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Veröffentlicht am 10.02.2025

Amalie auf der Windseite

Aus Liebe zu Roman
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Anke Feuchter hat einen sehr emotionalen und berührenden Roman über eine Frau geschrieben, die viele Jahre ihres Lebens nicht nur auf der Windseite, sondern auch auf der Schattenseite ihr Leben lebte. ...

Anke Feuchter hat einen sehr emotionalen und berührenden Roman über eine Frau geschrieben, die viele Jahre ihres Lebens nicht nur auf der Windseite, sondern auch auf der Schattenseite ihr Leben lebte. Amalie. 1918 geboren, hat im Bombenhagel Eltern und Schwestern verloren. Nachdem ihr Ehemann nicht aus dem Krieg zurückkehrt, verlässt sie mit ihrer Tochter Nadja das schwiegerelterliche Zuhause und will ihr Glück allein versuchen. Um arbeiten zu können, gibt sie Nadja in Pflege, und beginnt in Baden-Baden eine Tätigkeit in einem Café, den Weg ebnet ihr der französische Besatzungsoffizier Julien. Amalie wird seine Geliebte, zu spät begreift sie, dass er verheiratet ist und als er wieder nach Paris beordert wird, bleibt sie schwanger zurück. Mit einiger Mühe holt sie Nadja zu sich und arbeitet für die Besatzungsmacht, ihre Französischkenntnisse sind ihr von großem Vorteil. Als ihr Baby da ist, erweist sich jedoch alle Mühe als umsonst. Sie erkennt, dass sie mit den zwei kleinen Kindern weder eine vernünftige Unterkunft noch eine geeignete Arbeit finden wird. Ihr einziger Ausweg ist die Zustimmung zur bedingungslosen Übergabe ihres kleinen Sohnes Roman zwecks Adoption an die französischen Behörden. Der Versuch, dies rückgängig zu machen, scheitert kläglich.
Amalie verlässt mit Nadja das vertraute Baden und geht zu ihrer Kusine Margarete ins zerbombte Mannheim. Wie sie sich durchschlägt, was sie erlebt und ertragen muss, das ist sehr aufwühlend beschrieben. Noch stärker haben mich aber ihre seelischen Schmerzen berührt. Der Verlust des Kindes ist nicht wieder gutzumachen, die Schuldgefühle, die sie umtreiben, sind schrecklich. Mehr will ich über den Inhalt nicht schreiben, ich versichere jedem potenziellen Leser, dass dieses Buch fesselnd ist bis zur letzten Seite.
Durch diese Lebensgeschichte erfährt der Leser aber auch einiges über die Nachkriegsjahre in Deutschland, über geschichtlich prägende Ereignisse wie die Einführung der D-Mark oder das Abkommen zur Freilassung der letzten Kriegsgefangenen durch den Einfluss Adenauers. Wie tief das Gedankengut der Nazis ins deutsche Alltagsleben eingedrungen war, wie schwer es war, Hoffnung zu finden in diesem auch seelisch und moralisch verwüsteten Land.
Der Schreibstil der Autorin lässt ein schnelles Lesen zu, das kam mir sehr entgegen, ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen. Dass es mich persönlich an mein eigenes Leben und das meiner Kinder erinnerte, kam noch hinzu. Amalie wurde auf nur 298 Seiten für mich so vertraut wie eine Schwester im Geiste. Und das nicht nur, weil sie Böll las und gern ins Kino ging, sondern besonders, weil sie eine „Kratzbürste“ war und trotzdem so sensibel und verletzlich.
Fazit: Es ist ein Roman, aber die Geschichte könnte genauso passiert sein. Amalies Suche nach dem Glück habe ich gern begleitet. Der Roman endet im Jahr 1964, ich wäre nicht böse, würde er irgendwann einmal weitergeschrieben.

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Veröffentlicht am 28.02.2026

Es hört nie auf

Giftiger Grund
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Thomas Knüwer hat sich mir ins Gedächtnis geschrieben mit „Das Haus in dem Gudelia stirbt“, das ist zwei Jahre und einen Deutschen Krimipreis 2024 her, nur erscheint sein neuester Roman, giftgrün-schwarzes ...

Thomas Knüwer hat sich mir ins Gedächtnis geschrieben mit „Das Haus in dem Gudelia stirbt“, das ist zwei Jahre und einen Deutschen Krimipreis 2024 her, nur erscheint sein neuester Roman, giftgrün-schwarzes Cover und 330 Seiten stark. Stark auch der Inhalt, der auf dem giftigen Grund einer verlassenen Tankstelle seinen anziehend abstoßenden Platz hat.
Drei Hauptpersonen bevölkern den neuen Krimi, die Randfiguren sind fast durch die Bank negativ besetzt und fordern keine Sympathiebekundungen heraus. Wer sind die drei? Zuerst ist da Joran, der sieben Jahre zuvor an einem Tankstellenraub beteiligt war und beinahe versehentlich einen Mann mit seinem Messer verletzte. Ergebnis waren sieben Jahre Haft. Als Joran sich zu ebendieser Tankstelle begibt, um die magere Beute von siebenhundert Euro zu suchen, findet er einerseits die Leiche seines ehemaligen Freundes, andererseits aber kein Geld. Aber er lernt auf unsanfte Art Protagonistin Nummer zwei kennen, Charu. Sie ist eine Urbexerin, die sich die Tankstelle als Lost-Place-Location für ihre nächsten Instagram-Videos auserkoren hat. Sie filmt heimlich und filmte dabei unbemerkt das Mädchen Edda, das ihr Videoaccessoire, eine „Glitzerkatze“, geklaut hat. Aus den drei Protagonisten erwächst eine Schicksalsgemeinschaft, die es in sich hat.
Joran hat Geldsorgen, sein Kumpan Marvin versucht ihn erneut auf die schiefe Bahn zu ziehen, Charu lebt bei ihrer Schwester und muss sich mit deren unerquicklichem Freund Mike auseinandersetzen, Edda lebt unter äußerst prekären Umständen, die erst im weiteren Verlauf der Geschichte Konturen annehmen. Alle drei werden immer wieder auf harte Proben gestellt und müssen um Leib und Leben fürchten. Ob es jedem von ihnen gelingt, ein neues Leben zu beginnen, das lasse ich hier offen.
Der Krimi kommt erst langsam in Fahrt, man sollte Geduld haben, beim Lesen wie beim Hören.
Das Buch hat eine klare und angenehm zurückhaltende Typografie. Das Cover wird inklusiver der Innenklappen gut genutzt, leider ist die weiße kleine Schrift auf dem giftgrünen Grund (Inhalt und Autorenvorstellung) auf den Klappen schlecht lesbar, da wäre schwarz die bessere Wahl.
Das Hörbuch wird von verschiedenen Sprechern gelesen, bekommt beinahe einen Hörspielcharakter. Die Stimmen passen gut, es wird sehr lebendig und authentisch gelesen!

Fazit: Ein guter Krimi, ungewöhnliches Ambiente, spannend bis zum Ende.

Diese Rezension gibt meine eigene Meinung wieder und wurde nicht mit Hilfe von KI erstellt.

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Veröffentlicht am 23.02.2026

Grün ist die Farbe der Hoffnung

Immergrün
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Ruth Olshan hat ein starkes Debüt vorgelegt! Das Buch, das nicht den Genretitel Roman trägt, ist eine autobiografisch-autofiktionale Bewältigung ihrer Kindheits- und Jugenderfahrungen in Romanform. Die ...

Ruth Olshan hat ein starkes Debüt vorgelegt! Das Buch, das nicht den Genretitel Roman trägt, ist eine autobiografisch-autofiktionale Bewältigung ihrer Kindheits- und Jugenderfahrungen in Romanform. Die Autorin arbeitet mit zwei Zeitebenen, es fiel mir nicht schwer, mich in beiden Zeiten zurechtzufinden, als geborene Berlinerin fiel mir das natürlich in Olshans Berliner Erinnerungen leichter als in denen, die sie zu Israel vermittelt. Erzählen kann sie aus der Zeit dort eigentlich noch nicht, die Baby- und Kleinkinderinnerungen sind wohl eher aus zweiter Hand. Aber das macht nichts, sie lesen sich wahrhaftig und lassen deutsche Leser sicher manchmal verwundert aufschauen. Erzählt wird diese Lebens- und Familiengeschichte immer aus Sicht der Hauptperson, der willensstarken Ruth.
Die Olschans (ich bleibe der Einfachheit halber bei diesem im Buch gewählten Familiennamen) sind eine Emigrantenfamilie aus Moskau, die Mutter stammt ursprünglich aus Litauen, das Jüdische und das Katholische mischen sich bei Ruth Olaschans Eltern, die Mutter wurde mit der Taufe während der Besetzung Litauens dem rassischen Verfolgungswahn der Deutschen entzogen. Der Vater ist Jude, mit dem schönen, bedeutungsschweren Vornamen Israel, aber praktiziert eher nicht. Es ist kompliziert und wird es das ganze Buch über auch so bleiben.
Nach einer zuerst geglückten Emigration 1970 aus der Sowjetunion nach Israel stellt sich dort bald heraus, dass Ruths Eltern sich an dieses Land nicht anpassen, sich dort nicht integrieren können. Ruth wäre das wohl gelungen, aber die Eltern wollen nach Deutschland. Das Land, das ihren Lebensweg so dramatisch mitbestimmte, über Leben und Tod in den Familien entschied, soll nun die neue Heimat werden. Auch hier, in Berlin (West) ist Integration und Assimilation schwierig, wieder ist es Ruth, die sich schneller an die Gegebenheiten gewöhnt. Da Ruths Mutter als ausgebildete Sängerin und Chorleiterin keine Arbeit findet, und auch der Vater sich mit einer Beschäftigung schwertut, ist die kleine Familie auf Sozialhilfe angewiesen. Wie sehr, das wird im Buch immer wieder deutlich. Die teilweise prekäre Lage spitzt sich zu und manifestiert sich in wüsten Streits und gegenseitigen Beschimpfungen der Eltern, die sich irgendwann auch scheiden lassen. Um die gemeinsame Tochter Ruth kümmern sie sich immer weniger. Bald zeichnet sich eine schwere psychische Erkrankung der Mutter ab, die Ruth versucht, mit allen Mitteln zu verheimlichen. Die Schilderungen des Zustands der Mutter und es Zustands der verwahrlosten Wohnung sind haarsträubend.
Der zweite Erzählstrang beginnt im ersten Kapitel mit dem Tod der Mutter; Ruth, unterdessen eine erwachsene Frau, hat als Hinterbliebene ein schweres Vermächtnis zu erfüllen: Die Asche von Mutter und Großmutter sollen im Familiengrab in Kaunas beigesetzt werden. Ruth will zuerst mit dem Flugzeug und den beiden silbernen Urnen, die wie kleine Bomben aussehen, dorthin fliegen, aber das stellt sich als zu kompliziert und bürokratisch heraus. Also packt sie die Urnen in eine Einkaufstasche und fährt, begleitet vom nervtötenden Scheibenwischerquietschen, von Berlin über Polen nach Litauen. Um dann in Kaunas festzustellen, dass sie nicht einmal vorher eruiert hat, auf welchem Friedhof sich das Familiengrab befindet. Die ordentliche Ruth muss schon ziemlich aus dem Konzept geraten sein, dass sie die Reise so unvorbereitet antrat. Aber das Glück ist ihr weiter hold.
