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Veröffentlicht am 25.05.2026

Ist der Reichtum ihr Untergang?

Das Gesetz der Elite
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Der ehemalige Fußballstar und erfolgreiche UnternehmerJesus Martinez wird tot in der Kryosauna in seiner Wohnung in der Mailänder Jungla Urbana aufgefunden. DIe Polizei glaubt an einen technischen Defekt ...

Der ehemalige Fußballstar und erfolgreiche UnternehmerJesus Martinez wird tot in der Kryosauna in seiner Wohnung in der Mailänder Jungla Urbana aufgefunden. DIe Polizei glaubt an einen technischen Defekt und nimmt keine Ermittlungen auf. Der Bruder des Toten engagiert die Privatermittlerin und frühere Polizistin Colomba Caselli, die - gemeinsam mit ihrem Freund Dante Torre - schon bald auf HInweise zu einem Serienmörder findet, der mit der Forderung "Tötet die Reichen" für gesellschaftliche Brisanz sorgt.

Nachdem der beliebte italienische Krimiautor Sandrone Dazieri bereits 2018 seine Trilogie um die Polizistin Colomba Caselli abgeschlossen hatte, geht es nun in "Das Gesetz der Elite" mit den beiden Hauptfiguren weiter. Ob man hier von einer Fortsetzung der Reihe oder dem Start einer neuen Serie (wie der Verlag es tut) redet, ist ohne Balang; das Buch lässt sich problemlos ohne Vorkenntnis der Trilogie genießen - obschon es immer wieder Anspielungen auf den alten Fall gibt, der bei Caselli, aber noch mehr bei Torre schlimme Traumata ausgelöst hat, die bei beiden intensiv nachklingen.

Die prägnante Schreibweise, die spannenden Themen und die atemlose Spannung haben mich schnell begeistert. VIele unvorhersehbare Wendungen sorgen für stetigen Nervenkitzel und ließen mich das Buch in einem Rutsch verschlingen.

Für die VIelzahl der Figuren war das Personenverzeichnis hilfreich; hier konnte ich immer mal wieder nachschlagen, bevor ich die Namen durcheinanderbrachte.
DIe beiden Hauptfiguren Colomba Caselli und insbesondere ihr Freund Dante Torres waren vielleicht ein wenig überzeichnet, doch die komplexen Persönlichkeiten bereiteten mir viel Vergnügen und sorgten auch das ein oder andere Mal für ein Schmunzeln in diesem ansonsten doch recht düsteren Thriller. Speziell der durchaus als verhaltensauffällig zu bezeichnende Torre sorgte durch sein unkonventionelles Benehmen, seine vielfältigen Kontakte und seine hohe Intelligenz für viele überraschende Auftritte und Wendungen.

Besonders hervorheben möchte ich auch die von Dazieri geübte Gesellschaftskritik und die - teils erschreckenden - Einblicke in die Welt der Superreichen. Fast unvorstellbarer Reichtum sorgt für große Macht, die ohne zu Zögern von diesen ausgenutzt wird; und so konnte schon allein dieses Thema für erhebliche Gänsehaut sorgen - neben der ermittlungstechnischen Spannungskurve. Doch lest selbst, was die Superreichen mit ihrem Vermögen alles anzustellen gedenken ....

Für mich ist "Das Gesetz der Elite" ein absolutes Highlight, das mir höchsten Lesegenuss beschert hat und das ich allen Interessierten wärmstens weiterempfehlen kann. Ich hoffe, bald wieder von Sandrone Dazieri zu lesen!

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Veröffentlicht am 15.04.2026

Erklärung und Warnung

Faustschlag von rechts
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Der 15jährige Jarik fühlt sich unverstanden und verunsichert: Der Vater, der wegen einer Geliebten die Familie verlassen hat, ist unzuverlässig und enttäuscht seine Söhne ständig mit nicht eingehaltenen ...

Der 15jährige Jarik fühlt sich unverstanden und verunsichert: Der Vater, der wegen einer Geliebten die Familie verlassen hat, ist unzuverlässig und enttäuscht seine Söhne ständig mit nicht eingehaltenen Verabredungen, die nun alleinerziehende Mutter ist verbittert und überfordert und im Freundekreis fühlt Jarik sich unwohl, weil er GEfühle für Mo entwickelt, die aber scheinbar mit einem anderen anbändelt. Im Jugendclub kann JArik sich beim Boxen richtig austoben, und dann lädt ihn sein Boxtrainer zu einer Zeltfreizeit in den Ferien ein. Zum ersten Mal fühlt Jarik sich wieder wohl, findet Lob und Anerkennung. Doch nicht alles ist Gold, was glänzt ....

