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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 01.04.2026

Liebesreigen statt Verbrecherjagd

Reigen in Triest
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Wer sich angesichts des Titels an Arthur Schnitzlers „Reigen“ erinnert fühlt, liegt hier richtig. Anders als in den fünf Vorgängern tritt in diesem 6. Band aus der Reihe rund um den Inspector Bruno Zabini ...

Wer sich angesichts des Titels an Arthur Schnitzlers „Reigen“ erinnert fühlt, liegt hier richtig. Anders als in den fünf Vorgängern tritt in diesem 6. Band aus der Reihe rund um den Inspector Bruno Zabini das Verbrechen zunächst in den Hintergrund und die erotischen Lustbarkeiten dreier Paare dominieren die Handlung. Anders als in Schnitzlers Novelle, sind die Paare mit ihren erotischen Eskapaden einverstanden inklusive dem einen oder anderen Partnertausch.

Während sich die drei Paare, Luisa von Callenhoff und Bruno Zabini, Fedora und Sergio sowie Carolina und Arthur, vergnügen, schleichen dunkle Gestalten, die Böses im Sinn haben rund um die herrschaftliche Villa herum. Erst durch den Showdown am Ende bekommt der Roman etwas Krimihaftes.

Meine Meinung:

Dieses Buch ist anders als die Triest-Krimis, die wir von Günter Neuwirth kennen. Damit tanzt dieser historische Roman buchstäblich aus der Reihe und stellt ein Sittenbild der gelangweilten Oberschicht der Donaumonarchie dar, die nur mehr wenige Jahre existieren wird.

Wie aus den Vorgängern bekannt, ist Inspector Bruno Zabini ein begehrter Junggeselle in Triest, der, bevor er sich endgültig für Luisa von Callenhoff entschieden hat, parallel zu ihr, ein Gspusi mit Fedora hatte.

Diese Wendung, die eine Ähnlichkeit mit Arthur Schnitzlers Novelle aufweist, wird nicht allen Fans von Bruno Zabini gefallen. Ein wenig fehlt mir auch die Darstellung der politischen Szene, die den Polizisten Zabini immer wieder gefordert haben. Diesmal ist seine Standfestigkeit auf andere Weise gefragt. Dieser Teil der Reihe kann problemlos solo gelesen werden, denn die Hauptpersonen werden sehr gut eingeführt.

Fazit:

Mich hat dieser historische Roman, der sich auf Amors Pfade begibt, ein wenig überrascht, weshalb ich 4 Sterne vergebe.

Veröffentlicht am 01.04.2026

Interessantes Debüt

Pulver
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Autor Johann Reißer ist während seines Aufenthaltes im Rahmen des Rottweiler Stadtschreiberstipendiums über eine interessante Persönlichkeit Rottweils buchstäblich gestolpert: über den Unternehmer Max ...

Autor Johann Reißer ist während seines Aufenthaltes im Rahmen des Rottweiler Stadtschreiberstipendiums über eine interessante Persönlichkeit Rottweils buchstäblich gestolpert: über den Unternehmer Max Duttendorfer. Fasziniert von diesem Mann hat er weitere Recherchen angestellt. Herausgekommen ist nun dieser historische Roman, der in zwölf Kapiteln bzw. Episoden die Zeitspanne von 1858 bis 1933 abdeckt, um mit einem abschließenden Sprung in das Jahr 2020, die eine oder andere Ähnlichkeit von heute darzustellen.

Im Zentrum des Romans steht der Apothekersohn und spätere Unternehmer Max Duttenhofer (1843 - 1903), der nach einer Lehre in der Apotheke seines Vaters die kleine Pulverfabrik in Rottweil übernommen hat und zu einem florierenden Unternehmen ausgebaut hat. Obwohl man in ab den 1880er Jahren als „Krupp von Süddeutschland“ genannt hat, ist er heute, anders als Alfred Nobel beinahe vergessen.

Die Geschichte des Unternehmens wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt. Während seine Erfindung, das raucharme Schießpulver, die Kriegsführung revolutioniert und Duttendorfer zu einem der mächtigsten Männer im Deutschen Kaiserreich macht, gefällt die Entwicklung, die sowohl die Fabrik als auch die Politik nehmen, nicht jedem. Duttendorfers Enkelin Rosa erlebt die Aufrüstungsspirale, die in den Ersten Weltkrieg führt, als Arbeiterin in der Pulverfabrik hautnah mit, was sie zu einer Kämpferin gegen die Kriegspartei werden lässt.

Dieser historische Roman hat mir sehr gut gefallen. Einzig, die winzige Schrift in meiner eBook-Ausgabe muss ich bemängeln. Ich konnte auf keinem meiner zahlreichen Lesegeräte (Reader, PC oder App) eine angenehme Schriftgröße einstellen, was mir das Lesen ziemlich erschwert hat.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem historischen Roman, der den Aufstieg eines neugierigen Apothekersohn zum Unternehmer nachzeichnet, 4 Sterne.

Veröffentlicht am 22.02.2026

Adolf Loos - ein Provokateur

Der Luxus ist ein sehr notwendiges Ding
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Der österreichische Architekt Adolf Loos (1870-1933) ist ja für seine Provokationen wie sein Nein zu Ornament, zu dekorativen Aufputz oder zu Verschwendung jeglicher Ressource beweist, bekannt.

Sein ...

Der österreichische Architekt Adolf Loos (1870-1933) ist ja für seine Provokationen wie sein Nein zu Ornament, zu dekorativen Aufputz oder zu Verschwendung jeglicher Ressource beweist, bekannt.

Sein Statement auf S. 13 über das Sparen zeigt, dass er auf einem ziemlich hohen Ross sitzt. Dies ist für mich ein wenig unangebracht, da Loos in den Jahren 1893 bis 1896 in den USA lebt und sich selbst als Hilfsarbeiter durchschlagen muss. So bezichtigt er die Proletarier des leichtsinnigen Umgangs mit Geld, weil „der Arbeiter ohne lang nachzudenken, Geld für ein Glas Bier ausgibt“. Ob die Mehrheit der Bevölkerung, nämlich jene, die am Existenzminimum leben, diese Weisheiten erkannt und ihm, Loos, beigepflichtet hätte? Wie viel Geld gibt Loos für seine Feste aus? Und wie sehen es jene Kinder, die Loos gegen geringe Bezahlung für Aktstudien (und noch anderes) zur Verfügung gestanden sind, diesen Vorwurf?

Um es selbst provokant auszudrücken: Mit voller Hose ist leicht stinken.

Wenn er das Diktat der häufig wechselnden Moden anprangert, ist dies eine leicht zu verstehende Parallele zur Gegenwart. Grundsätzlich hat er recht, wenn er Kleidung, die zeitlos und aus Stoffen guter Qualität gefertigt ist, empfiehlt, statt jede Mode(torheit) mitzumachen. Der Rat, in ordentlich verarbeitete Kleidung zu investieren, statt in billige Fetzen, kann nur für jene gelten, die es sich auch leisten können. Die Heimarbeiterin, die vielleicht jene Kleidung herstellt und dafür nur unzureichend bezahlt wird, hat davon nichts. Dabei sind jene das Gros der Menschen zu Adolf Loos‘ Lebenszeit.

Fazit:

Teile dieser Sammlung von philosophisch-literarischen Texten des Architekten Adolf Loos können durchaus auf heutige Verhältnisse umgelegt werden. Einiges ist so gültig wie provokant, damals wie heute. Gerne gebe ich hier 4 Sterne.

Veröffentlicht am 20.02.2026

Witzig und cozy

Vier Hunde und ein Todesfall
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In ihrem zweiten Fall sind Wilhelmine „Willi“ Groß und ihre Freunde einem fiesen Hundekidnapper auf der Spur, der in Bad Kissingern die Lieblinge vermögender Damen entführt, sie ein paar Tage gefangen ...

In ihrem zweiten Fall sind Wilhelmine „Willi“ Groß und ihre Freunde einem fiesen Hundekidnapper auf der Spur, der in Bad Kissingern die Lieblinge vermögender Damen entführt, sie ein paar Tage gefangen hält und sie gegen eine Aufwandsentschädigung wohlbehalten zurückbringt.

Da trifft es sich gut, dass Elvis mit Hound Dog einen passenden Lockvogel, pardon, Lockhund hat. Doch leider läuft nicht alles ganz so glatt, wie Willi durch Kopfschmerzen erfahren muss. Zudem muss in einer Pensionistenresidenz ermittelt werden, in der Bruno Gefahr läuft, von einer ebenso resoluten wie einsamen Witwe an die Leine gelegt zu werden.

Meine Meinung:

Beim Lesen dieses Krimi musste ich mehrmals schmunzeln, denn zum einen gibt eine TV-Krimi-Serie, die Vier Frauen und ein Todesfall, heißt, und zum anderen gehört diese zweite Band für Willi in das Sub-Genre Cozy-Krimi.
Der Krimi lässt sich super lesen und die Charakter sind durchwegs sympathisch.

Da muss ich mir doch gleich den ersten Band besorgen.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem humorvollen Krimi 4 Sterne.

Veröffentlicht am 20.02.2026

Skurril!

Die Enthusiasten
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Dieser Roman, der durch das farbenprächtige Cover auffällt, ist ein originelles Buch über Menschen, die für ihre Leidenschaften, also für ihre Passionen, leiden und brennen.

Autor Markus Orth rückt ...

Dieser Roman, der durch das farbenprächtige Cover auffällt, ist ein originelles Buch über Menschen, die für ihre Leidenschaften, also für ihre Passionen, leiden und brennen.

Autor Markus Orth rückt dafür eine unkonventionelle Familie in den Mittelpunkt, in der sich fast alles um Bücher dreht. Die Eltern und ihre drei Kinder leben mit und durch Bücher, bis eines Tages die Mutter sang- und klanglos verschwindet.

Die Geschichte, erzählt vom 26-jährigen Ich-Erzähler Vince Bär, pendelt in elf Büchern (Was sonst?) zwischen dem elterlichen Hexenhäuschen bei Frankfurt am Main und der nordenglischen, verschlafenen Kleinstadt Coxwold in der Nähe von York.

Als erwachsener Mann gehört Vince zum engsten Kreis der Tristam Shandy-Fans, die sich alljährlich zum Sterne-Geburtstag in Coxwold trifft. Und mit seinem Vater, der inzwischen im Altersheim gelandet ist, telefoniert er täglich und setzt die Sprachspiele, die in ihrer Kindheit zelebriert worden sind, in geradezu absurd anmutenden Fragespielen, die aber von einer großen Nähe und Zugewandtheit zeigen, fort.

Als Vince und Co. erfahren, dass es zu Laurence Sternes Werk „Tristram Shandy“ ein 10. bislang unveröffentlichter Band existieren soll, wenden die Enthusiasten viel Zeit und Energie für die Suche nach dem möglicherweise existierenden Manuskript auf.

Meine Meinung:

Der Schreibstil ist temporeich, spielerisch und dabei nie selbstverliebt. Orths experimentiert mit der Sprache und lässt dabei die Kinder der Familie Bär Worte erfinden.

Die Charaktere sind herrlich skurril. Selbst Nebendarsteller wie die rätselhafte Thailänderin Natcha, Fat Wayne oder Morton Minelli sind fein gezeichnet.

Leser die Freude am Lesen sowie der Sprache haben, wird dieser Roman gefallen.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem Roman, der eine Hommage auf das Lesen, die Phantasie und den Irrsinn des Lebens ist, 4 Sterne.