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Veröffentlicht am 20.02.2026

Mord ist ihr Hobby

Alpenmord und Almgedudel
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Die Brunners machen Urlaub im schönen Tirol. Die 4-köpfige Familie besteht aus Vater Franz, der als Allgemeinarzt arbeitet, der Lehrerin Brigitte und ihren Kindern, Max und Rebecca. Wie sie da aus ihrem ...

Die Brunners machen Urlaub im schönen Tirol. Die 4-köpfige Familie besteht aus Vater Franz, der als Allgemeinarzt arbeitet, der Lehrerin Brigitte und ihren Kindern, Max und Rebecca. Wie sie da aus ihrem nostalgischen VW-Oldtimerbus steigen, wirken sie wie das Klischee einer Musterfamilie. Dafür spricht auch, dass die sechzehnjährige Tochter und ihr zwei Jahre älterer Bruder die Ferien freiwillig mit den Eltern verbringen. Mit der Wahl des Quartiers hat Brigitte voll ins Schwarze getroffen, denn die Pension Mili entpuppt sich als wahres Idyll. Auch die Speckknödel der Pensionswirtin munden vorzüglich. Der anschließende Verdauungsspaziergang in die Tiefenbachklamm offenbart eine wunderschöne Landschaft, die zur Erholung einlädt. Alles ist einfach perfekt - bis auf die Leiche, die mausetot am Fuß der Schlucht liegt.

Was anderen den Urlaub gründlich vermiesen würde, lässt diese Familie aufblühen. Wie wir erfahren, interessieren sich alle vier sehr für Mord. Das geht vom Erfinden skurriler Todesfälle als Ratespiel bis hin zum Nachspielen von Verbrechen im Rahmen eines Krimidinners. Sozusagen als Experten zweifeln die Brunners das Urteil der Polizei - bedauerlicher Unfall! - an. Fallstudien mit einem selbstgebauten Dummy bestätigen ihre These: Der Tote in der Tiefenbachklamm wurde ermordet! Bedauerlicherweise interessiert sich die Polizei nicht im Geringsten für die Erkenntnisse der „verrückten Wiener.“ Was bleibt ihnen also übrig?

Was jetzt folgt, ist ein wahres Feuerwerk an taktischen Ermittlungsschritten. Dabei scheut Familie Brunner kein Opfer. Ob der Umzug von der kuschligen Pension ins sterile Luxushotel eines Verdächtigen oder die erste Teilnahme an einer Demonstration, die Wiener Amateurermittler sind dabei. Tatsächlich wird ihre Liste an möglichen Motiven und Tätern schnell länger, was zu teilweise skurrilem, aber immer kreativem Vorgehen führt. Wirklich erstaunlich, was die Brunners alles ans Licht bringen. Leider geraten unsere Spürnasen durch ihre Beharrlichkeit in tödliche Gefahr. Ein rasanter Showdown zu ihrer Rettung beginnt. Werden die Brunners überleben?

Der Autor Tim Eckhaus hat die Gruppe der Amateurdetektive um eine toughe Familie erweitert, deren Fähigkeiten sich trefflich ergänzen. Vater Franz bringt die anatomischen Fachkenntnisse mit, während Mutter Brigitte einen McGyver dank ihrer handwerklichen Fähigkeiten alt aussehen lässt. Sohn Max ist für die Sparten Sport und Charme zuständig und Tochter Rebecca punktet als menschliche „Wikipedia“. Eckhaus schreibt flüssig und humorvoll. Als Österreicher kennt er die Vorbehalte seiner Landsleute gegenüber den Einwohner ihrer Hauptstadt und spart nicht an entsprechenden Spitzen. Auch das Lokalkolorit kommt nicht zu kurz. Die schöne Landschaft und die köstliche einheimische Küche werden ausdrücklich gewürdigt.

Am Ende werden unsere Hobbyermittler aus ihrer misslichen Lage befreit und der Täter gefasst. Bis zum Schluss hat mich dieser Cosy Crime vergnüglich und kurzweilig unterhalten. Der Krimi kommt mit erfreulich wenig Gewalt aus und ist trotzdem spannend. Da „Alpenmord und Almgedudel“ der Auftaktband für eine neue Reihe ist, kann ich mich auf das nächste Abenteuer der Brunners freuen. Ich bin schon gespannt, in welche landschaftlich schöne Region mich Tim Eckhaus dann entführt.

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Veröffentlicht am 18.02.2026

So geht Krimi ...

