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Veröffentlicht am 29.05.2026

So kommt der Buchhändler auf den Hund

101 Schlawiner
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In Remslingen geht alles seinen gewohnten Gang. Nur Selinas beruflich bedingte Abwesenheit macht Robert Mondrian zu schaffen. Frustriert erliegt der Buchhändler beinahe den Reizen seiner neuen attraktiven ...

In Remslingen geht alles seinen gewohnten Gang. Nur Selinas beruflich bedingte Abwesenheit macht Robert Mondrian zu schaffen. Frustriert erliegt der Buchhändler beinahe den Reizen seiner neuen attraktiven Nachbarin. Doch ein Mord in deren Geschäftsräumen, dem Hundesalon „Crew Ella“, lenkt Roberts Konzentration auf die Ermittlungen seines Freundes Kommissar Neher. Auch Anton, Mitarbeiter in der Buchhandlung, hofft auf einen neuen Fall für „Bookman“, wie er seinen Chef insgeheim nennt. Doch zunächst tappen alle Beteiligten im Dunkeln. Wer war der Tote und hat Ella in ermordet?

Auch in seinem 6. Fall wird der Buchhändler Robert Mondrian, ein ehemaliger Topagent, von dessen Vergangenheit in Remslingen niemand erfahren soll, mit einem ungeklärten Verbrechen konfrontiert. Erneut sorgt er mit seinen privaten Ermittlungen für spannende Unterhaltung. „101 Schlawiner“ ist auch für Neueinsteiger gut verständlich.

Im Straßenbild von Remslingen tauchen etliche Dalmatiner auf. Was steckt hinter dem vermehrten Auftreten der schönen Hunde? Zunächst sieht niemand einen Zusammenhang mit der steigenden Verbrechensrate: Bei einem Firmenwagen werden Reifen zerstochen, Pasquale, dem Seniorchef der Pizzeria Fontana der Familienschmuck gestohlen und Dorothea von Meier samt ihrem Kulturverein die Tageskasse geklaut. Die Situation eskaliert als Mondrian in seinem Hinterhof betäubt und zusammengeschlagen wird. Auch Nachbarin Ella fühlt sich bedroht. Und Antons Freundin Marie, zwar schmächtig aber ein Karate-Ass, kann im Nachbarort nach einer Krimilesung den Raub der Abendkasse gerade noch verhindern. Wenig später verschwindet eine Journalistin und der bewusstlose Mondrian schickt Kommissar Neher Ratschläge aufs Smartphone? Was ist nur los hier? Der Fall benötigt dringend einen Robert Mondrian in Bestform!

Gewohnt humorvoll und eloquent entführt uns Autor Jürgen Seibold ins fiktive Remslingen, das von der Stadt Waiblingen inspiriert ist. Ich komme immer wieder gern hierher und treffe alte Bekannte wie den Schotten und Nazareth-Fan Richie oder Puppenspieler Gustaf Kruse und die anderen. Mir gefällt der gelungene Mix aus spannender Unterhaltung, Lokalkolorit und den sympathischen Protagonisten, allen voran meine Favoriten Sherlock und Watson, die dieses Mal sogar Hunde kommandieren.

Während dieser Ermittlung wächst sogar Remslingens stadtbekannte Klatschbase Elsa Heberle über sich hinaus. Zuerst behält sie, was sie selbst erstaunt, brandheiße Informationen diskret zurück, dann hilft sie, Mondrian aus einer bedrohlichen Situation zu retten, um dann im rasanten Showdown sogar ... aber lest selbst. Jedenfalls verändert sie sich sehr zu ihrem Vorteil oder hat sie endlich ihr wahres Ich entdeckt?

Der neueste Cosy Crime aus Remslingen hat meine Erwartungen voll erfüllt und mich bestens unterhalten. Lediglich ein paar gewieftere Ganoven habe ich vermisst. Aber der Fall wird gelöst und die offenen Fragen beantwortet. Im Städtchen im Rems-Murr-Kreis geht wieder alles seinen gewohnten Gang.

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Veröffentlicht am 05.03.2026

Die Psychologin und der Kommissar

Die weiße Dame
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Der Krimi beginnt mit dem brutalen Mord an der Psychotherapeutin Dr. Eva Sternberg. Schnell gerät ihre Kollegin Salome Liebeskind in den Fokus des ermittelnden Kommissars. Um ihre Unschuld zu beweisen, ...

Der Krimi beginnt mit dem brutalen Mord an der Psychotherapeutin Dr. Eva Sternberg. Schnell gerät ihre Kollegin Salome Liebeskind in den Fokus des ermittelnden Kommissars. Um ihre Unschuld zu beweisen, beginnt diese selbst zu recherchieren. Wer hatte ein Motiv für die grausame Tat? Bald wird Salome bewusst, dass sie ihre Kollegin Eva überhaupt nicht kannte.

„Die weiße Dame“ von Yngra Wieland hat mich schnell in ihren Bann gezogen. Die Autorin beginnt den Krimi spektakulär und wechselt dann in ruhigere Gewässer, um ihre Charaktere einzuführen. Mit jeder Seite hat mich die Geschichte mehr gefesselt.

Eigentlich sollte Salome bereits im Flieger nach Israel sitzen. Aber der Mord an Eva verhindert diese Reise zunächst, was ihr ganz gelegen kommt. Bei ihren eigenen Ermittlungen stößt sie auf Fakten, die ein völlig anderes Bild der stets akkuraten, perfekten Kollegin ergeben. Warum hat diese den angebeteten Lover Alexander als Nutznießer ihrer Lebensversicherung gestrichen und dafür ihre Kollegin bedacht? Die beiden Frauen standen sich nicht nahe, aber diese Entdeckung verstärkt den Verdacht gegen Salome. Während die Polizei noch völlig im Dunkeln tappt, führt ein Gassigang mit Dackel Seppl die Psychotherapeutin zum örtlichen Friedhof. Eine wehmütige Erinnerung an ihren ehemaligen Freund Christian veranlasst sie die Kirche zu besuchen, wo sie prompt den toten Pfarrer findet, der brutal ermordet wurde.

Mit Salome hat die Geschichte eine sympathische, bodenständige Ermittlerin, die schon einiges erlebt hat und deren Verhältnis zur Familie schwierig ist. Die berufliche Qualifikation und Erfahrung bringt ihr gewisse Vorteile bei der Recherche und ermöglicht dem Leser diskrete Einblicke in die Tätigkeit einer Psychotherapeutin. An ihrer Seite steht als Ermittler der junge Kommissar Julian Christ, der unter Erfolgsdruck steht und massive Eheprobleme hat. Er ist der Charakter, zu dem ich schwer Zugang fand. Gefühlt hat derzeit jeder Kommissar Beziehungsprobleme. Die Nebencharaktere wiederum haben mich überzeugt, ob die lebensbejahende Freundin Waltraut, der liebenswerte Dackelbesitzer und Nachbar Bodemann oder die vom Schicksal schwer gezeichnete Mirka.

Yngra Wieland versteht es hervorragend, Spannung aufzubauen und den Leser zu fesseln. Der Fall entwickelt sich langsam, aber stetig. Verdächtige kommen und gehen. Zunächst hatte ich den einen im Visier, der sich dann als unschuldig erwies, dann fokussierte ich mich auf den nächsten. Ich liebe es, bei einem Krimi mitraten zu können! Erst sehr spät kam ich der Lösung auf die Spur dank einer Kollegin des Kommissars.

„Die weiße Dame“ erweist sich als intelligenter, psychologisch fundierter Krimi, der mit facettenreichen Charakteren punktet und einer sehr gelungenen Hauptfigur, die Ecken und Kanten, aber auch Herz besitzt. Der Fall wird restlos aufgeklärt und alle Fragen werden beantwortet. Dabei eröffnen sich teilweise Abgründe, in die man lieber nicht geschaut hätte. Die Geschichte liest sich flüssig und für mich hat der Spannungsbogen bis zum Schluss gehalten. Besonders gut haben mir die Einblicke in die psychotherapeutische Arbeit gefallen, die spannend waren und gut dosiert. Erfreulicherweise kommt auch der Humor nicht zu kurz und lockert manches Mal die Atmosphäre auf. Eine meiner Lieblingsszenen war die mit Putzfee und Schamane.

Es hat mich sehr gefreut zu lesen, dass Salome auch weiterhin die Polizei unterstützen wird. Ich freue mich schon auf ein Wiedersehen mit ihr und den charmanten Vierbeinern Seppl und Ciggy.

