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Veröffentlicht am 06.03.2026

Drei verlorene Personen an einem lost place - kein klassischer Krimi, aber eine Geschichte mit menschlichen Abgründen

Giftiger Grund
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Joran ist nach knapp sieben Jahren Haft wegen eines bewaffneten Raubüberfalls wieder auf freiem Fuß kehrt an den Tatort zurück, um nach dem dort versteckten Diebesgut zu suchen. Doch mitten in der Nacht ...

Joran ist nach knapp sieben Jahren Haft wegen eines bewaffneten Raubüberfalls wieder auf freiem Fuß kehrt an den Tatort zurück, um nach dem dort versteckten Diebesgut zu suchen. Doch mitten in der Nacht findet er die Leiche seines ehemaligen besten Freundes und ist zudem nicht allein an der stillgelegten Tankstelle. Charu dreht an dem lost place Aufnahmen für ihren Social Media-Kanal und wird selbst von einem jungen Mädchen im Schlafanzug überrascht, das dort Zuflucht sucht.
Während Charu herauszufinden versucht, was es mit dem Mädchen auf sich hat, bekommt Joran zu spüren, wie schwer es ist, die Vergangenheit hinter sich zu lassen und sich als ehemaliger Häftling zu resozialisieren.

"Giftiger Grund" ist kein Kriminalroman im klassischen Sinn, denn trotz des Funds einer Leiche zu Beginn des Romans handelt er nicht von den Ermittlungen zur Aufklärung der Tat. Im Vordergrund stehen stattdessen die Schicksale von drei ganz unterschiedlichen Personen, die auf ihre Art verloren erscheinen und an einem "lost place" zufällig auf einander treffen.

Die Geschichte wird abwechselnd aus den drei Perspektiven der Hauptfiguren geschildert, wobei ihre schwierigen, gar ausweglosen Situationen, die sie verzweifeln lassen und wütend machen, realitätsnah wirken. Geprägt von ihren Erfahrungen begegnen sie einander misstrauisch, bis sie zu einer Schicksalsgemeinschaft werden.

Die Handlung ist aufreibend und entwickelt durch den Druck, der auf den Figuren lastet, einen Lesesog. Alle drei sehen sich ihrem jeweiligen Peiniger ausgesetzt und werden erpresst. Die Gewalt eskaliert und es entwickelt sich ein Kampf ums Überleben, der in einer Täter-Opfer-Umkehr mündet.
Die Stimmung ist durchgehend düster und die derbe Sprache ist passend zur Situation und dem Milieu, in dem sich die Charaktere befinden.
Es geht um Schuld und Sühne, Vorurteile und zweite Chancen. Die Geschichte ist kurzweilig und dynamisch, berührt durch menschliche Abgründe und Ungerechtigkeit, entfaltet aber mit dem Fokus auf den dramatischen Schicksalen nicht die Spannung, die man von einem Kriminalroman erwartet.

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Veröffentlicht am 03.03.2026

Der eigenen Wahrnehmung trauen? Psychologischer Spannungsroman mit smarter Ermittlerin

Finstere Schatten
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Nach einer psychotischen Episode und einem Aufenthalt in einer psychiatrischen Klinik ziehen Nancy und ihr Freund Felix notgedrungen innerhalb Londons in eine kleinere Wohnung in den Stadtteil Harlesdon. ...

