Die Psychologin und der Kommissar
Die weiße DameDer Krimi beginnt mit dem brutalen Mord an der Psychotherapeutin Dr. Eva Sternberg. Schnell gerät ihre Kollegin Salome Liebeskind in den Fokus des ermittelnden Kommissars. Um ihre Unschuld zu beweisen, ...
Der Krimi beginnt mit dem brutalen Mord an der Psychotherapeutin Dr. Eva Sternberg. Schnell gerät ihre Kollegin Salome Liebeskind in den Fokus des ermittelnden Kommissars. Um ihre Unschuld zu beweisen, beginnt diese selbst zu recherchieren. Wer hatte ein Motiv für die grausame Tat? Bald wird Salome bewusst, dass sie ihre Kollegin Eva überhaupt nicht kannte.
„Die weiße Dame“ von Yngra Wieland hat mich schnell in ihren Bann gezogen. Die Autorin beginnt den Krimi spektakulär und wechselt dann in ruhigere Gewässer, um ihre Charaktere einzuführen. Mit jeder Seite hat mich die Geschichte mehr gefesselt.
Eigentlich sollte Salome bereits im Flieger nach Israel sitzen. Aber der Mord an Eva verhindert diese Reise zunächst, was ihr ganz gelegen kommt. Bei ihren eigenen Ermittlungen stößt sie auf Fakten, die ein völlig anderes Bild der stets akkuraten, perfekten Kollegin ergeben. Warum hat diese den angebeteten Lover Alexander als Nutznießer ihrer Lebensversicherung gestrichen und dafür ihre Kollegin bedacht? Die beiden Frauen standen sich nicht nahe, aber diese Entdeckung verstärkt den Verdacht gegen Salome. Während die Polizei noch völlig im Dunkeln tappt, führt ein Gassigang mit Dackel Seppl die Psychotherapeutin zum örtlichen Friedhof. Eine wehmütige Erinnerung an ihren ehemaligen Freund Christian veranlasst sie die Kirche zu besuchen, wo sie prompt den toten Pfarrer findet, der brutal ermordet wurde.
Mit Salome hat die Geschichte eine sympathische, bodenständige Ermittlerin, die schon einiges erlebt hat und deren Verhältnis zur Familie schwierig ist. Die berufliche Qualifikation und Erfahrung bringt ihr gewisse Vorteile bei der Recherche und ermöglicht dem Leser diskrete Einblicke in die Tätigkeit einer Psychotherapeutin. An ihrer Seite steht als Ermittler der junge Kommissar Julian Christ, der unter Erfolgsdruck steht und massive Eheprobleme hat. Er ist der Charakter, zu dem ich schwer Zugang fand. Gefühlt hat derzeit jeder Kommissar Beziehungsprobleme. Die Nebencharaktere wiederum haben mich überzeugt, ob die lebensbejahende Freundin Waltraut, der liebenswerte Dackelbesitzer und Nachbar Bodemann oder die vom Schicksal schwer gezeichnete Mirka.
Yngra Wieland versteht es hervorragend, Spannung aufzubauen und den Leser zu fesseln. Der Fall entwickelt sich langsam, aber stetig. Verdächtige kommen und gehen. Zunächst hatte ich den einen im Visier, der sich dann als unschuldig erwies, dann fokussierte ich mich auf den nächsten. Ich liebe es, bei einem Krimi mitraten zu können! Erst sehr spät kam ich der Lösung auf die Spur dank einer Kollegin des Kommissars.
„Die weiße Dame“ erweist sich als intelligenter, psychologisch fundierter Krimi, der mit facettenreichen Charakteren punktet und einer sehr gelungenen Hauptfigur, die Ecken und Kanten, aber auch Herz besitzt. Der Fall wird restlos aufgeklärt und alle Fragen werden beantwortet. Dabei eröffnen sich teilweise Abgründe, in die man lieber nicht geschaut hätte. Die Geschichte liest sich flüssig und für mich hat der Spannungsbogen bis zum Schluss gehalten. Besonders gut haben mir die Einblicke in die psychotherapeutische Arbeit gefallen, die spannend waren und gut dosiert. Erfreulicherweise kommt auch der Humor nicht zu kurz und lockert manches Mal die Atmosphäre auf. Eine meiner Lieblingsszenen war die mit Putzfee und Schamane.
Es hat mich sehr gefreut zu lesen, dass Salome auch weiterhin die Polizei unterstützen wird. Ich freue mich schon auf ein Wiedersehen mit ihr und den charmanten Vierbeinern Seppl und Ciggy.