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Veröffentlicht am 01.03.2026

Das Geheimnis von Neuwerk

Fünf Fremde
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An einem stürmischen Herbsttag legt die Fähre zur Nordseeinsel Neuwerk ab. Bevor die Passagiere nach der ungemütlichen Fahrt ihr Ziel erreichen, stürzt eine der Reisenden ins eiskalte Wasser. Glücklicherweise ...

An einem stürmischen Herbsttag legt die Fähre zur Nordseeinsel Neuwerk ab. Bevor die Passagiere nach der ungemütlichen Fahrt ihr Ziel erreichen, stürzt eine der Reisenden ins eiskalte Wasser. Glücklicherweise können ein beherzter Passagier und die Crew die Verunglückte vorm Ertrinken retten. Die turbulente Reise endet zur Erleichterung aller Beteiligten sicher im Hafen. Noch ahnt niemand, was fünf von ihnen auf der Insel erwartet.

Romy Fölck hat mit „Fünf Fremde“ einen atmosphärischen Thriller geschrieben, der über die übliche Verbrecherjagd hinausgeht. Mich hat die Erzählung weitgehend überzeugt und gut unterhalten.

Die beinah ertrunkene Journalistin Sinje Bianchi kommt nach Neuwerk, um einen lokalen Cold Case für ihr neues Buch zu nutzen. Kommissarin Annika Lindt hat gleich mehrere Gründe, ihre Heimatinsel zu besuchen. Da ist zum einen ihre Mutter Hedda, die immer weiter in die Demenz versinkt, dann der marode Zustand ihrer Ehe, die seit dem Auszug des Sohnes, einer WG ähnelt und schließlich ihre sich rapide verschlechternde Gesundheit. In dieser Situation besucht sie Charlotte, eine alte Freundin Heddas. Angeblich wurde sie schriftlich eingeladen. Aber Annikas Mutter kann schon lange keine Briefe mehr schreiben und doch scheint die Nachricht an Charlotte von Hedda zu stammen. Sie alle und zwei weitere Besucher sind mit dem grausamen Verbrechen verbunden, das zum spurlosen Verschwinden des dreizehnjährigen Janosch vor 30 Jahren führte. Noch weiß keiner, dass ihre Rückkehr akribisch und langfristig geplant wurde ...

Romy Fölcks Sprache ist flüssig und bildhaft, sie schafft es mühelos, eine zunehmend düstere Atmosphäre zu schaffen. Die klaustrophobe Lage wegen des Unwetters trägt dazu bei und lässt die Spannung mit jeder neuen Wendung steigen. Durch die Rückblicke ist zunehmend verständlich, worum es geht. Das Lokalkolorit ist gut in die Geschichte integriert.

„Fünf Fremde“ wird auf zwei Zeitebenen, 1995 und in der Gegenwart, erzählt. Die Perspektiven wechseln zwischen mehreren Personen, sodass die Ereignisse aus verschiedenen Blickwinkeln berichtet werden. Die Protagonisten agieren nachvollziehbar und erscheinen glaubwürdig. Fast jeder von ihnen verbirgt ein Geheimnis und keiner hat mit der Vergangenheit abgeschlossen. Nur die akribische Vorarbeit des Täters hat mich nicht in allen Teilen überzeugt, bspw. sind Medikamente selten optisch identisch.

Der Thriller, der mehr auf die Psyche abzielt, als blutig zu sein, hat mich gut unterhalten. Am Ende wird die Situation aufgeklärt, der Täter, den ich dieses Mal nicht erraten habe, wird entlarvt. Ich fand es sehr erkenntnisreich zu lesen, wie ein traumatisches Erlebnis alle Beteiligten und ihre Familien noch jahrzehntelang beeinflusst. Zurück bleibt ein schales Gefühl, das besagt, dass kein Cold Case jemals endgültig ungeklärt zu den Akten gelegt werden sollte.

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Veröffentlicht am 26.02.2026

Mord auf hoher See

Trügerisches La Rochelle
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Clément Chevalier verbringt seinen freien Samstag mit harter körperlicher Arbeit, denn er hilft seinem Schwager Bertrand beim Säubern und Wenden der schweren Austernsäcke. Doch bald stört sein Handy und ...

