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Veröffentlicht am 22.02.2026

Hochspannend, aktuell und beklemmend

Operation Machtergreifung
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Vor der Bundestagswahl 2029 will der hochangesehene Bundeskanzler Joachim Münster eine Rede an die Nation halten, um auf die rechte Gefahr der PfD (Partei für Deutschland) hinzuweisen und die Demokratie ...

Vor der Bundestagswahl 2029 will der hochangesehene Bundeskanzler Joachim Münster eine Rede an die Nation halten, um auf die rechte Gefahr der PfD (Partei für Deutschland) hinzuweisen und die Demokratie zu verteidigen. Der zum Schutz beauftragte Marc Anderson von den „Crisis Management Services“ schlägt als Ort die eng mit der SS-Vergangenheit und Himmler verbundene Wewelsburg vor als Zeichen gegen Rechts. Als das Unfassbare geschieht und Münster spurlos verschwindet, macht sich Marc Anderson gemeinsam mit der Kanzlergattin auf die Suche nach dem Bundeskanzler und stößt dabei auf ein rechtes Netzwerk aus Verschwörung, Gewalt und fanatischer Ideologie, sowie Kräfte, die eine Machtübernahme verdeckt vorbereitet haben und Deutschland in einen totalitären Staat verwandeln wollen …...

"Operation Machtergreifung" ist der fünfte Band der Marc-Anderson-Reihe des Erfolgsautors Jörg H. Trauboth. Da alle Bücher eigenständige, in sich abgeschlossene Werke sind, lässt sich auch dieses Buch problemlos ohne Vorkenntnis der vorherigen Bände lesen; da die agierenden Figuren um Marc Anderson sich weiterentwickeln, bietet jedoch die Lektüre aller Bände den größeren Genuss und ist ohnehin absolut empfehlenswert.

Der Autor war Generalstabs­offizier in der Luftwaffe und Waffensystem­offizier-Lehrer und hat Erfahrungen im internationalen Krisenmanagement. Dieses liest und spürt der Leser deutlich in diesem Lesestoff, denn Trauboths Begeisterung für seine Themen springt einen geradezu an; und die lebenslange Auseinandersetzung Trauboths mit dem Phänomen Rechtsradikalismus findet hier seinen Ausdruck.

Überhaupt sind Parallelen zur aktuellen politischen Lage überdeutlich, da hätte es die Benennung der rechtsradikalen Partei als „PfD“ kaum bedurft. Aktuelle Geschehnisse lassen sich wiedererkennen und zeigen, dass vieles von dem hier zu Lesenden bereits jetzt keine Fiktion mehr ist. Trauboth hat dies weitergedacht auf beklemmende Art und Weise, die leider nicht mehr abwegig erscheint und jeden Demokraten in Angst und Schrecken versetzen müssen.

Gut gefallen haben mir hier auch die geschichtlichen Rückblenden sowie die Details über die historisch so bedeutende Wewelsburg und die Erklärungen zur „schwarzen Sonne“, einem neonazistischen Symbol, das von der rechtsradikalen Szene häufig als Ersatzsymbol zum verbotenen Hakenkreuz verwendet wird.

Dieser Thriller war für mich mit seinen komplexen Machtstrukturen, verdeckten Operationen und überraschenden Wendungen hochspannend und ein echter Pageturner; doch zur gut konstruierten Spannungsgeschichte kommt hier dazu der beklemmende Eindruck, dass vieles von dem hier Beschriebenen keine Fiktion oder eine ferne Zukunftsvision mehr ist, sondern eine mögliche Eskalation unserer Gegenwart.

Die Ausarbeitung der Figuren gefällt mir wieder sehr; bis zu den Nebenfiguren sind alle multidimensional und zeigen durchaus überraschende Züge und Absichten, wodurch eine zusätzliche Spannung entsteht.

Die hohe Qualität des Romans spiegelt sich wider in einem ausführlichen Epilog, in dem der Autor – allgemein und genau auf einzelne Kapitel bezogen - Dichtung und Wahrheit genauestens voneinander abgrenzt und Quellenangaben anführt. Gerade die Anlehnungen an reale Personen und Geschehnisse zeigen, wie wichtig dieses Buch ist und vergrößern die Beklemmung beim Gedanken an eine mögliche Zukunft, die die rechtsradikale Partei in Aussicht stellt.
Ein Personenverzeichnis, das durchaus hilfreich sein kann und Informationen zur „Schwarzen Sonne“ zu Beginn und Hilfen im Umgang mit Rechtsradikalismus am Ende des Buches runden dieses Werk ab.

Jeder Leserin, der einen komplexen und spannenden Politthriller zu schätzen weiß mit großem Detailwissen , guter Recherche und der Begeisterung des Autors für seine Themen, findet mit "Operation Machtergreifung" eine beeindruckende Lektüre, die ich unbedingt weiterempfehle – vielmehr sogar gerne als Pflichtlektüre an den Schulen wüsste, damit sich junge Menschen bewusst mit unserer Geschichte auseinandersetzen und den Gefahren von Verschwörungen, Machtmissbrauch - und wie wichtig die Wahrung der Demokratie ist.

Spannend, mutig, verstörend und erschreckend aktuell.
Dafür bräuchte es sogar sechs von fünf Sternen!

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Veröffentlicht am 01.02.2026

Menschenhandel, Zwangsprostitution und Ausbeutung

Waldmann
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Kommissar Hannes Waldmann ist seit dem spurlosen Verschwinden seiner Frau vor einigen Jahren auf einem Bazar in Lagos (Nigeria) in einem psychischen Ausnahmezustand. Als er nach einer Zwangspause wieder ...

Kommissar Hannes Waldmann ist seit dem spurlosen Verschwinden seiner Frau vor einigen Jahren auf einem Bazar in Lagos (Nigeria) in einem psychischen Ausnahmezustand. Als er nach einer Zwangspause wieder zurück im Polizeidienst ist, wird er mit einem ermordeten Politiker konfrontiert. Die Ermittlungen führen zu Menschenhandel, Zwangsprostitution und Ausbeutung. Auch die Journalistin Pia Luninger, die sich mit ihrer Recherche zu einem Artikel über die frauenverachtenden Machenschaften in Gefahr begibt und die ominöse Suse, die Kontakt zu misshandelten Frauen hat, bringen Waldmanns Ermittlungen voran....
Der deutsche Autor Thomas Ziebula ist in den verschiedensten Genres zuhause. Nach den scharfsinnigen historischen Kriminalromanen um den kriegsversehrten Inspektor Paul Steiner legt der Autor nun mit „Flucht in den Tod“ den Auftakt einer neuen Reihe um den - ebenfalls psychisch angeschlagenen – Kommissar Hannes Waldmann vor.
Ziebula hat beeindruckend recherchiert und konfrontiert seine LeserInnen mit höchst aktuellen realen Themen. Nur schwer aushaltbar ist es, von jungen Frauen zu erfahren, die vor den Schrecken des Krieges aus der Ukraine flüchten und naiv und gutgläubig skrupellosen Männern in die Hände fallen, die in ihnen lediglich eine Ware sehen, mit der sich viel Geld verdienen lässt. Und das Entsetzen wird noch größer bei der Entdeckung, dass hinter allem die – real existierende - nigerianische Mafia „Black Axe“ steckt, die offenbar länderübergreifend völlig kaltblütig und abscheulich agiert.
Ziebulas Schreibstil ist angenehm lesbar und dabei alles andere als flach. Durch häufige Wechsel der Erzählperspektive lässt er ein genaues Bild des Geschehens entstehen, in dem viel Platz für die Hauptfiguren ist und ihre Gefühle und ihr Handeln klar ersichtlich werden. Angabe von Zeit und Ort bei den Kapitelüberschriften empfand ich als hilfreich.
Überhaupt ist die Zeichnung der mehrdimensionalen Figuren mit ihren Ecken und Kanten und manchmal nicht sofort erkennbaren Intentionen eine Stärke des Autors. Jede einzelne ist genau beschrieben in dem, was sie ausmacht. Der Anspruch Ziebulas ist nicht, eine sympathische Hauptfigur zu erschaffen, sondern eine bedeutsame, die auffällt in der Masse. Dabei entwickeln sich sowohl Waldmann als auch Pia und Suse im Laufe der Geschichte nicht nur selbst weiter, sondern öffnen sich auch dem/der Leser
In immer weiter, so dass das Bild von ihnen im Laufe der Handlung zunehmend plastisch wird.
Die Krimihandlung ist von Anfang bis Ende spannend und wird durch ein dramatisches Showdown abgeschlossen, in dem dieser Fall aufgeklärt wird, doch Waldmann und die Leser*Innen müssen sich damit abfinden, dass „das Böse“ nicht besiegt ist.
Gut gefällt mir, dass es Thomas Ziebula gelingt, ein hochkomplexes Thema übersichtlich zu beschreiben und sich nicht in langatmigen Ausführungen verliert. Ein spannender Fall wird mit überraschenden Wendungen dargestellt, der letztlich einen Blick auf das große Ganze der mafiösen Verbrechen gibt.
Ich empfehle diesen intelligenten Krimi unbedingt weiter an alle Freunde des Genres, die das Leid – nicht nur - der Frauen aushalten können und denen, die interessiert sind an dem aktuellen Weltgeschehen, das unter den lauten Tagesmeldungen leider zu oft verschwindet: das Schicksal der Ukrainerinnen, die sich nach Frieden sehnen und all der Frauen, die unverschuldet in die Hände menschenverachtender Ungeheuer fallen – und das große Business, das mit Sex betrieben wird.

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Veröffentlicht am 28.01.2026

Liebe und Schaffen wie im Rausch

Liebesrausch
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Die Amerikanerin Anaïs Nin zog 1924 mit ihrem Ehemann, dem Bankangestellten Hugh Parker Guiler, nach Paris. Finanziell gut aufgestellt, unterstützte das Ehepaar avantgardistische Künstler und lernte so ...

Die Amerikanerin Anaïs Nin zog 1924 mit ihrem Ehemann, dem Bankangestellten Hugh Parker Guiler, nach Paris. Finanziell gut aufgestellt, unterstützte das Ehepaar avantgardistische Künstler und lernte so auch Henry Miller kennen. Anaïs und Henry stürzten sich in eine rauschhafte Liebesaffäre und trieben sich gegenseitig in ihrer literarischen Kunst an. Doch das wilde Leben im Paris der 30er Jahre fordert auch einen Preis: Anaïs ist zerrissen zwischen ihren Bedürfnissen und Gefühlen, die sie ihren Tagebüchern anvertraut, die einmal zu den Klassikern der Literatur gezählt werden…..

Die deutsche Autorin Charlotte von Feyerabend hat – zusätzlich zu ihrem Schaffen innerhalb DELIAs (Vereinigung deutschsprachiger Liebesromanautorinnen und -autoren) – wichtige Romanbiografien über starke Frauen veröffentlicht (Beate Uhse, Selma Lagerlöff, Caroline Märklin) und legt nun ihre Biografie über die skandalumwitterte Schriftstellerin Anaïs Nin vor, die insbesondere für ihr ausschweifendes Leben im Paris der 30er Jahre bekannt ist, und ihre Beziehung zu dem amerikanischen Schriftsteller Henry Miller, dessen damals entstandenes Buch „Im Wendekreis des Krebses“ lange Jahre indiziert war.

Nachdem Charlotte von Feyerabend auf einem Pariser Flohmarkt alte Ausgaben der Tagebücher Nins in die Hände gefallen worden, war klar, dass sie über die Frau schreiben muss – und hat absolut akribisch recherchiert. Herausgekommen ist eine gut lesbare Geschichte, die jedoch inhaltlich nicht ganz leicht verdaubar ist, wie ich finde, in vielerlei Hinsicht.

Erzählt wird „Liebesrausch“ aus den unterschiedlichen Perspektiven von Anaïs Nin in der Ich-Perspektive erzählt und Henry Millers durch einen personalem Erzähler, unterbrochen von Tagebucheinträgen der Schriftstellerin. Die Sprache ist teilweise sehr derb in der sexuellen Verbalerotik, aber durchaus auch immer wieder anspruchsvoll. Das mag nicht jedem gefallen, gehörte jedoch unabdingbar zu den beschriebenen Personen und folgt aus ihren Originaltexten.

Auf den ersten Blick geht es um eine alles verzehrende Liebesbeziehung zwischen zwei Künstlern in ihrer kreativen Schaffensphase, die sich gegenseitig zu immer größeren Höhen anspornen und dadurch Welt-Literatur erschaffen; doch haben beide auch weitere Affären und Anaïs’ Verhältnis zu June ist durch einen Spiegel ihrer selbst gekennzeichnet, in der sie eine eigene Welt durch ihre Sprache erschaffen wollen. Trotz aller Intellektualität wird – bereits schon im Elternhaus - eine eigene Wahrheit hervorgebracht.

Ein Kernthema von Anaïs ist – bewusst und unbewusst - die Selbstbestimmung von ihr als Frau, resultierend aus der Tatsache, dass jeder Mann, dem sie begegnet, sie besitzen will. Aus dem Gedanken, dass Frauen anders sind, sehnt Anaïs sich dann auch nach dem Gleichgeschlechtlichen. Doch nicht nur die sexuelle Selbstbestimmung (zu der Zeit vor 100 Jahren noch ein absolut abwegiger Gedanke), sondern auch der Wunsch, sich ausleben zu können, prägt ihr Handeln, mit dem sie auch ihrer Zeit weit voraus ist.

Charly von Feyerabend gelingt es außerordentlich bildhaft, den mehrdimensionalen Charakter und die innere Zerrissenheit der Anaïs Nin darzustellen; dass diese Hauptfigur mir dennoch fremd blieb, liegt aber gewiss nicht an den Ausführungen, sondern einer völlig anderen Lebenswelt und anderen Werten.

Spannend ist im Zusammenhang mit der Psyche der skandalträchtigen Schriftstellerin auch die objektive und subjektive Psychoanalyse. Doch auch hier bestätigt sich das Männerbild von Anaïs Nin: Ihr Analytiker gibt Hinweise, hält diese aber auch selbst nicht ein und überschreitet so ebenfalls Grenzen. Und die wiederkehrenden eigenen Grenzüberschreitungen bleiben ein Thema für Anaïs, bis hin zum Inzest – nicht leicht zu ertragen für mich beim Lesen.

Anaïs Nin ist und bleibt der Mittelpunkt dieser starken Romanbiografie. Die außerdem auftretenden Männer befriedigen dabei lediglich ihre Bedürfnisse: ihr Ehemann Hugo den nach Sicherheit, Henry literarisch, dieser und weitere Männer ihren Sexualtrieb und der Psychoanalytiker den Intellekt. Und immer wieder geht es darum, Grenzen zu überschreiten.

Im gesamten Verlauf der Biografie fiebert man mit, bis Anaïs schließlich zu sich selbst findet.

Abgerundet wird das Buch durch Karten von Paris, zusätzliche Informationen der Autorin, als „Épilogue“ tituliert mit Informationen über die Wegbegleiter von Anais Nin, wichtigen Anmerkungen der Autorin zu einzelnen Textstellen, Rezepten und einem umfassenden Literaturverzeichnis.

Wer mehr über die inzwischen fast vergessene skandalumwitterte Literatin Anaïs Nin erfahren möchte und über die wilde Künstlerszene im Paris der 30er Jahre des letzten Jahrhunderts, ist mit der Romanbiografie absolut richtig beraten. Ich möchte allerdings eine Triggerwarnung aussprechen, da die Grenzüberschreitungen und die sexuellen Handlungen bis hin zum Verkehr Anaïs’ mit ihrem Vater nicht für jeden geeignet sind.

Wunderbar herausgearbeitet ist Anaïs’ Liebe zur Sprache, ihr Streben nach dem Perfekten, der Veröffentlichung, ihr Arbeiten im Wahn: Liebe und Rausch!
Ich vergebe fünf Sterne für dieses anspruchsvolle Werk, in dem ich mir bislang fast unbekannte Personen näher kennenlernen durfte und jetzt auch Lust bekommen habe den Klassiker von Henry Miller zu lesen.

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Veröffentlicht am 15.01.2026

Frauenleben in der Belle Epoque

Montmartre - Traum und Schicksal
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Paris 1889. Elise Lambert ist zum gefeierten Star des Moulin Rouge aufgestiegen, doch ihre ehemalige Freundin La Goulue wird neidzerfressen zu einer erbitterten Feindin. Valérie Dumas wird aus finanziellen ...

Paris 1889. Elise Lambert ist zum gefeierten Star des Moulin Rouge aufgestiegen, doch ihre ehemalige Freundin La Goulue wird neidzerfressen zu einer erbitterten Feindin. Valérie Dumas wird aus finanziellen Gründen von ihrer Familie in eine arrangierte Ehe gezwungen, in der ihr widerlicher Ehemann ihr eine selbstbestimmte Tätigkeit als Kunstmalerin mit brutaler Gewalt verbietet. Auch Elises Schwester Simone kann nicht selbstbestimmt leben, sondern wird von ihrem Ehemann in die Prostition gezwungen.

Marie Lacrosse, Pseudonym der deutschen Bestseller-Autorin Marita Spang für ihre historischen Romane, legt mit "Montmartre - Traum und Schicksal" den zweiten Band ihrer Dilogie um die beiden künstlerisch begabten jungen Frauen Elise und Valérie vor, die im Paris zum Ende des 19. Jahrhunderts ihren Träumen nachjagen und sich doch ihrem Schicksal ergeben müssen. Was für ein passend gewählter Titel für die wunderbare Fortsetzung!

