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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 03.02.2026

Historischer und philosophischer als erwartet

Eine vergessene Schuld
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Auf einen pensionierten Verfassungsrichter Rudolf Heppner wird ein Anschlag in einem Fernsehstudio verübt. Durch seine Äußerungen zur Militärjustiz speziell zum Umgang mit Deserteuren und den doch spannend ...

Auf einen pensionierten Verfassungsrichter Rudolf Heppner wird ein Anschlag in einem Fernsehstudio verübt. Durch seine Äußerungen zur Militärjustiz speziell zum Umgang mit Deserteuren und den doch spannend inszenierten Tatort, scheint etwas unklar in welcher politischen Seite der Angreifer zu verorten ist, und ob dies nicht als Angriff auf den Staat als solches zu verstehen ist. Daher wird eine junge Kriminalpsychologin Jasina Behrens zu den Ermittlungen hinzugezogen. Doch je mehr diese über Heppners Äußerungen erfährt, desto mehr ist sie mit ihrer eigenen Familiengeschichte – der Flucht aus Syrien in jungen Jahren und dem Zurücklassen ihres Bruders – konfrontiert. Auch zeigt sich, dass Heppner eine Last aus der Vergangenheit mitträgt, und diese auch in der NS-Zeit zu verorten ist.

Ein Roman, der sich zu Beginn anders präsentiert, als er schließlich weiter geht. Erwartet man beim Lesen der ersten Kapitel, einen Kriminalroman, der vielleicht Bezüge zur Vergangenheit angreift, wird die kriminalistische Arbeit im Laufe der Zeit immer mehr zum Nebenschauplatz, der einfach einen Rahmen für die Geschichte darstellt. Sukzessive rückt zuerst der Handlungsstrang, der zu Zeiten des zweiten Weltkrieges spielt und später auch ein Handlungsstrang um den jungen Rudolf Heppner in den späten 1960er Jahren in den Mittelpunkt. Und schließlich landet man bei der Einordnung des Themas und einer eher philosophischen Betrachtung des Thema Schuldes und wie sehr dies Generationen beeinflussen kann.

Wie schon angedeutet wird die Geschichte auf mehreren Zeitebenen vorangetrieben, aus dem Blickwinkel verschiedenster Personen – etwas das sehr gut funktioniert und auch nachvollziehbar bleibt. Die historischen Passagen waren dabei mein Highlight und dürften meiner Ansicht nach sehr gut recherchiert sein. So wird trotz fiktiver Elemente eine authentische Stimmung transportiert und entsprechend handelnde Personen erscheinen glaubwürdig.

In der Gegenwart erscheint mir so manches Ereignis nicht so realistisch, wie die Tatsache, dass Jasina trotz allem offiziell weiter ermitteln darf und – ohne zu spoilern, daher etwas kryptisch – wie es zum krönenden Abschluss einer langen Suche kommt. Die Passagen des Schlagabtausches zwischen Rudolf Heppner und der Psychologin Jasina Behrens gestalten sich bis Weilen etwas langatmig, allerdings ist es in der Realität auch oft nicht einfach, den Problemen auf den Grund zu gehen.

Ein Buch, das zum weiteren Nachdenken anregt, aber definitiv keine leichtfüßige Lektüre für zwischendurch. Speziell die historischen Kapitel, kann ich wärmstens empfehlen.

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Veröffentlicht am 03.02.2026

eine Parodie auf Agententhriller, die jedoch den Zeitgeist gut einfängt

Die Reise ans Ende der Geschichte
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In den 90igern steht die Welt der Spione vor einem Umbruch – der Eiserne Vorhang ist gefallen, und die Situation und Zukunftsmöglichkeiten ändern sich für viele Leute. Was macht Dieter Germeshausen, ein ...

In den 90igern steht die Welt der Spione vor einem Umbruch – der Eiserne Vorhang ist gefallen, und die Situation und Zukunftsmöglichkeiten ändern sich für viele Leute. Was macht Dieter Germeshausen, ein bisheriger Doppelagent für den BND und Russland nun? Er muss sich Geld beschaffen und möchte sich damit zur Ruhe setzen. Als Unterstützer dafür wirbt er Jacob Dreiser, einen jungen Dichter an. Denn dieser soll als junger, international gefeierter Dichter seine Tarnung sein.