Clément Chevalier verbringt seinen freien Samstag mit harter körperlicher Arbeit, denn er hilft seinem Schwager Bertrand beim Säubern und Wenden der schweren Austernsäcke. Doch bald stört sein Handy und ruft ihn zu einem ungeklärten Todesfall. Der ungewöhnliche Schauplatz des möglichen Verbrechens: Das riesige Errichterschiff „Rochefort“, von dem aus Windräder installiert werden. Ein Schnellboot der Polizei bringt den Kommissar und sein Team zum Tatort, da Kommandant Vignaud Helikopterflüge nur im äußersten Notfall genehmigt. Das Ziel ist bald erreicht. Doch wie an Bord kommen? Mittels eines waghalsigen Manövers, das nur ein Teil seiner Kollegen mitmacht, gelangt Chevalier auf das Schiff, das nicht im Wasser liegt, sondern auf sechs hohen Stelzen steht. So schwierig wie der Tatort zu erreichen war, so kompliziert gestalten sich die Ermittlungen.

Jean-Claude Vinet schickt seinen Commissaire Chevalier im vierten Fall auf ein Installationsschiff für einen Offshore-Windpark. Der originelle Tatort verleiht dem Verbrechen eine zusätzliche Facette. Nachdem ich mich mit der Technik des überraschenden Settings vertraut gemacht hatte, ein Video erwies sich in meinem Fall als sehr hilfreich, wurde ich spannend unterhalten.

Wie kam der unbeliebte Sicherheitsbeauftragte Alain Poyet ums Leben? War es ein Unfall, Mord oder Totschlag? Der schwer erreichbare Schauplatz des Todesfalls birgt auch einen Vorteil: Schnell ist klar, dass nur einer der 73-köpfigen Besatzung an Bord der Täter sein kann, den Chevalier mittlerweile sucht. Denn Poyet starb nicht durch einen Unfall.

Die Sprache des Autors ist eingängig und facettenreich. Der Leser lernt nicht nur Aufbau und Funktion eines Installationsschiffes kennen, auch die Diskussion über die Vor- und Nachteile von Windkraft gegenüber Atomenergie und ihre Akzeptanz in der Bevölkerung werden thematisiert.

Die Charaktere sind für mich überzeugend. Da ich auch die anderen Fälle von Commissaire Chevalier gelesen habe, waren sie mir schon vertraut. Für Neueinsteiger in die Serie erweist sich das Namensverzeichnis am Ende des Krimis als hilfreich. Für sie wird der Start in die Reihe auch dadurch erleichtert, dass der Werdegang Chevaliers, seine Vergangenheit, seine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) sowie seine private Situation, kurz erklärt werden. Der Kommissar ist ein Familienmensch, der aber auch für sein Team da ist, hier für seine Kollegin Sophie und deren Sohn. Chevaliers Privatleben lockert die Ermittlungen auf, ohne dass es zu viel Raum einnimmt.

Die Tätersuche erweist sich schwierig trotz des abgeschotteten Schauplatzes. Verschiedene Verdächtige und Motive geraten in den Fokus der Ermittler und werden wieder verworfen. Die Überprüfung der Kameras vor Ort ist zeitaufwändig, aber wenig ergiebig und die Befragung der Crew erweist sich als zäh. Die misstraut Außenstehenden und hält zusammen. Der Arbeitgeber und Eigner der „Rochefort“ erweist sich als fragwürdig. Nicht nur wird versucht, das Gutachten zur Schuldfrage bei einem Arbeitsunfall massiv zu manipulieren, die Arbeiter werden auch ohne ihr Wissen ausgespäht

Am Ende wird der Fall gelöst, der für mich überraschende, aber durchaus überzeugende Mörder gefasst. Die Ermittlungen, die zu einem guten Teil, aber nicht nur, auf der „Rochefort“ stattfanden, haben mich gefesselt. Die Spannung blieb bis zum Abschluss der Ermittlungen bestehen. Das spezielle Setting und seine, für mich, bedrückende, düstere Atmosphäre tragen zum Reiz des Krimis entscheidend bei. Als Gegenpol wird das Lokalkolorit von La Rochelle, seine Bewohner, die schöne Landschaft, das leckere Essen etc. gut eingefangen. Ein paar Fragen am Rande bleiben offen, so zur geheimnisvollen Vergangenheit von Cléments Mutter oder zum fragwürdigen Umgang des unbeliebten Kommandanten Vignaud. Aber auch ohne diese Mini-Cliffhanger bliebe ich der Reihe weiterhin treu.

