Profilbild von stefan182

stefan182

Lesejury Star
offline

stefan182 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit stefan182 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 25.03.2026

Ein fesselnder Pageturner mit Urlaubsfeeling

Die Finca
0

Inhalt: Seit ein paar Monaten arbeitet Rosi als Haussitterin: Sie fliegt um den Globus, passt auf Häuser der abwesenden Eigentümer auf und schreibt dabei Texte über die bereisten Orte. Doch bei ihrem aktuellen ...

Inhalt: Seit ein paar Monaten arbeitet Rosi als Haussitterin: Sie fliegt um den Globus, passt auf Häuser der abwesenden Eigentümer auf und schreibt dabei Texte über die bereisten Orte. Doch bei ihrem aktuellen Job ist etwas schief gelaufen: Es erwarten sie dort nicht die Eigentümer, sondern Fabian, ein junger Mann, der behauptet, ebenfalls als Haussitter engagiert worden zu sein. Da keiner von den beiden das Feld räumen möchte, ziehen sie wohl oder übel gemeinsam ein - auch wenn sie sich gegenseitig nicht so wirklich geheuer sind. Als Rosi nachts Geräusche hört und Fabian schwört, dass diese nicht von ihm stammen, ahnt sie, dass irgendetwas mit der Vinca nicht stimmt…

Persönliche Meinung: “Die Vinca” ist ein Thriller von Kirsten Nähle. Er spielt auf Mallorca, sodass - bei aller Spannung - auch stellenweise Urlaubsfeeling aufkommt. Erzählt wird die Handlung wechselweise aus den beiden personalen Perspektiven der Haussitter Rosi und Fabian, die mit ihren Gefühlen und Eigenheiten lebendig dargestellt werden. Spannung entsteht innerhalb der Handlung direkt auf mehreren Ebenen: So beginnt der Thriller zunächst mit einem rätselhaften Prolog, in der eine “Sie” von einer ihr bekannten Person festgehalten wird - wobei lange offen ist, wer die im Prolog auftretenden Figuren sind. Die Haupthandlung um Rosi und Fabian in der Vinca changiert zwischen Kammer- und Vexierspiel, bei dem man als Lesender nie so genau weiß, wem man tatsächlich trauen kann. Was die beiden Figuren umtreibt und welche Geheimnisse sie verbergen, wird dabei in einem sehr schönen Tempo entfaltet. Dazu kommt noch ein weiterer Spannungsmoment: Früh wird klar, dass Rosi und Fabian nicht die Einzigen sind, die Zugang zur Villa haben. Durch diese drei Aspekte ist die Spannungskurve in “Die Vinca” permanent hoch, sodass man den Thriller kaum beiseite legen kann (dazu trägt übrigens auch der sehr flüssig zu lesende und anschauliche Schreibstil von Kirsten Nähle bei). Bei aller Spannung kommt allerdings auch die Ernsthaftigkeit nicht zu kurz. Ohne zu viel spoilern zu wollen: Im Laufe der Handlung werden mehrere wichtige Themen berührt, die die Gegenwartsgesellschaft umtreibt. Insgesamt ist “Die Vinca” ein fesselnder Pageturner - perfekt als Strand- oder Poollektüre, wenn es im Urlaub mal nervenaufreibender zugehen soll.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 16.03.2026

Eine schöne Einstimmung auf das Osterfest

Ostermärchen
0

“Ostermärchen” ist eine Sammlung klassischer Texte, in denen österliche bzw. frühlingshafte Inhalte thematisiert werden. Den lebhaften Auftakt macht dabei das Gedicht “Er ists” von Eduard Mörike, in dem ...

“Ostermärchen” ist eine Sammlung klassischer Texte, in denen österliche bzw. frühlingshafte Inhalte thematisiert werden. Den lebhaften Auftakt macht dabei das Gedicht “Er ists” von Eduard Mörike, in dem der Frühling begeistert begrüßt wird; darauf folgt “Das Rotkehlchen” von Selma Lagerlöf, in dem, an die Tradition von legendarischen Texten anknüpfend, erzählt wird, wie das Rotkehlchen zu seiner Röte kam (Diese steht - so viel sei verraten - in Zusammenhang mit der Ostergeschichte). Ein besonderes Highlight ist Christian Morgensterns “Ostermärchen”: gewissermaßen ein idyllisches Potpourri österlicher Themen, in träumerischen Sequenzen wunderbar leicht erzählt. Wir begeben uns hier auf Ostereiersuche, laufen über ein Blumenmeer und belauschen Frühling und Winter bei ihrem Wachwechsel. Fehlen darf in einer Osteranthologie natürlich nicht das Grimmsche Märchen “Hase und Igel”, hier in einer Version von Ludwig Bechstein nacherzählt, in der es hart zugeht. Das folgende “Was Hannchen im Walde erlebte” (von Elsbeth Montzheimer) ist ein feines Kunstmärchen mit reimenden Dialogen, in dem die titelgebende Protagonistin im Wald einen Osterhasen sowie einen malenden Zwerg trifft. Dem Gedicht haftet eine altertümliche Patina an, die allerdings sehr heimelig wirkt. Es folgt das Kunstmärchen “Der Schnellläufer” von Hans Christian Andersen, in dem ein Schnelligkeitswettbewerb im Tierreich durchgeführt wird. Bei der Siegerehrung gibt jedes Tier seinen Senf dazu, wobei die Kürung ad absurdum geführt wird, sodass “Der Schnellläufer” ein ungemein humorvoller Text ist. Nach den eher idyllischen Zeichnungen des Osterfestes findet sich Joachim Ringelnatz’ “Ostermärchen”, in dem der kleine Fritz von einem Hasen in den Osterhasenpalast geführt wird - wo sich Dystopisches zuträgt (wirklich ein sehr gelungener Text!). Den Abschluss bilden die beiden humorvollen Texte “Rätselhaftes Ostermärchen” (J. Ringelnatz) und “Das Osterei” (Dr. Owlglass). Abgerundet wird die Anthologie durch ein kurzes Nachwort, in dem überblicksartig der Symbolgeschichte von “Hase” und “Ei” nachgespürt wird. Insgesamt ist “Ostermärchen” eine schöne, abwechslungsreiche Sammlung österlicher Texte - perfekt geeignet zur (heimeligen und humorvollen) Einstimmung auf das Fest.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 05.03.2026

Sehr schön zum Vorlesen!

Gespensterjäger auf eisiger Spur
0

Inhalt: Als Tom Orangensaft aus dem Keller holt, begegnet ihm Schauriges: Ein wahrhaftiges Gespenst schaut ihn mit giftgrünen Augen an und will ihn mit seinen Eisfingern packen. Blitzschnell nimmt Tom ...

Inhalt: Als Tom Orangensaft aus dem Keller holt, begegnet ihm Schauriges: Ein wahrhaftiges Gespenst schaut ihn mit giftgrünen Augen an und will ihn mit seinen Eisfingern packen. Blitzschnell nimmt Tom Reißaus - und hat nun ein handfestes Problem: Wie soll er jemals wieder den Keller betreten, wenn dort ein Gespenst haust? Wie gut, dass es Hedwig Kümmelsaft - eine Freundin seiner Oma und selbsternannte Geisterjägerin - gibt…

Persönliche Meinung: “Gespensterjäger auf eisiger Spur” ist ein Kinderbuchklassiker von Cornelia Funke. Es handelt sich um den ersten Band der “Gespensterjäger”-Reihe. Erzählt wird die Handlung von einem allwissenden Erzähler, der meist in die Perspektive von Tom schlüpft, der das Alter der intendierten Zielgruppe (ca. 10 Jahre) hat. Die Handlung folgt derjenigen eines Abenteuerromans: Tom versucht gemeinsam mit Frau Kümmelsaft das Kellergespenst zu verjagen, wobei sich schnell herausstellt, dass Hugo (so heißt das Gespenst), eher harmlos ist: Hugo hat im Keller Zuflucht gesucht, da sein bisheriger Spukort von einem sog. UEG (= unheimlich ekelhaftes Gespenst) besetzt was - was natürlich ungleich schwieriger zu verjagen ist als Hugo. Sehr hat mir auch die Atmosphäre des Romans gefallen: Cornelia Funke erzählt bildhaft und dicht, sodass ein schauerlicher Hauch durch den Roman weht, ohne dass es allzu gruselig wird. Für Lacher sorgt dabei die eigenwillige Wortwahl/Aussprache der Gespensterwesen. Hugo beispielsweise benutzt statt i-Lauten ü-Laute, wodurch seine Aussprache breit und gedehnt ist (was beim Vorlesen sowohl bei Lesenden als auch bei Zuhörenden für einige Lacher sorgt). In “Gespensterjäger auf eisiger Spur” finden sich zudem zahlreiche schwarz-weiß Illustrationen der Autorin. Insgesamt ist “Gespensterjäger auf eisiger Spur” ein atmosphärisches Kinderbuch, das auch über 30 Jahre nach Veröffentlichung die Zielgruppe zu begeistern weiß. Sehr schön zum Vorlesen!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 28.02.2026

Eine schöne Mischung aus Romantik und Spannung

Emma Bell
0

Inhalt. London, 1846. Die junge Ruth Thomas ist noch unverheiratet - für ihre Mutter ein Dorn im Auge. Doch Emma interessiert sich nicht für Männer; insgeheim ist sie in ihr Hausmädchen verliebt. Als die ...

Inhalt. London, 1846. Die junge Ruth Thomas ist noch unverheiratet - für ihre Mutter ein Dorn im Auge. Doch Emma interessiert sich nicht für Männer; insgeheim ist sie in ihr Hausmädchen verliebt. Als die beiden sich näher kommen und sich schließlich küssen, passiert das Schlimmstmögliche: Ruths Mutter ertappt sie, entlässt das Hausmädchen und schickt Ruth aufs Land zu ihrem Onkel. Dort begegnet sie der geheimnisvollen Emma, der Ehefrau ihres Mannes, zu der sie sich sofort angezogen fühlt…

Persönliche Meinung: “Emma Bell” ist ein viktorianischer Thriller von Josephine Ashford (aka Josephine Katharina Groß). Erzählt wird die Handlung hauptsächlich aus der personalen Perspektive von Ruth, einer einfühlsamen jungen Frau, die in der Welt, in der sie lebt, nicht akzeptiert wird und sich daher in sich zurückgezogen hat. Ähnlich erging es nach eigenem Bekunden der zweiten Protagonistin: der titelgebenden Emma. In einer kurzen Binnenerzählung beschreibt Emma, wie sie - nach dem Tod ihres Vaters - von Stiefmutter und -bruder heftig drangsaliert wurde (diese Szenen werden von Josephine Ashford sehr eindrücklich und intensiv geschildert, sodass man unweigerlich mit Emma fühlt). Die Handlung von “Emma Bell” lässt sich in zwei Teile gliedern. Die erste Hälfte des Romans dreht sich um das Kennenlernen von Ruth und Emma: Gemeinsam machen sie Ausflüge, erleben Weihnachten und offenbaren sich ihre tiefsten Geheimnisse, aus Freundschaft entwickelt sich eine zarte Liebe. Zur zweiten Hälfte des Romans möchte ich wegen großer Spoilergefahr gar nicht zu viel sagen. Nur: Sie beginnt mit einem überraschenden Twist und die Dramatik der Handlung steigt stark. Der Schreibstil von Josephine Ashford ist anschaulich und lässt sich sehr flüssig lesen. Eine weitere Besonderheit von “Emma Bell” ist, dass der Roman umfangreich illustriert ist: Es finden sich sehr viele detaillierte Zeichnungen der Autorin, die die Handlung schön bebildern. Insgesamt ist “Emma Bell” ein queerer Roman im viktorianischen Gewand mit einer schönen Mischung aus Romantik und Spannung.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 25.02.2026

Ein anschaulich zu lesender Klassiker der Romantik, hier sehr stimmig mit ausdrucksstarken Bildern illustriert

E.T.A. Hoffmann: Die Bergwerke zu Falun
0

Inhalt: Der junge Seemann Elis Fröbom ist gerade von einer Ostindienfahrt nach Göthaborg zurückgekehrt - doch Freude will nicht aufkommen: Seine Mutter ist während seiner Abwesenheit verstorben. Als Elis ...

Inhalt: Der junge Seemann Elis Fröbom ist gerade von einer Ostindienfahrt nach Göthaborg zurückgekehrt - doch Freude will nicht aufkommen: Seine Mutter ist während seiner Abwesenheit verstorben. Als Elis sich von den Festivitäten rund um die Heimkehr der Matrosen zurückzieht, spricht ihn plötzlich ein älterer Bergmann an. Er kommt aus Falun, schwärmt von den dortigen Bergwerken und schlägt Elis vor, er solle dort sein Glück versuchen…

Persönliche Meinung: “Die Bergwerke zu Falun” ist eine phantastische Erzählung von E.T.A Hoffmann. Die vorliegende Ausgabe wurde von Kat Menschik illustriert (und ist als dritter Band in der Reihe “Illustrierte Lieblingsbücher” erschienen). “Die Bergwerke zu Falun” ist eine typische Erzählung der Romantik: Nach dem schwärmerischen Bericht des Bergmannes und einem Traum mit prognostischer Wirkung entwickelt sich Falun zu einem Sehnsuchtsort für Elis; die Bergwerke, die mit einer schaurigen Note atmosphärisch beschrieben werden, mutieren zur phantastischen Anderswelt, in der ein Berggeist haust. Mehr und mehr nehmen die Bergwerke Elis ein, sodass sich bei ihm wahnhafte Züge offenbaren (wodurch “Die Bergwerke zu Falun” zu einem kleinen romantischen Psychogramm wird). Zudem findet sich in der Erzählung eine Liebesgeschichte mit äußerst tragischen Elementen. Die Stimmung der Erzählung wird von Kat Menschik perfekt eingefangen: Zu Beginn der Handlung - bevor es unter Tage geht - dominieren in den Illustrationen helle, farbenfrohe Töne; Elis Träume werden in eisigen Blautönen eingefangen, die den unwirklichen Charakter dieser unterstreichen; unter Tage überwiegen mit erdige Farben. Insgesamt ist “Die Bergwerke zu Falun” ein anschaulich zu lesender Klassiker der Romantik, hier sehr stimmig mit ausdrucksstarken Bildern illustriert.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere