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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 20.02.2026

Beste Krimi-Unterhaltung!

Letzter Landler
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Franz Gaspermaier wird in diesem 13. Fall ziemlich gefordert. Da ist zum einen der Trubel in seinem Haus und zum anderen ein Mord während eines Gastspiels des Staatsballetts in Aussee. Dazu kommt Kevin, ...

Franz Gaspermaier wird in diesem 13. Fall ziemlich gefordert. Da ist zum einen der Trubel in seinem Haus und zum anderen ein Mord während eines Gastspiels des Staatsballetts in Aussee. Dazu kommt Kevin, ein dienstzugeteilter Jungpolizist mit eigenwilligen Ansichten über Frauen und alle jene, die ausländische Wurzeln haben. Dieser Jungspund vertritt die Manuela, die aktuell in Karenz ist. Blöderweise ist der für Gasperlmaier keine Ent- sondern nur eine Belastung.

Doch der Reihe nach: Die Eltern seiner Schwiegertochter Richelle sind in Bad Aussee zu Besuch. Die Verständigung klappt so lala, sprechen die Kanadier ungefähr so gut Deutsch wie Gasperlmaier Englisch. Gasperlmaiers Ehefrau Christine schupft wie immer den (häuslichen) Laden und bei bodenständiger Kost sowie geistigen Getränken kommt man schnell ins Gespräch. Allerdings scheint der Mord, der sich im Umfeld des Orchesters, das die Aufführungen des Staatsballetts musikalisch umrahmt, ereignet hat, ein willkommener Anlass zu sein, dem anstrengenden Besuchsprogramm für die Gäste zu entfliehen.

Damit hat sich der Gaspermaier ein wenig verkalkuliert, denn statt methodisch und analytisch die Tat aufzuklären, muss er Kevin zügeln, der wie ein Elefant im Porzellanladen herumtappt, Gasperlmaiers liebgewonnenen Dienstwagen schrottet und sich selbst in Gefahr bringt.

Es ist echt zum Haare raufen! Wie soll er da den Täter finden? Zumal sowohl im Orchester als auch in der Balletttruppe nicht alle die Wahrheit sagen und wichtige Details verschweigen.

Meine Meinung:

In seinem 13. Fall bekommt es Gaspermaier mit der Welt von Ballett und klassischer Musik zu tun. Beides ist ihm, der wenn schon Tanzen, lieber sich im Takt eines Landlers bewegt, fremd. Deshalb dauert es zunächst ein wenig, bis er den roten Faden findet. Ich mag ihn ja, den Gasperlmaier, der einerseits ziemlich bauernschlau andererseits ein wenig naiv daherkommt. So ist ihm nicht geläufig, dass Balletttänzer auf Grund der hohen körperlichen Anforderungen häufig zu Appetitzüglern und anderen Substanzen, die unter das Betäubungsmittelgesetz fallen, greifen.

Wie immer wird er von seiner Christine und seiner Tochter sowie deren Ehefrau tatkräftig unterstützt. Manchmal wirkt Gaspermaiers Haus wie eine Zweigstelle des Polizeipostens, denn auch der Nachbar, der pensionierte Richter Altmann, weiß die eine oder andere Bemerkung zum Fall anzubringen. Jaja, Gaspermaier ist klar, dass er über seine Ermittlungen nicht sprechen darf. Aber, Bad Aussee ist ohnehin ein Dorf, in dem sich Nachrichten schnell verbreiten.

Gut hat mir das Wiedersehen mit Manuela (inklusive Söhnchen im Tragetuch) sowie Kollegin Emina, die dem Kevin mehrmals (vergeblich) zeigt, wo der Bartl den Most herholt, gefallen.

Wie immer erfahren wir ziemlich unterschwellig einiges über das schöne Salzkammergut und seine Bewohner.

Fazit:

Auch dieser 13. Fall für Franz Gasperlmaier hat mir sehr gut gefallen, weshalb ich dem Krimi 5 Sterne und eine Leseempfehlung, die die ganze Reihe einschließt, gebe.

Veröffentlicht am 20.02.2026

Eine Leseempfehlung!

Die seltenste Frucht
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Gaëlle Bélem, die selbst von der lnsel La Réunion stammt, entführt uns in das 19. Jahrhundert, als die Insel noch La Bourbon heißt und Sklaven eine Selbstverständlichkeit zur Bewirtschaftung in der Landwirtschaft ...

