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Veröffentlicht am 10.02.2026

Die Rache eines gefangenen Bauern im dreißig Jährigen Krieg

TINTE und SCHWERT, Sonderedition
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Im Bachthal, einem kleinen Ort im Umfeld zu Würzburg, wächst Jacob als katholischer Bauernsohn auf. Durch Förderung des örtlichen Pfarrers lernt er lesen und schreiben, und soll eine Ausbildung zum Priester ...

Im Bachthal, einem kleinen Ort im Umfeld zu Würzburg, wächst Jacob als katholischer Bauernsohn auf. Durch Förderung des örtlichen Pfarrers lernt er lesen und schreiben, und soll eine Ausbildung zum Priester beginnen. Doch im letzten Sommer vor Beginn, wird Jacob im Zuge eines Überfalls verschleppt und Teil eines Söldnertrupps, der nach Böhmen unterwegs ist. Heinrich von Hohenfels ist der skrupellose Kommandant dieses Trupps der sich als Söldner General Mansfeld anschließen möchte. Auch in seiner Zeit als Schanzknecht bei der Belagerung der Stadt Pilsen schwört Jacob Rache an seinen Angreifern und Mördern seiner Familie. Eine schwierige Aufgabe mit vielen Hindernissen.

Der Autor erzählt die Geschichte im Großen und Ganzen aus drei Blickwinkeln – man folgt Jacob, Heinrich von Hohenfels und General Mansfeld auf ihren Erlebnissen um die Zeit Belagerung der Stadt Pilsen. Während Mansfeld und Heinrich von Hohenfels ihrem Charakter grundsätzlich sehr treu bleiben und beständig handeln, wenn auch nicht sehr sympathisch, macht Jacob die größte Entwicklung durch. Von einem unscheinbaren, aber talentierten Bauernjungen, der von anderen Burschen drangsaliert wird, gewinnt er Kraft durch den Wunsch Rache auszuüben. Ist er von seinen Erfahrungen, dem Glauben und seiner Herkunft geprägt, erfährt er auch auf Grund des Dienstes als Schanzknechts und der rauen Realität des Krieges eine Verwandlung. Seine bisherigen Glaubenssätze und Moralvorstellungen kommen in Wanken. All das sehr glaubwürdig.

Natürlich ist die Geschichte um Jacob erfunden, jedoch ist diese glaubwürdig in ein geschichtliches Netz eingebunden. Beschreibung der Zeit und der Situation im Lager sind detailliert und dürften auf Grund gründlicher Recherche des Autors so gut fundiert sein, wie sie scheinen. Auch werden manche Situationen exemplarisch für so viele Einzelschicksale sein.

Generell wird die Geschichte sehr dicht und atmosphärisch erzählt. Die Sprache ist der Zeit und den handelnden Personen angepasst. Die eher kurzen und nicht zu komplexen Satzkonstruktionen erlauben eine gute Lesbarkeit und sorgen auch für gewisses Tempo. Nichts wird beschönigt und so wird der Leser auch mit Brutalität im Krieg und im Rundherum konfrontiert.

Etwas kompliziert war es für mich, da ich wenig Ahnung vom militärischen Hintergrund hatte. Grundsätzlich war dies allerdings nicht hinderlich für den Lesefluss und man lernt dadurch ja auch. Auch die Zahl an Personen, vor allem Militärs und Befehlshabern, ist doch groß und sorgte ab und an für Verwirrung bei mir. Eine Orientierungshilfe bietet hier die Liste an historischen Personen im Anhang.

Das Buch ist definitiv zu empfehlen, wenn man einen historischen Roman dieser Zeit sucht, der nichts geschönt, sondern realistisch darstellt. Spannend ist er auch, weil es erst der Auftakt einer Serie ist.

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Veröffentlicht am 09.02.2026

Hinter den Kulissen einer Urlaubsinsel

Heaven's Gate
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Auf einer philippinischen Insel – Surogao – genießt Caruso de facto sein Nichtstun. Als ehemaliger Profi-Surfer, frönt der Deutsche nach wie vor seiner Leidenschaft dem Surfen. Um doch ab und an Rechnungen ...