Nach einer psychotischen Episode und einem Aufenthalt in einer psychiatrischen Klinik ziehen Nancy und ihr Freund Felix notgedrungen innerhalb Londons in eine kleinere Wohnung in den Stadtteil Harlesdon. Nancy arbeitet dort remote, um sich zu erholen und mit Hilfe von Medikamenten und therapeutischer Unterstützung neu anzufangen.
Nancy und Felix haben noch nicht einmal alle Umzugskisten ausgepackt, als eine Nachbarin in dem Mehrparteienhaus tot aufgefunden wird. Die Polizei stuft die Tat als Suizid ein und ermittelt nicht weiter. Nancy hatte Kira jedoch am Tag zuvor kurz gesprochen und kann sich nicht vorstellen, dass die junge Frau, die von allen als nett und fröhlich beschrieben wird, Selbstmord begangen haben soll. Da Felix die neuen Nachbarn und auch die Polizei über Nancys Krankheitszustand informiert hatte, glaubt Nancy niemand, dass sich ein Verbrechen in der Wohnung ereignet haben könnte - bis die Polizistin Maud O'Connor auf den Fall aufmerksam wird, den ein unliebsamer Kollege (voreilig) zu den Akten legen möchte.

"Finstere Schatten" ist Band 2 einer Buchreihe um Detective Maud O’Connor, wobei es auch ohne Vorwissen aus Band 1 keine Verständnisprobleme gibt. Anders als in klassischen Ermittler-Krimis hat DI O'Connor in diesem Thriller nicht die Hauptrolle. Bevor ihr Einsatz beginnt, liegt der Fokus klar auf Nancy, die "finstere Schatten" sieht.
Kann Nancy ihrer Wahrnehmung glauben? Kann der/ die LeserIn Nancy trauen? Ist sie von den Stimmen in ihrem Kopf gesteuert, noch nicht genesen und leidet unter Wahnvorstellungen? Kann sich die Polizei bei ihrer Einschätzung den Suizid betreffend derart getäuscht haben?

Unabhängig davon, ob sich Nancy in Verschwörungstheorien verliert, ist es grausam, was ihr im weiteren Verlauf der Handlung widerfährt. Als psychisch kranke Frau wird sie stigmatisiert und als unzurechnungsfähig und unmündig eingestuft. Schnell befindet sie sich einer Spirale, in der sie vollkommen hilflos ist und der Fürsorge ihres Freundes und des Gesundheitssystems unterworfen wird.

Obschon die Frage im Raum steht, was sich hinter dem (inszenierten) Selbstmord verbirgt, steht Nancy als Hauptfigur im Vordergrund, deren Leben ihr entgleitet. Die Aufklärung des möglichen Mordfalls schreitet erst im letzten Drittel voran, als Maud, die sich auf dem Polizeirevier mit Misogynie konfrontiert sieht und als Alleinkämpferin auftritt, Nancy Gehör schenkt. Maud folgt selbstbewusst ihrem Instinkt und versucht durch geschickte Fragen den Täter unter all den undurchsichtigen Hausbewohnern und Nachbarn zu enttarnen.

"Finstere Schatten" ist ein unblutiger Thriller, der sich von einem psychologischen Spannungsroman zu einem spannenden Krimi mit einer smarten Ermittlerin entwickelt, die in ihrem Umfeld völlig zu unrecht unterschätzt wird. Das Tatmotiv ist am Ende nachvollziehbar, jedoch enttäuscht die Präsentation des Täters, die vor Auswertung von Beweisen auf einem reinen Bauchgefühl basiert. Auch fällt die einseitig negative Darstellung der männlichen Figuren unangenehm auf.

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Veröffentlicht am 28.02.2026

Der Schmetterlingseffekt einer Entscheidung - drei Varianten einer Familiengeschichte

Die Namen
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1987 macht sich Cora zusammen mit ihrer neunjährigen Tochter auf den Weg, um die Geburt ihres Sohnes im Standesamt anzunehmen. Ihr Mann Gordon, ein in dem Ort angesehener Hausarzt, ist zu Hause dominant ...

1987 macht sich Cora zusammen mit ihrer neunjährigen Tochter auf den Weg, um die Geburt ihres Sohnes im Standesamt anzunehmen. Ihr Mann Gordon, ein in dem Ort angesehener Hausarzt, ist zu Hause dominant und möchte, dass der Sohn nach der Familientradition wie der Vater Gordon getauft wird. Cora möchte, dass ihr Sohn seinen eigenen Weg und nicht von dem Namen seiner Väter beeinflusst ist und zögert deshalb. Ihre Tochter schlägt den Namen Bear vor, den sie mit Mut und Stärke, aber auch mit Sensibilität verbindet. Cora bevorzugt Julian als "Himmelsvater".
Drei Namen, drei Lebenswege, drei Möglichkeiten von Selbstbestimmung.