Gaëlle Bélem, die selbst von der lnsel La Réunion stammt, entführt uns in das 19. Jahrhundert, als die Insel noch La Bourbon heißt und Sklaven eine Selbstverständlichkeit zur Bewirtschaftung in der Landwirtschaft zählten.

Sie erzählt, stellvertretend für alle rechtlosen Menschen, die Geschichte des Sklavenjungen Edmond Albius, der dem verwitweten und depressiven Plantagenbesitzer Ferréol Beaumont quasi als „Kuscheltier“ überbracht wird. Edmond erweist sich als neugierig und wissbegierig, heitert seinen Herrn, der sich lieber mit der Orchideenzucht als mit Menschen beschäftigt, tatsächlich auf.

Als sich die jahrelangen Versuche, der Gewürzvanille eine Frucht abzutrotzen, als Fehlschlag entpuppen, versucht der damals zwölfjährige Edmond auf eigene Faust, das Geheimnis der Befruchtung zu lösen.

In der Tat gelingt das Experiment und der Siegeszug des als Bourbon-Vanille bekannten Gewürzes ist nicht mehr aufzuhalten. Von den Gewinnmargen der Plantagenbesitzer und Kaufleuten, die sich mit der Frucht eine goldene Nase verdienen, hat Edmond (wie die Abertausenden Sklaven, die auf der Insel schuften) genau nichts. Ja, es ist ihm sogar verboten lesen und schreiben zu lernen.

Meine Meinung:

Wenn uns heute der exotische Duft von Vanille in der Nase kitzelt, denkt niemand an die Erzeugung und Herkunft dieses Gewürzes, zumal es gelungen ist, das Aroma künstlich herzustellen, um möglichst viele Süßspeisen damit zu verfeinern. Echte Bourbon-Vanille ist nach wie vor teuer, das sie händisch bestäubt werden muss.

Gaëlle Bélem nimmt uns auf den Triumphzug der Vanille rund um den Globus mit. Zunächst gibt es einen kleinen Exkurs nach Mexiko, dem Ursprung der Vanillepflanze, die eine Orchidee ist. Wir besuchen Pflanzungen in Afrika und Asien, Botanische Gärten in Europa, in denen die kostbare Vanille als Zierpflanze angesehen wird, und verkosten in den zahlreichen Cafés und Adelshaushalten Torten, Eis und Schokoladegetränke.

In diesem sprachgewaltigen Roman zeigt Autorin Gaëlle Bélem wie weiße Plantagenbesitzer das Wissen und die Arbeitskraft ihrer Sklaven brutal ausgenützt haben. Dabei gelingt es ihr, manchmal durchaus ironisch und humorvoll, den mühsamen Alltag der Sklaven ihren Leserinnen und Lesern nahe zu bringen.

Wer nostalgisch-gediegene historische Romane, die penibel recherchiert worden sind, und in exotische welten entführt, liebt, wird hier fündig. Sprachlich ist dieser historische Roman, der auf wahren Begegebenheit beruht ein Leckerbissen.

Die Abbildung der Orchidee Gewürzvanille (Vanilla planifolia) ziert das Cover und bietet einen Eindruck der Schönheit der Pflanze. Den betörenden Duft kann man leider nicht riechen.


Fazit:

Gerne gebe ich diesem Ausflug in die Welt der Vanille, der uns darauf hinweist, wie Wohlstand auf dem Buckel von Sklaven erwirtschaftet worden ist, 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 20.02.2026

Eine Leseempfehlung!

Der Jude der Kaiserin
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Autor Vladimir Vertlib entführt uns mit diesem historischen Roman in das Wien von 1670. Wir befinden uns damit im Barock und mitten in der Gegenreformation. Es regiert Leopold I. (1640-1705), der nach ...

Autor Vladimir Vertlib entführt uns mit diesem historischen Roman in das Wien von 1670. Wir befinden uns damit im Barock und mitten in der Gegenreformation. Es regiert Leopold I. (1640-1705), der nach langen Machtkämpfen, die Unsummen an Bestechungsgeldern gekostet haben, auch Deutscher Kaiser ist.