Auf einer philippinischen Insel – Surogao – genießt Caruso de facto sein Nichtstun. Als ehemaliger Profi-Surfer, frönt der Deutsche nach wie vor seiner Leidenschaft dem Surfen. Um doch ab und an Rechnungen bezahlen zu können ermittelt er dann und wann als Privatdetektiv. Nichtsdestotrotz haben sich Schulden angehäuft und so kommt eine Spanierin, die auf der Suche nach ihrem Sohn ist, gerade recht. Schnell kratzt der Ermittler an der Oberfläche des Surfparadies und taucht in eine Welt ein in den Drogen, Korruption und Gewalt regieren.

Caruso ist als Charakter ein klassischer Antiheld, eine Person, die seine beste Zeit schon hinter sich hat. Gefeiert als Surfer, strandet er nach seiner Karriere auf dieser traumhaften Surferinsel. Doch es ist eben nicht alles so großartig wie es scheint, und auch er muss – wie auch der Leser erkennen – dass der Schein trügt. Noch dazu ist eben auch das Leben im Paradies nicht kostenlos und arbeiten notwendig. So gerät er eher widerwillig zu diesem Auftrag und stolpert eher unbeholfen in diesen Fall. Durch seinen trockenen Humor und den Ecken und Kanten, und eben der Tatsache, dass er eher ungewollt in einen Strudel gelangt, wirkt er authentisch. Auch die Nebencharaktere wie Carmelita, seine Vermieterin und Restaurantbesitzerin sind interessant, geben sie Caruso doch einen guten Gegenpart. Teilweise vielleicht etwas überzeichnet, allerdings bleiben sie einem dadurch gut in Gedanken.

Der Schreibstil ist atmosphärisch, bildhaft und schafft es den Leser an das entschleunigte Tempo einer Ferieninsel anzupassen. Kapitel sind in angenehmer Länge, so dass man leicht am Ball bleibt. Die Beschreibung des Insellebens und das Surfen werden in einer weise mit dem Roman verknüpft, dass es als authentische Betrachtung wahrgenommen wird. Und während man zu Beginn noch bei einem leichten Krimi an einem Urlaubsort ist, landet man schließlich in einer doch viel spannenderen Geschichte.

Von mir gibt es definitiv eine Leseempfehlung vor allem auf Grund des Settings und des eigenwilligen Ermittlers wider willens.

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Veröffentlicht am 09.02.2026

ein ruhiger Roman, der die Liebe zu Briefen hervorhebt

Der Briefladen, in dem die Zeit stillstand
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Wu Hyoyeong nimmt nach einigen Turbulenzen einen Aushilfsjob in einem kleinen Briefladen in Seoul an, dem „Letter Shop“. Eröffnet hat diesen ihr ehemaliger Kommilitone Kang Seonho, der sein Schauspielstudium ...

Wu Hyoyeong nimmt nach einigen Turbulenzen einen Aushilfsjob in einem kleinen Briefladen in Seoul an, dem „Letter Shop“. Eröffnet hat diesen ihr ehemaliger Kommilitone Kang Seonho, der sein Schauspielstudium abbrach, da er zu wenig Talent für seine Leidenschaft hatte. Auch Hyoyeong trägt ein Päckchen aus der Vergangenheit mit. Einerseits ist auch sie als Regisseurin nicht erfolgreich, andererseits lastet auch das Schicksal ihrer älteren Schwester Hyomin auf ihr. Wurde das Wunderkind der Familie doch von einem Geschäftspartner um Geld betrogen und ist seitdem bis auf Briefe, die sie an Hyoyeong schreibt, spurlos verschwunden.

