Ein Paradebeispiel für Honne und Tatemae
Richtig gutes EssenDie Kommunikation in Japan basiert stark auf dem Konzept von Honne, den wahren Gefühlen und inneren Gedanken, und Tatemae, der höflichen, harmoniebedachten Fassade.
Diese Art der Kommunikation wurde über ...
Die Kommunikation in Japan basiert stark auf dem Konzept von Honne, den wahren Gefühlen und inneren Gedanken, und Tatemae, der höflichen, harmoniebedachten Fassade.
Diese Art der Kommunikation wurde über Jahrhunderte hinweg kultiviert, auch bedingt durch das Dasein als Inselnation mit ewig geschlossenen Grenzen. In diesem Buch lassen sich die Feinheiten wunderbar herauslesen.
Zunächst bekommen wir einen schönen Einblick in die Arbeitskultur Japans: Überstunden gehören zum guten Ton, gemeinsam etwas essen gehen oder nach Feierabend trinken ist Standard, Konflikte werden nach Möglichkeit vermieden um die Harmonie zu wahren.
Ashikawa verkörpert hier die "perfekte japanische Frau", während Oshio unkonventioneller ist und mit Tatemae bricht. Ihre Rebellionen und ihr Bedürfnis, ihre wahren Gedanken zu äußern, sind trotzdem noch klein und im sicheren Rahmen, trotzdem wird der Kontrast zu Ashikawa schön deutlich. Zwischen diesen Gegensätzen befindet sich Nitani, bei dem wir verfolgen können, wie sich seine wahren Gefühle innerlich anstauen, jedoch immer wieder von Tatemae blockiert werden.
Als Leser kann man sich durchaus in manchen Situation wiedererkennen, über andere Gedanken der Charaktere jedoch wiederum nur den Kopf schütteln. Eine wirkliche Beziehung baut man zu ihnen nicht auf, vielmehr wirkt das Buch wie eine Studie der japanischen Kommunikation in skurriler Romanform. Dazu mischen sich Themen wie philosophische Gedanken über Essen, Kriterien bei der Partnerwahl und Arbeitsmoral.
Ich würde das Buch denjenigen empfehlen, die auch gerne mal zwischen den Zeilen lesen und sich für die Feinheiten der japanischen Kultur interessieren.