Die Witwe
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Gerade noch kämpft Detective Sergeant Washington Poe vor Gericht um sein Heim, eine Schäferhütte in Herdwick Croft, als er plötzlich zu einem dringenden Fall gerufen wird. Ein Hubschrauberpilot, der beim ...

Gerade noch kämpft Detective Sergeant Washington Poe vor Gericht um sein Heim, eine Schäferhütte in Herdwick Croft, als er plötzlich zu einem dringenden Fall gerufen wird. Ein Hubschrauberpilot, der beim bevorstehenden internationalen Handelsgipfel akkreditiert war, wurde brutal in einem geheimen Bordell in Carlisle ermordet. Ein Fall, der so gar nicht in Poes Aufgabenbereich passt. An seiner Seite ermittelt, wie gewohnt, die Analytikerin Tilly Bradshaw. Bald ergänzt die toughe FBI-Agentin Melanie Lee, die den Sicherheitsstandard für den kommenden Gipfel überprüfen soll, das Team. Während der DS noch die Lage analysiert, stellt sich heraus, dass auch der MI 5 bei diesem Fall mitspielt. Wie immer, wenn Geheimdienste involviert sind, ist alles viel komplizierter als zunächst vermutet.

„Die Witwe“ ist der vierte Fall, in dem der britische Autor M. W. Craven sein Team DS Poe und Tilly Bradshaw ermitteln lässt. Auch dieses Verbrechen erweist sich als so vielschichtig wie seine drei Vorgänger. Nichts ist hier so, wie es vordergründig aussieht oder erwartet wird.

Es ist zum Verzweifeln. Niemand weiß, wie der Tote an den Tatort gekommen ist. Wieso war ihm, dem Ortsfremden, diese sehr diskrete Location überhaupt bekannt? Auch als Poe eine Unregelmäßigkeit am Schauplatz des Mordes auffällt, was Konsequenzen nach sich zieht, und der MI 5 endlich mit ein paar Informationen herausrückt, bringt das die Ermittlungen nicht entscheidend weiter. Einmal mehr ist es Tilly, die auf Zusammenhänge stößt, die sonst niemand entdeckt hätte. Indem sie Schicht um Schicht des Falls wie bei einer Zwiebel ablösen, gelangen Poe und seine Kollegin schließlich bis zu den Hintergründen des aktuellen Verbrechens. Die Spur führt in die Vergangenheit, zum Krieg in Afghanistan. Trotz aller Behinderungen, einiger Finten und mehreren raffinierten Manövern kann Poe den Täter stellen. Aber ist er wirklich derjenige, der die Strippen zieht?

Cravens Charaktere konnten mich einmal mehr überzeugen. Der sture DS Poe erweist sich erneut als schwieriger Untergebener, der große Probleme mit Verboten und Machtspielen hat. „Ein Ausgestoßener, aber zu nützlich, um ihn abzuschaffen.“ So sieht er sich und darin ähnelt er der FBI-Agentin Lee. Einmal mehr kann er sich auf die hochintelligente Tilly verlassen, die ein Computergenie und eine hundertprozentig loyale Kollegin, ja Freundin, ist. Allmählich entwickelt sie mehr soziale Kompetenz und falls es schwierig für sie wird, greift Poe ein. DI Flynn fehlt dieses Mal leider und die von mir sehr geschätzte Rechtsmedizinerin Estelle Doyle treffen wir nur kurz. Der Geheimdienstchef Alastar Locke entspricht den Vorstellungen und schafft es dennoch, Poe zu verblüffen.

Craven schreibt flüssig und lässt immer wieder den trockenen britischen Humor aufblitzen. Der für diesen Fall wichtige militärische Hintergrund und das entsprechende Vokabular erscheint zunächst gewöhnungsbedürftig, wird aber gut erklärt. Was auch dem Umstand geschuldet sein mag, dass der Autor selbst 10 Jahre lang in der Britischen Armee war.

Bei diesem Fall ist die Ausgangslage anders als bei seinen Vorgängern. Hier wird kein Serienmörder gejagt, sondern vordergründig soll gesichert werden, dass der geplante internationale Gipfel gefahrlos stattfinden kann. Als Poe und Bradshaw eine Spur in eine ganz andere Richtung verfolgen, schaltet sich prompt der Geheimdienst ein. Letztlich wird der Fall trotzdem aufgeklärt. Die Geschichte entwickelt sich in eine völlig andere Richtung als ich ursprünglich erwartet habe. Für mich war es spannend zu lesen, was Tilly und der Täter an technischen Tricks und Knowhow drauf haben. Obwohl ich kein PC Analphabet wie Poe bin, gab es für mich einiges Neues zu entdecken. Der Spannungsbogen hält bis zuletzt und sorgt für fesselnde Unterhaltung. Poe macht in seiner persönlichen Agenda in der „Witwe“ kaum Fortschritte. Allerdings könnte sich ein neu gewonnener Kontakt künftig als nützlich erweisen.

Ich bin inzwischen ein großer Fan der Poe-Reihe von M. W. Craven und wurde auch dieses Mal nicht enttäuscht und anregend unterhalten. Allerdings hätte ich mir einen anderen Buchtitel gewünscht, der dem Original „Dead Ground“ näher kommt.


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Veröffentlicht am 17.02.2026

Kann Eyra siegen?

Die Prinzen des Winters
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Mit "Eisfeuer-Die Prinzen des Winters" dem 5. Teil ihrer Reihe, läutet K. T. Steen das spannende Finale ihrer Saga ein. Die Gefährten wollen Eyras Plan zur Befreiung Estraoras erfolgreich umsetzen. Doch ...

Mit "Eisfeuer-Die Prinzen des Winters" dem 5. Teil ihrer Reihe, läutet K. T. Steen das spannende Finale ihrer Saga ein. Die Gefährten wollen Eyras Plan zur Befreiung Estraoras erfolgreich umsetzen. Doch dabei haben sie ihre Rechnung ohne die Götter gemacht ... Schon nach wenigen Seiten war ich wieder mitten im Geschehen und wurde von der facettenreichen Handlung bis zur letzten Seite gefesselt.

Während Eyra weiterhin den Krieg gegen die Schneeelfen vorbereitet, um ihren Schwur zu halten und Emberis, den Gott der Feuerwesen zu täuschen, begeben sich Lazar, seine Brüder, Patricia und Eyras Schwester Fayette auf den beschwerlichen Weg zur Quelle der Magie. Ihr Plan ist unverändert, sie wollen die Edelsteine vernichten und damit die Kontrolle von Emberis, Nevalis, Reena und Veridion über die Völker brechen. Nur so können sie ihre Welt Estraora befreien und für dauerhaften Frieden sorgen. Über der gefährlichen Expedition schwebt unheilvoll die finstere Prophezeiung von Madame Moryena, dass die Zerstörung der Edelsteine die Leben der drei Eisprinzen kosten wird. Doch von wem stammt diese schreckliche Drohung? Von guten oder bösen Kräften? Trotz der möglichen Todesgefahr reisen die Gefährten unbeirrt ihrem Schicksal entgegen. Werden sie ihr Leben riskieren? Oder gibt es eine Alternative?

Die Geschichte wird abwechselnd aus der Perspektive von Eyra, Fayette und Patricia erzählt. Die häufigen Wechsel vergrößern den Blickwinkel und erhöhen zusätzlich die Spannung. K. T. Steen schreibt gewohnt flüssig, bilderreich, gelegentlich humorvoll und immer fantasievoll. Sie schafft stets eine Atmosphäre, die den Lesenden berührt. Mal düster, mal gefährlich oder emotional, aber immer fesselnd. Manche Wendungen sind weniger überraschend, doch dann folgen wieder unvorhersehbare Entwicklungen, sodass niemals Langeweile oder auch nur Gewöhnung auftritt.

Der rasante Showdown erweist sich als finales Highlight. Meine Erwartungen an das Ende der Geschichte wurden mehr als erfüllt. Sie ist ein würdiger Abschluss für den Kampf um den Frieden und die Freiheit von Estraora.

Ich bin begeistert von der vielgesichtigen, diversen, farbenfrohen und fantastischen Welt, die K.T. Steen mit Mirilor geschaffen hat. Die spannenden Abenteuer, die die Protagonisten meistern mussten, haben mich durchweg gut unterhalten. Lediglich ein paar kleine Längen im Mittelteil … aber das ist Jammern auf höchstem Niveau. Insgesamt ist die Eisfeuer-Saga ein Feuerwerk aus Magie, Freundschaft, Abenteuer und Romantik.

Ich bin sehr gespannt, welche Geschichte uns die Autorin als nächste aus der Welt von Mirilor erzählen wird. Im Nachwort weist sie darauf hin, dass sie ein paar „Ostereier“ in der Reihe versteckt hat. Sehr gut! Ich bin schon gespannt darauf. Sehr gern würde ich meine Lieblinge aus der Saga, die possierliche Schneeamsel Theo und den brummigen Drachen Belgor wieder treffen.
4,5 von 5 Sternen

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Veröffentlicht am 11.02.2026

Warum muss der Abbé sterben?

Der Kommissar und der Mord von Valognes
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Philippe und Odette heiraten! Abbé Jean-Marie traut das glückliche Paar auf der malerischen Grande-Île und feiert vergnügt mit der Hochzeitgesellschaft. Nur vier Tage später findet Commissaire
Philippe ...

Philippe und Odette heiraten! Abbé Jean-Marie traut das glückliche Paar auf der malerischen Grande-Île und feiert vergnügt mit der Hochzeitgesellschaft. Nur vier Tage später findet Commissaire
Philippe Lagarde den Geistlichen tot im Pfarrhaus. Erhängt. Seine Zweifel am Selbstmord des Abbés bestätigen sich bald. Erschüttert beschließt Philippe, seinen Freund und Kollegen Ludovic Leroc, bei den Mordermittlungen zu unterstützen.

"Der Kommissar und der Mord von Valognes" ist der 15. Fall, in dem Maria Dries ihren Ermittler Philippe Lagarde auf Mörderjagd schickt. Wie erhofft, hat mich der spannende Krimi gut unterhalten. Er ist auch ohne Vorkenntnisse problemlos lesbar.

Wer tötet einen beliebten Abbé? Bald findet Lagarde erste mögliche Tatverdächtige. Da ist der Vater, dem die Tochter weggenommen wurde, weil der Geistliche die häusliche Gewalt gegen das Kind zur Anzeige brachte. Ein weiteres Motiv könnten die Probleme des Abbés mit dem Zölibat sein. Wer war die Frau, die er regelmäßig traf? Wenige Tage später wird ein pensionierter Lehrer tot aufgefunden. Erwürgt wie der Geistliche. Leroc und Lagarde versuchen herauszufinden, ob die beiden Mordopfer sich kannten. Die Ermittlungen führen sie bis auf eine abgelegene kleine Insel vor der bretonischen Küste und in eine tödliche Falle.

Maria Dries schreibt flüssig und bildhaft. Das Lokalkolorit nimmt einen angemessenen Raum ein, nicht nur Land und Leute, sondern auch kulinarische Köstlichkeiten. Ihre Charaktere sind stimmig und bodenständig. Philippe Lagarde ist ein sympathischer, kultivierter Mensch, der nach einer schweren Verletzung den aktiven Polizeidienst quittiert hat. Jetzt unterrichtet er an der Akademie von Rennes und fungiert gelegentlich als Berater der Ermittlungsbehörden. Seiner Frau, der erfolgreichen Gastronomin und Spitzenköchin Odette, unterschlägt er gern, in welch gefährliche Situationen er bei seinen Ausflügen in die Welt der Mordermittler gerät. So auch dieses Mal.

Die Geschichte wird aus verschieden Perspektiven und mit Rückblicken in die Vergangenheit, Anfang des 21. Jahrhunderts erzählt. So schält sich für den Leser allmählich ein Tatmotiv heraus. Bis zum Showdown hält die Spannung an. Lagarde und Leroc können schließlich den schwierigen Fall logisch aufklären. Es bleiben keine Fragen offen. Mir hat gut gefallen, dass nicht nur das Motiv, sondern auch der Auslöser der Mordserie erklärt wird.

Jetzt kann der Commissaire beruhigt seine Hochzeitsreise antreten. Bei der Höhlentour in der Ardèche würde ich Odette und Philippe gern begleiten. Aber wer weiß, vielleicht entdecken sie dort einen gemeuchelten Höhlenforscher?

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Veröffentlicht am 03.02.2026

Eine Geburtstagsfeier eskaliert

Stürmische Klippe
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Die ehemalige Landesjustizministerin Armgart Zabrowsky wird beim allmorgendlichen Surfen von einem Taucher angegriffen. Da sich hochrangige Gäste in ihrer Sylter Villa anlässlich ihrer Geburtstagsfeier ...

Die ehemalige Landesjustizministerin Armgart Zabrowsky wird beim allmorgendlichen Surfen von einem Taucher angegriffen. Da sich hochrangige Gäste in ihrer Sylter Villa anlässlich ihrer Geburtstagsfeier aufhalten, wünscht die Politikerin keinerlei Aufsehen. Hilke Hasselbrecht, die Leiterin der Mordkommission, eine Freundin Armgarts, ist ebenfalls vor Ort und entscheidet, vorerst das LKA nicht zu informieren. Stattdessen ruft sie ihre Mitarbeiterin, Kriminaloberkommissarin Liv Lammers, zu Hilfe. Schon dieses regelwidrige Verhalten am LKA vorbei, lässt den erfahrenen Krimileser aufmerken. Und das ist erst der Anfang einer brisanten Ermittlung.