Das Buch handelt vom Schmetterlingseffekt einer Entscheidung und wie sich die Namensgebung ihres Sohnes auf das Leben der gesamten Familie auswirkt. Dabei geht es weniger um den Namen als solchen, denn diese sind rein symbolisch.

Die drei Varianten erzählen die Geschichte der Familie im Zeitraum von 35 Jahren, wobei es jeweils Ausschnitte im siebenjährigen Abstand sind. Die Handlung ist deshalb episodenartig und lückenhaft und es braucht Konzentration, um beim Wechsel der Perspektive die Lebensumstände neu zu sortieren.

Aus drei Hauptfiguren werden neun Persönlichkeiten, die sich unterschiedlich entwickeln, weshalb keine echte Nähe zu ihnen aufgebaut werden kann. Die Wesensveränderungen und Entscheidungen können deshalb auch nicht unmittelbar nachvollzogen werden, da das Miterleben fehlt und nur die Resultate präsentiert werden.

Dennoch ist die Geschichte aufgrund ihrer Tragik und der eindringlichen, ungeschönten Erzählweise berührend und fordernd. Die Darstellung von häuslicher Gewalt - körperlicher und seelischer Natur - ist unerträglich, ohne dass zu sehr ins Detail gegangen werden muss. Selbst wenn sich das Ende in den Varianten unterscheidet, wird in allen Versionen deutlich, wie schwer ein Trauma wirkt und wie schwer es ist, seinen eigenen Lebensweg zu finden und glücklich zu werden.

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Veröffentlicht am 12.02.2026

Fesselndes, wendungsreiches Familiendrama mit überraschenden Enthüllungen und tödlichen Geheimnissen

DIE TOCHTER. Du dachtest, niemand würde es je erfahren
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Nach der Beisetzung ihres Vaters erfährt Hazel überraschend, dass er ihr sein Haus am See vermacht hat, obwohl sie der Kleinstadt Mirror Lake im Gegensatz zu ihren beiden Brüdern, die beruflich in die ...

Nach der Beisetzung ihres Vaters erfährt Hazel überraschend, dass er ihr sein Haus am See vermacht hat, obwohl sie der Kleinstadt Mirror Lake im Gegensatz zu ihren beiden Brüdern, die beruflich in die Fußstapfen des angesehenen Detectives getreten sind, den Rücken gekehrt hatte.
Es ist Mai und hat seit Wochen nicht mehr geregnet. Der See verdunstet allmählich und offenbart, was unter der Oberfläche liegt. So werden kurz hintereinander zwei Fahrzeuge gefunden, die offenbar vor Jahren darin versenkt wurden.
Hazel wird mit Erinnerungen konfrontiert und sieht das Erbe als Aufforderung ihres Vaters herauszufinden, was mit ihrer Mutter geschah, die vor 13 Jahren ohne ein Wort mit dem Barvermögen der Familie verschwand.

Der Roman ist aus der Ich-Perspektive von Hazel geschrieben, die an den Ort ihrer Kindheit und Jugend zurückkehrt, wo ihre Mutter sie einst zurückgelassen hatte. Als Alleinerbin des Hauses zieht sie den Unmut ihrer Brüder auf sich und auch darüber hinaus fühlt sich Hazel als Tochter einer Kriminellen in der Kleinstadt nicht willkommen.
Doch Hazel bleibt, denn immer mehr erhält sie das Gefühl, dass es eine andere Wahrheit über das Verschwinden ihrer Mutter gibt. Zudem ereignen sich merkwürdige Dinge, so dass sich Hazel in ihrem Elternhaus nicht sicher fühlt. In der Kleinstadt wird in Häusern eingebrochen und weitere Menschen verschwinden.