Ein Buch, dass in der Zeit einer der größten Umbrüche spielt – der Eiserne Vorhang ist gefallen. Es bieten sich so viele Möglichkeiten und Chancen an, gleichzeitig fehlt aber auch der bisherige Halt und die Orientierungspunkte. Durch große Euphorie und gleichzeitige Unsicherheit ist die Zeit gekennzeichnet, was in diesem Werk gezeigt wird. Gut transportiert wird dies durch den jungen Dichter und den ehemaligen Doppelagenten. Ein junges Talent, dem nun alle Türen offen zu stehen scheinen, aber dennoch irgendwie durch die Situation stolpert ohne Halt zu verspüren. Und ein ehemalgier Doppelagent, der nunmehr keinen Beruf bzw. keine Rolle mehr hat, da sich die Situation verändert hat. Exemplarisch kann man beide für die jeweiligen Generationen bzw. Berufe in der realen Geschichte betrachten.

Durch einen lockeren Schreibstil in den Bann gezogen, folgt man nun vor allem dem jungen Dichter und weniger dem ehemaligen Doppelagenten in so manche abstruse Situation. Es wird Fiktion mit realer Zeitgeschichte verknüpft. Der klassische Agententhriller wird hierbei auf die Schaufel genommen, aber sehr intelligent und mit feiner sprachlicher Klinge. Man stolpert mit dem Dichter durch diverse Orte wie Rom, Kasachstan, St. Petersburg und handelt mit so ziemlich jedem militärischen Gerät. Manche Frage der Geschichte und das Ende bleibt doch eher offen, jedoch wünscht man dem doch sehr sympathischen Protagonisten, dass es für ihn ein gutes Ende nehmen möge.

Ein kurzweiliger Roman, der eher als Parodie auf klassische Agententhriller zu verstehen ist. Gleichzeitig schafft er es allerdings wunderbar das damalige Zeitgefühl einzufangen, indem er es den Leser durch die Figurenerfahren lässt.

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Veröffentlicht am 26.01.2026

Entschleunigung und Reflexion in der Gegenwart von Büchern

Yu-jins Bücherküche der großen Träume
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Yu-jin gründet im kleinen ländlichen Ort Soyangri eine Pension mit angeschlossenem Büchercafe. In ruhiger und schöner Landschaft bietet die „Bücherküche“ die Möglichkeit sich dem Lesen und Schreiben zu ...

Yu-jin gründet im kleinen ländlichen Ort Soyangri eine Pension mit angeschlossenem Büchercafe. In ruhiger und schöner Landschaft bietet die „Bücherküche“ die Möglichkeit sich dem Lesen und Schreiben zu widmen, allein oder bei Events. Gemeinsam mit zwei Mitarbeiteten schafft Yu-jin eine ruhige Atmosphäre und einen Rückzugsort für verschiedene Menschen. So erliegt eine Sängerin, eine erfolgreiche Anwältin, der Nachfolger einer durch seinen Vater betriebenen Firma, ein Auslandskoreaner und eine Freundesgruppe dem Charme des Ortes. So unterschiedlich all diese Personen sein mögen, so sehr ähneln sie sich im Grundgedanken, sie sind unzufrieden oder unsicher in ihrer derzeitigen Lebenssituation. Etwas plagt sie.

In einer ruhigen und sehr auf Details bedachten Schreibweise taucht man in die Bücherküche ein. Der Alltag und die Natur werden detailliert beschrieben man wird sanft durch die Geschichte getragen. In jedem Kapitel lernt man einen neuen Charakter kennen, seine Geschichte und Ängste. Durch die Atmosphäre des Ortes oder im Gespräch mit den Mitarbeitern der Bücherküche kommt es zur Reflexion. Gedanken werden angestoßen, nicht nur beim Charakter, sondern auch beim Leser.

Etwa störend bzw. einfach ungewohnt sind die Namen der Personen, die sehr ähnlich klingen, speziell wenn man mit dem Koreanischen nicht vertraut ist. Ein Personenregister wäre hier sicher eine Bereicherung.

Für mich ein Buch, das entschleunigt. Man darf sich keine weit getriebene Handlung erwarten, man bekommt passend zum Tempo des Buches Momente der Reflexion und des Nachdenkens präsentiert. Ich kann sehr gut verstehen warum das Buch in Korea, einem Land mit viel Leistungsdruck und gesellschaftlichen Erwartungen ein großer Erfolg ist.

Für mich ideal um kurz aus dem Alltag auszusteigen und innezuhalten.

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Veröffentlicht am 20.01.2026

Weihnachtgeschichten mit schwarzem Humor

Arsen und Butterplätzchen
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Eine Sammlung von 17 Kurzgeschichten, die in der Winter- bzw. Weihnachtszeit spielen. Doch dem nicht genug, beschäftigen sie sich, wie der Titel schon vermuten lässt mit Tod, Mord und/oder schwarzem Humor.
Jede ...

