschichte auseinandersetzt. Es gehört zu den wenigen Büchern, die ich jedenfalls noch ein weiteres Mal lesen möchte. Ich kann das Buch einer breiten Leserschaft nur wärmstens empfehlen!

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Veröffentlicht am 05.02.2026

Eindringlich, poetisch, aufrüttelnd!

Die Routinen
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Möchten Sie ein Buch lesen, wie Sie sicherlich noch keines gelesen haben?

Eines, in dem durch poetische Sprache und ein kunstvolles Umkreisen des Themas aus verschiedenen Perspektiven tief spürbar wird, ...

Möchten Sie ein Buch lesen, wie Sie sicherlich noch keines gelesen haben?

Eines, in dem durch poetische Sprache und ein kunstvolles Umkreisen des Themas aus verschiedenen Perspektiven tief spürbar wird, was alles falsch läuft im weiblichen Leistungssport, gezeigt am Beispiel des Geräteturnens?

Und sind Sie bereit, sich dafür auf ein anspruchsvolles, nicht linear erzähltes Werk einzulassen, das dafür aber mit einem ganz besonderen Leseerlebnis belohnt und gleichzeitig bildet und aufrüttelt?

Dann könnte "Die Routinen", das Romandebüt von Son Lewandowski, etwas für Sie sein. Es war für mich kein Buch, das inhaltlich schön zu lesen war (dafür ist das Thema zu aufwühlend), dafür habe ich die besondere Sprache umso bezaubernder gefunden.

Hier ein paar Zitate, die das veranschaulichen. Ich hätte aber auch jede beliebige Seite in dem Buch aufschlagen und ähnlich prägnante Formulierungen finden können, denn das ganze Buch ist voll davon:

"Und manchmal sind die Unfälle wirklich tragisch, aber sie sind nicht so tragisch, dass sich etwas verändern müsste. Sie sind nicht so tragisch, dass die Kampfrichter:innen ihre Bewertungsbögen beiseitelegen, aufstehen, zu dem Schwebebalken laufen, ihn abbauen und wegtragen. Hier wissen alle, worauf sie sich einlassen, denn dieser Ort ist kein Spielplatz mehr und zu jedem Element, das erfunden wird, wird der Unfall gleich miterfunden. Darauf haben wir uns geeinigt. Ein Kind, das manchmal bricht." (S. 51)

"Vera Caslavska gilt als die letzte große Turnerin, die eine Frau war. Bei den Olympischen Spielen in Mexiko-Stadt tritt sie ein letztes Mal an, da ist sie sechsundzwanzig Jahre alt. Mit ihr verschwindet eine Frau, die nicht nur turnte, sondern die Bühne der Olympischen Spiele auch gezielt für den politischen Protest nutzte.
Aber in der Umkleide der Geschichte warten schon, bumm bumm, Kinder, und machen sich bereit. Blauäugig sollen sie sein, von der Mutter die Augen.
Wer von euch kann ein Rad und wer von euch kann die Hymne mitsingen?
Sie sagen Mädels zu uns, wir sind Maschinen. Sie sagen Mädels zu uns, was sollen wir dagegen sagen? Wir sind Kinder, werden Kinder bleiben, und wenn wir uns wehren, holen sie ein neues Kind, das so lange Kind bleiben muss, wie es kann. Was sollen wir tun, außer zu turnen? Wir haben den Protest nie gelernt, denn so waghalsig unsere Körper auch aufgezogen werden, so zurückhaltend wächst der Rest." (S. 102)

„Wir sollen uns nackt fühlen, in jeder Pose. Man soll uns sehen, um jeden Preis. Wir machen uns übersichtlich, die Kleidung knapp, jede Bewegung gleich zu fassen und nach Vorschrift.“ (S. 130)

Diese eindringlichen Zitate zeigen schon, worum es im Kern des Buches geht und was die Autorin durch ihre Darstellung anprangert: Kinder weit vor der Pubertät kommen in die Mühlen des Leistungsturnens, werden dort erniedrigt, objektifiziert, verletzt, gebrochen, gedemütigt und oft genug auch sexuell missbraucht.

Das Buch weist eine besondere, stückhafte Erzählweise auf: es gibt die Ebene der fiktiven Turnerin Amik, die mit 32 Jahren am Ende ihrer Turnlaufbahn angekommen ist, zurückblickt, und eine seltsame, entfremdete Beziehung zu ihrer halb so alten Zimmergenossin Izzy aufweist.

Unterbrochen wird diese Geschichte von vielen historischen Einschüben und Informationen zur Geschichte des weiblichen olympischen Geräteturnens, in denen sich die ungute Entwicklung in diesem Bereich ebenfalls spiegelt und die zeigen, dass das, was Amik und Izzy erlebt haben, eben keine ausgedachten Einzelfälle in einem Roman sind, sondern dass diese Problematiken System haben im Leistungssport - vermutlich nicht nur im Geräteturnen.

Es ist ein subtil tief feministisches Werk, das die Missstände aufzeigt, unter denen ganz besonders Mädchen und Frauen in diesem Bereich zu leiden haben. All die Beispiele von Entfremdung und Missbrauch auf allen Ebenen sind zutiefst überzeugend. Man merkt, dass hier eine Autorin schreibt, die nicht nur sehr talentiert darin ist, sprachlich die Dinge auf den Punkt zu bringen, sondern auch weiß, wovon sie spricht: sie hat selbst Erfahrung in diesem Bereich und außerdem akribisch recherchiert, wie die ausführliche Bibliographie im Anhang zeigt.

Mir hat dieses Buch äußerst erhellend einen mir bisher unbekannten Bereich menschlicher Erfahrung nicht nur intellektuell, sondern auch emotional nahegebracht und es wird sich in die Liste der Werke einreihen, die ich sicher niemals komplett vergessen werde. Leseempfehlung für alle, die bereit sind, sich darauf einzulassen! Möge es auch die erreichen und sensibilisieren, die am nächsten dran und dadurch am besten in der Lage sind, an den Missständen in diesem Bereich etwas zu verändern: für Sport frei von Demütigungen und Missbrauch!

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Veröffentlicht am 28.01.2026

Eine feinsinnige Seelenerkundung einer Frau Anfang 60 an einem Wendepunkt

Die Liebe, später
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Es ist ein besonderes Glück, mit einem Werk der Literatur tief und authentisch in Lebenswelten, Alter und Lebensphasen abtauchen zu können, die man selbst noch nicht kennt, die jedoch so tiefsinnig und ...

Es ist ein besonderes Glück, mit einem Werk der Literatur tief und authentisch in Lebenswelten, Alter und Lebensphasen abtauchen zu können, die man selbst noch nicht kennt, die jedoch so tiefsinnig und sensibel geschildert werden, dass man sich den betreffenden Personen ganz nah fühlt, als wäre man in ihnen drinnen, in ihrem Kopf und in ihren Herzen. Ich selbst bin zum Zeitpunkt des Verfassens dieser Rezension erst 40 Jahre alt, doch interessiere ich mich für das Erleben und die Weisheit von Menschen in allen Lebensphasen.

Hier nun erzählt eine Autorin, die selbst Anfang 60 ist, von Kora. Kora, die bis vor kurzem so ein aktives Leben als Journalistin lebte, glücklich seit Jahrzehnten verheiratet mit Anselm, kinderlos, und bisher sehr beschäftigt mit ihrem Berufsleben. Für die Rente gab es gemeinsame Träume, doch die schienen eine noch nicht ganz so nahe Zukunft zu betreffen: bis Kora durch eine lebensbedrohliche Herzerkrankung samt Operation und Reha, beruflich gefolgt von einem Aufhebungsvertrag, genötigt wird, sich mit dem Thema eventueller vorzeitiger Ruhestand zu befassen. Das setzt eine ganze Kaskade an großen Lebensfragen in Gange: wie hat sie ihr Leben bisher gelebt? Wie blickt sie darauf zurück, wie ordnet sie bisherige Entscheidungen, Beziehungen, Beziehungsenden und Lebenswendungen im Nachhinein ein? Worüber ist sie glücklich, was bedauert sie? Und wie steht es eigentlich mit ihrer Beziehung mit Anselm, der - ein paar Jahre älter als sie - nun schon im Ruhestand ist und am liebsten den gemeinsamen Ruhestand genießen möchte? Was verbindet die beiden noch, und ist es genug, sie über die nächsten Jahrzehnte in Richtung höheres Alter miteinander zu tragen?

Es gibt zwei große Erzählstränge: einer, der von verschiedenen Episoden jener Kora handelt, die sich nach Operation und Rehabilitation tapfer zurück ins Leben und in die Funktionsfähigkeit gekämpft hat, und sich fragt, wie es nun weitergeht, mit ihrem Leben, ihrer privaten und beruflichen Zukunft, mit ihrer Beziehung mit Anselm. Und ein weiterer, "Orionzeit" genannt, in dem es speziell um Kora direkt in der Zeit der Herzoperation und unmittelbar danach geht.

Sprachlich ist das Buch äußerst sensibel und feinsinnig verfasst, mit einer tiefgreifenden Weisheit. Nicht nur fühlt man sich Kora sehr nahe, sondern es lädt auch dazu ein, über die großen existenziellen Fragen des Lebens, aber auch über die scheinbar kleineren Fragen unseres Alltags, unserer Begegnungen mit anderen Menschen, mit Freundinnen und Freunden, Kollegen und Kolleginnen, und unsere Partnerschaften nachzudenken. Darüber, was Nähe und Intimität ausmacht, und wo Lügen und Verschweigen beginnen, dazu beizutragen, Menschen voneinander zu entfernen. Ob und was sich wieder reparieren lässt in Beziehungen. Über natürliche Zyklen von mal mehr Nähe, mal mehr Distanz, über das Sich-Miteinander-Einrichten in einem gemeinsamen Leben in einer bestimmten Lebensphase und über das, was sich neu justieren und anpassen muss, wenn sich etwas Grundlegendes ändert. Die Autorin hat ein meisterhaftes Verständnisses für die menschliche Psyche und ihre Tiefen und schafft es, diese großartig und vielfältig in Worte zu fassen.

Insgesamt geht dieses fantastische Buch über gute Unterhaltung weit hinaus, weil es so tiefgreifende Lebensfragen stellt, die für Menschen jeglichen Alters, aber insbesondere für alle, die sich schon bereit für eine tiefere Reflexion des bisherigen und vielleicht noch kommenden Lebens fühlen, existenziell sind. Außerdem fördert es Empathie mit Menschen gegen Ende ihrer beruflichen Laufbahn und am Beginn ihres Ruhestandes und für solche nach lebensbedrohlichen Ereignissen.

Besonders gefallen wird dieses Buch jenen, die die Zeit und Ruhe haben, sich tief auf psychische Prozesse einzulassen. Das Buch lebt auch von seiner Tiefe und seinem ruhigen Tempo. Ich habe dieses tiefgründige Buch sehr geliebt und es wird mich gedanklich und emotional sicher noch lange begleiten.

Sehr empfehlenswert ist auch die Hörbuchversion, die sehr feinfühlig und authentisch vorgetragen wird, von einer Sprecherin mit einer angenehmen Stimme und einer passenden Modulation je nach Person und Stimmung, sodass sie einen auch akustisch tief in Koras Psyche, Erleben und Begegnungen mitnimmt.

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Veröffentlicht am 23.01.2026

Alltagstaugliche, gesunde Rezepte mit Appetit machenden Fotos

Keine Zeit? Kein Problem!
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Dieses Buch ist wie alle Bücher aus dem GU-Verlag optisch sehr ansprechend und liebevoll gestaltet. Es richtet sich an eine Zielgruppe von Menschen, die sich gerne gesünder ernähren möchten und bereit ...

Dieses Buch ist wie alle Bücher aus dem GU-Verlag optisch sehr ansprechend und liebevoll gestaltet. Es richtet sich an eine Zielgruppe von Menschen, die sich gerne gesünder ernähren möchten und bereit sind, dafür zumindest ein bisschen zu kochen, aber im Alltag wenig Zeit für aufwendige Gerichte finden. Zuerst gibt es eine kurze Einführung in die Basics einer gesunden und abwechslungsreichen Ernährung in der heutigen Zeit. Darauf folgt ein umfangreicher Rezeptteil.

Es finden sich sowohl Suppen, Salate als auch vegetarische Hauptspeisen, Fleisch- und Fischgerichte darin. Am Ende gibt es noch ein paar Frühstücks- und Snacksideen. Jedes Rezept ist ansprechend und mit einem eigenen Foto dargestellt, sodass man schon beim Durchblättern Lust darauf bekommt, die Rezepte bald auszuprobieren. Inhaltlich handelt es sich gemäß dem Konzept des Buches um relativ einfache, schnell zu kochende Rezepte mit Zutaten, die es in jedem Supermarkt gibt.

Mir gefällt an dem Buch besonders gut, dass die Rezepte sowohl gesund wirken als auch wirklich appetitanregend präsentiert sind und so gezeigt wird, dass gesunde Ernährung und Genuss keine Gegensätze sein müssen. Dazu finden sich an vielen Stellen noch viele kleine Tipps, um den Umstieg zu erleichtern, z.B. wird Pastaliebhabern empfohlen, mal zur Abwechslung und um die Speisen etwas gesünder zu machen zu Vollkorn- oder Dinkelpasta oder auch zu solcher aus Hülsenfrüchten zu greifen.

Für Menschen, die sich einfach für einen schnellen, unkomplizierten Einstieg in eine alltagstaugliche, gesündere Ernährungsweise interessieren, ist es auf jeden Fall ein empfehlenswertes Werk.

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