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1942 – Die Tour de France, die keine warMitten im Krieg, im Jahr 1942, findet in Frankreich ein Radrennen zwischen Widerstand und Kollaboration, Schwarzmarkt und Erpressung, persönlichem und politischem Interesse, besetzter und freier Zone statt.
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Mitten im Krieg, im Jahr 1942, findet in Frankreich ein Radrennen zwischen Widerstand und Kollaboration, Schwarzmarkt und Erpressung, persönlichem und politischem Interesse, besetzter und freier Zone statt.
Der französischen Journalist und ehemalige Radrennfahrer Jean Leulliot (1911-1982) stampft gemeinsam mit Günther Kezer, Major der Wehrmacht, ein Radrennen aus dem Boden, das auf sechs Etappen nicht nur durch das besetzte sondern auch durch das freie Frankreich führt. Dieses Radrennen findet vom 28. September bis zum 4. Oktober statt. 72 Fahrer aus Frankreich, Belgien und Italien unterwerfen sich den Strapazen der 1.650 km, die nicht nur der Strecke, sondern auch dem grässlichen Wetter, dem Fehlen an ordentlichen Unterkünften und Mangel an professioneller Ausrichtung geschuldet sind. Die Fahrer sind zudem nicht ganz freiwillig mit dabei. Émile Idée (1920-2024) wird mit der Gestapo gedroht, falls er die Teilnahme verweigert. Daher wird jede Möglichkeit aufzugeben, genützt. Letztlich kommen gerade einmal 27 Fahrer ins Ziel.
Gewonnen hat übrigens der Belgier François Neuville (1912-1986).
„Vergessen Sie den Circuit, Leulliot. Es wird jetzt alles anders.“ bekommt Jean Leulliot zu hören, als bei den Deutschen vorspricht, um den Termin für den Circuit de France 1943 abzusprechen.
Wie wir aus der Geschichte wissen, ist alles anders geworden.
Meine Meinung:
Dieses Sachbuch, das ein sportliches Ereignis zwischen Widerstand und Kollaboration, Schwarzmarkt und Erpressung, persönlichem und politischem Interesse, besetzter und freier Zone schildert, hat mir sehr gut gefallen.
Worüber ich mich gewundert habe ist, dass kein einziger deutscher Radrennfahrer an dieser Radrundfahrt teilgenommen hat. Ich hätte schon erwartet, dass NS-Deutschland auch ein Team zusammenstellt.
Étienne Bonamy zeichnet ein facettenreiches Bild, das die Rolle des Sports sowie der Presse in jenen Jahren sehr gut einfängt.
Das Radrennen und seine Teilnehmer verschwinden im Dunkel der Geschichte bis Sportjournalist und Autor Étienne Bonamy den letzten noch lebenden Fahrer, Émile Idée (1920-2024) für dieses Buch im Jahr 2020 interviewt hat.
Interessant ist, dass dieses Radrennen auch für diverse Schmuggelfahrten benutzt worden ist. Allerdings hat man nicht nur Lebensmittel, die schon längst rationiert gewesen sind, IN sondern auch Juden AUS dem besetzten Frankreich geschmuggelt haben.
Im Nachwort kann nachgelesen werden, was aus den Protagonisten nach dem Krieg geworden ist. So wird Jean Leulliot wegen Kollaboration mit den Deutschen angeklagt. Er entgeht einer Verurteilung, weil seine Reporterkollegen zu seinen Gunsten aussagen, und wird wenig später zahlreiche Radrennen veranstalten.
Einige Teilnehmer des Circuit de France 1942, wie Sieger François Neuville oder Émile Idée , setzen ihre Karrieren fort und nehmen an zahlreichen Straßenrennen der Nachkriegszeit teil.
Fazit:
Gerne gebe ich diesem Bericht über die Tour der France, die keine war, 5 Sterne.