NIcht umsonst hat sich Marie Lacrosse für die beiden Frauen Elise und Valérie als Hauptfiguren entschieden, die zwar am gleichen Tag von derselben Hebamme entbunden wurden, die aber perfekt für die sozialen Gegensätze und damit einem Kernthema der Belle Epoque stehen. Elise, in bitterer Armut aufgewachsen, und Valérie, aus einer wohlhabenden Familie stammend, sind beide künstlerisch talentiert und träumen von einer Karriere als Tänzerin bzw. Kunstmalerin - und für beide scheinen sich ihre Träume zu erfüllen. In der dargestellten Zeit der kulturellen Blüte findet sich - von der Autorin wunderbar erzählt - eine faszinierende Künstlerszene mit berühmten Künstlern wie Henri de Toulouse-Lautrec, Vincent van Gogh oder Edgar Degas und die schillernde Scheinwelt der Cabarets, allen voran das berühmt-berüchtigte Moulin Rouge.
Trotz moderner Tendenzen und neuen Fragen der sozialen Gerechtigkeit herrschten weiterhin konservative Meinungen vor; Frauen waren dem Manne untergeordnet und ihrem Streben nach Anerkennung wurde abfällig ("Malweiber") bis gewaltbereit begegnet.

Die Autorin hat genauestens recherchiert und entführt ihre LeserInnen in ein Paris, das bildgewaltig vor dem inneren Auge entsteht. Das geschilderte Treiben im weltbekannten Moulin Rouge, auch der Bau der Basilika Sacré-Cœur, die Gebäude der Haussmann-Ära (im Gegensatz zu den Slums am Montmartre) und die Vorkommnisse beim Bau des Panama-Kanals stehen im Zusammenhang mit klangvollen Namen, die mit Leben gefüllt werden. DIe gesellschaftspolitischen Umstände spiegeln sich in den Handlungen wieder und ziehen die LeserInnen tief in die Welt des Montmartre.

Brillant ausgearbeitet mit psychologisch genauem Blick sind auch die Figuren, und zwar nicht nur die, die wie Elise und Valérie im Mittelpunkt der Handlung stehen, sondern auch die zahlreichen Nebenfiguren. Sie sind mehrdimensional, entwickeln sich weiter und bleiben absolut authentisch. Zu jedem Zeitpunkt habe ich mit den zahlreichen starken Frauen, die in der realen Geschichte leider zu oft untergehen, mitgefiebert und mitgelitten und konnte das Buch nicht aus der Hand legen, bevor sich für alle eine zufriedenstellende Lösung ergeben hatte.
Großes Können beweist die Autorin auch dabei, die fiktiven Figuren und ihre Handlungen in die reale Geschichte einzufügen und historische Persönlichkeiten darin ebenso schlüssig handeln zu lassen.

Der Roman ist in vier Teile gegliedert, die Kapitel werden in personaler Erzählweise aus der Sicht der Frauen erzählt, die die Leser*Innen emotional mitreißend auf ihrer Suche nach einem selbstbestimmten Leben begleiten. Eine Karte des Montmartre Ende des 19. Jahrhunderts, aussagekräftige Zitate, ein Personenverzeichnis, in dem Historische Persönlichkeiten ausdrücklich gekennzeichnet sind, befinden sich am Anfang des Buches sowie eine Abgrenzung von Wahrheit und Fiktion durch die Autorin (was ich besonders hervorheben möchte!), Informationen zu Stilrichtungen der Malerei, eine Liste der erwähnten Kunstwerke und ein Quellenverzeichnis am Ende runden das Gesamtwerk ab.

"Montmartre - Traum und Schicksal" ist meiner Meinung nach perfekte Unterhaltung mit einem großartigen Mehrwert durch genau recherchiertes Geschichtswissen, das sich quasi nebenbei erfahren lässt. Ich vergebe glänzende fünf Sterne und empfehle das Buch unbedingt weiter. Hoffentlich gibt es bald Neues aus der Feder von Marie Lacrosse.

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Veröffentlicht am 10.01.2026

Meisterhafte Verbindung von authentischer Historie und Krimi

Die weiße Nacht
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Die junge Fotografie Lou Faber streift im eiskalten Hungerwinter durch Berlin, auf der Suche nach Motiven, die ihren Lebensunterhalt sichern könnten. Eine junge Frau, die mit gefalteten Händen tot im Schnee ...

Die junge Fotografie Lou Faber streift im eiskalten Hungerwinter durch Berlin, auf der Suche nach Motiven, die ihren Lebensunterhalt sichern könnten. Eine junge Frau, die mit gefalteten Händen tot im Schnee liegt, wird von Lou fotografiert; und diese Bilder lassen ihr keine Ruhe, sie beginnt nachzuforschen. Offiziell mit den Mord-Ermittlungen beauftragt wird der Kriminalkommissar Alfred König, für den Lous Fotos und ihre messerscharfen Beobachtungen und Analysen bald unverzichtbar werden. So kommen beide abscheulichen Machenschaften auf die Spur, wobei Lou selbst in Gefahr gerät....

Die deutsche Bestseller-Autorin Anne Stern, bekannt für ihre historischen Romane, die oft im Berlin des 19. und 20. Jahrhunderts spielen, und die insbesondere für die erfolgreiche Reihe um die Hebamme "Fräulein Gold" bekannt ist, legt mit "DIe weiße Nacht" den Autakt zu einer neuen Krimiserie um den geheimnisumwitterten Kriminalkommissar Alfred König und die aufmerksame Fotografin Lou Faber vor. (Ich muss zugeben, dass es mich nicht nur aus femininer Sichtweise verwundert hat, dass die Reihe "Lou und König heißt - also die Frau nur mit Vornamen, der Mann mit Nachnamen benannt wird.)

Als promovierte HIstorikerin hat Anne Stern einmal wieder nicht nur genauestens recherchiert, sondern es gelingt ihr auf wunderbare Art und Weise, die äußeren Umstände und das schwere Leben im Nachkriegs-Berlin des Winters 1946/47 den LeserInnen vor Augen zu führen. Sehr berührt haben mich die Beschreibungen der eisigen Kälte und des Hungers der Menschen im zerbombten Berlin und ihre Bemühungen, zumindest auf den Schwarzmärkten das Überleben zu sichern. Auch die Aufteilung der Stadt in die vier Besatzungszonen und die sich hieraus ergebenden Umstände waren eindringlich. Die Nachwirkungen des Krieges sind präsent, während das Handeln auf das tägliche Überleben ausgerichtet ist.

Sterns Erzählweise ist klar und ruhig und geht unter die Haut. DIe Spannungskurve zieht sich vom ersten Moment an durch die Handlung; nach einigen durchaus überraschenden Wendungen wird der Fall der Toten mit ihren Hintergründen aufgedeckt - und dennoch erwartet uns am Ende ein fieser Cliffhanger, der erst im nachfolgenden zweiten Band bearbeitet werden wird, dessen Erscheinungstermin noch offen ist.

Begeistert haben mich einmal mehr die Figuren. DIe beiden namensgebenden Lou Faber und Alfred König sind mehrdimensionale Charaktere mit Ecken und Kanten und insbesondere König schleppt ein erdrückendes Geheimnis mit sich herum,; doch auch in Lous Leben scheint es Rätsel zu geben. DIe Entwicklung der Figuren und ihre vorsichtige Annäherung zu dem Ermittler-Paar, das der Name der Reihe verspricht, ist spannend zu verfolgen - sind sie sich doch anfangs alles andere als sympathisch und sehr diskrepant in ihren Handlungen. Darüberhinaus haben mich auch die weiteren Figuren absolut fesseln können; sei es der Königs junger Kollege Trautwein, Emil, Gregor oder Bruno, Lous Mitbewohner, dessen Geschichte zwar unausgesprochen bleibt, doch sehr nahe geht. Trotz viele Andeutungen und Leerstellen wirkte die Geschichte stets intensiv, schlüssig und authentisch.

Besonders ansprechend war es, die Geschichte, in der Kälte und Schnee (und auch das Weihnachtsfest) eine große Rolle spielen, in diesem WInter zu lesen - doch das soll niemanden abhalten, das BUch jederzeit zur Hand zu nehmen!

Für Leser
Innen, die eine rasante Krimihandlung bevorzugen ohne viel Ablenkungen, ist dieses Buch eher ungeeignet, aber:
Anne Stern ist es geradzu meisterhaft gelungen, Geschichte und Krimi zu verbinden und authentisch und spannend zu erzählen. Für mich gehört "DIe weiße Nacht" zu den HIghlights des Jahres und ich kann es nur wärmstens empfehlen an interessierte Leser*Innen.

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