Profilbild von marcello

marcello

Lesejury Star
offline

marcello ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit marcello über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 24.02.2026

Emotionale Herausforderungen

In the Likely Event – Bis wir uns wiedersehen
0

Während ich die Fantasy-Yarros immer noch nicht weiterverfolgt habe, sind ihre Liebesromane, die auf dem deutschen Buchmarkt veröffentlicht werden, sofort ein Must-Read. So auch bei „In the Likely Event“, ...

Während ich die Fantasy-Yarros immer noch nicht weiterverfolgt habe, sind ihre Liebesromane, die auf dem deutschen Buchmarkt veröffentlicht werden, sofort ein Must-Read. So auch bei „In the Likely Event“, das im Original 2023 erschienen ist.

Es ist bekannt, dass Yarros aus einer Militärfamilie stammt und dann auch in eine eingeheiratet hat, weswegen sie auch immer Liebesgeschichten aus diesem Kontext heraus erstellt. In Deutschland sind diese Militärfamilien deutlich seltener, weswegen es immer etwas fremd für mich wirkt, aber vom amerikanischen Markt kennt man es und ich finde auch, dass es Kontexte sind, die eine gewisse Emotionalität in sich tragen. Dennoch habe ich bei „In the Likely Event“ gemerkt, dass es emotionale Grenzen gibt, wo mein Verständnis dann fehlt, sodass ich einen gewissen Bruch merke, weil ich nicht mehr so mitfühlen kann, wie ich es von einer Autorin wie Yarros gewöhnt bin.

Zunächst mal finde ich das Buch gut erzählt, wenn es um die Struktur geht. Yarros arbeitet gerne mit unterschiedlichen Techniken, die es ihr erlauben, dass wir die Anfänge einer Liebesgeschichte verfolgen, dann aber auch in der Gegenwart etwas angeboten bekommen, was das Level trifft, sodass sich beide Perspektiven dann ideal ergänzen. Das hat hier auch wieder wunderbar funktioniert, denn die gemeinsame Vergangenheit mit Flugzeugabsturz und diversen Urlauben wird um die Afghanistan-Geschehnisse ergänzt, die wir 2021 erleben und beides hat eine ungeheure Bewandtnis, sodass ich beide Perspektiven gleichwertig und mitreißend fand und das ist immer die halbe Miete. Ich fand es gerade bei der Afghanistan-Perspektive sehr interessant, dass Yarros da auf sehr konkrete Begebenheiten zurückgegriffen hat, über die sie durch ihren Hintergrund sicherlich auch echt Bescheid weiß. Zudem ist es auch für mich eine sehr präsente Vergangenheit, sodass ich mich auch an die deutsche Perspektive auf die Ereignisse noch gut erinnern kann.

Aber zunächst geht es mit dem Flugzeugabsturz los. Wow, was für eine Idee und das war gleich zu Anfang etwas, was emotional reingehauen hat. Es war zum Mitfiebern, aber es hat auch wirklich eine Verbindung geknüpft, die man dann gerne weiterverfolgen will. Auch der Afghanistan-Teil hat für mich gut funktioniert, weil er eine Relevanz hat. Aber was mir dann nicht so ideal gefallen hat, dass war der Zwischenweg. Wir erfahren zu Nates Vergangenheit zwar die entscheidenden Infos, aber dennoch ist er als Mann sehr zugeknöpft zu seinen Gefühlen über seine familiäre Situation und das hat es für mich schwierig gemacht, immer diese Geduld von Izzy zu ertragen. Und hier fehlte mir dann auch das militärische Verständnis irgendwann, denn diese absolute Hingabe an den Job, wenn es um Krieg und Fernbleiben von den Liebsten geht, da fehlt irgendwann die Logik, zumindest aus meiner Perspektive. Wir erleben auch, was das Erlebte mit Nate macht. Ja, er ist echt gut in seinem Job, aber weil es ihn gleichzeitig so ausgehöhlt hat, war es noch viel schwieriger, immer nachzuvollziehen, warum er den Absprung nicht geschafft hat. Auch wenn ich das Ende für den angebotenen Kontext wieder sehr passend fand und dann auch meinen Frieden gemacht habe, so war die Liebesgeschichte zwischendurch nicht mehr das, was der Anfang versprochen hatte.

