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Veröffentlicht am 21.03.2026

Spukhausgeschichte zwischen Horrorroman, Drama und Mysterythriller

Das gierige Haus
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In Chicago steht ein Haus, das seit einem erweiterten Suizid in den 1970er-Jahren unbewohnt ist. Um das Haus ranken sich zahlreiche Mythen, was vor allem auf Kinder und Jugendliche eine Faszination ausübt. ...

In Chicago steht ein Haus, das seit einem erweiterten Suizid in den 1970er-Jahren unbewohnt ist. Um das Haus ranken sich zahlreiche Mythen, was vor allem auf Kinder und Jugendliche eine Faszination ausübt. So gelangt auch der achtjährige Paul mit seinen beiden Freunden im Rahmen einer Mutprobe in das Haus - und nie wieder zurück. Seine ältere Schwester Jessie, die ihn dazu angestiftet hat, muss mit der Schuld leben.
Sie wird früh selbst Mutter und beschäftigt sich 13 Jahre nach Pauls Verschwinden erneut mit dem Haus, das unverwüstlich immer noch steht und seinen Hunger noch lange nicht gestillt hat.

"Das gierige Haus" greift eine altbekannte Plotidee um ein Horrorhaus auf, das über Jahrzehnte hinweg Menschen anlockt und darin begräbt. Dieses Haus scheint sich von Menschen, insbesondere von Kindern, geradezu zu ernähren.

Nachdem 1973 eine ganze Familie darin ums Leben gekommen ist, wurde auch Jessies Familie durch den Verlust ihres Bruders zerstört. Doch Paul ist nicht das letzte Kind, das dort sein Leben lässt.

Wie das Haus trotz der bekannten Gefahr immer wieder Menschen anzieht, so entwickelt auch die Handlung eine Sogwirkung. Aus der Sicht von Jessie geschildert, ist ihre Wut und Trauer spürbar. Gleichzeitig ist die Befürchtung präsent, dass sich in dem Haus weiterhin schlimme - blutige - Dinge ereignen werden, insbesondere als Jessie selbst Mutter eines Sohnes ist, der sie täglich an Paul erinnert.

Das Haus wird vermenschlicht, es pulsiert und atmet, wird zu einem Monster stilisiert und sorgt für Grusel und Unbehagen. Dennoch handelt es sich nicht um einen reinen Splatter-Horrorroman. Jessies Entwicklung von einem aufmüpfigen Teenager zu einer verantwortungsvollen jungen Frau und kämpferischen Mutter steht genauso im Vordergrund wie die nachbarschaftlichen Beziehungen in dem Wohnviertel und der enge, fürsorgliche Zusammenhalt aufgrund der gemeinsam erlebten tragischen Ereignisse.

Obschon bei Spukhausgeschichten nicht unbedingt rationale Erklärungen zu erwarten sind, wird sich hier zumindest darum bemüht. Das Ende des Buches, das sich zwischen Horrorroman, Drama und Mysterythriller bewegt, ist allerdings kurz gefasst und im Vergleich zur jahrzehntelangen, unberechenbaren Brutalität des Hauses zu einfach gestrickt.

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Veröffentlicht am 19.03.2026

Wie viel Freiheit hält die Liebe aus? Zeitlose Geschichte über die Angst, sich selbst in einer Beziehung zu verlieren

Die beste aller Beziehungen
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Martina und Gustav lernen sich an der Universität Stockholm kennen, haben gleiche Interessen und philosophieren gemeinsam über Bücher und Filme. Sie verlieben sich in einander, haben jedoch unterschiedliche ...

Martina und Gustav lernen sich an der Universität Stockholm kennen, haben gleiche Interessen und philosophieren gemeinsam über Bücher und Filme. Sie verlieben sich in einander, haben jedoch unterschiedliche Vorstellungen von einer Beziehung. Während sich Gustav fest binden möchte, an Zusammenziehen und Heiraten denkt, schreckt Martina diese Vorstellung ab.
Martina und Gustav können nicht mit, aber auch nicht ohne einander, weshalb sich eine jahrelange On-Off-Beziehung entwickelt, während der sie auch Beziehungen mit anderen Partnern eingehen, diese jedoch immer am jeweils anderen messen.

"Die beste aller Beziehungen" ist ein schwedischer Bestseller aus dem Jahr 1976, der nun erstmals ins Deutsche übersetzt wurde.
Die Geschichte wird aus der Perspektive von Martina geschildert, die sehr reflektiert ist und sich bewusst ist, dass ihre Einstellung zu Liebe, Partnerschaft und Ehe einer festen Bindung wenig zuträglich ist. Gustav verlieren möchte sie jedoch auch nicht, weshalb sie es hinnimmt, wenn er andere Frauen trifft - und sich das gleiche Recht nimmt.

Martina ist auch in Bezug auf ihr Studium und ihren Beruf rastlos, ist unstet und ständig auf der Suche nach Veränderung. Ihr Charakter, der immer wieder an sich zweifelt und Dinge in Frage stellt, wirkt glaubwürdig, aber auch Gustav als männlicher Gegenpart, der sich nach körperlicher Nähe sehnt, ist nachvollziehbar dargestellt.

Martina und Gustav probieren im Verlauf der Jahre Freundschaft und Polygamie, aber optimal ist keine der Lösungen. Fraglich ist, ob beide zusammen als Paar wirklich glücklich werden können.
Die Geschichte wird mit einer klugen Beobachtungsgabe undramatisch erzählt, was gut zu den Figuren passt. Mit dem jahrelangen Harren auf ihren Standpunkten ist die Erzählung aber auch etwas behäbig und mit wenig neuen Impulsen versetzt, so dass sie insgesamt straffer erzählt werden können, ohne die Länge auf über 600 Seiten auszudehnen.

Das Buch thematisiert gekonnt die Gegensätze Liebe und Freiheit, Zusammensein und Unabhängigkeit und hat damit nichts an seiner Aktualität eingebüßt. Es ist eine zeitlose Geschichte über die Schwierigkeit, Kompromisse einzugehen und die Angst, sich selbst in einer Beziehung zu verlieren.

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Veröffentlicht am 14.03.2026

Zwischen Leben und Tod - beklemmender Psychothriller mit etwas banaler Auflösung

Voices. Ich kann euch hören
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Die Kriminalpsychologin Tamsin Shaw liegt nach einem ungeklärten Autounfall seit drei Jahren im Wachkoma. Bis auf eine ihrer Krankenschwestern ahnt niemand, dass Tamsin sich zwar nicht bewegen kann, aber ...

Die Kriminalpsychologin Tamsin Shaw liegt nach einem ungeklärten Autounfall seit drei Jahren im Wachkoma. Bis auf eine ihrer Krankenschwestern ahnt niemand, dass Tamsin sich zwar nicht bewegen kann, aber tatsächlich jedes Wort versteht, das an ihrem Bett gesprochen wird.
Während sie scheinbar schläft, offenbaren ihre Besucher, ihr Ehemann, ihre beste Freundin, ihr Ex-Freund und ihr letzter Patient, ihre Geheimnisse.
Für Tamsin beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit, als sie erfährt, dass ihr Ehemann beabsichtigt, die lebenserhaltenden Maßnahmen einstellen zu lassen, damit Tamsin, aber auch er selbst und die gemeinsame Tochter, Frieden finden können.

Der Roman wird aus den Perspektiven von Tamsin und ihrem Ehemann Jamie erzählt. Während Tamsin versucht, ihre Erinnerungen hervorzurufen, um herauszufinden, was sie blockiert, lebt Jamie sein Leben weiter, wobei er heimlich in einer neuen Beziehung ist.
Rückblenden in ein "vorher" schildern Beziehungskrisen, finanzielle Schwierigkeiten und die Therapiesitzungen mit Richard Mandeville, einem verurteilen Sexualstraftäter.

Die Hauptfigur ist gefangen im eigenen Körper, was für eine klaustrophobische Stimmung sorgt. Je näher Tamsins angestrebter Todeszeitpunkt rückt, desto mehr Dynamik entsteht unter den Besuchern, die unterschiedliche Interessen verfolgen. Streitgespräche und Geständnisse rufen Reaktionen bei Tamsin hervor, die diese nicht bewusst steuern kann.

"Voices" ist ein unblutiger Thriller mit einer begrenzten Anzahl an Personen, die ihre Geheimnisse haben und sich zwischen Manipulation und Schuldgefühlen bewegen. Der Wechsel zwischen Gegenwart und Vergangenheit offenbart nur allmählich die Zusammenhänge und sorgt damit für anhaltende Spannung, auch wenn am Ende ein großer Knalleffekt ausbleibt und sich das Konstrukt in Wohlgefallen auflöst.

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Veröffentlicht am 07.03.2026

Be careful what you wish for - magische Liebesgeschichte über zweite Chancen

You and Me - Die zweite erste Liebe
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Jules und Adam haben sich 1989 kennen und lieben gelernt und sind inzwischen seit fast 25 Jahren verheiratet. Die beiden gemeinsamen, erwachsenen Kinder leben noch bei ihnen. Die Routinen haben sich eingefahren, ...

Jules und Adam haben sich 1989 kennen und lieben gelernt und sind inzwischen seit fast 25 Jahren verheiratet. Die beiden gemeinsamen, erwachsenen Kinder leben noch bei ihnen. Die Routinen haben sich eingefahren, aber kleinere und größere Streitereien stehen im Familienalltag an der Tagesordnung. Jules und Adam sind nicht unglücklich, aber auch nicht wirklich zufrieden mit dem Leben, das sie gemeinsam führen.
Im Gartenschuppen, in den sich Adam regelmäßig zurückzieht, öffnet Adam eine Kiste mit Mixtapes, die er und Jules früher für einander aufgenommen haben und die Jules eigentlich entsorgen möchte. Als Adam eine der Kassetten einlegt, um in liebevollen Erinnerungen zu schwelgen, findet er sich in seinem alten Kinderzimmer wieder.
Jules und Adam erhalten die Chance, in der Zeit zurückzureisen und entscheidende Momente ihrer Vergangenheit erneut zu erleben. Sehnsüchtig nach der jungen Liebe haben sie die Möglichkeit, ihre Zukunft zu beeinflussen, doch die Folgen sind unkontrollierbar.

"You and Me - Die zweite erste Liebe" ist der Roman eines Autorenduos, das selbst verheiratet ist und diese Erfahrungen sind auf jeder Seite zu spüren. Trotz des Science-Fiction-Aspekts der Zeitreisen wirkt die Geschichte damit authentisch und die Protagonisten lebensecht und mit ihren Gefühlen nachvollziehbar.

Durch die Mixtapes, die einen Sprung in der Zeit ermöglichen, erleben Jules und Adam nicht nur erneut ihre erste Anfangsverliebtheit, sondern die Geschichte geht noch viel weiter. Wie sie es aus Zeitreisefilmen à la "Zurück in die Zukunft" kennen, haben beide Respekt davor, die Vergangenheit so zu verändern, dass es Auswirkungen auf die Zukunft hat, die sie gar nicht abschätzen können. Die Neugier und der Wunsch nach Selbstoptimierung und Verbesserung ihres Ehealltags ist jedoch größer, was beide in Versuchung führt.

Durch die beiden Perspektiven aus weiblicher und männlicher Sicht sowie die steten Sprünge zwischen Gegenwart und Vergangenheit, beginnend im Jahr 1989, ist die Geschichte abwechslungsreich und unterhaltsam. Mit dem Wissen aus der Zukunft manipulieren Jules und Adam ihre gemeinsame Geschichte in der Hoffnung auf ein besseres Leben in der Gegenwart.
Was wäre wenn, sie in einem Punkt anders abgebogen wären - in materieller oder emotionaler Hinsicht? Und ist dieses vermeintlich bessere Leben wirklich besser oder ergeben sich daraus nur wieder neue Probleme?

