Sympathisch, aber etwas überladen
Dieser Sommer gehört mirch habe das Buch insgesamt gern gelesen, auch wenn mich nicht alle Aspekte der Geschichte vollständig überzeugen konnten.
Im Mittelpunkt steht Charlotte, deren Leben innerhalb kürzester Zeit aus den Fugen ...
ch habe das Buch insgesamt gern gelesen, auch wenn mich nicht alle Aspekte der Geschichte vollständig überzeugen konnten.
Im Mittelpunkt steht Charlotte, deren Leben innerhalb kürzester Zeit aus den Fugen gerät: Trennung, finanzielle Sorgen und ein Laden kurz vor dem Aus. Diese Ausgangssituation ist emotional dicht und nachvollziehbar beschrieben – man spürt die Überforderung und die Schwere, die auf ihr lastet. Gleichzeitig habe ich mich aber öfter gefragt, wie sie so unüberlegt handeln kann. Einige ihrer Entscheidungen wirkten auf mich sehr spontan und wenig durchdacht, was es manchmal schwierig machte, wirklich mit ihr mitzufühlen.
Der Schreibstil ist angenehm flüssig und lässt sich leicht lesen. Besonders die ruhigeren, zwischenmenschlichen Momente – etwa mit ihrer Familie oder in der WG – sind atmosphärisch schön eingefangen und geben der Geschichte eine warme, versöhnliche Note.
Was mich jedoch immer wieder etwas aus dem Lesefluss gebracht hat, ist der Perspektivwechsel zwischen Charlotte und ihrer Tochter Leni. Mit Leni wird ein zweiter Handlungsstrang eröffnet, der in England spielt und viel Raum einnimmt. Für mich kam das überraschend, da ich nach dem Klappentext eher eine klare Fokussierung auf Charlottes Neuanfang erwartet hatte. Lenis Geschichte ist zwar für sich genommen interessant, vor allem im Hinblick auf Freundschaft, Zugehörigkeit und erste Gefühle, wirkte auf mich aber stellenweise zu dominant und hat die eigentliche Hauptgeschichte etwas verwässert.
Gerade die Dynamik zwischen Leni und Stella fand ich teilweise schwer nachvollziehbar, auch wenn sie gut zeigt, wie kompliziert Freundschaften in einem neuen Umfeld sein können.
Insgesamt bietet der Roman eine gefühlvolle Geschichte über Neuanfang, Familie und Selbstfindung, mit einigen schönen Momenten und einer stimmigen Entwicklung zum Ende hin. Allerdings hätte ich mir eine stärkere Fokussierung auf Charlotte und etwas mehr Klarheit in einzelnen Handlungssträngen gewünscht.