Ich habe das Buch auch teilweise als Hörbuch gehabt, sodass ich die mir bekannten Stimmen Rebecca Veil und Tim Gössler nur lobend erwähnen kann. Sie haben die prinzipiell emotionalen Szenen sehr gut transportiert bekommen.

Fazit: Ich lese die Liebesromane von Rebecca Yarros wirklich gerne und da ist auch „In the Likely Event“ keine Ausnahme, aber gleichzeitig war es auch das Buch, wo ich bislang die größte emotionale Barriere gemerkt habe. Der militärische Kontext gehört zu den Büchern, aber es ist nicht, wie ich groß geworden bin, sodass mir hier stellenweise das Verständnis fehlte. Insgesamt hat aber Yarros viele richtige Entscheidungen getroffen und ich würde vom Lesen niemals abraten, dafür ist es trotz der Kritik zu gut.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 18.02.2026

Thematisch leidenschaftlich, mit Luft nach oben

My Idea of No. 14
0

Ich habe Alicia Sommer bei Lyx schon etwas länger im Auge gehabt, habe dann aber jetzt doch etwas gebraucht, aber die baldige Veröffentlichung von ihrem dritten Band der LA Vipers-Reihe ist doch Anlass ...

Ich habe Alicia Sommer bei Lyx schon etwas länger im Auge gehabt, habe dann aber jetzt doch etwas gebraucht, aber die baldige Veröffentlichung von ihrem dritten Band der LA Vipers-Reihe ist doch Anlass genug, die Sports Romance-Reihe sich nun mal genauer anzuschauen.

Es ist nicht unbedingt so, dass Sports Romance für mich das absolute Muss ist, aber ich lese die Bücher im Allgemeinen doch gerne und bei „My Idea of No. 14“ da hat mich schon der Klappentext sehr angezogen, denn Leahs Bestreben, in eine absolute Männerdomäne vordringen zu wollen, klingt einfach reizvoll. Ich war zwar in meiner Jugend nicht das einzige Mädchen mit glühender Leidenschaft für Fußball, aber es war doch selten, vor allem weil ich mich auch richtig eingedacht und alles inhaliert habe. Auch wenn ich nie Fußballtrainerin werden wollte, aber trotzdem habe ich schnell viel in Leah von mir entdeckt und wollte sie unbedingt besser kennenlernen. Da ich auch das Interview mit der Autorin im Rahmen des Lyx-Podcasts gehört habe, hat sich beim Lesen ihre Leidenschaft für den Sport sofort widergespiegelt. Ich selbst bin von dem Sport noch nicht mitgerissen worden, aber ich habe schon deutlich gemerkt, dass Sommer weiß, wovon sie schreibt, weil sich die ganzen Geschehnisse mit den verschiedenen Coaches, die Spielbeschreibungen sehr echt anfühlten.

Charakterlich muss ich sagen, dass ich Leah und Sam prinzipiell beide mochte, aber ich fand es etwas schade, was für ein Schwerpunkt zwischendurch gewählt wurde. Bei der gewählten Thematik, dass Leah nicht nur Journalistin oder Cheerleaderin werden will, sondern tatsächlich Trainerin, war klar, dass Vorurteile aufgrund des Geschlechtes eine Rolle spielen müssen, aber ich fand es sehr schade, dass Leah irgendwie selbst geglaubt hat, sie treffe als Frau zu viele falsche Entscheidungen in Bezug auf Männer. Zumal dann die beschriebenen Momente der Vergangenheit auch wahrlich kein Drama waren, sondern alle hochstilisiert wurden. Dementsprechend tat es fast weh, dass Leah da so wenig Selbstbewusstsein hatte. Ich habe keinesfalls erwartet, dass sie mit ihrem Ziel tough und unverwundbar ist, aber das fand ich zu einseitig und es hat in der Konsequenz dann auch die Liebesgeschichte etwas überschattet, weil alles, was zwischen ihr und Sam passierte, wegen der Geheimniskrämerei und ihres Selbstbildes, verboten wirkte.