Sabine Weiß lässt ihre Kommissarin Lammers im 10. Fall ermitteln. Wie schon der Prolog ankündigt, stehen Liv turbulente Tage bevor. Zusätzlich belastet sie die überraschende Verhaftung ihres Lebensgefährten Sebastian.

In „Stürmische Klippe“ müssen gleich zwei schwere Verbrechen aufgeklärt werden. Während Liv ihre Chefin bei den „diskreten“ Ermittlungen in der Sylter Nobelvilla unterstützt, wird in der Nebenhandlung ihr Partner, der Rechtsmediziner Sebastian, verhaftet. Er hat eine seiner Schutzbefohlenen, die er wiederholt wegen der Folgen häuslicher Gewalt in der Rechtsmedizinischen Ambulanz behandelt hat, nach einer Messerattacke gefunden und erstversorgt. Da Sebastian blutüberströmt ist und auch die Tatwaffe angefasst hat, wird er prompt als verdächtig in Untersuchungshaft genommen. Noch weiß er nicht, was ihn dort erwartet.

Inzwischen zieht ein schwerer Sturm auf, der alle Anwesenden in Zabrowskys Villa festhält. Während die Politikerin und ihre illustren Gäste hinter verschlossenen Türen über die Zukunft Sylts verhandeln, bemühen sich Liv und ihre Chefin den Attentäter zu entlarven. Mehrere der Gäste und Angestellten erscheinen verdächtig. Zudem verfügt Zabrowsky über ein unsympathisches, brüskes Naturell. In der Villa überschlagen sich die Ereignisse und Liv versteht die Handlungsweise ihrer Chefin immer weniger. Erst als es zu spät ist, alarmiert diese das LKA ...

Sabine Weiß schreibt flüssig und versteht es vorzüglich, Spannung aufzubauen. Das heraufziehende Unwetter spiegelt die Atmosphäre in der Villa. Von Feierlaune ist längst nichts mehr zu spüren. Angst und Misstrauen machen sich breit, die durch das Eingesperrtsein noch verstärkt werden. Die bedrohliche Stimmung eskaliert in einem brutalen Mord. Die Charaktere überzeugen, ob Bodyguard oder schwerreicher Unternehmer. Sie alle haben unterschiedliche Beweggründe und hüten Geheimnisse. Die Geschichte wird fortlaufend aus wechselnden Perspektiven erzählt und ermöglicht es so, die verschiedenen Handlungsweisen nachzuvollziehen.

Sehr gut gefallen hat mir, dass Sabine Weiss auf aktuelle gesellschaftliche Probleme Bezug nimmt, seien es Umweltprobleme, die negativen Folgen des Massentourismus, der Ausverkauf landschaftlich schöner Gegenden zuungunsten der Ureinwohner, Korruption oder Femizide. Fein herausgearbeitet hat die Autorin die Diskrepanz zwischen den Einsatzkräften von Feuerwehr, Polizei, Notdiensten und Technischem Hilfswerk, die Leben und Infrastruktur retten wollen und den egozentrischen VIPs, die sich nur um ihre Luxusautos und Erstausgaben sorgen.

Auch das Lokalkolorit kommt erfreulicherweise nicht zu kurz. Die Beschreibung der einmaligen Landschaft, die lokale Architektur, örtliche Sagen und nicht zuletzt das Sölring oder Sylterfriesisch finden ihren Platz in diesem Roman.

Zum Schluss werden beide Fälle logisch aufgeklärt und fast alle Fragen beantwortet. Gestört hat mich, dass zwei Szenen auf dem Höhepunkt der Spannung abgebrochen und dann mit dem Bericht vom gelungenen Abschluss fortgesetzt wurden. Auch wäre etwas weniger Hektik im Mittelteil gut gewesen. Gern hätte ich noch erfahren, wie es den Protagonisten, vor allem den Tätern und einem fragwürdigen Ermittler, weiter ergangen ist. Aber das erfährt der Leser vielleicht in Band 11.

Für mich war es die erste Ermittlung mit Kommissarin Liv Lammers und ich habe mich erstaunlich gut zurechtgefunden. Lediglich etwas Background zum Kollegenkreis von Liv und Sebastian hat mir vielleicht gefehlt. Insgesamt hat mir „Stürmische Klippe“ so gut gefallen, dass jetzt Livs Fälle 1-9 meine Leseliste weiter anschwellen lassen.

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