Sachte taucht man in die Geschichte ein. Durch den detaillierten und atmosphärischen Schreibstil wird man richtiggehend in den Laden und seine Umgebung gesaugt. Schritt für Schritt lernt man Hyoyeong und auch ihren Boss kennen. Und immer tiefer taucht man in das Konzept des Letter Shops ein, die liebe zum Schreiben speziell zum Briefe schreiben zu entfachen. Durch die Idee des Penpal Services, also der anonymen Brieffreundschaft, lernt man im Buch auch immer mehr die Kunden kennen. Suchen diese sich doch auf Grund von Schlagworten Briefpartner aus und bekommen damit die Gelegenheit ihr Herz einem Unbekannten auszuschütten. Jeder mit anderen Sorgen, Ängsten, Wünschen und obwohl jeder in unterschiedlichen Lebenssituationen ist, doch auch eine Hilfe für den anderen sein kann. Im Austausch mit ihren Kunden lernt auch Hyoyeong wieder das Schreiben zu schätzen und versucht den Mut zu finden, ihre eigene Geschichte zu schreiben.

Gelungen an diesem Buch ist sehr vieles:
Die Gestaltung des Buches ist so wie auch die des Briefladens, der den Handlungsort spielt – edel, harmonisch, atmosphärisch. Es wird mit verschiedenen Textsorten gespielt, denn Notizen und Briefauszüge wechseln sich mit dem klassischen Romantext ab. Auch die Bindung und Seitengestaltung vermittelt ein spezielles Gefühl, als gäbe es eine haptische Verbindung zum Laden.
Das Figurenregister inklusiver kurzem Steckbrief macht das Lesen auch für Leser aus dem Nichtkoreanischen Sprachraum einfacher.
Und auch die Tatsache, dass die verwendeten Briefe tatsächliche Briefe aus dem als Inspiration zu Grunde liegenden Letter Shops sind, ist besonders erwähnenswert wie ich finde.

Ein Roman, der einfach schön ist und zum Nachdenken anregt. Mit etwas Handlung, aber vor allem viel Raum für Gedanken und Wärme.

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Veröffentlicht am 03.02.2026

Historischer und philosophischer als erwartet

Eine vergessene Schuld
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Auf einen pensionierten Verfassungsrichter Rudolf Heppner wird ein Anschlag in einem Fernsehstudio verübt. Durch seine Äußerungen zur Militärjustiz speziell zum Umgang mit Deserteuren und den doch spannend ...

Auf einen pensionierten Verfassungsrichter Rudolf Heppner wird ein Anschlag in einem Fernsehstudio verübt. Durch seine Äußerungen zur Militärjustiz speziell zum Umgang mit Deserteuren und den doch spannend inszenierten Tatort, scheint etwas unklar in welcher politischen Seite der Angreifer zu verorten ist, und ob dies nicht als Angriff auf den Staat als solches zu verstehen ist. Daher wird eine junge Kriminalpsychologin Jasina Behrens zu den Ermittlungen hinzugezogen. Doch je mehr diese über Heppners Äußerungen erfährt, desto mehr ist sie mit ihrer eigenen Familiengeschichte – der Flucht aus Syrien in jungen Jahren und dem Zurücklassen ihres Bruders – konfrontiert. Auch zeigt sich, dass Heppner eine Last aus der Vergangenheit mitträgt, und diese auch in der NS-Zeit zu verorten ist.

Ein Roman, der sich zu Beginn anders präsentiert, als er schließlich weiter geht. Erwartet man beim Lesen der ersten Kapitel, einen Kriminalroman, der vielleicht Bezüge zur Vergangenheit angreift, wird die kriminalistische Arbeit im Laufe der Zeit immer mehr zum Nebenschauplatz, der einfach einen Rahmen für die Geschichte darstellt. Sukzessive rückt zuerst der Handlungsstrang, der zu Zeiten des zweiten Weltkrieges spielt und später auch ein Handlungsstrang um den jungen Rudolf Heppner in den späten 1960er Jahren in den Mittelpunkt. Und schließlich landet man bei der Einordnung des Themas und einer eher philosophischen Betrachtung des Thema Schuldes und wie sehr dies Generationen beeinflussen kann.

