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Veröffentlicht am 17.02.2026

Mensch sein in dieser Zeit

Sommer 24
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Ich habe dieses Buch als Hörbuch gehört, gesprochen von Jens Harzer, also nicht vom Autor selbst. Am Anfang musste ich mich an die Stimme und Vorleseweise erst ein bisschen gewöhnen, wirkte sie für mich ...

Ich habe dieses Buch als Hörbuch gehört, gesprochen von Jens Harzer, also nicht vom Autor selbst. Am Anfang musste ich mich an die Stimme und Vorleseweise erst ein bisschen gewöhnen, wirkte sie für mich doch ziemlich melancholisch und ernst. Doch je länger ich zuhörte und mich mit dem Inhalt des Buches befasste, umso passender fand ich diesen Sprecher für genau dieses Buch.

Denn es geht um sehr ernste Themen. Um die Verfassung der Welt im Sommer 2024, und das persönliche Leben und die Freundschaften, Begegnungen, Beziehungen, Herausforderungen und Konflikte des Schriftstellers Navid Kermani, die in diesen Rahmen eingebettet sind. Es ist kein Roman, sondern eher eine persönliche Reflexion, und doch sehr spannend erzählt.

Es geht um eine Zeit, die geprägt ist vom Ukraine-Krieg und vom Überfall auf Israel und dem darauffolgenden Gaza-Krieg, dem Wiedererstarken autoritärer Kräfte in vielen Bereichen der Welt, aber gleichzeitig auch von den Nachwirkungen der Pandemie, von der MeToo-Bewegung, von dem Kampf um Freiheit in Iran, von dem amerikanischen Wahlkampf und von vielem mehr.

Einen großen Teil des Buches nimmt der innere Nachruf von Navid Kermani auf seinen verstorbenen Freund Rudolf ein. Rudolf war der in Deutschland lebende Sohn zweier jüdischer Holocaust-Überlebender und hat sich ein Leben lang an diesem Schicksal abgearbeitet. Nach dem 7. Oktober 2023 verhärtete sich seine Position zum Gaza-Krieg, darüber kam es zur Entfremdung der beiden Freunde, und zu einem letzten Treffen am Abend vor Rudolfs Freitod wegen schwerer Erkrankung. Differenziert denkt Navid Kermani über die Freundschaft und das Leben des Freundes nach, über das, was diesen geprägt hat, versucht, sich in diesen einzufühlen und bezieht doch auch eindeutig Stellung in Bezug auf das Leid der Menschen in Gaza.

Sein Werk werde stark von den Geschichten der Menschen geprägt, von dem, was ihm erzählt werde und davon, dass er einfühlsam zuhöre, so führt es der Autor aus. Doch mindestens einmal hat ihn dieses Thema auch in ein großes Dilemma geführt: vor 25 Jahren begegnete er in einer Kneipe der jungen Frau "Julia", die beiden tranken miteinander, nahmen auch Drogen, und sie erzählte ihm von der Vergewaltigung, die sie vor kurzem überlebt hatte - nicht wissend, dass er ein Schriftsteller sei und ihre Geschichte, verfremdet, aber doch ohne ihre Zustimmung, in einem seiner Romane verwenden würde.

Für diese Geschichte bekam der Autor erst einmal viel Lob, denn sie sei so überraschend authentisch erzählt, und das von einem Mann, doch viele Jahre später kam sie auch "Julia" unter, sie fühlte sich erkannt, und, wie sie in einem Brief an ihn schrieb, wie ein zweites Mal vergewaltigt.

Dieser Brief erreicht den Autor aus einer psychiatrischen Klinik, in der sich die Frau zu diesem Zeitpunkt befindet. Der Autor fühlt sich erschüttert und angegriffen, kann überhaupt nicht nachvollziehen, wie "Julia" seine Geschichte über sie mit einem physischen Übergriff gleichsetzen könne, hat Angst vor Verleumdung und Konsequenzen für seine schriftstellerische Karriere, will wissen, ob ihm diesbezüglich juristisch etwas droht, und sucht "Julia" in der Klinik auf. Diesen Teil habe ich als ambivalent empfunden und aus weiblicher Sicht lange nicht verstehen können, wie diesem sonst durchaus einfühlsamen Mann erst so spät, und nach einem Gespräch mit einer weiteren Frau, dämmert, wie übergriffig sein Verhalten gegenüber einem Vergewaltigungsopfer war. Hier zeigt sich der Autor also nicht nur als Sympathieträger, doch genau das macht ihn mir wiederum sympathisch, denn es ist ehrlich, echt und reflektiert, und im Laufe der Geschichte wird klar, dass er schon ernsthaft verstehen und mitfühlen möchte.

