Zaubert stilistische Schwächen zunehmend weg
When Shadows Darken the SunFür die letzte Vorschau von Lyx wurden gleich mehrere neue deutsche Autorinnen angekündigt und Nina Schiling mit ihrem The Day und Night Duet hat mich dort gleich am meisten angesprochen. Dann zu verfolgen, ...
Für die letzte Vorschau von Lyx wurden gleich mehrere neue deutsche Autorinnen angekündigt und Nina Schiling mit ihrem The Day und Night Duet hat mich dort gleich am meisten angesprochen. Dann zu verfolgen, wie viel am Marketing für das Buch gemacht wurde, hat mich noch neugieriger werden lassen und so habe ich in den Auftakt „When Shadows Darken the Sun“ nun doch sehr gespannt gelesen.
Mein Eindruck ist ein wenig zwiespältig, wobei es eindeutig Richtung positiv ausschlägt, aber es hat mich nicht so restlos mitgerissen, wie ich das gerne gehabt hätte. Gerade in so einer Fantasy-Welt ist es für mich schon sehr wichtig, dass ich gleich emotional oder auf andere Weise an die Handlung gebunden werde. Denn lange beschreibendes World Building zermürbt mich eher, ich brauche da eine gesunde Mischung. Schilling ist das nicht ideal gelungen. Ich würde zwar nicht behaupten, dass ihre beschreibenden Passagen sich nur auf das World Building beziehen, aber egal, ob es auch viel Innenleben einbezieht, aber es war einfach was zu viel. Da ich auch sehr begeisterte Stimmen vernommen habe, habe ich regelrecht damit gerechnet, schnell eingenommen zu werden, aber genau das blieb aus. Ich war fasziniert von der Idee, von den ganzen Kontrasten, aber es war noch kein Rhythmus, bei dem ich das Buch nur ungerne aus der Hand lege.
Zusätzlich ist mir dann auch aufgefallen, dass Schilling in ihrem sehr beschreibenden Stil oft Halbsätze anbietet. Das ist wahrlich nicht mehr ungewöhnlich in Büchern, aber es gibt für mich schon noch das Argument, dass es mal besser, mal schlechter passt. Wenn es so Wortspiele sind, wie beispielsweise bei dem Stil von Merit Niemeitz, dann passt das ideal, aber gerade in beschreibenden Passagen, die die Umgebung etc. betreffen, finde ich das dann etwas seltsam, weil es mich auch rausbringt, wenn inmitten von vollständigen Sätzen Halbsätze kommen. Das ist mir aber auch eher nur im ersten Viertel aufgefallen. Entweder ich habe mich irgendwann dran gewöhnt, oder es war später mehr dieses Emotionale, wo es wieder besser passt.
Nach dieser Kritik, die Stilistik betreffend, lobe ich dann aber ausdrücklich, denn ich mochte die Idee des ersten Bandes echt sehr und ich finde auch, dass man einen klaren Plan erkannt hat. Ich hoffe sehr, dass wir die Sonnenwelt in Band 2 noch kennenlernen werden, denn die Nachtwelt war echt faszinierend und es waren auch coole Ideen, wie sich dort ohne Sonne zu helfen versucht wurde. Auch wenn ich jetzt nicht behaupten würde, dass die Geschichte von krassen Wendungen lebt, aber ich mochte schon, wie Schilling gewisse Enthüllungen verteilt hat. Sie waren vor allem gut auf die emotionale Steigerung des Buchs abgestimmt, denn die gemeinsame Rettungsmission von Cass und Nox hat die Beziehung und die Chemie zwischen den beiden ausdrücklich gesteigert, sodass manche Wahrheiten danach noch viel mehr reingehauen habe. Ich tue mich immer schwerer damit, für Paare in Romantasy mitzufiebern, als wenn ich einen regulären Liebesroman lese, aber hier war ich von Cass und Nox doch sehr eingenommen. Zumal es nicht viel Schnickschnack brauchte. Da war direkt ein Funke, von beiden und es war vor allem eine Entwicklung auf Augenhöhe, was mich angetan hat.
Der letztliche Wettbewerb war in den Prüfungen sehr unterschiedlich gestaltet, sodass es von Geschwindigkeit, Psychologie, Dramatik und Kampf doch eine gute Mischung gab. Da konnte man wirklich nachvollziehen, dass unterschiedliche Fähigkeiten überprüft werden. Ich mochte auch die jeweiligen Figurenzusammenstellungen. Es gab zwar einige Ekel, die man lieber weit auf Abstand hat, aber gerade die jeweiligen Gruppen rund um Cass und Nox hatten echt was, weil sie auch zu den Charaktersierungen der beiden beigetragen haben. In sehr viel Leid, Druck etc. kam da echte Freundschaft und eine Wohlfühloase rüber. Das Ende kam sehr überraschend. Ich hatte mich natürlich gefragt, wie es wohl endet und wie dann der zweite Band aussieht, aber Schilling hat das alles sehr offen gestaltet bekommen, sodass ich selbst mit dem Cliffhanger jetzt keinesfalls den zweiten Band vorzeichnen könnte. Das macht es umso spannender.
Fazit: Nina Schilling hat mich zunehmend mit „When Shadows Darken the Sun“ begeistern können. Meine Kritik liegt vor allem in der Stilistik, weil es zu Beginn zu beschreibend und dadurch zäh war und weil Halbsätze irritierend. Aber auf der inhaltlichen Ebene und bei den Charakteren war all das, was ich gerne habe, sodass ich beim zweiten Band auf jeden Fall dabei sein werde.