Aber auch ohne den Eindruck finde ich, dass die Geschichte etwas schnell erzählt ist. Gerade die gemeinsamen Szenen zum Thema Football und Tanzen, die hätten gerne noch mehr ausgearbeitet werden können. Man hat einfach ständig den Schatten des Vaters gespürt, weswegen einiges etwas gehetzt wirkte. Aber insgesamt sehe ich das auch nicht überkritisch, denn Sommer ist noch relativ unerfahren und gerade dieser Eindruck von Oberflächlichkeit, das ist oft total normal und wird von Reihe zu Reihe weniger. Charakterlich war das auch gar nicht so entscheidend, mehr im Aufbau der Handlung, dass ich einfach manches gerne ausführlicher gehabt hätte, anderes hätte man etwas reduzieren können, wegen Wiederholungen (wieder Stichwort Vater). Das sind dann getroffene Entscheidungen, die man gut nachvollziehen kann, aber Potenzial für mehr wäre in jedem Fall da gewesen.

Fazit: „My Idea of No. 14” macht durchaus Lust auf mehr. Mir gefällt vor allem Alicia Sommers Leidenschaft für die Thematik sehr. Es geht schriftstellerisch noch mehr, weswegen ich schon gespannt bin, wie ich es in Band 2 empfinde.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 16.02.2026

Cheerleading als Protagonist

Cheer for Love
0

Ki Stephens ist neu auf dem deutschen Buchmarkt und College-Romance ist für mich nicht mehr so selbstverständlich wie vor einigen Jahren, aber dennoch greife ich immer gerne nochmal zu, gerade bei Autoren, ...

Ki Stephens ist neu auf dem deutschen Buchmarkt und College-Romance ist für mich nicht mehr so selbstverständlich wie vor einigen Jahren, aber dennoch greife ich immer gerne nochmal zu, gerade bei Autoren, die ich noch nicht kenne. So kam ich an „Cheer for Love“.

Football haben wir doch relativ oft in NA-Geschichten, aber Cheerleading ist dann öfters nur ein Platzhalter für die Frau in der Geschichte. Umso überraschter war ich, dass Cheerleading, ganz dem deutschen Buchtitel entsprechend, quasi selbst ein Protagonist ist. Das hat mir richtig gut gefallen, weil es eine ganz andere Nuance hatte. Ich fand es zwar stellenweise etwas schwierig, die ganzen Begrifflichkeiten von den Stunts mir vorzustellen oder richtig zu interpretieren, aber wenn man so professionelle Cheerleading-Wettbewerbe schon mal mitbekommen hat, dann reicht das als wichtige Hilfe, dass ich es mir zumindest ungefähr vorstellen konnte. Football fiel zwar nicht komplett hinten über, aber es war nur eine kleinere Rolle und der Rest war Cheerleading und das hat mir Spaß bereitet.

Bei einem Aspekt kann ich Stephens als Autorin noch nicht richtig einschätzen, der sich gleich in mehreren Ebenen abbilden lässt. Die Autorin schwankt für mich sehr zwischen intensiv und ausführlich erzählend und sich dann wieder an der Oberfläche zu verlieren. Ich kenne viele Genrebücher, die sind einfach oberflächlich. Die kann man vielleicht gut lesen, aber sie geben mir emotional wenig. Wenn es aber Teile der Geschichte gibt, die richtig etwas anrühren, dann fällt auf, wenn die Autorin an anderen Stellen dann nachlässig wird und das wäre meine Kritik nach „Cheer for Love“. Ella und Hudson sind für mich beide Figuren, die mit Tiefe angelegt sind. Er hat einen Schicksalsschlag hinter sich, der ihn bis ins Jetzt prägt. Sie kommt aus sehr unterkühlten Familienverhältnissen und hat ihre wichtigste Bezugsperson frisch verloren. Ich wollte gerne mehr zu den beiden erfahren, aber ich habe doch zu oft eine Barriere empfunden. Deswegen gab es auch Meilensteine in ihrer gemeinsamen Geschichte, in denen ich ihn oder sie dann nicht richtig verstanden habe und teilweise sogar launisch empfand. Gerade am Ende finde ich dann auch, dass manche Andeutungen einfach im Nichts verhallen.