Die Geschichte ist von Misstrauen, Geheimnissen und einer lauernden Gefahr geprägt. Hazel findet Dinge heraus, die sie beunruhigen, forscht weiter nach und stößt auf Widerstand. Dazu kommt das Gefühl des Beobachtetseins und einer Warnung, die Vergangenheit ruhen zu lassen. Auch die Situation in einer Kleinstadt, in der jeder jeden kennt und in der ausgerechnet im Umfeld der Polizistenfamilie Menschen verschwinden, trägt zu einer beklemmenden Atmosphäre bei.

Wie die Loyalitäten verteilt sind und wie die aktuellen Geschehnisse mit vergangenen Taten in einem Zusammenhang stehen, sorgt für anhaltende Spannung, wobei diese in einem weiten Bogen sehr langsam aufgebaut wird. Es ist kein temporeicher Thriller, der Nervenkitzel verursacht, aber ein fesselndes, wendungsreiches Familiendrama mit überraschenden Enthüllungen und tödlichen Geheimnissen.

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Veröffentlicht am 10.02.2026

Unblutiger Thriller, der zeigt, dass die Vergangenheit niemals ruht und Schuld nicht verjährt - mit bösem Ende

Sturmmeer
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Die 22-jährige Ella ist frisch verliebt und wird von ihrem Freund Jan zu einem Segelausflug auf der Nordsee eingeladen. Nach einem weinseligen Picknick an Bord ist Jan verschwunden und Ella allein auf ...

Die 22-jährige Ella ist frisch verliebt und wird von ihrem Freund Jan zu einem Segelausflug auf der Nordsee eingeladen. Nach einem weinseligen Picknick an Bord ist Jan verschwunden und Ella allein auf dem Meer. Sie wird von Kameras überwacht und darüber informiert, dass sie entführt wurde. Ein Sturm zieht auf und Ella weiß sich nicht zu helfen, da alle Geräte an Bord ausgefallen sind.
Währenddessen wird ihr Vater, der sich ohnehin schon immer Sorgen um seine älteste Tochter gemacht hat, die als junges Mädchen an Diabetes erkrankt ist, um eine halbe Million Euro erpresst.

Der Roman wird abwechselnd aus der Perspektive der beiden Schwestern Ella und Vicky, ihrem Vater Gregor und seinem ehemaligen Studenten Leander geschildert. Leander möchte sich an dem angesehenen Universitätsprofessor rächen und ist offenbar bestens über dessen Vermögenswerte informiert. Gregor selbst hat Angst um ein Geheimnis, das der Grund der Entführung seiner Tochter sein könnte und auch Vicky plagt nach dem Tod ihrer Mutter ein schlechtes Gewissen gegenüber ihrer Familie.

Für Spannung sorgen Ellas lebensgefährliche Situation auf hoher See, aber noch viel mehr die Geheimnisse, die es innerhalb der Familie Weber schwelen und was der Entführer Ellas darüber weiß.

Die Kapitel sind kurz, die Wechsel der Perspektiven entsprechend zügig, so dass sich allmählich die einzelnen Puzzleteile zusammensetzen. Die Protagonisten sind in einem Albtraum gefangen und bangen um Ellas Leben. Während sie kaum wissen, wie ihnen geschieht, offenbaren sich schrittweise die Geheimnisse, die sie bergen.

Es ist ein unblutiger Thriller mit einem Fokus auf den Inneneinsichten der Figuren, der kurzweilig geschrieben ist. Geprägt von Angst und Schuldgefühlen gilt es, sich den Schatten der Vergangenheit zu stellen. Die Motive der Charaktere sind nachvollziehbar und das Szenario authentisch.
"Sturmmeer" zeigt, dass die Vergangenheit niemals ruht, Schuld nicht verjährt und selbst in vertrauten Personen ein Hauch Böses steckt.

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