Ein atmosphärischer Tauchgang in Mythos, Magie und verbotene Gefühle
The West Wind – Reich aus Licht und Dornen (The Four Winds 2)The West Wind ist der zweite Band der Four Winds-Reihe von Alexandria Warwick, lässt sich aber problemlos eigenständig lesen – was ich sehr begrüßt habe. Der Roman nimmt uns mit in eine düstere, mythologisch ...
The West Wind ist der zweite Band der Four Winds-Reihe von Alexandria Warwick, lässt sich aber problemlos eigenständig lesen – was ich sehr begrüßt habe. Der Roman nimmt uns mit in eine düstere, mythologisch durchtränkte Welt, in der eine junge Frau zwischen Glauben, Pflicht und aufkeimender Sehnsucht zerrieben wird.
Worum geht’s?
Brielle, aufgewachsen im Kloster von Thornbrook, hat ihr Leben dem heiligen Vater gewidmet – Schmiedin, angehende Akolythin und vollkommen abgeschottet von weltlichen Versuchungen. Doch als sie im Wald auf den verletzten Zephyr trifft, den Gott des Westwinds, beginnt ihre Welt zu bröckeln. Ihre gute Tat zieht sie in eine ganz andere: die Unterwelt. Und diese ist so gar nicht heilig. Verführerisch, gefährlich und von trügerischen Feenwesen bewohnt, stellt sie Brielle vor Prüfungen, die ihr nicht nur körperlich, sondern vor allem seelisch und moralisch alles abverlangen.
Was überzeugt?
Warwicks Schreibstil ist atmosphärisch dicht, fast poetisch. Besonders gelungen fand ich die Mischung aus schottischer Balladenstimmung („Tam Lin“) und griechischer Mythologie – ein eher ungewöhnlicher Mix, der hier aber wunderbar funktioniert. Brielle ist eine glaubhafte Protagonistin, innerlich zerrissen, aber nie passiv. Ihre Entwicklung – vom scheuen Klostermädchen zur Frau, die eigene Entscheidungen trifft – wirkt organisch.
Und Zephyr? Der ist ein Paradebeispiel für den „düster-verführerischen“ Love Interest: geheimnisvoll, ein bisschen gefährlich und definitiv kein klassischer Romantyp. Man weiß nie ganz, woran man bei ihm ist – was perfekt zur schillernden Bedrohung der Unterwelt passt.
Was hakt ein wenig?
Die erste Hälfte baut sehr auf Atmosphäre und innere Konflikte, was ich persönlich mochte – Leser:innen, die mehr Tempo und Plot-Drive erwarten, könnten aber etwas Geduld brauchen. Auch hätte ich mir noch mehr Einblick in die Lore und Regeln der Unterwelt gewünscht – manchmal blieb sie etwas diffus. Dafür entschädigen aber starke Szenenbilder und eine unterschwellige Sinnlichkeit, die nie kitschig wird.
Fazit:
Ein märchenhaft-düsterer Fantasy-Roman mit Tiefgang, Romantik und Mythos – perfekt für Fans von romantischer Fantasy mit komplexen Heldinnen und dunklen Helden.
Brielles innerer Konflikt zwischen Glaube und Verlangen ist das emotionale Herzstück dieser Geschichte – und genau das macht sie lesenswert.