Und auch wenn es mir auf manchen Ebenen etwas fehlte, so mochte ich die Geschichte insgesamt. Das Cheerleading reißt viel raus und ich finde auch eine Wendung richtig cool. Zumal Hudson auch ohnehin spannend angelegt ist, weil er athletisch sehr begabt ist, aber seine Zukunft mehr in Geschichte sieht und das liest man auch selten. Ich mochte auch viele, kleine Momente zwischen dem Paar, weil sie von süß bis intimer alles gut abgebildet haben. Wir haben auch zu genug Nebenfiguren viele Andeutungen, weswegen ich umso überraschter bin, dass ich noch keine Infos gefunden habe, dass eine Reihe geplant ist. Sollte da nichts mehr kommen, wäre das auch noch ein Kritikpunkt, weil definitiv Lust auf mehr entstanden ist und da auch bewusst Infos zurückgehalten wurden, die ich wissen will.

Fazit: Ki Stephens hat mich mit „Cheer for Love“ auf jeden Fall neugierig gemacht. Dass Cheerleading hier so prominent besetzt war, das war eine positive Überraschung und hat mir eine neue Welt eröffnet. Ansonsten hat der Schreibstil gewisse Tücken, weil ich mehr wollte, als ich bekommen habe. Alles in allem war es aber dennoch eine empfehlenswerte Lektüre, weil die Autorin Potenzial hat.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 20.01.2026

Selbst Fallen gestellt - umkurvt?

Die Frau des Serienkillers
0

Die Serienkiller-Trilogie von Alice Hunter habe ich erstmal gehortet und anderen zu lesen gegeben, ehe ich dann selbst doch nun endlich bei „Die Frau des Serienkillers“ zugegriffen habe. Es ist immer schwierig, ...

Die Serienkiller-Trilogie von Alice Hunter habe ich erstmal gehortet und anderen zu lesen gegeben, ehe ich dann selbst doch nun endlich bei „Die Frau des Serienkillers“ zugegriffen habe. Es ist immer schwierig, wenn man so spät auf einen Zug aufspringt und so viel über eine Reihe gehört hat und weiß hier eine Wendung, dort eine Wendung. Und dennoch wollte ich jetzt mal selbst schauen, was ich von dem Auftakt der Trilogie halte.

„Die Frau des Serienkillers“ arbeitet mit einem eher selteneren Stil. Einen Teil haben wir als gegeben, dafür sind andere Aspekte noch völlig unklar. Hier wissen wir, dass Tom tatsächlich ein (Serien-)Killer ist. Offen ist aber, was Beth weiß, ob es noch weitere Mysterien gibt und ob Tom alles so gedreht bekommt, dass er als freier Mann rauskommt. Das ist schon eher ungewöhnlich, eröffnet aber natürlich auch andere Möglichkeiten. Die Kapitel aus Toms Sicht sind deutlich seltener, aber sie geben doch nach und nach mehr Einblicke in seine Psyche. Das funktioniert natürlich nur so gut, weil wir wissen, wer er ist. Besonders aussagekräftig waren aber auch die Rückblicke in die gemeinsame Geschichte von Katie (Freundin vor Beth) und Tom. Es war schon krass, die beiden Perspektiven direkt hintereinander zu haben, um die riesigen Unterschiede wahrzunehmen. Was mir in Bezug auf Tom gefehlt hat, das war ein wenig die Perspektive, was bei Beth anders war. Ich konnte natürlich Vermutungen anstellen, aber es wäre doch gut gewesen, es mal von Tom konkret kommentiert zu hören.

In der ganzen Stilistik des Buchs muss ich auch sagen, dass es mir sehr schwer fiel, Sympathien zu entwickeln, mit egal welchem Charakter. Tom ist eh klar, aber auch Beth als titelgebende Figur war niemand, mit der ich besonders mitfühlen konnte, obwohl sie natürlich in eine Ausnahmesituation geworfen wurde, die man niemandem wünscht. Aber man hat ihr immer eine gewisse kalkulierende Seite angemerkt. Ich kenne das von mir selbst, wenn der Verstand lauter als das Herz ist, dass im Moment fühlen schwieriger ist, aber es gab mehrere Situationen, in denen Beth bewusst ‚falsche‘ Emotionen eingesetzt hat, um für sich Mitgefühl zu erzeugen. Und es war schon verdammt schwierig, das einzuschätzen. Gleichzeitig habe ich auch gemerkt, dass Charaktere wie Julia und Adam von mir eine gehörige Portion Skepsis abbekommen haben. Das machen solche Bücher schnell schon mal mit einem, dass man niemandem mehr vertrauen kann, gerade wenn man weiß, dass es Wendungen geben wird und die könnte man jedem zutrauen.

Dementsprechend war die Mischung aus Spannung, Skepsis und wenig Identifikation ein durchgehendes Muster, was für mich das Buch nicht zu einer Spitzenlektüre werden lassen konnte, was mich aber trotzdem mit den Facetten an der Stange gehalten hat. Das Bedürfnis durchzulesen, wurde gefördert, das definitiv. Letztlich muss ich auch sagen, dass mich die Wendung am Ende doch überrascht hat. Hunter hat genug falsche Fährten erzeugt und Ablenkungen geschaffen. Vielleicht ist der Klappentext ein bisschen zu verratend geraten, wenn ich mir das im Rückblick durch den Kopf gehen lasse, aber ich habe mir dabei nicht zu viel gedacht und deswegen kam für mich alles überraschend. Damit wurde die Mission erfüllt. Aber einige Passagen zwischendurch waren zu langatmig, gerade wenn wir zu eng an Beth klebten.

Fazit: „Die Frau des Serienkillers“ hat schon im Genre einen ganz eigenen Stil entwickelt, was positiv ist. Die Kenntnis des Killers erlaub mehr Psychologisches, aber natürlich geht auch etwas an Spannung für manches weg. Andere Aspekte waren aber offen und ich wurde letztlich reingelegt. Insgesamt aber ein Stil, der sich selbst auch Fallen gestellt hat, die mal besser und mal schlechter umkurvt wurden. Ich bin jetzt aber gespannt, wie die anderen beiden Bände gestaltet sind.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 20.01.2026

Gute und weniger gute Eindrücke

Not Quite Dead Yet
0

Ich habe noch kein einziges Buch von Holly Jackson gelesen, habe aber die Adaption ihrer Jugendbuchreihe rund um Pip gesehen. Da ich inzwischen gemerkt habe, dass ich für Jugendbücher manchmal etwas zu ...

Ich habe noch kein einziges Buch von Holly Jackson gelesen, habe aber die Adaption ihrer Jugendbuchreihe rund um Pip gesehen. Da ich inzwischen gemerkt habe, dass ich für Jugendbücher manchmal etwas zu ‚alt‘ bin, kann ich mir das szenisch umgesetzt deutlich besser geben. Woran das genau liegt, keine Ahnung. So war ich jetzt aber doch neugierig auf „Not Quite Dead Yet“, wo die Protagonistin Jet diesmal deutlich näher an meinem eigenen Alter ist, sodass sich der Thriller auch an ein älteres Zielpublikum richtet.

Ich habe das Hörbuch gehabt. Nicolás Artajo spricht nur wenige Passagen, ist daher als Wahl für mich auch eher uninteressant gewesen. Wobei er als Ausgangspunkt einer Kritik sich dann doch sehr gut eignet. Er ist zwar selbst nicht mehr so jung wie seine Figur, aber er hat eine sehr junge Stimme, weswegen er im NA-Genre doch echt häufig zu hören ist. Vera Teltz wiederum hat eine sehr reife Stimme, die gut zum Alter der Hörbuchsprecherin passt und wenn ich mir so angucke, was sie sonst spricht, dann sind das viele Thriller und Krimis, was ich auch gut nachvollziehen kann. Deswegen vermute ich auch, dass hier einfach nach Genre besetzt wurde, aber es ist für mich unglücklich. Es ist ein Thriller, ja, aber Jet ist keine 30 Jahre und die Stimme passte für mich überhaupt nicht, gerade dann auch im direkten Vergleich zu Artajo.

Weiterhin kommt für mich hinzu, dass ich bei Jet schnell den Eindruck hatte, dass sie eine Kopie von Pip ist. Die Jugendliche kenne ich wie gesagt nur durch die Serie, aber spätestens mit dem Buch hier weiß ich, dass ich eine authentische Adaption bekommen habe, denn die Art von Pip ist in Jet genau wiederzuerkennen. Sie ist zwar zehn Jahre älter, aber sie wirkt dennoch sehr jung geblieben, in vielen Sequenzen auch arg naiv. Da passt die Stimme dann noch weniger, weil Teltz den Eindruck einer reifen Frau ausstrahlt und Jet ist es aber charakterlich null. Das ist hier mein Kritikpunkt, weswegen ich vom Hörbuch wohl eher abraten würde.

