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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 25.07.2018

Ein Thriller nach meinem Geschmack

A Stranger in the House
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Karen Krupp ist auf der Flucht. In Panik rast sie über etliche rote Ampeln bis dass sie die Gewalt über ihr Auto verliert und in einen Strommast fährt. Ohne Erinnerung erwacht sie im Krankenhaus. Als einige ...

Karen Krupp ist auf der Flucht. In Panik rast sie über etliche rote Ampeln bis dass sie die Gewalt über ihr Auto verliert und in einen Strommast fährt. Ohne Erinnerung erwacht sie im Krankenhaus. Als einige Tage später eine männliche Leiche in einem verlassenen Restaurant gefunden wird, sehen die beiden Detectives Rasbach und Jennings einen Zusammenhang mit Karens Verkehrsunfall. Der Mord geschah in einer Gegend, in der sich die unbescholtene Hausfrau nie aufhalten würde, aber genau aus dieser Gegend lässt sich ihre Flucht verfolgen. Karen kann sich nach wie vor an nichts erinnern und erkennt auch den Mann auf dem Foto von der Leiche nicht.
Detective Rasbach und Jennings beginnen mit den Ermittlungen und bringen Überraschendes zu Tage.

Das ist ein Thriller, wie ich ihn liebe. Kein Serienkiller, aber jede Menge Panik, Misstrauen, Angst, Zweifel und Missgunst hat er uns Lesern beschert. Ohne großen Aufwand wird von der Autorin eine aufreibende Thriller-Stimmung erzeugt. Jeder misstraut jedem. Alle verhalten sich verdächtig. Jedem würde man die Tat zutrauen, fast alle hätten ein Motiv.

Nach und nach wird die Vergangenheit aufgedeckt, teilweise durch die Ermittlungen der Detectives, teilweise aber auch durch die Preisgabe der Gedankenwelt der einzelnen Protagonisten. Die Detective geben dabei ein gutes Bild ab. Sie sind gründlich, ermitteln in verschiedene Richtungen, sind verständnisvoll und hören auf ihr Bauchgefühl.

Brigids Fixierung auf ihren Nachbarn Tom und Karens „anderes Leben“ aus ihrer Vergangenheit lassen den Leser immer wieder hin-und herschwenken.
Und dann war alles ganz anders, nachvollziehbar aber besonders gerissen von einer/einem Protagonisten beziehungsweise auch von der Autorin.

Einige Fragen, Rachefeldzüge und Folgen der Ereignisse sind noch offen. Wird es eine Fortsetzung geben? Lässt Shari Lapena die Geschichte von Karen, Brigid und Tom hier ausklingen?

Der Leser kann sich über den Fortgang seine eigenen Gedanken machen und sich noch einige Zeit mit dem Buch beschäftigen. Ist doch eine prima Idee! Danke

  • Einzelne Kategorien
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  • Figuren
  • Spannung
  • Psychologie
Veröffentlicht am 06.06.2018

Ermittlungen in eigener Sache

Und niemand soll dir vergeben
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Im Juni 2002 entgeht die 15-jährige eigenwillige Randi Rader nur knapp einer Vergewaltigung. Sie und ein ihr vorher unbekanntes Mädchen namens Kathy werden von einem jungen Mann entführt. Kathy wird mehrmals ...

Im Juni 2002 entgeht die 15-jährige eigenwillige Randi Rader nur knapp einer Vergewaltigung. Sie und ein ihr vorher unbekanntes Mädchen namens Kathy werden von einem jungen Mann entführt. Kathy wird mehrmals vergewaltigt. Randi kann entkommen und versucht Hilfe zu holen, aber niemand glaubt der mit Alkohol und Drogen vollgepumpten Jugendlichen.
Immerhin nimmt der Polizeichef Buddy Cadwell sie nach Verbüßung einer Jugendstrafe unter seine Fittiche. Sie wird Polizistin und entwickelt sich im Laufe der Jahre zu einem allseits respektieren Detective, den Cadwell bald als seine beste Ermittlerin bezeichnet.
Jahre später wird sie zu einer extrem verstümmelten männlichen Leiche gerufen. Dem Mann ist mehrmals in die Brust gestochen worden, man hat ihm die Kehle aufgeschlitzt und seinen abgetrennten Penis in den Mund gesteckt.
Im Zuge der Ermittlungen, die sich auch gegen sie selber richten, wird ihre ganze, verarbeitet geglaubte Vergangenheit wieder hochgespült.

Das ist ein Krimiplot, wie er einem Leser des Öfteren begegnet. Guter bis herausragender Ermittler sieht sich plötzlich einem Verbrechen gegenüber, dessen Tatortspuren in seine Richtung weisen. Die Folge ist, er wird vom Fall abgezogen. Er spürt keine Vertrauen oder Rückhalt von seinem Vorgesetzten und seinen Kollegen. Er ermittelt auf eigene Faust. Wird von einem einzigen Kollegen oder Partner unterstützt, aber auch immer wieder verunsichert, ob er diesem Partner trauen kann. Folglich löst er den Fall in Eigenregie.

So weit so gut, aber es kommt auf die Umsetzung an und da hat Frau Spindler einiges zu bieten. Sie hat die Hauptakteure ausführlich charakterisiert und durch Mirandas Reflektionen immer wieder hinterfragt, warum die Indizien plötzlich gegen Miranda sprechen. Wer die Täterin war, wurde von den meisten Lesern schon früh vermutet, aber auch schnell wieder verworfen. Mit zunehmenden Informationen wurde mal die eine mal die andere These denkbar. Die Spannung wurde hochgehalten und der Leser war immer mit Miranda auf gleicher Höhe.

Der Begriff Romantic Thriller ist mir vorher noch nicht untergekommen. Wahrscheinlich wird dabei auf die Beziehung zwischen Miranda und ihrem Partner Jake angespielt. Ich würde die Geschichte weder als „Romantic Thriller“ noch als Thriller bezeichnen. Für mich ist es einfach ein unterhaltsamer und spannender Krimi.

Das Cover habe ich auf meinem Kindle nur in schwarz/weiß sehen können. Ich weiß nicht, ob das im Original auch in schwarz/weiß sein wird, aber ich fand es passend zur Geschichte.

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Veröffentlicht am 04.03.2026

Spannender, solider Verschwörungsthriller

Sein Wille geschehe
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Fünf Tage vor der Amtseinführung des neuen Präsidenten findet das FBI endlich eine Spur zu den vor zwanzig Jahren entführten Zwillingen der zukünftigen Vizepräsidentin.
Ben Danvers, einer der aufgespürten ...

Fünf Tage vor der Amtseinführung des neuen Präsidenten findet das FBI endlich eine Spur zu den vor zwanzig Jahren entführten Zwillingen der zukünftigen Vizepräsidentin.
Ben Danvers, einer der aufgespürten Zwillinge, wird vom Medienrummel und politischen Apparat so überwältigt, dass er aus Washington flieht und selbst Antworten über seine Entführung, Ersatzmutter und Kindheit sucht.
Insbesondere die Kindheit seiner Ersatzmutter lässt ihn auf die Spur politischer Intrigen und Verschwörungen kommen.


Dies ist ein außergewöhnliches Thriller-Debut.
So viele Finten und Wendungen, die gut erklärt und nachvollziehbar sind, habe ich selten in einem Verschwörungsthriller erlebt. Der Titelzusatz „Traue niemandem“ wurde rigoros umsetzt. Ben wurde sehr genau gezeichnet, so dass der Leser seine Not aber auch seinen Wandel sehr gut nachvollziehen konnte. Die FBI-Agentin Emma Noble, mit starkem Hintergrund, der vielleicht etwas übertrieben agierte, bietet sich sofort als Serienheldin an. Vielleicht kommt da noch etwas.
Der gesamte Plot mit der vermeintlichen Sekte, dem Heim für Waisen und der Theorie die Machtstrukturen zu zerstören wirkt fast schon real.
Weiter so!