Die Erziehungswissenschaftlerin und Theaterpädagogin Stefanie Kaluza legt mit "Faustschlag von rechts" ihren ersten Jugendroman vor, der eine deutliche Botschaft verkündet.

Erzählt wird die Geschichte des 16jährigen Jarik aus seiner Perspektive, der verunsichert und enttäuscht ZUgehörigkeit und ANerkennung sucht und ein williges Opfer rechter Manipulation wird.
Die Schreibweise ist selbst für ein Jugendbuch sehr einfach gehalten, was mich aber nicht wirklich gestört hat.

Kaluza baut eine angenehme Spannungskurve auf - und obwohl es den Leser*Innen schon früh klar wird, wohin es mit Jarik gehen wird - bleibt es bis zum Ende spannend. Man mag es am Ende ein bisschen zu sehr Friede, Freude, Eierkuchen nennen, doch mich hat der versöhnliche Schluss begeistert; es gibt noch Hoffnung!

Jariks Gedanken und Konflikte sind gut verständlich beschrieben und es bleibt nachvollziehbar, wie er auf perfide Art von dem rechten Falk manipuliert werden konnte, auch trotz seines stabilen Freundeskreises. DIe Autorin hat hier eine Erklärung geschaffen, wie selbst kluge und nachdenkende Jugendliche auf die rechte Bahn geraten können - aber auch eine sehr deutliche Warnung ausgesprochen vor den existierenden Strömungen und ihren Gefahren.

Gerade der Wirklichkeitsbezug und die Aktualität sind erschreckend.

In meinen Augen ist "Faustschlag von rechts" ein wichtiges Buch, das sich als perfekte Schullektüre über alle Schulformen sehr gut eignen würde.

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Veröffentlicht am 15.04.2026

TIefgehend

Der Fährmann
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Anfang des 20. Jahrhunderts – zwei Dörfer an der Österreischisch-Deutschen Grenze, getrennt durch die Salzach. Schon als Kinder sind Elisabeth, Annemarie und Hannes beste Freunde. Doch Hannes Winkler wird ...

Anfang des 20. Jahrhunderts – zwei Dörfer an der Österreischisch-Deutschen Grenze, getrennt durch die Salzach. Schon als Kinder sind Elisabeth, Annemarie und Hannes beste Freunde. Doch Hannes Winkler wird zu seinem Onkel, dem Fährmann geschickt, um zu dessen Nachfolger ausgebildet zu werden. Elisabeth, die die Gefühle von Hannes erwidert, muss Josef Steiner heiraten, Erbe des größtes Hofes in der Gegend. Und die Wirtstochter Annemarie, die eigentlich in Hannes verliebt ist, wird die Geliebte von Josef Steiner. Obwohl alle versuchen, ihr Schicksal zu ertragen, macht ihnen der jähzornige, brutale und eifersüchtige Josef das Leben schwer. Als der Erste Weltkrieg ausbricht, scheinen sich die Rollen zu verändern ….

Die deutsche, in der bayrisch-österreichischen Grenzregion beheimatete Autorin Regina Denk ist vielen Leser*Innen bekannt durch ihre unter dem Pseudonym Fanny König veröffentlichten humoristischen Regionalkrimis. Nun legt sie (nach "Die Schwarzgeherin") mit „Der Fährmann“ unter ihrem Klarnamen ihren zweiten historischen Roman vor.

Die Heimatliebe der Autorin spiegelt sich deutlich im Setting wider. Anschaulich beschreibt sie das Leben und die Natur in der voralpinen Grenzregion. Eine besondere Rolle kommt dabei der Salzach zu; dieser Fluss fließt so träge daher, dass er einen Gegenpol zu den familiären Drama zu bilden scheint, doch unter seiner Oberfläche verbirgt sich eine trügerische, reißende Kraft. So ist die Salzach ein Symbol dafür, genau hinzuschauen, was sich unter der Fassade befindet.

Der Schwerpunkt der Handlung liegt auf den Frauen – ganz im Gegensatz zu dem Titel: Der Fährmann, der als ein Fixpunkt die Verbindung zwischen den Dörfern bzw. den Ländern darstellt, ist auch die Verbindung zwischen den Hauptfiguren. Er ist Beobachter, Freund, Ansprechpartner, doch auch er entwickelt sich irgendwann weiter und nimmt eine wichtige Rolle ein; man könnte es schon fast als Heldenreise betrachten.
Die Frauen hingegen sind die, deren Wünsche und Träume sich zerschlagen, die unter den patriarchalischen Strukturen und insbesondere dem gewalttätigen Antagonisten Josef Steiner zu leiden haben. Doch selbst dieser durch und durch böse scheinende Mann hat unter seinem Vater zu leiden und später unter Traumata. Diese Beschreibungen sind teilweise nur sehr schwer zu ertragen, da die Brutalität und gleichzeitige Hilf- und Rechtlosigkeit emotional belastet. Und anstatt dass die Frauen sich solidarisch zeigen, resignieren und erstarren sie in ihrer Machtlosigkeit – bis der Erste Weltkrieg ausbricht.

Die Figuren, die zunächst so eindimensional erscheinen, zeigen noch weitere Eigenschaften, entwickeln sich weiter und streben auf eine hoffentlich bessere Zeit hin.

Regina Denk zeichnet ein bemerkenswertes Sittengemälde der Neuzeit. Authentisch und detailgetreu beschreibt sie die Härte des Landlebens, persönliche Schicksale in einer Epoche - und sehr deutlich wird, dass wir uns keinesfalls diese Zeit zurückwünschen, in der Frauen rechtlos den Männern ausgeliefert waren. Gerade die Rolle der Frau seinerzeit ist für uns nur sehr schwer auszuhalten und weckt starke Emotionen.

Brandaktuell ist das Buch aber auch in einer anderen Hinsicht: Das Leben nicht nur der vier Hauptpersonen wird beeinflusst vom Ersten Weltkrieg; einem Krieg, der zwar nicht gerade vor ihrer Haustür abläuft, der jedoch erheblichen Einfluss auf ihr Leben hat. Regina Denk zeigt hier, dass auch wir von den momentan stattfindenden Kriegen – teilweise aus dem Nichts entstanden - beeinflusst werden, deren Auswirkungen sich zeigen, angefangen bei den knapper und teurer werdenden Energieträgern bis hin zu belastenden Staatsausgaben.

Sprachlich konnte Regina Denk mich sehr beeindrucken. Bildhafte, schon fast poetische Beschreibungen überzeugten mich. Komplexe Gefühle und Familiendynamiken waren wunderbar dargestellt, egal ob Neid, Freude, Hass oder auch Verzweiflung und Mitleid. Manche Sätze musste ich einfach wiederholen, so berührten sie mich.

Da die Autorin ein versöhnliches Ende in dieser doch sehr brutalen, teils gruseligen und höchst spannenden Geschichte finden wollte, die immer klug konstruiert war, steuert sie auf ein fulminantes Show-Down am Ende zu, das vielleicht in Teilen ein wenig überzogen war, aber mich dennoch mit einem guten Gefühl zurückließ.

„Der Fährmann“ ist ein kluger Roman, der neben dem Auslösen von starken Emotionen zum Nachdenken anregt und Hoffnung macht. Tiefgründig und nachhallend – definitiv ein Highlight!

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Veröffentlicht am 22.02.2026

Hochspannend, aktuell und beklemmend

Operation Machtergreifung
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Vor der Bundestagswahl 2029 will der hochangesehene Bundeskanzler Joachim Münster eine Rede an die Nation halten, um auf die rechte Gefahr der PfD (Partei für Deutschland) hinzuweisen und die Demokratie ...

Vor der Bundestagswahl 2029 will der hochangesehene Bundeskanzler Joachim Münster eine Rede an die Nation halten, um auf die rechte Gefahr der PfD (Partei für Deutschland) hinzuweisen und die Demokratie zu verteidigen. Der zum Schutz beauftragte Marc Anderson von den „Crisis Management Services“ schlägt als Ort die eng mit der SS-Vergangenheit und Himmler verbundene Wewelsburg vor als Zeichen gegen Rechts. Als das Unfassbare geschieht und Münster spurlos verschwindet, macht sich Marc Anderson gemeinsam mit der Kanzlergattin auf die Suche nach dem Bundeskanzler und stößt dabei auf ein rechtes Netzwerk aus Verschwörung, Gewalt und fanatischer Ideologie, sowie Kräfte, die eine Machtübernahme verdeckt vorbereitet haben und Deutschland in einen totalitären Staat verwandeln wollen …...

"Operation Machtergreifung" ist der fünfte Band der Marc-Anderson-Reihe des Erfolgsautors Jörg H. Trauboth. Da alle Bücher eigenständige, in sich abgeschlossene Werke sind, lässt sich auch dieses Buch problemlos ohne Vorkenntnis der vorherigen Bände lesen; da die agierenden Figuren um Marc Anderson sich weiterentwickeln, bietet jedoch die Lektüre aller Bände den größeren Genuss und ist ohnehin absolut empfehlenswert.

Der Autor war Generalstabs­offizier in der Luftwaffe und Waffensystem­offizier-Lehrer und hat Erfahrungen im internationalen Krisenmanagement. Dieses liest und spürt der Leser deutlich in diesem Lesestoff, denn Trauboths Begeisterung für seine Themen springt einen geradezu an; und die lebenslange Auseinandersetzung Trauboths mit dem Phänomen Rechtsradikalismus findet hier seinen Ausdruck.

Überhaupt sind Parallelen zur aktuellen politischen Lage überdeutlich, da hätte es die Benennung der rechtsradikalen Partei als „PfD“ kaum bedurft. Aktuelle Geschehnisse lassen sich wiedererkennen und zeigen, dass vieles von dem hier zu Lesenden bereits jetzt keine Fiktion mehr ist. Trauboth hat dies weitergedacht auf beklemmende Art und Weise, die leider nicht mehr abwegig erscheint und jeden Demokraten in Angst und Schrecken versetzen müssen.

Gut gefallen haben mir hier auch die geschichtlichen Rückblenden sowie die Details über die historisch so bedeutende Wewelsburg und die Erklärungen zur „schwarzen Sonne“, einem neonazistischen Symbol, das von der rechtsradikalen Szene häufig als Ersatzsymbol zum verbotenen Hakenkreuz verwendet wird.

Dieser Thriller war für mich mit seinen komplexen Machtstrukturen, verdeckten Operationen und überraschenden Wendungen hochspannend und ein echter Pageturner; doch zur gut konstruierten Spannungsgeschichte kommt hier dazu der beklemmende Eindruck, dass vieles von dem hier Beschriebenen keine Fiktion oder eine ferne Zukunftsvision mehr ist, sondern eine mögliche Eskalation unserer Gegenwart.

Die Ausarbeitung der Figuren gefällt mir wieder sehr; bis zu den Nebenfiguren sind alle multidimensional und zeigen durchaus überraschende Züge und Absichten, wodurch eine zusätzliche Spannung entsteht.

Die hohe Qualität des Romans spiegelt sich wider in einem ausführlichen Epilog, in dem der Autor – allgemein und genau auf einzelne Kapitel bezogen - Dichtung und Wahrheit genauestens voneinander abgrenzt und Quellenangaben anführt. Gerade die Anlehnungen an reale Personen und Geschehnisse zeigen, wie wichtig dieses Buch ist und vergrößern die Beklemmung beim Gedanken an eine mögliche Zukunft, die die rechtsradikale Partei in Aussicht stellt.
Ein Personenverzeichnis, das durchaus hilfreich sein kann und Informationen zur „Schwarzen Sonne“ zu Beginn und Hilfen im Umgang mit Rechtsradikalismus am Ende des Buches runden dieses Werk ab.

Jeder Leserin, der einen komplexen und spannenden Politthriller zu schätzen weiß mit großem Detailwissen , guter Recherche und der Begeisterung des Autors für seine Themen, findet mit "Operation Machtergreifung" eine beeindruckende Lektüre, die ich unbedingt weiterempfehle – vielmehr sogar gerne als Pflichtlektüre an den Schulen wüsste, damit sich junge Menschen bewusst mit unserer Geschichte auseinandersetzen und den Gefahren von Verschwörungen, Machtmissbrauch - und wie wichtig die Wahrung der Demokratie ist.

Spannend, mutig, verstörend und erschreckend aktuell.
Dafür bräuchte es sogar sechs von fünf Sternen!