Kommen wir jetzt zu dem, was Jackson alleine beeinflussen konnte. Ich fand es erst etwas schwierig reinzukommen, weil wir bei dem Dorffest viele Charaktere kennenlernen, man ahnt, dass alles an diesem Abend entscheidend sein könnte, um das Rätsel zu lösen und in dem Sinne war es dann viel für den Einstieg. Mit dem Angriff auf Jet kommt dann der erste Bruch, der das Tempo rausnimmt und ab da fiel es mir auch leichter, mich einzufinden. Ich habe die Familienmitglieder sortiert bekommen, wir lernen weitere Bezugspersonen kennen und man bekommt erste starke Eindrücke, mit wem man es zu tun bekommt. Bei meinem Vergleich von Jet und Pip ist schon angeklungen, dass beide sich sehr ähneln, dementsprechend fand ich auch nicht unbedingt, dass Jackson sich mit „Not Quite Dead Yet“ neu erfunden hat. Sicherlich hat sie bei mehr Aspekten einen raushauen können, mehr ihre Grenzen austesten können, aber von der Atmosphäre her wirkte es nicht so erwachsen, wie man das sonst aus dem Genre kennt. Aber ich finde es nur halbschlimm, weil die Idee des Thrillers spannend ist. Jet überlebt den Mordversuch auf sich, hat aber dennoch eine klar definiert runterlaufende Lebenszeit, sodass sie den Täter finden will.

Wie realistisch das ist, das ist eine andere Frage, aber als Ausgangspunkt fand ich es sehr interessant, weil es der letzte finale Antrieb ist, während die Familie das alles noch gar nicht richtig zu packen bekommt und es natürlich gerne verhindern würde. Da kommt Billy als Kindheitsfreund ins Spiel und er war Jet ein wirklich toller Partner. Er hat sie machen lassen, aber er hat ihr durch seine Art auch etwas Lebensqualität noch mitgegeben. Sie haben noch wichtige Gespräche geführt, sie durfte sein Musiktalent entdecken, da war viel, was den Spannungselementen einen melancholischen Ausgleich verschafft hat. Es war letztlich auch für Jet eine Reise, die haltlos war und auch wenn sie keine zweite Chance mehr bekommen hat, so hat sie etwas über sich gelernt und konnte so eine Art Frieden finden. Jet und Billy zusammen waren damit echt mein Highlight des Buchs.

Die Thriller-Elemente würde ich wohl ambivalent betrachten. Die Familiendynamik der Masons war schon etwas seltsam. Die Sorge um Jet wirkte echt, aber drum herum waren alle etwas undurchsichtig, sodass sie aus dem Verdächtigenkreis auch nicht völlig auszuschließen waren. Und das wiederum fand ich dann fast etwas zu viel, dass Jet sterben wird und gleichzeitig alles möglich schien, was mir einfach unbehaglich war. Ich fand ansonsten aber die Spannung immer gut gesetzt. Wir sind immer etwas voran gekommen, wir hatten zwischendurch benötigte Pausen, wir hatten auch falsche Fährten, die aber dennoch etwas gebracht haben. Letztlich hat mir auch gut gefallen, dass es ein organisches Ende gab. Man hätte vermuten können, dass es wie in Fiktion schon mal üblich, eine Wunderheilung gibt oder Ähnliches. Aber nein, es wurde gemacht, was angedeutet wurde und ein kleiner Umstand hat mir da besonders gut gefallen, auf den ich hier aber nicht eingehe. Er hat die Geschichte aber extrem echt gemacht.

Fazit: Als Hörbuch würde ich „Not Quite Dead“ nicht unbedingt empfehlen, inhaltlich sehe ich Für und Wider. Der Thriller kommt jetzt nicht unbedingt viel reifer als die Jugendbuchreihe rüber, sie hat aber eine interessante Idee und viele Wendungen sowie ein unschlagbares Duo. Es war manchmal etwas viel, was alles zusammenkam, aber insgesamt doch zu empfehlen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere