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Veröffentlicht am 02.03.2026

Eindrücklicher, aktueller und vor allem wichtiger Roman - nicht nur für Jugendliche

Up in Smoke - Was tust du, wenn die Wahrheit nicht zählt?
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Cooper wächst als Schwarzer Junge in D.C. auf, er ist vernünftig und lässt sich nicht von Bandenkriminalität und Verbrechen der armen Bevölkerung anstecken. Bei einer "Black Lives Matter"-Demonstration, ...

Cooper wächst als Schwarzer Junge in D.C. auf, er ist vernünftig und lässt sich nicht von Bandenkriminalität und Verbrechen der armen Bevölkerung anstecken. Bei einer "Black Lives Matter"-Demonstration, die eigentlich friedlich verlaufen soll, lässt er sich von seinem besten Freund Jason gemeinsam mit zwei anderen Jugendlichen dazu überreden, ein Geschäft mit teurer Markenkleidung zu plündern. Cooper ist von Anfang an nicht wohl bei der Sache. Die Gruppe verliert sich im Chaos als Schüsse zu hören sind. Jason gerät unter Mordverdacht und wird festgenommen. Cooper und Jasons Schwester Mo, für die Cooper schon lange schwärmt, glauben an seine Unschuld und sind entschlossen, den wahren Täter zu finden. Dabei geraten sie immer weiter in Gefahr.

Ich hatte von Nick Brooks noch nichts gelesen und war umso gespannter auf sein neuestes Buch, das passend zum Black History Month erscheint. Und ich bin begeistert!
Direkt zu Beginn ist man mitten im Geschehen als sich die Gruppe auf den Weg zur Demonstration macht. Die Kapitel sind meist abwechselnd aus der Ich-Perspektive von Cooper und Mo geschrieben, was der Geschichte unheimlich viel Dynamik und tiefe Einblicke in die Gefühlswelten und Gedanken der Protagonisten gibt. Cooper hat sich nie etwas zu schulden kommen lassen, beim Lesen merkt man schnell, dass er auf der guten Seite steht und vertrauensvoll, aber auch vorsichtig nach dem Tod seiner Mutter durchs Leben geht. Er gerät nicht, wie viele Schwarze Jugendliche in D.C., auf die schiefe Bahn, dennoch hadert er mit seiner Zukunft und wofür er mit ganzem Herzen brennt. Im Gegensatz dazu lernt man Mo kennen, die mit beiden Beinen im Leben steht und weiß, was sie möchte. Sie hält auf der Demonstration eine Rede und kämpft für Gerechtigkeit und Frieden - ein Vorbild für viele Leser:innen, wenngleich sie an manchen Stellen auch als zu glatt und vollkommen beschrieben wird.

Die beiden Jugendlichen decken einige Geheimnisse auf, die von Polizeigewalt bis zu Korruption reichen und diese wichtigen Themen verwebt der Autor hier gekonnt zielgruppengerecht und authentisch. Generell werden sowohl die Protagonisten als auch die Nebenfiguren ehrlich und authentisch dargestellt. Nick Brooks hat mit "Up in Smoke" einen eindrücklichen, aktuellen und mehr als wichtigen Roman geschrieben, der leider erschreckend nah an der Realität spielt und deshalb umso mehr Aufmerksamkeit verdient. Unbedingte Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 26.02.2026

Grandiose Fortsetzung - emotional, zauberhaft und mitreißend!

Jenseits des Ozeans
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Linus Baker und Arthur Parnassus leben gemeinsam mit den magisch begabten Kindern auf der Insel Marsyas. In Linus hat Arthur seine große Liebe gefunden und es könnte nicht besser für die Gruppe laufen. ...

Linus Baker und Arthur Parnassus leben gemeinsam mit den magisch begabten Kindern auf der Insel Marsyas. In Linus hat Arthur seine große Liebe gefunden und es könnte nicht besser für die Gruppe laufen. Arthur kämpft auch weiterhin für die Rechte von magisch Begabten und begibt sich damit in große Gefahr, denn mit der Aufnahme eines weiteren Kindes und immer mehr dunklen Geheimnissen aus Arthurs Vergangenheit droht sein Traum von einem freien und gerechten leben für alle magisch Begabten zu zerplatzen.

Nachdem ich den ersten Band GELIEBT habe, hatte ich etwas Angst, dass der zweite Band meinen Erwartungen nicht gerecht wird - völlig zu Unrecht, denn "Jenseits des Ozeans" ist eine grandiose Fortsetzung!
Durch den für den Autor typischen leb- und bildhaften Schreibstil ist man als Leser wieder sofort im Geschehen als hätte man sofort weiter gelesen nach dem ersten Band. Sowohl die Charaktere als auch Situationen und die Umgebung werden so detailliert beschrieben, dass ich erneut das Gefühl hatte, selbst mitten drin zu sein. Einige Passagen ziehen sich in die Länge, z.B. die Anhörung Arthurs beim Ministerium, was der Geschichte aber keinen Abbruch tut.
Die Message ist auch hier wieder klar und der Autor versteht sein Handwerk, dies auch zu verarbeiten: jeder Mensch verdient Respekt und Freiheit, egal, wie man aussieht oder an was man glaubt. Das Herzstück der Geschichte sind wie immer die magisch begabten Kinder, die auch in diesem Band weit über sich hinaus wachsen und die man einfach ins Herz schließen muss. Von der Handlung möchte ich gar nicht zu viel erzählen ohne zu spoilern, aber es lohnt sich, sich erneut auf eine Reise zur Insel Marsyas zu begeben. Man wird belohnt mit Liebe, Emotionen, Kampfgeist, Freiheitsdrang und noch vielem mehr und das in einer grandiosen Geschichte verarbeitet. Absolute Leseempfehlung für dieses Herzensbuch!

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Veröffentlicht am 18.02.2026

Wunderbarer Roman über Wien, Freundschaft und die Liebe - mit unerwarteten und tollen Wendungen

Eine Melange zum Verlieben
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Katie ist Anfang dreißig und kellnert im "Schopenhauer", einem Café in Wien, fünf Tage die Woche. Eigentlich sollte sie sich auf ihre Doktorarbeit konzentrieren, nach der Trennung ihres Ex-Freundes allerdings ...

Katie ist Anfang dreißig und kellnert im "Schopenhauer", einem Café in Wien, fünf Tage die Woche. Eigentlich sollte sie sich auf ihre Doktorarbeit konzentrieren, nach der Trennung ihres Ex-Freundes allerdings sieht sie sich dazu nicht in der Lage. Jeden Nachmittag kommen ihre beiden Freundinnen Elena und Lisi ins "Schopenhauer". Als eines Tages ein ziemlich gutaussehender Mann mit einem Aktenkoffer das Café betritt, ist es um Katie geschehen. Die beiden werfen sich Blicke zu, unterhalten sich immer nur kurz und Katie muss sich fragen: will sie das Geheimnis um "El Sol", wie ihn die drei Freundinnen getauft haben, wirklich lüften oder sich lieber ihren Tagträumen hingeben?

Ich habe mir das Buch auf der Frankfurter Buchmesse 2025 gekauft, das Cover versprüht direkt gute Laune und viel Humor, der Untertitel "Kaffeehaus-Romanze" passt perfekt dazu. Ein klischeehaftes Wohlfühlbuch ist es aber ganz und gar nicht, ich war mehr als überrascht nach dem Lesen - und sehr begeistert!
Direkt zu Beginn ist man mittendrin im "Schopenhauer", man lernt Katie und ihre Freundinnen kennen, denen ich mich sofort anschließen würde und ebenfalls an der Theke einen Kaffee mit ihnen trinken würde. Auch wenn die drei sich stets nur im Café treffen, wird direkt eine tiefe Verbundenheit und Freundschaft spürbar. Für jeden Stammgast haben die drei einen Spitznamen und deren Eigenheiten und Routinen werden so herrlich amüsant beschrieben, dass ich mich im Café sofort wohl gefühlt habe und mir alle Charaktere bildlich vorstellen konnte.
Der Erzählstil ist angenehm zu lesen und immer wieder angelehnt an den Wiener Dialekt - auch ich hatte, wie die Protagonistin Katie als "Piefkinesin", manchmal Probleme, jedes Wort zu verstehen oder korrekt auszusprechen. Der Dialekt passt aber perfekt in das Ambiente des Cafés (das tatsächlich in Wien existiert). Katie wirkt direkt unglaublich sympathisch, auch wenn kellnern nicht ihr Traumjob ist, merkt man, dass sie mit Herzblut und Liebe zum Detail dabei ist. Immer wieder werden auch Songtexte, passend zu ihrer Doktorarbeit darüber, mit in den Text eingebunden, was sehr gut in die Handlung passt und das Ganze wunderbar auflockert.
Vor allem der ominöse "Unbekannte", der zu Beginn der Geschichte ins Café kommt, bringt die nötige Spannung in die Geschichte und auch ich konnte mir irgendwann alles vorstellen, wie Katie, Elena und Lisi, was es mit ihm auf sich haben könnte: Geheimagent? Psychologischer Berater? Mafioso? Alles scheint möglich und gerade die nötigen Schubser von Elena und Lisi, die Katie braucht, um dem Unbekannten irgendwie näher zu kommen, haben mir sehr gut gefallen.
Bis hierhin dachte ich noch, dass die Geschichte entspannt vor sich hin verläuft, das Ende kennt man aus anderen Wohlfühlbüchern. Aber im letzten Drittel nimmt das Buch ungewohnt schnell an Fahrt auf und man liest gespannt weiter. Die Spannung steigert sich und die Handlung läuft weg von der klassischen Romanze hin zu einer spannenden Wendung. Über das Ende möchte ich gar nicht viel sagen, außer: ich war sehr überrascht, aber auch sehr begeistert.

Die Autorin versteht ihr Handwerk und hat hier einen wundervollen Debütroman geschrieben, der viel mehr Aufmerksamkeit verdient. Cover und Klappentext lassen nicht erahnen, welch tolle Geschichte sich dahinter verbirgt: es geht um das Leben in Wien, die Suche nach sich selbst und was man vom Leben möchte, Freundschaft und natürlich um die Liebe, die bei den Freundinnen unterschiedlich aussieht. Von mir gibt es eine absolute Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 10.02.2026

Wichtiges und aufwühlendes Buch über ein Leben ohne Privatsphäre in den sozialen Medien

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Die siebzehnjährige Sherry landet in einem Programm für straffällige Jugendliche in der Sächsischen Schweiz. Davor war sie ein Internet-Star: gemeinsam mit ihren Eltern stand sie seit ihrer Adoption als ...

Die siebzehnjährige Sherry landet in einem Programm für straffällige Jugendliche in der Sächsischen Schweiz. Davor war sie ein Internet-Star: gemeinsam mit ihren Eltern stand sie seit ihrer Adoption als Baby vor der Kamera für die sozialen Medien. Ihre Eltern haben dort alles gezeigt: von Krankheiten über das erste Mal verliebt sein bis zu Videos im Bikini und in Unterwäsche. Kann Sherry nach all dieser ungewollten Aufmerksamkeit in dem Programm, wo sie keiner kennt, endlich zu sich selbst finden?

Das Buch schildert eindrücklich und ungefiltert ein gefährliches Problem unserer digitalen Zeit und welche Risiken das dauerhafte Auftreten und Präsentieren in den sozialen Medien haben kann. Die Geschichte wird aus Sherrys Ich-Perspektive erzählt: ungefiltert und ungeschönt lässt sie uns an ihren Gedanken teilhaben. In Rückblenden werden Videos der Familie beschrieben, die ihre Eltern im Internet hochgeladen haben. Man merkt sofort, was in dieser Familie gewaltig schief läuft. Die minderjährige Sherry muss, oft gegen ihren Willen, vor die Kamera, denn die Follower wollen versorgt werden. Besonders schwer zu ertragen sind die Kommentare unter den Videos, die ebenfalls im Buch vorkommen. Ungeniert schlägt der Familie der Hass entgegen und auch Sherry, die noch ein Kind ist, wird ungefragt kommentiert.
Sherry selbst macht eine bemerkenswerte Entwicklung durch und lernt sich das erste Mal in ihrem Leben selbst kennen. Auch die Nebenfiguren wie die anderen Jugendlichen im Programm und das Personal dort werden toll und detailliert beschrieben. Sherry ist mir sofort sympathisch gewesen, sie kämpft für Normalität, die sie so verdient hat und die doch nicht selbstverständlich ist. Die Eltern Anton und Merle haben mich durchweg fassungslos und wütend zurückgelassen. Profit und Erfolg stellen sie über dem Wohl von Sherry unter dem Deckmantel, dass Sherry es ja so gut hat, viele Freunde und tolle Kooperationen mit Marken.

Das Buch macht wütend und fassungslos, gleichzeitig gibt es dem Leser aber auch Mut, denn Sherrys Entwicklung zeigt, dass man heilen kann, wenn man als Mensch gesehen und respektiert wird. Aktueller denn je hat Basma Hallak ein aufrüttelndes und zutiefst ehrliches Jugendbuch geschrieben, das mehr Aufmerksamkeit bekommen sollte. Unbedingte Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 29.01.2026

Absolute Leseempfehlung für diese besondere Geschichte, die nachhallt

Treppe aus Papier
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Ein Haus, das Ende des 19. Jahrhunderts gebaut wird, erzählt die Geschichte seiner Bewohner. Aus seiner Sicht lernen wir Menschen kennen, wie sie sich streiten, leben, denken und fühlen. Dem Haus bleibt ...

Ein Haus, das Ende des 19. Jahrhunderts gebaut wird, erzählt die Geschichte seiner Bewohner. Aus seiner Sicht lernen wir Menschen kennen, wie sie sich streiten, leben, denken und fühlen. Dem Haus bleibt fast nichts verborgen, es überdauert und erzählt von Gegenwart und Vergangenheit. In der Gegenwart schreibt Nele, die mit ihren Eltern im Haus wohnt, bald eine Geschichtsklausur zum Thema Naionalsozialismus. Zufällig begegnet sie der 90-jährigen Irma im Haus und sie erfährt von ihrer Vergangenheit in der NS-Zeit. Nele kommt immer mehr ins Grübeln: was weiß sie von ihrer Familie aus dieser Zeit? Auch Irma stellt sich der Vergangenheit, wegen der sie sich immer noch schämt.

Es gibt sie noch, diese Bücher, die ganz besonders sind und nachhallen, die man gar nicht beenden möchte, weil man direkt merkt, dass die Geschichte besonders ist. Ganz besonders ist die Erzählperspektive des Hauses. Es erzählt in der Wir-Form, denn es sind viele: Fenster, Treppen, Wände, Türen usw. Die Handlung reicht von ungefähr 1920 bis in die Gegenwart und wir erfahren alles aus der fast schon allwissenden Sicht des Hauses.
Dem Autor gelingt mit dieser besonderen und einmaligen Erzählperspektive und seinem Schreibstil, den Leser eintauchen zu lassen in Vergangenheit und Gegenwart. Beides vermischt sich, oft auf einer Seite oder satzweise abwechselnd. Stakkatoartig werden Ereignisse oder Dinge runter erzählt, dann wieder fast poetisch beschrieben. Dieser abwechslungsreiche Schreibstil macht das Lesen zu einem Vergnügen. Oft dachte ich beim Lesen, dass die Welt ein kleines bisschen besser wäre, wenn alle Menschen mehr denken würden wie das Haus, das erzählt - offener, toleranter und aufmerksamer.
Neles Gefühlwelt wird ebenso hervorragend beschrieben wie der Zwiespalt, den Irma fühlt. Ebenso die wichtigen Thema des Nationalsozialismus und das Vergessen werden toll eingebaut. Auf der einen Seite ist Nele, die wissbegierig ist, hinterfragt, infrage stellt. Auf der anderen Seite ihre Eltern, die stets betonen, ihre Familien hätten in der NS-Zeit nicht auf der falschen Seite gestanden und Neles Fragen abtun als unwichtig - ein grandioses Beispiel, wie in der heutigen Zeit mit dem Thema Nationalsozialismus in zwei unterschiedliche Richtungen umgegangen wird.

"Treppe aus Papier" ist für mich ein wichtiges, aktuelles und spannendes Buch, das mit seiner Erzählperspektive, seinem Schreibstil und der Handlung auf ganzer Linie überzeugt. Unbedingt lesen!

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