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Veröffentlicht am 01.02.2026

Menschenhandel, Zwangsprostitution und Ausbeutung

Waldmann
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Kommissar Hannes Waldmann ist seit dem spurlosen Verschwinden seiner Frau vor einigen Jahren auf einem Bazar in Lagos (Nigeria) in einem psychischen Ausnahmezustand. Als er nach einer Zwangspause wieder ...

Kommissar Hannes Waldmann ist seit dem spurlosen Verschwinden seiner Frau vor einigen Jahren auf einem Bazar in Lagos (Nigeria) in einem psychischen Ausnahmezustand. Als er nach einer Zwangspause wieder zurück im Polizeidienst ist, wird er mit einem ermordeten Politiker konfrontiert. Die Ermittlungen führen zu Menschenhandel, Zwangsprostitution und Ausbeutung. Auch die Journalistin Pia Luninger, die sich mit ihrer Recherche zu einem Artikel über die frauenverachtenden Machenschaften in Gefahr begibt und die ominöse Suse, die Kontakt zu misshandelten Frauen hat, bringen Waldmanns Ermittlungen voran....
Der deutsche Autor Thomas Ziebula ist in den verschiedensten Genres zuhause. Nach den scharfsinnigen historischen Kriminalromanen um den kriegsversehrten Inspektor Paul Steiner legt der Autor nun mit „Flucht in den Tod“ den Auftakt einer neuen Reihe um den - ebenfalls psychisch angeschlagenen – Kommissar Hannes Waldmann vor.
Ziebula hat beeindruckend recherchiert und konfrontiert seine LeserInnen mit höchst aktuellen realen Themen. Nur schwer aushaltbar ist es, von jungen Frauen zu erfahren, die vor den Schrecken des Krieges aus der Ukraine flüchten und naiv und gutgläubig skrupellosen Männern in die Hände fallen, die in ihnen lediglich eine Ware sehen, mit der sich viel Geld verdienen lässt. Und das Entsetzen wird noch größer bei der Entdeckung, dass hinter allem die – real existierende - nigerianische Mafia „Black Axe“ steckt, die offenbar länderübergreifend völlig kaltblütig und abscheulich agiert.
Ziebulas Schreibstil ist angenehm lesbar und dabei alles andere als flach. Durch häufige Wechsel der Erzählperspektive lässt er ein genaues Bild des Geschehens entstehen, in dem viel Platz für die Hauptfiguren ist und ihre Gefühle und ihr Handeln klar ersichtlich werden. Angabe von Zeit und Ort bei den Kapitelüberschriften empfand ich als hilfreich.
Überhaupt ist die Zeichnung der mehrdimensionalen Figuren mit ihren Ecken und Kanten und manchmal nicht sofort erkennbaren Intentionen eine Stärke des Autors. Jede einzelne ist genau beschrieben in dem, was sie ausmacht. Der Anspruch Ziebulas ist nicht, eine sympathische Hauptfigur zu erschaffen, sondern eine bedeutsame, die auffällt in der Masse. Dabei entwickeln sich sowohl Waldmann als auch Pia und Suse im Laufe der Geschichte nicht nur selbst weiter, sondern öffnen sich auch dem/der Leser
In immer weiter, so dass das Bild von ihnen im Laufe der Handlung zunehmend plastisch wird.
Die Krimihandlung ist von Anfang bis Ende spannend und wird durch ein dramatisches Showdown abgeschlossen, in dem dieser Fall aufgeklärt wird, doch Waldmann und die Leser*Innen müssen sich damit abfinden, dass „das Böse“ nicht besiegt ist.
Gut gefällt mir, dass es Thomas Ziebula gelingt, ein hochkomplexes Thema übersichtlich zu beschreiben und sich nicht in langatmigen Ausführungen verliert. Ein spannender Fall wird mit überraschenden Wendungen dargestellt, der letztlich einen Blick auf das große Ganze der mafiösen Verbrechen gibt.
Ich empfehle diesen intelligenten Krimi unbedingt weiter an alle Freunde des Genres, die das Leid – nicht nur - der Frauen aushalten können und denen, die interessiert sind an dem aktuellen Weltgeschehen, das unter den lauten Tagesmeldungen leider zu oft verschwindet: das Schicksal der Ukrainerinnen, die sich nach Frieden sehnen und all der Frauen, die unverschuldet in die Hände menschenverachtender Ungeheuer fallen – und das große Business, das mit Sex betrieben wird.

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