Ich will hier nicht zu viel erzählen vom Inhalt, nicht von den Erlebnissen unterwegs, nicht von den Erinnerungen an die Kindheit von Ruth. Aber ein wirklich einschneidendes Ereignis will ich hervorheben: Der Fall der Mauer am 9. November 1989, der die Welt auch von Ruth und ihrer Mutter auf den Kopf stellt. Beide können bald danach in das Land der Vorfahren reisen, die Annäherung zwischen Enkelin und Großmutter ist rührend beschrieben.
Jeder wird dieses Buch anders lesen, manche werden es mögen, andere nicht, ich mag es sehr. Auch, weil ich in einer Mutter-Tochter-Großmutter-Welt aufgewachsen bin. Meine Ahninnen sind nicht emigriert, aber sie mussten flüchten am Ende des Zweiten Weltkriegs, die Befreiung war für meine Mutter nach 12 Jahren der Repressionen, die sie als Halbjüdin erlitt, eine echte Befreiung. Auch sie litt unter Depressionen, besonders im Alter, auch ich habe sie in einer psychiatrischen Klinik besuchen müssen. Alles unter vollkommen anderen Bedingungen, als Ruth sie erlebte, aber es hat mich sehr an meine eigenen Erfahrungen erinnert. Und ich habe mir beim Lesen vorgestellt, ich würde mit den Urnen meiner Oma und meiner Mutter nach Polen reisen und sie beide in Meseritz beerdigen, ich glaube, sie hätten nichts lieber gehabt als das. Deshalb kann ich das Vermächtnis, das Ruth nach Kaunas führt, so gut verstehen.
Dass die Autorin sich in der Lage sah, gerade über ihre Mutter, aber auch über ihren Vater so schonungslos zu berichten, hat mich trotzdem sehr erschüttert. Ich habe vor Jahren die Biografie meines Vaters veröffentlich, meine Mutter darin fast nicht erwähnt, ich habe es nicht übers Herz gebracht, etwas Negatives oder Unschönes über sie zu schreiben. Zu meinem Vater hatte ich ein distanzierteres Verhältnis, in einer Dokumentation war es auch leichter, ihn zu beschreiben und zu kritisieren. Über meine Mutter so zu schreiben, wie Ruth Olshan das gemacht hat, das könnte ich nicht.
Mich hat das Buch an eine Reihe von Emigranten-, Auswanderer- und Exilromanen erinnert, die alle mit alltäglichen Sorgen umgehen mussten, entweder hier in Deutschland oder weil sie aus Deutschland vertrieben wurden. Wenige Beispiele: Yoko Kuhn, Onigiri; Mariusz Hoffmann, Polnischer Abgang; Erich Maria Remarque, Arc de Triomphe; Sabrina Janesch, Katzenberge; Jehona Kicaj, ë; Melissa Müller, Mit dir steht die Welt nicht still – alles Romane, die den Verlust der Heimat und die Probleme des Alltags in einem fremden Land wunderbar beschreiben.
Dieses Buch IMMERGRÜN reiht sich ein, aber es hebt sich mit seiner Schärfe und Tragik auch sehr von anderen Romanen ab.
Der Epilog mit dem Gedicht vom Papierschiffchen hat alles Gelesene rückblickend in ein etwas sanfteres Licht gerückt. „Papierschiffchen, meine Hoffnung“ – hier schließt sich der Kreis, auch Immergrün hat die Farbe der Hoffnung.
Fazit: eine nicht alltägliche Lebens- und Familiengeschichte, auch die Geschichte einer psychischen Erkrankung, die das Leben zur Hölle machen kann. Leseempfehlung!