Wie schon angedeutet wird die Geschichte auf mehreren Zeitebenen vorangetrieben, aus dem Blickwinkel verschiedenster Personen – etwas das sehr gut funktioniert und auch nachvollziehbar bleibt. Die historischen Passagen waren dabei mein Highlight und dürften meiner Ansicht nach sehr gut recherchiert sein. So wird trotz fiktiver Elemente eine authentische Stimmung transportiert und entsprechend handelnde Personen erscheinen glaubwürdig.

In der Gegenwart erscheint mir so manches Ereignis nicht so realistisch, wie die Tatsache, dass Jasina trotz allem offiziell weiter ermitteln darf und – ohne zu spoilern, daher etwas kryptisch – wie es zum krönenden Abschluss einer langen Suche kommt. Die Passagen des Schlagabtausches zwischen Rudolf Heppner und der Psychologin Jasina Behrens gestalten sich bis Weilen etwas langatmig, allerdings ist es in der Realität auch oft nicht einfach, den Problemen auf den Grund zu gehen.

Ein Buch, das zum weiteren Nachdenken anregt, aber definitiv keine leichtfüßige Lektüre für zwischendurch. Speziell die historischen Kapitel, kann ich wärmstens empfehlen.

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Veröffentlicht am 03.02.2026

eine Parodie auf Agententhriller, die jedoch den Zeitgeist gut einfängt

Die Reise ans Ende der Geschichte
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In den 90igern steht die Welt der Spione vor einem Umbruch – der Eiserne Vorhang ist gefallen, und die Situation und Zukunftsmöglichkeiten ändern sich für viele Leute. Was macht Dieter Germeshausen, ein ...

In den 90igern steht die Welt der Spione vor einem Umbruch – der Eiserne Vorhang ist gefallen, und die Situation und Zukunftsmöglichkeiten ändern sich für viele Leute. Was macht Dieter Germeshausen, ein bisheriger Doppelagent für den BND und Russland nun? Er muss sich Geld beschaffen und möchte sich damit zur Ruhe setzen. Als Unterstützer dafür wirbt er Jacob Dreiser, einen jungen Dichter an. Denn dieser soll als junger, international gefeierter Dichter seine Tarnung sein.

Ein Buch, dass in der Zeit einer der größten Umbrüche spielt – der Eiserne Vorhang ist gefallen. Es bieten sich so viele Möglichkeiten und Chancen an, gleichzeitig fehlt aber auch der bisherige Halt und die Orientierungspunkte. Durch große Euphorie und gleichzeitige Unsicherheit ist die Zeit gekennzeichnet, was in diesem Werk gezeigt wird. Gut transportiert wird dies durch den jungen Dichter und den ehemaligen Doppelagenten. Ein junges Talent, dem nun alle Türen offen zu stehen scheinen, aber dennoch irgendwie durch die Situation stolpert ohne Halt zu verspüren. Und ein ehemalgier Doppelagent, der nunmehr keinen Beruf bzw. keine Rolle mehr hat, da sich die Situation verändert hat. Exemplarisch kann man beide für die jeweiligen Generationen bzw. Berufe in der realen Geschichte betrachten.

Durch einen lockeren Schreibstil in den Bann gezogen, folgt man nun vor allem dem jungen Dichter und weniger dem ehemaligen Doppelagenten in so manche abstruse Situation. Es wird Fiktion mit realer Zeitgeschichte verknüpft. Der klassische Agententhriller wird hierbei auf die Schaufel genommen, aber sehr intelligent und mit feiner sprachlicher Klinge. Man stolpert mit dem Dichter durch diverse Orte wie Rom, Kasachstan, St. Petersburg und handelt mit so ziemlich jedem militärischen Gerät. Manche Frage der Geschichte und das Ende bleibt doch eher offen, jedoch wünscht man dem doch sehr sympathischen Protagonisten, dass es für ihn ein gutes Ende nehmen möge.

Ein kurzweiliger Roman, der eher als Parodie auf klassische Agententhriller zu verstehen ist. Gleichzeitig schafft er es allerdings wunderbar das damalige Zeitgefühl einzufangen, indem er es den Leser durch die Figurenerfahren lässt.

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