Es ist eine erwachsene Liebesgeschichte, die aufzeigt, wie schwierig es ist, sich als Paar im Alltag nicht zu verlieren. Gleichzeitig zeigt der Wunsch nach Verbesserung, dass die Liebe nicht verloren ist, sondern Aufmerksamkeit, Einfühlungsvermögen, Kommunikation und Loyalität braucht.
Auch wenn die Botschaft des Romans, dankbar zu sein, für das, was man hat, sehr schnell deutlich wird, entwickelt sich die Liebesgeschichte durch die Manipulationen und die ausufernde Einflussnahme auf eine perfekte Zukunft mit einem bangen Gefühl spannender als gedacht.

Die Spotify-Playlist, auf die zu Beginn des Romans hingewiesen wird, ist ein stimmiges Gimmick, um sich selbst auf eine musikalische Zeitreise zu begeben.

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Veröffentlicht am 06.03.2026

Drei verlorene Personen an einem lost place - kein klassischer Krimi, aber eine Geschichte mit menschlichen Abgründen

Giftiger Grund
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Joran ist nach knapp sieben Jahren Haft wegen eines bewaffneten Raubüberfalls wieder auf freiem Fuß kehrt an den Tatort zurück, um nach dem dort versteckten Diebesgut zu suchen. Doch mitten in der Nacht ...

Joran ist nach knapp sieben Jahren Haft wegen eines bewaffneten Raubüberfalls wieder auf freiem Fuß kehrt an den Tatort zurück, um nach dem dort versteckten Diebesgut zu suchen. Doch mitten in der Nacht findet er die Leiche seines ehemaligen besten Freundes und ist zudem nicht allein an der stillgelegten Tankstelle. Charu dreht an dem lost place Aufnahmen für ihren Social Media-Kanal und wird selbst von einem jungen Mädchen im Schlafanzug überrascht, das dort Zuflucht sucht.
Während Charu herauszufinden versucht, was es mit dem Mädchen auf sich hat, bekommt Joran zu spüren, wie schwer es ist, die Vergangenheit hinter sich zu lassen und sich als ehemaliger Häftling zu resozialisieren.

"Giftiger Grund" ist kein Kriminalroman im klassischen Sinn, denn trotz des Funds einer Leiche zu Beginn des Romans handelt er nicht von den Ermittlungen zur Aufklärung der Tat. Im Vordergrund stehen stattdessen die Schicksale von drei ganz unterschiedlichen Personen, die auf ihre Art verloren erscheinen und an einem "lost place" zufällig auf einander treffen.

Die Geschichte wird abwechselnd aus den drei Perspektiven der Hauptfiguren geschildert, wobei ihre schwierigen, gar ausweglosen Situationen, die sie verzweifeln lassen und wütend machen, realitätsnah wirken. Geprägt von ihren Erfahrungen begegnen sie einander misstrauisch, bis sie zu einer Schicksalsgemeinschaft werden.

Die Handlung ist aufreibend und entwickelt durch den Druck, der auf den Figuren lastet, einen Lesesog. Alle drei sehen sich ihrem jeweiligen Peiniger ausgesetzt und werden erpresst. Die Gewalt eskaliert und es entwickelt sich ein Kampf ums Überleben, der in einer Täter-Opfer-Umkehr mündet.
Die Stimmung ist durchgehend düster und die derbe Sprache ist passend zur Situation und dem Milieu, in dem sich die Charaktere befinden.
Es geht um Schuld und Sühne, Vorurteile und zweite Chancen. Die Geschichte ist kurzweilig und dynamisch, berührt durch menschliche Abgründe und Ungerechtigkeit, entfaltet aber mit dem Fokus auf den dramatischen Schicksalen nicht die Spannung, die man von einem Kriminalroman erwartet.

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