Eine Sammlung von 17 Kurzgeschichten, die in der Winter- bzw. Weihnachtszeit spielen. Doch dem nicht genug, beschäftigen sie sich, wie der Titel schon vermuten lässt mit Tod, Mord und/oder schwarzem Humor.
Jede Geschichte wurde von einem anderen Autor verfasst und greift das grobe Thema auch etwas anders auf. Natürlich ist damit auch der Erzählstil etwas anders. Man findet bekannte Namen unter den Autoren und bekommt bei unbekannten wirklich oft auch Lust sich deren andere Werke anzusehen.


Generell wird geschickt mit den oft sehr hohen Erwartungen um Weihnachten gespielt, aber schon einen Absatz weiter ist alles gleich vollkommen anders als gedacht. Ich staune ob der Talente auch in wenigen Seiten einer Kurzgeschichte so geschickt eine wandelbare Geschichte zu transportieren.
Auch die Gestaltung des kleinen Büchleins darf nicht unerwähnt bleiben, greift doch auch die weihnachtliche Einleitung der Kapitel das Thema Mord kunstvoll auf.


Definitiv empfehlenswert, wenn man nicht die klassischen Weihnachtsromane möchte und vielleicht auch etwas sucht, dass man auch leicht zwischendurch lesen kann. Vielleicht darf man sich noch auf eine Variante zu einer anderen Jahreszeit freuen.

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Veröffentlicht am 19.01.2026

alles neu bei Jo Nesbo- neuer Ort, neuer Ermittler

Minnesota
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Eine Geschichte, die in mehreren Ebenen erzählte, wird: 2022 folgt Holger Rudi den Spuren eines Verbrechens aus dem Jahr 2016, über das er schreiben möchte. Für dieses True-Crime-Buch ist er auf Recherchereise ...

Eine Geschichte, die in mehreren Ebenen erzählte, wird: 2022 folgt Holger Rudi den Spuren eines Verbrechens aus dem Jahr 2016, über das er schreiben möchte. Für dieses True-Crime-Buch ist er auf Recherchereise in Minneapolis und an den jeweiligen Schauoplätzen.
Im Jahr 2016 ist Ermittler Bob Oz, recht eigenwillige und psychisch angeschlagen, verantwortlich für einen Fall um einen illegalen Waffenhändler Marco Dante. Jener wurde angeschossen, lebt allerdings noch. Das Besondere – der Schuss dürfte mit einem Scharfschützengewehr abgegeben worden sein und es besteht die Möglichkeit, dass dahinter vielleicht ein legendärer Auftragskiller steht. Auf der Jagd nach dem Mörder, ist dieser immer einen Schritt voraus. Außerdem kämpft Oz mit sich selbst und seinem Schicksal – eine tote Tochter, eine Ehefrau, die ihn verlässt und Freunde, die sich zurückziehen.

Beide Erzählebenen sind von Beginn an verwoben – die Orientierung war für mich leicht, auch da die Orientierung anhand der Kapitelüberschriften einfach war. Jedoch gewinnt das Buch vor allem ab dem Moment, als man die Person Oz besser kennen lernt: Ab und zu wird noch in Rückblicken auf Bob Oz Schicksal eingegangen, so dass man den Ermittler immer mehr versteht. Es rollt sich also alles parallel auf – die Suche nach dem Täter und die Tatsache, dass Oz mit all dem bisherigen und jetzt erlebten, zurechtkommen muss.

Der Typus des Ermittlers ist dem der Vorgängerbücher Jo Nesbos ähnlich – ein Antiheld, wie auch schon bei Harry Hole. Beide kennzeichnet ein klarer Moralkodex, ein ausgeprägter Gerechtigkeitssinn und beide sind traumatisiert. Er wird von Schuld und Verdrängung geprägt, tendiert dazu als Einzelkämpfer zu arbeiten und ist ein ausgezeichneter Ermittler.

Im Gegensatz zu bisherigen Werken des Autors, verlässt dieses Buch auch die Nordeuropäische Region und spielt eben in Minnesota, USA. Entsprechend werden auch Besonderheiten amerikanischer Großstädte aufgegriffen wie liberaleres Waffenrecht, Bandenkriminalität aber auch aktuelle Bezüge zu Trump, George Floyed und Covid werden geschickt eingewoben.

Nach allen Perspektivenwechseln laufen die Erzählungsstränge zu einem schlüssigen Gesamtbild zusammen, zu einem Plot mit Tiefgang und Aktualität. Eine Empfehlung wenn man einen Krimi mit ebensolchem Tiefgang sucht.