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Veröffentlicht am 03.03.2026

Tragisch und spannend

Ihr werdet sie nicht finden
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Der ehemalige Polizist Jonas kann seinem Trauma nicht entfliehen, Tochter entführt, vielleicht auch getötet, aber ihre Leiche wurde nie gefunden. Seine Frau konnte diese Ungewissheit nicht ertragen, starb, ...

Der ehemalige Polizist Jonas kann seinem Trauma nicht entfliehen, Tochter entführt, vielleicht auch getötet, aber ihre Leiche wurde nie gefunden. Seine Frau konnte diese Ungewissheit nicht ertragen, starb, was Jonas zur Vergeltungstat an einem Verdächtigen trieb. Als die Detektivin Franka die Tochter des ehemaligen Verdächtigen, im Auftrag deren Großmutter sucht, findet sie Verbindungen zum alten Fall.


Das ist wieder einmal ein richtig spannender Thriller von Andreas Winkelmann. Er gestaltet die Ermittlungsarbeit von Franka präzise, dass der Leser gezwungen wird mitzudenken, zu rätseln. Neugier, Zweifel, Überzeugungsarbeit, Hoffnung, Enttäuschungen treiben uns durch ein Wechselbad der Gefühle. Alle Akteure haben ihre Geheimnisse. Jonas und Franka decken viele auf. Nach den Jahren im Gefängnis ist auch Jonas klar, dass seine Tochter nicht mehr lebt, aber solange er ihre Leiche nicht findet, ist immer noch ein Funken Hoffnung möglich.
In kurzen Kapiteln und leichtem Schreibstil treibt der Autor uns durch diesen Thriller. Immer wieder neue Wendungen führen uns in Sackgassen und/oder zu neuen Erkenntnissen.
Das Ende, ich will nicht spoilern, aber damit hat wohl niemand gerechnet…

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Veröffentlicht am 20.02.2026

Außergewöhnlicher Plot

Locked in
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Paul Maertens ermittelt in mehreren Vermisstenfällen in Heidelberg. Als er endlich eine brauchbare Spur verfolgt, gerät er in Not und erschießt den vermeintlichen Täter. Der Täter fällt ins Wachkoma und ...

Paul Maertens ermittelt in mehreren Vermisstenfällen in Heidelberg. Als er endlich eine brauchbare Spur verfolgt, gerät er in Not und erschießt den vermeintlichen Täter. Der Täter fällt ins Wachkoma und kann nichts mehr bei der Suche nach den Opfern beitragen. Die Zeit wird knapp…
Maertens ist verzweifelt und ergreift die einzige Chance, die ihm seiner Meinung noch bleibt. Er kontaktiert einen berühmten Neurologen, der eine Methode entwickelt hat, die Gedanken eines Komapatienten zu lesen. Die Methode ist nicht nur wissenschaftlich umstritten.

Henry Faber hat einen außergewöhnlichen Plot zu einem spannenden Thriller verarbeitet.
Kurze Kapitel mit verschiedenen Sichtweisen und Rückblicken im gut lesbaren Schreibstil treiben den Leser förmlich durch die Seiten. Während der Leser den Druck unter dem Maertens steht, mitempfindet, werden Szenen eines eingesperrten Opfers eingestreut. Stellenweise sind die verschieden Erzählebenen verwirrend, aber sie werden genial wieder zusammengeführt.
Der einzige Kritikpunkt, zugegebenerweise auf hohem Niveau, ist, dass ich keine Beziehung zur Paul Maertens aufbauen konnte. Er blieb mir fast bis zum Schluss fremd, aber das ist subjektiv. Die Spannung hat mich mitgerissen. Ich wurde gut unterhalten und war überrascht über einige Wendungen, die für mich nicht vorhersehbar waren.

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