Das macht überhaupt für mich die herausragende Qualität dieses Buches aus: wie sich der Autor darin als ganzer Mensch mit all seinen Facetten zeigt: mit seiner Persönlichkeit, seinen Eitelkeiten und Verwundbarkeiten, auch mit seiner eigenen Geschichte als Sohn persischer Migranten (auch deren Nähe zu Ayatollah Khomeini ist ein Thema, das er beleuchtet und kritisch hinterfragt). Diese Ehrlichkeit, sich so offen als Mensch in der Öffentlichkeit zu zeigen, nötigt mir tiefen Respekt ab, denn das erfordert sicher viel Mut.

Entstanden ist dadurch ein sehr intelligentes, kritisch hinterfragendes und zu vielfältigenden Themen der aktuellen Zeit, von denen ich in dieser Rezension nur ein paar exemplarisch erwähnt habe, zum Nachdenken anregendes Buch, das ich allen an Politik, Geschichte, Psychologie und Zeitgeschehen interessierten Menschen nur wärmstens empfehlen kann, auch in der Hörbuchausgabe des Argon Verlags. Viele der darin geäußerten klugen Gedanken werden mich sicherlich noch länger begleiten.

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Veröffentlicht am 16.02.2026

Empfehlenswerter Roman zum Thema Eltern-Werden durch Adoption

Hätt ich ein Kind
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In "Hätt' ich ein Kind", dem neuen Roman von Lea Streisand, geht es um Kathi, 35 Jahre alt, die seit mehreren Jahren mit David zusammenlebt und sich sehnlichst mit ihm ein Kind wünscht. Doch auf biologischem ...

In "Hätt' ich ein Kind", dem neuen Roman von Lea Streisand, geht es um Kathi, 35 Jahre alt, die seit mehreren Jahren mit David zusammenlebt und sich sehnlichst mit ihm ein Kind wünscht. Doch auf biologischem Weg ist es aussichtslos, die Frauenärztin verkündet ihr die niederschmetternde Diagnose vorzeitiger Wechseljahre und dass es mit ihren eigenen Eizellen nichts mehr werden würde. Niedergeschlagen begibt sich das Paar auf den langen Weg hin zur Adoption.

Sehr gut gefallen hat mir, dass der steinige und nur manchmal mit Erfolg verbundene Weg der Adoption sehr realistisch dargestellt wird: schon, um als Adoptionswerber in Betracht zu kommen, muss eine aufwendige Prozedur auf sich genommen werden, und darauf folgt erst einmal eine jahrelange Wartezeit in Ungewissheit, ob es jemals klappen könnte mit der Vermittlung eines Adoptivkindes. Denn es gibt nicht viele davon und es werden Eltern für Kinder gesucht, nicht umgekehrt.

In dem Buch begleiten wir das sympathische Paar auf diesem Weg. Toll ist, wie Kathi sich trotz des eigenen Unglücks mit ihrer besten Freundin über deren Schwangerschaft freuen kann und sie liebevoll dabei begleitet. Überhaupt waren es sehr sympathische, freundliche und reflektierte Charaktere, deren Schicksal ich sehr gerne in diesem unterhaltsamen und leicht zu lesenden, gleichzeitig aber realistisch dargestellten Buch miterlebt habe.

Ich kann das Buch allen, die sich eine gute Unterhaltung mit durchaus so einigen tiefsinnigen Gedanken zum Thema Wahlverwandtschaft und Elternschaft wünschen, aber auch allen, die sich für das Thema Adoption interessieren, sehr empfehlen - es hat mein Herz berührt.

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Veröffentlicht am 14.02.2026

Tiefgründige philosophische Kurzgeschichten

Der Fluss der Zeit
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Der Schweizer Philosoph, Autor und langjährige Universitätsprofessor Peter Bieri hat unter dem Künstlernamen Pascal Mercier umfangreiche und tiefgründige Romane wie "Nachtzug nach Lissabon", "Perlmanns ...

Der Schweizer Philosoph, Autor und langjährige Universitätsprofessor Peter Bieri hat unter dem Künstlernamen Pascal Mercier umfangreiche und tiefgründige Romane wie "Nachtzug nach Lissabon", "Perlmanns Schweigen" oder "Das Gewicht der Worte" veröffentlicht. Nach seinem Tod im Jahr 2023 wurden in seinem Nachlass noch einige unveröffentliche Kurzgeschichten gefunden, die der Hanser Verlag nun in diesem Sammelband herausgegeben hat.

Die Geschichten sind jeweils aus der Sicht verschiedener, nicht mehr ganz junger Männer, geschrieben und es geht um Themen wie Erinnerung, Vergänglichkeit, Rückschau auf das eigene Leben, Freundschaften auf Augenhöhe, Abschied nehmen und Wandel.

Sehr berührend wird zum Beispiel geschildert, wie ein Mann nach vielen Jahren von einem Haus, das ein Jahrhundert im Familienbesitz war, Abschied nehmen muss, als er es an ein jüngeres Paar verkauft hat, und wie das Paar genau spürt, wie schwer ihm das fällt:

"Er berührte jeden Schlüssel kurz mit dem Zeigefinger, dabei verrutschte einer, und er schob ihn sachte zurück. "Liebevoll", sagte Anna später darüber, "es lag seine ganze Liebe zu dem Haus in der Bewegung, ich musste schlucken". Prager sah unsere Blicke. "Es sind halt meine Schlüssel", sagte er. "Oder waren es". (S. 10)

In einer weiteren Geschichte geht es um ungleiche Freundschaften und darum, was es mit uns macht, wenn ein Freund dem anderen ein großes Geschenk macht - eine komplette Eigentumswohnung - für das sich der andere nicht in gleichem Ausmaß revanchieren kann. Hier sehen wir, wie an vielen weiteren Stellen, wie der Autor komplexe philosophische und psychologische Gedankengänge geschickt und allgemeinverständlich in seine Geschichten eingebaut hat:

"Er machte eine Pause und wir spürten, dass nun etwas kam, ein Gedanke, den er sich langsam und mühsam erobert hatte: "In der ersten Zeit dachte ich und wachte mit dem Gefühl auf: Das ist die Freiheit. Ich ging in der Wohnung herum und pfiff. Doch in den letzten Wochen habe ich verstanden: Es ist nicht die richtige Art von Freiheit. Ich lege es mir so zurecht: Es gibt die Freiheit von außen: Die Wohnung gehört mir, niemand kann mich verjagen. Und es gibt die Freiheit von innen: Ich muss niemandem dankbar sein. Ich will die eigene Freiheit zurück." (S. 32)

Dann gibt es in einer weiteren Erzählung einen älteren Mann, der auf den entscheidenden Befund wartet, der ihm mitteilen wird, ob er an einer schweren Krankheit leidet oder doch gesund ist. Einen weiteren Mann, der sehr lärmempfindlich ist, mit seinem Stiefsohn einen unerbitterlichen Machtkampf austrägt und es am Ende nicht mehr aushält. Und schließlich ein Mann, der nach 40 Jahre in die Gegend seiner Studentenzeit zurückkehrt und in Erinnerungen schwelgt.

Im Vordergrund stehen also ältere Männer und ihre Lebensthemen. Diese werden vom Autor psychologisch äußerst treffend und sensibel dargestellt, sodass man tief in die Seele der Charaktere hineinblicken kann, sich verbunden fühlt und selbst beginnt, über tiefsinnige Themen des eigenen Lebens nachzudenken.

Dramaturgisch sind die Erzählungen ebenfalls von hoher Qualität, ziehen die Leserinnen und Leser sofort in ihren Bann und sind spannend und berührend erzählt, ohne ein überzähliges Wort.

Dieser Erzählband beweist, dass es sich beim Autor um einen herausragenden Schriftsteller handelt. Ich empfehle ihn, neben allen bisherigen Fans seiner Bücher, auch allen, die noch nichts von diesem Autor gelesen haben: das kleine, kurze Büchlein ist ein sehr guter Einstieg in sein Werk, um beurteilen zu können, ob man mehr von ihm lesen möchte. Ich werde das jedenfalls tun.

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Veröffentlicht am 12.02.2026

Niederschwellige und persönliche Einführung in das Thema

Ganz normal medial
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Für Vanessa Spaleck sind Jenseitskontakte etwas ganz Normales. Schon seit ihrer Kindheit verfügt sie nach eigenen Angaben über mediale Fähigkeiten, die sie aber außerdem durch Ausbildungen in diesem Bereich, ...