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Veröffentlicht am 20.02.2026

Mord ist ihr Hobby

Alpenmord und Almgedudel
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Die Brunners machen Urlaub im schönen Tirol. Die 4-köpfige Familie besteht aus Vater Franz, der als Allgemeinarzt arbeitet, der Lehrerin Brigitte und ihren Kindern, Max und Rebecca. Wie sie da aus ihrem ...

Die Brunners machen Urlaub im schönen Tirol. Die 4-köpfige Familie besteht aus Vater Franz, der als Allgemeinarzt arbeitet, der Lehrerin Brigitte und ihren Kindern, Max und Rebecca. Wie sie da aus ihrem nostalgischen VW-Oldtimerbus steigen, wirken sie wie das Klischee einer Musterfamilie. Dafür spricht auch, dass die sechzehnjährige Tochter und ihr zwei Jahre älterer Bruder die Ferien freiwillig mit den Eltern verbringen. Mit der Wahl des Quartiers hat Brigitte voll ins Schwarze getroffen, denn die Pension Mili entpuppt sich als wahres Idyll. Auch die Speckknödel der Pensionswirtin munden vorzüglich. Der anschließende Verdauungsspaziergang in die Tiefenbachklamm offenbart eine wunderschöne Landschaft, die zur Erholung einlädt. Alles ist einfach perfekt - bis auf die Leiche, die mausetot am Fuß der Schlucht liegt.

Was anderen den Urlaub gründlich vermiesen würde, lässt diese Familie aufblühen. Wie wir erfahren, interessieren sich alle vier sehr für Mord. Das geht vom Erfinden skurriler Todesfälle als Ratespiel bis hin zum Nachspielen von Verbrechen im Rahmen eines Krimidinners. Sozusagen als Experten zweifeln die Brunners das Urteil der Polizei - bedauerlicher Unfall! - an. Fallstudien mit einem selbstgebauten Dummy bestätigen ihre These: Der Tote in der Tiefenbachklamm wurde ermordet! Bedauerlicherweise interessiert sich die Polizei nicht im Geringsten für die Erkenntnisse der „verrückten Wiener.“ Was bleibt ihnen also übrig?

Was jetzt folgt, ist ein wahres Feuerwerk an taktischen Ermittlungsschritten. Dabei scheut Familie Brunner kein Opfer. Ob der Umzug von der kuschligen Pension ins sterile Luxushotel eines Verdächtigen oder die erste Teilnahme an einer Demonstration, die Wiener Amateurermittler sind dabei. Tatsächlich wird ihre Liste an möglichen Motiven und Tätern schnell länger, was zu teilweise skurrilem, aber immer kreativem Vorgehen führt. Wirklich erstaunlich, was die Brunners alles ans Licht bringen. Leider geraten unsere Spürnasen durch ihre Beharrlichkeit in tödliche Gefahr. Ein rasanter Showdown zu ihrer Rettung beginnt. Werden die Brunners überleben?

Der Autor Tim Eckhaus hat die Gruppe der Amateurdetektive um eine toughe Familie erweitert, deren Fähigkeiten sich trefflich ergänzen. Vater Franz bringt die anatomischen Fachkenntnisse mit, während Mutter Brigitte einen McGyver dank ihrer handwerklichen Fähigkeiten alt aussehen lässt. Sohn Max ist für die Sparten Sport und Charme zuständig und Tochter Rebecca punktet als menschliche „Wikipedia“. Eckhaus schreibt flüssig und humorvoll. Als Österreicher kennt er die Vorbehalte seiner Landsleute gegenüber den Einwohner ihrer Hauptstadt und spart nicht an entsprechenden Spitzen. Auch das Lokalkolorit kommt nicht zu kurz. Die schöne Landschaft und die köstliche einheimische Küche werden ausdrücklich gewürdigt.

Am Ende werden unsere Hobbyermittler aus ihrer misslichen Lage befreit und der Täter gefasst. Bis zum Schluss hat mich dieser Cosy Crime vergnüglich und kurzweilig unterhalten. Der Krimi kommt mit erfreulich wenig Gewalt aus und ist trotzdem spannend. Da „Alpenmord und Almgedudel“ der Auftaktband für eine neue Reihe ist, kann ich mich auf das nächste Abenteuer der Brunners freuen. Ich bin schon gespannt, in welche landschaftlich schöne Region mich Tim Eckhaus dann entführt.

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