Profilbild von TochterAlice

TochterAlice

Lesejury Star
offline

TochterAlice ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit TochterAlice über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 24.04.2026

Hier stimmt einfach alles!

Tatort Trelleborg - Gunni Hilding ermittelt
0

Selten habe ich einen Krimi von Anfang an bis zum Schluss mit einer derart großen Begeisterung gelesen! Gunni Hilding ist als einfache Polizeimeisterin für die kleinen Tücken des Alltags im südschwedischen ...

Selten habe ich einen Krimi von Anfang an bis zum Schluss mit einer derart großen Begeisterung gelesen! Gunni Hilding ist als einfache Polizeimeisterin für die kleinen Tücken des Alltags im südschwedischen Trelleborg und gerät durch Zufall mit einem Gewaltverbrechen in Berührung: Ein kleiner Junge ist beim Spielen im Wald zu Tode gekommen, in einem Bach ertrunken. Bald stellt sich heraus, dass es eindeutig Mord war, doch seine beiden Kameraden haben nichts bemerkt. Oder tun sie nur so? Haben sie am Ende seinen Tod aus Versehen selbst verschuldet?

Eine sehr undurchsichtige Angelegenheit, Gunni bewährt sich bei den ersten Arbeiten so sehr, dass sie direkt ins Dezernat für Gewaltverbrechen versetzt wird. Dort fühlt sie sich ausgesprochen unwohl, hat das Gefühl, am falschen Platz und allen anderen unterlegen zu sein. Denn Gunni kommt - wie man so schön sagt - aus schwierigen Verhältnissen. Sie ist von ihren Eltern, Zeugen Jehovas, verstoßen worden und musste als junge Erwachsene außerhalb der Gemeinschaft, die sie ihr ganzes Leben umfangen hat, ganz neu anfangen.

Ich hatte bisher noch nie einen Krimi von Mattias Edvardsson gelesen, habe hier aber sofort Feuer gefangen, da der Autor die beiden Bereiche der Handlung so eindringlich und nahbar zu schildern vermag: Als Leserin konnte ich Gunnis Zweifel, andererseits aber auch ihren untrüglichen Instinkt sehr gut nachvollziehen. Ich hatte den Band viel zu schnell ausgelesen und freue mich bereits jetzt auf den nächsten Band dieser vielversprechenden neuen Reihe!

Veröffentlicht am 16.03.2026

Mitreißender Roman (nicht nur) über den Beginn des genossenschaftlichen Wohnungsbaus

Das Haus in Charlottenburg
0

Elise möchte als Schneiderin nicht nur Geld verdienen, sondern in ihrem Beruf, den sie liebt, auch kreativ sein und eigene Ideen verwirklichen können. Im ausgehenden 19. Jahrhundert im Wedding, einem ärmlichen ...

Elise möchte als Schneiderin nicht nur Geld verdienen, sondern in ihrem Beruf, den sie liebt, auch kreativ sein und eigene Ideen verwirklichen können. Im ausgehenden 19. Jahrhundert im Wedding, einem ärmlichen Viertel in Berlin, geradezu ein verwegener Wunsch. Doch sie lässt nicht locker und erhält durch Zufall tatsächlich eine Chance. Ebenfalls durch Zufall lernt sie den jungen Architekten Johann kennen, der sich für sozialen Wohnungsbau einsetzt und auch Möglichkeiten für ihre Familie darin sieht. Aber es gibt gegenteilige Interessen, die diese Möglichkeiten des sozialen Aufstiegs unterbinden wollen, wodurch auch ihre Beziehung zu Johann gefährdet ist. Ein wichtiger Protagonist ist auch Johanns Freund Louis, ein engagierter Arzt aus "guter Familie", durch dessen Einbindung auch ein fundierter Einblick in das Leben der Oberschicht, vor allem in das seiner Mutter, die anders als er nicht an Unterstützung der ärmeren Bevölkerung interessiert ist. Dadurch wird die Kluft zwischen arm und reich deutlich, die ebenso wie der Kampf der Frauen um einen Platz in der Arbeitswelt immer wieder zur Sprache kommt.

Wie man sieht, sind soziale Aspekte ein zentrales Thema dieses Romans und sie sind derart gegenständlich und "hautnah" dargestellt, dass auch Rezipienten, die dieses Thema nicht zu ihren vorrangigen Interessen zählen, begierig jede Information dazu aufsaugen werden

Ein historischer Roman, der einen tiefen Einblick in die sozialen Verhältnisse des späten Kaiserreichs gibt und die Leser*innen verstehen lässt, warum die deutsche Geschichte den uns heute bekannten Lauf nahm.

Veröffentlicht am 01.03.2026

Ein riesiger Generationenroman

Die Riesinnen
0

Die Frauen der Familie sind hoch gewachsen, schmal und sie wissen, was sie wollen. Wir lernen Liese, Cora und Eva jeweils in Wittenmoos kennen, ihrem kleinen Herkunftsort im Schwarzwald. Liese ...

Die Frauen der Familie sind hoch gewachsen, schmal und sie wissen, was sie wollen. Wir lernen Liese, Cora und Eva jeweils in Wittenmoos kennen, ihrem kleinen Herkunftsort im Schwarzwald. Liese wird nicht gut behandelt von ihrer Umgebung - vor allem von der Familie, in die sie eingeheiratat hat, doch der Tod erlöst sie früh von ihrem Mann, einem Metzger und Schläger. Sie schafft es, sich gegen ihre Schwiegereltern durchzusetzen und die Metzgerei über Jahrzehnte zu führen.