Die Feldzüge gegen die Türken, die Bestechungsgelder, die Bauwut des Kaisers sowie die Kosten der Feierlichkeiten anlässlich seiner Hochzeit mit Infantin Margarita Theresa (1651-1673) von Spanien, die ein ganzes Jahr (!) gedauert haben, haben in dem ohnehin immer klammen Habsburgerreich leere Kassen beschert. Was Leopold nun dringend braucht, ist ein männlicher Erbe. Zu diesem soll ihm Margaritas Leibarzt Pedro de Rojas, der im Gefolge der jungen Spanierin nach Wien gekommen ist, verhelfen. Pedro hat jedoch ein für ihn lebensgefährliches Geheimnis: Er ist ein spanischer Converso, ein konvertierter Jude, der seinen Glauben im Geheimen praktiziert. Zudem wird er von den Wiener Ärzten angefeindet, weil er sich lange Jahre als Feldscher und Chirurg anatomische und praktische Kenntnisse angeeignet hat.

Gemeinsam mit der jüdischen Hebamme versucht Pedro der Kaiserin zu einem lebensfähigen Kind zu verhelfen.

Die erzkatholische Kaiserin, hält, auch auf Grund ihrer spanischen Herkunft, die Juden für die Ursache allem Übels. Sei es das schlechte Wetter, die leeren Kassen oder den fehlenden Nachwuchs. Sie weiß auch durch die Spitzeldienste der Inquisition über Pedro de Rojas Bescheid. Sie bestärkt den Kaiser, alle Juden aus Wien zu vertreiben, nicht ohne zuvor deren Vermögenswerte einzuziehen. 1670/71 ist es dann soweit - die Juden werden aus Wien vertrieben, an Stelle der Synagoge erhebt sich heute die Leopoldskirche und das ehemalige Judenviertel heißt fortan Leopoldstadt und ist der zweite Bezirk von Wien.

Zu einem Thronfolger hat diese barbarische Aktion dem Kaiserpaar nicht verholfen. Nach zahlreichen Schwangerschaften und Fehlgeburten wird die Kaiserin 1673 mit nur 22 Jahren völlig entkräftet sterben. Letztlich wird nur eine Tochter (Maria Antonia 1669-1692) das Erwachsenenalter erreichen.

Meine Meinung:

Wer, so wie ich in der Leopoldstadt aufgewachsen ist, und sich für die Geschichte Österreichs interessiert, wird sich sehr gut in diesem detailreichen historischen Roman auskennen sowie die eine oder andere beschriebene Örtlichkeit kennen. Wie immer, wenn es um Juden geht, wird die eine oder andere Person, solange sie nützlich ist, geduldet. Hier ist es Pedro de Rojas. In der Realität waren es die beiden Frankfurter Bankiers Samuel Oppenheimer und Samson Wertheimer, die als sogenannten Hofjuden, die Kriege und den Ausbau der Wiener Hofburg (Leopoldinischer Trakt) finanzieren „durften“.

Der dynastische Druck, der auf den Gemahlinnen der Monarchen lastet, lässt einen schon ein wenig Mitleid ihnen haben. Eine Entschuldigung für so ein Pogrom soll es aber nicht sein.

Schon damals galt, wenn auch nicht expressis verbis ausgesprochen, sondern praktisch gelebt „Wer ein Jud‘ ist, bestimme ich.“. Dieser Satz wird dann später sowohl dem Wiener Bürgermeister und Antisemiten Karl Lueger als auch Hermann Göring zugeschrieben.

Vladimir Vertlib gelingt sehr gut, die beiden Welten, hier das Leben am Kaiserhof, dort jenes im Ghetto, lebendig darzustellen. Er verbindet in diesem historischen Roman, der hin und wieder auch humorvolle Szenen hat, Leben und Tod, Intrigen und Verrat, mit Hoffnung und Liebe sowie mit tiefer Freundschaft. Interessant ist auch der Einblick in die Geburtshilfe jener Zeit. So werden wir Zeugen eines Disputes zwischen Margarita und der Hebamme Esther über den Gebrauch bzw. Nichtgebrauch des Gebärstuhls.

Fazit:

Mir hat die historische Roman sehr gut gefallen, weshalb ich ihn mit 5 Sternen bewerte.

Veröffentlicht am 13.02.2026

Beste Krimi-Unterhaltung!

Mallekatz
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Gambas oder Nordseekrabben? Das ist hier die Frage

Kommissar Steinböck nimmt die Einladung seines Onkel Josef, der sich nun José nennt, ihn auf Mallorca zu besuchen gerne an und begibt sich mit Katze ...

Gambas oder Nordseekrabben? Das ist hier die Frage

Kommissar Steinböck nimmt die Einladung seines Onkel Josef, der sich nun José nennt, ihn auf Mallorca zu besuchen gerne an und begibt sich mit Katze Frau Merkel, die von sich behauptet von der Insel zu stammen, ins sonnige Spanien. Die für drei Monate anberaumte Auszeit nimmt ein plötzliches Ende als Frau Merkel nicht nur Gambas als neue Leibspeise entdeckt, sondern mit Patrick Zöbel einen Toten, der unsauberen Geschäften nachgeht.

Wenig später gibt es zwei weitere Tote, von denen sich einer als Thomas Heuberger, seines Zeichens bayerischer Landtagsabgeordneter und der ander als spanischer Staatsanwalt entpuppt. Nun hat Steinböck zwei seiner Intimfeinde, den Politiker Ferdel Bruchmayr am Telefon sowie Sabine Huso, die nervige Klatschreporterin, an der Backe. Man möge doch diskret ermitteln, meint der Ferdel. Die Öffentlichkeit hat das Recht auf pikante Details, sagt die Husup.

Keine leichte Aufgabe für Steinböck, der nun mit der Katz und seinem mallorquinischen Kollegen Miguel Ferrer, dessen Abteilung chronisch unterbesetzt ist, ermittelt. Als sich dann ein gefundener Laptop als verschlüsselt herausstellt, fliegt Steinböck, mit Billigung von Bruchmayr, seine IT-Spezialistinnen Ilona Hasleitner und Phan Lang Huo ein.
Dass der Ferdel den beiden Damen auch ein fettes Spesenkonto eingerichtet hat, freut nicht die Ermittler, sondern auch die Katz, die sich auf Staatskosten Gambas bis zum Abwinken bestellt ...

Meine Meinung:

Autor Kaspar Panizza ist wieder eine herrliche Fortsetzung gelungen! Schmunzeln musste ich, dass das Alleinstellungsmerkmal Steinböcks, die Katz zu verstehen bzw. mit ihr Dialoge zu führen, langsam bröckelt. Neben der Vietnamesin Phan Lang Huo, kann auch Peggy Trendler, Gerichtsmedizinerin und Spusi hier auf der Insel in Personalunion, Frau Merkel verstehen.

Zu Beginn erhalten wir ein Personenverzeichnis, das sowohl die lang gedienten Protagonisten als auch die in diesem Krimi auftretenden mallorquinischen Newcomer beinhaltet. Mallorca, die liebste (?) Ferieninsel der Deutschen ist fest in der Hand der deutsch sprechenden Community, zu der auch der eine oder andere Schweizer und Österreicher zählt. Ein solches Alpen-Duo stolpert buchstäblich durch die Ermittlungen.

Fazit:

Beste Krimi-Unterhaltung, die Lust auf Gambas oder Nordseekrabben macht, ich gerne 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 11.02.2026

Regt zum Nachdenken an

Ererbte Wunden erkennen
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Regt zum Nachdenken an
Die Therapeutin Katharina Drexler lädt uns in ihrem zweiten Buch ein, auf unsere Traumata zu schauen, ob sich da vielleicht eine ererbte Wunde verbirgt.


Diese Traumaforschung ...

Regt zum Nachdenken an
Die Therapeutin Katharina Drexler lädt uns in ihrem zweiten Buch ein, auf unsere Traumata zu schauen, ob sich da vielleicht eine ererbte Wunde verbirgt.


Diese Traumaforschung ist eine noch recht junge Disziplin und wurde für die Generation Kriegsenkel bzw. Kriegskinder entwickelt. Sabine Bode hat dazu mehrere Bücher geschrieben.


In diesem Buch lernen wir Techniken kennen, die uns erkennen lässt, ob wir die eine oder andere „unversorgte“ seelische Wunde eines Eltern- oder Großelternteils mit uns herumtragen. Manchmal bekommen Kinder bzw. Enkel, ohne dass sie es wissen, die Leiden aufgebürdet.


Neben der Erklärung zur Methodik erhalten wir Einblick in so manche Fallgeschichte.


Fazit:


Sehr spannend, ich werde wohl das andere Buch der Autorin „Ererbte Wunden heilen. Therapie der transgenerationalen Traumatisierung“ besorgen und lesen. 5 Sterne