Diese Rezension gibt meine eigene Meinung wieder und wurde nicht mit Hilfe von KI erstellt.

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Veröffentlicht am 18.02.2026

Großer Künstler und ewiger Optimist

Wolfgang Kohlhaase
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Für mich ist Wolfgang Kohlhaase so etwas wie ein guter Verwandter, der mich durch meine Kindheit und Jugend begleitete. Als er 1954 seinen ersten Film dreht, werde ich gerade geboren, deshalb folgt für ...

Für mich ist Wolfgang Kohlhaase so etwas wie ein guter Verwandter, der mich durch meine Kindheit und Jugend begleitete. Als er 1954 seinen ersten Film dreht, werde ich gerade geboren, deshalb folgt für mich zuerst „Berlin Ecke Schönhauser“, ganz in der Nähe habe ich gewohnt. Meine Mutter arbeitete in der Filmbranche, so kam ich früh mit vielen Filmen auf Tuchfühlung, das hier im Kapitel „Denken ist wie Licht, es geht in jede Richtung“ von Bastienne Voss beschriebene Jahr 1966, das für Kunst und Kultur verheerende 11. Plenum des ZK der SED, verbotene Filme und kampfesmutige Filmemacher, all das ist mir lebhaft in Erinnerung. Auch, dies: „Für viele, vor allem politisch Denkende und Künstler, war die Bundesrepublik mit der gerade erst vergangenen Adenauer-Ära, mit den nur unbefriedigend aufgearbeiteten Verbrechen des Nationalsozialismus, mit ihrem Konservatismus und Katholizismus und dem ganzen verstaubten Heimatkitsch, keine Alternative.“ Das änderte sich erst nach der Ausbürgerung von Wolf Biermann drastisch.
Der Film, der meine Jugend geprägt hat, wird hier in diesem Buch sehr ausführlich behandelt, „Ich war neunzehn“. Gedreht hat ihn Konrad Wolf, das war ein geniales Duo, der Dramaturg Kohlhaase und der Regisseur Wolf! In den 1980er Jahren folgte von beiden der legendäre Film „Solo Sunny“, und mit dem Regisseur Frank Beyer „Der Aufenthalt“ nach dem Roman von Hermann Kant. Kohlhaase dazu, Zitat: »Man darf sich nicht vorstellen, dass die Leute sich damals nur Unterhaltungsware ansehen wollten«, erzählt er. »Es gab ein Bedürfnis, wenigstens im Nachhinein zu verstehen, was mit den Deutschen passiert war. Wir suchten nach Geschichten, die nicht vergessen werden sollten.« Ja, genauso war es. So viele und ähnliche Erinnerungen habe auch ich an diese Kinozeiten vor 1989. Aber die Wende hat einiges durcheinandergewirbelt.
Bewusst habe ich Kohlhaase dann erst wieder wahrgenommen, als „In Zeiten abnehmenden Lichts“ erschien, auch auf diesen Film, der 18 Jahre nach der Wende entstand, trifft ja das im letzten Absatz erwähnte Zitat auch zu. Unterdessen sind auch die DDR-Bürger um einiges klüger geworden, denn die inhaltlichen Beschränkungen der DDR-Zeit waren vorbei. Zumindest auf mich trifft das zu. Zitat: „Die Zeit“ schreibt (zu diesem Film): »Es gibt nicht so viele Filme, die den Osten mit seiner Steifheit, Verträumtheit, seinen Hoffnungen, seiner Sauffreude und leisem Humor glaubwürdig abgebildet haben. Dieser gehört definitiv dazu.«
Was mich im ganzen Buch sehr erstaunt hat, ist der Optimismus von Kohlhaase und seine Unerschütterlichkeit, was die DDR anbelangt. Vielleicht war er durch seinen Status doch etwas weiter weg von den „Mühen der Ebene“ (siehe Brecht).
Kohlhaase war mit Emöke Pöstenyi verheiratet, auch sie kannte ich, vom Berliner Friedrichstadtpalast und aus dem Fernsehen, dass sie seine Ehefrau war, hatte ich wohl vergessen. Erst im Buch habe ich wieder darüber gelesen. Sehr berührend beginnt es nämlich mit dem völlig unerwarteten Tot von Kohlhaase nach einem wunderbaren und gelungenen Abend. Da war er bereits 92 und hatte eigentlich noch viel vor.
Das Buch wird vielleicht nicht jeden interessieren, aber ich empfehle es trotzdem jedem. So gebündelt findet man nicht viele, gut lesbare Sachbücher über die DDR-Kunst- und Kulturgeschichte. Wer diese Zeit miterlebt hat, kann einiges auffrischen, wer nicht viel davon weiß, lernt eine Menge dazu. Der Autorin Bastienne Voss spreche ich meinen Dank aus für die liebevolle Umsetzung ihrer sicher nicht einfachen Recherchen und (Er)-Kenntnisse. Und einen zusätzlichen Dank dafür, dass ich mich mit ihrer Hilfe an so viele, meist schöne Filmerlebnisse erinnert habe.
Fazit: Eine interessante und aufschlussreiche Biografie zu einem hoffentlich noch lange in Erinnerung bleibenden Dramaturgen und den mit ihm entstandenen Filmikonen.

Diese Rezension gibt meine eigene Meinung wieder und wurde nicht mit Hilfe von KI erstellt.

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Veröffentlicht am 18.02.2026

Mischung aus Cosy- und Regiokrimi

Mörderisches Therapieren: Krimikomödie aus Bayern
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Im abgelegenen und sonst eher ruhigen bayrischen Dorf Fackenreuth passieren merkwürdige und schlimme Dinge. Der Dorfpolizist Dorfpolizist Xaver Gottwald ist schnell etwas überfordert, eine Kriminalpolizistin ...

Im abgelegenen und sonst eher ruhigen bayrischen Dorf Fackenreuth passieren merkwürdige und schlimme Dinge. Der Dorfpolizist Dorfpolizist Xaver Gottwald ist schnell etwas überfordert, eine Kriminalpolizistin hängt tot im Wald, ein Psychotherapeut gibt komische Ratschläge, ein geistig etwas gestörter junger Mann wechseln sein Sammelgebiet usw. Hinzu kommen Probleme mit einer verschwundenen Undercoverfrau und zwei Damen namens Petra und Anna. Es gibt reichlich Abwechslung im Krimi, aber er ist auch leicht zu durchschauen. Auch wenn es dem Xaver beinahe an de Kragen geht, bleibt der Krimi eher cosy.
Mir hat die Stimme von Michael A. Grimm und ihr bayrische Klang gefallen, ich fühlte mich vor Ort und inmitten des Dorftrubels wohl. Einfach gute Unterhaltung, fürs Putzen, Bügeln, Autofahren. Und deshalb empfehlenswert.

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