Ihre Tochter Cora hat ganz andere Pläne: sie zieht in die Welt, kehrt jedoch zurück. Deren Tochter Eva wiederum muss länger suchen, bis sie findet, was sie braucht.

Ein wundervoller, klarer und starker Roman über drei Generationen von Frauen, die sich, jede auf ihre Art durchzusetzen wissen. Scheitern ist für keine von ihnen eine Option. Stark sind sie deswegen längst nicht immer, aber sie sind auf jeden Fall mutig genug, um ihren jeweiligen Weg zu finden. Unterschiede und Übereinstimmungen zwischen den Generationen halten sich die Waage und werden von der Autorin Hannah Häffner so klar, so eindringlich präsentiert, dass man als Leser:in gar nicht anders kann, als sie zu begleiten: es ist nicht möglich, sich davon nicht einfangen zu lassen. So geht es mir zumindest. Und ich bin sicher, dass manch anderer sich ebenso wenig entziehen kann.

Veröffentlicht am 01.03.2026

Ein riesiger Generationenroman

Die Riesinnen
0

Die Frauen der Familie sind hoch gewachsen, schmal und sie wissen, was sie wollen. Wir lernen Liese, Cora und Eva jeweils in Wittenmoos kennen, ihrem kleinen Herkunftsort im Schwarzwald. Liese wird nicht ...

Die Frauen der Familie sind hoch gewachsen, schmal und sie wissen, was sie wollen. Wir lernen Liese, Cora und Eva jeweils in Wittenmoos kennen, ihrem kleinen Herkunftsort im Schwarzwald. Liese wird nicht gut behandelt von ihrer Umgebung - vor allem von der Familie, in die sie eingeheiratat hat, doch der Tod erlöst sie früh von ihrem Mann, einem Metzger und Schläger. Sie schafft es, sich gegen ihre Schwiegereltern durchzusetzen und die Metzgerei über Jahrzehnte zu führen.

Ihre Tochter Cora hat ganz andere Pläne: sie zieht in die Welt, kehrt jedoch zurück. Deren Tochter Eva wiederum muss länger suchen, bis sie findet, was sie braucht.

Ein wundervoller, klarer und starker Roman über drei Generationen von Frauen, die sich, jede auf ihre Art durchzusetzen wissen. Scheitern ist für keine von ihnen eine Option. Stark sind sie deswegen längst nicht immer, aber sie sind auf jeden Fall mutig genug, um ihren jeweiligen Weg zu finden. Unterschiede und Übereinstimmungen zwischen den Generationen halten sich die Waage und werden von der Autorin Hannah Häffner so klar, so eindringlich präsentiert, dass man als Leser:in gar nicht anders kann, als sie zu begleiten: es ist nicht möglich, sich davon nicht einfangen zu lassen. So geht es mir zumindest. Und ich bin sicher, dass manch anderer sich ebenso wenig entziehen kann.

Veröffentlicht am 16.02.2026

Eine Jugend ab vom Schuss

Sommer auf Perigo Island
0

Die erlebt Pierce zu Beginn der 1990er Jahre auf der kleinen Insel Perigo Island in Neufundland, Kanada. Es ist ein karges, hartes und auch gefährliches Leben, das man dort führt. Die meisten Männer sind ...

Die erlebt Pierce zu Beginn der 1990er Jahre auf der kleinen Insel Perigo Island in Neufundland, Kanada. Es ist ein karges, hartes und auch gefährliches Leben, das man dort führt. Die meisten Männer sind Fischer, so auch Pierces Vater, der eines Tages nicht mehr zurückkehrt. Seine Mutter arbeitet weiter wie die meisten Frauen in der Fischfabrik, doch schwebt ein Damoklesschwert über allen Bewohnern der Insel: die Gewässer sind überfischt - es zeichnet sich ein Ende dieser Lebensform ab und zwar in nicht mehr allzu ferner Vergangenheit.

Pierce verbringt seine Sommerferien mit seinen Freunden Bennie und Thomas und begegnet dem Mädchen Anna, mit der er sich so gut versteht, dass sie seine Schwester sein könnte. Auf einmal wird sie vermisst und die Jungs machen sich auf die Suche: nicht zu dritt, sondern zu viert, denn Bennies New Yorker Cousine Emily ist zu Besuch und Pierce erlebt ganz neue Gefühle.

Bei ihrer Suche stoßen sie auf ein geheimnisvolles Haus, das von einem unheimlichen Mann bewohnt wird und begegnen auch weiteren Dämonen in sichtbarer und unsichtbarer Form.

Doch Pierce trifft in diesem Sommer auch Verständnis, Verbundenheit und entdeckt so einiges hinter seinem bisherigen Horizont.

Während der Lektüre habe ich meine eigenen frühen Teenagerjahre noch einmal erlebt und fühlte mich verstanden, auch wenn ich selbst weiblich bin und in einer deutschen Großstadt aufwuchs. Das Dickicht, durch das man sich in seiner Jugend selbst finden muss, schildert der Autor Perry Chafe so eindringlich, lebendig und nachvollziehbar, dass es mir unmöglich war, mich dem auch nur eine Sekunde zu entziehen! Ein wundervoller Roman: zum Identifizieren, zum Erinnern, Erfahren, Verstehen und, und, und! Ich wünsche ihm viele Leser!