Für Vanessa Spaleck sind Jenseitskontakte etwas ganz Normales. Schon seit ihrer Kindheit verfügt sie nach eigenen Angaben über mediale Fähigkeiten, die sie aber außerdem durch Ausbildungen in diesem Bereich, etwa am Arthur Findley College in Großbritannien, ausgebaut und professionalisiert hat. Ein seriöser Zugang ist ihr wichtig, genauso wie das Aufräumen mit Vorurteilen und Mythen und das Differenzieren dessen, was in diesem Bereich denn wahrgenommen werden kann.

So unterscheidet die Autorin etwa zwischen sensitiven und medialen Fähigkeiten: während erstere sich auf eine energetische Wahrnehmung im Bereich des Materiellen hier auf der Erde bezieht, etwa auf andere Menschen oder auf Gegenstände oder Orte, geht es bei zweiteren um Kontakte mit Verstorbenen aus der eigenen Ahnenlinie, Bekannten und Freunden oder den eigenen Geistführern oder -helfern.

Wer selbst seine Fähigkeiten in diesem Bereich entwickeln möchte, für den gibt es fundierte Anleitungen für geführte Meditationen, die entweder im Buch selbst gelesen werden können - oder man nützt den angegebenen QR-Code, um Zugang zu einer gesprochenen Audio-Meditation zu bekommen. Im Grunde geht es als Basis darum, erst einmal die eigene Energie gut kennen und wahrnehmen zu lernen, um diese dann bewusst erhöhen zu können, um sich auf Ebenen zu begeben, in denen medialer Kontakt nach Angaben der Autorin möglich ist.

Wenn man sich für den Zugang, den die Autorin beschreibt, öffnet, kann das Buch außerdem Ängste vor dem Sterben nehmen, da sie aus ihren Erfahrungen mit Jenseitskontakten die Zeit danach als eine friedliche Reflexionsphase beschreibt.

Insgesamt ist "Ganz normal medial" ein herzlich und persönlich geschriebenes und gleichzeitig fundiertes, gut verständliches und ansprechendes Buch, das ich jenen, die sich für diesen Bereich interessieren, auf jeden Fall empfehlen kann.

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Veröffentlicht am 09.02.2026

Interessanter humoristischer Ausflug eines Comedians in die Manosphere

Alpha-Boys
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Aurel Mertz ist mit starken Frauen aufgewachsen und hat von klein auf die Power von Mama, Schwester, Oma erlebt, genauso wie einen progressiv eingestellten Vater. So hat er im Erwachsenenalter mit Erstaunen ...

Aurel Mertz ist mit starken Frauen aufgewachsen und hat von klein auf die Power von Mama, Schwester, Oma erlebt, genauso wie einen progressiv eingestellten Vater. So hat er im Erwachsenenalter mit Erstaunen das Erstarken sehr konservativer, längst überwunden geglaubter Männlichkeitsideale in vielen Gesellschaften bemerkt.

Mir ist der Autor sehr sympathisch und man merkt ihm an, dass er sich - vielleicht auch aufgrund eigener Marginalisierungs- und Diskriminierungserfahrungen als PoC mit einem ghanaischen Großvater - selbst schon viel Perspektiven jenseits derer weißer, mächtiger Männer auseinandergesetzt hat.

Neugierig und humorvoll begibt er sich in diesem Buch auf die Spuren der sogenannten "Manosphere", beschäftigt sich mit Donald Trump genauso wie mit der Incel- und Red-Pill-Bewegung, mit Pick-Up-Artists, dem konservativen kanadischen Psychologen und Influencer Donald Peterson oder einem Männlichkeitsmentor, der im balinesischen Dschungel ein Camp für angehende Alphamänner veranstaltet.

Authentisch und humorvoll analysiert der Autor, was in diesen Bereichen der Gesellschaft los ist, welche Männlichkeitsideale dort vertreten werden und was die Auseinandersetzung damit mit ihm selbst als Mann mit progressiven, linken Einstellungen macht.

Wer sich noch nicht viel mit diesen Trends beschäftigt hat, bekommt durch dieses Buch interessante Impulse, wo man näher hinschauen könnte, um diese kontroverse Zeitgeistbewegung besser zu verstehen. Ansonsten ist es aber auch einfach eine unterhaltsame Lektüre bzw. in der Audioversion ein vom Autor selbst humorvoll vorgetragenes unterhaltsames Hörbuch, das ich empfehlen kann.

Im Nachwort erwähnt er übrigens, dass er das auf dem Cover sichtbare Tierschutzkätzchen gemeinsam mit einem zweiten Kätzchen adoptiert hat: ein weiterer Sympathiepunkt für den tierlieben Autor, Sprecher und Comedian.

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