Profilbild von TochterAlice

TochterAlice

Lesejury Star
offline

TochterAlice ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit TochterAlice über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 26.02.2026

Eine Geschichte von Gewalt - und von Ohnmacht

Gelbe Monster
0

Charlie ist verliebt. Immer noch, obwohl Valentin ihr schon zum zigsten Mal - und diesmal endgültig - signalisiert hat, dass es aus mit ihnen ist. Dass er einfach nicht mehr kann.

Denn Charlie ...

Charlie ist verliebt. Immer noch, obwohl Valentin ihr schon zum zigsten Mal - und diesmal endgültig - signalisiert hat, dass es aus mit ihnen ist. Dass er einfach nicht mehr kann.

Denn Charlie fühlt sich mit ihm - und mehr noch in den Zeiten, wenn sie ohne ihn ist, ohne ihn sein muss - oft ohnmächtig. Und diese Ohnmacht, diese Machtlosigkeit führt bei ihr zu Gewalt. Zu Gewalt gegenüber Valentin, auch anderen gegenüber - aber vor allem zu Gewalt gegen sich selbst.

Wir kennen Menschen wie Charlie seit Jahren: aus vielen Geschichten über Eifersucht, über Gewalt in der Beziehung, über Macht und Ohnmacht. Doch geht es in diesen fast immer um die von Männern ausgehenden Emotionen und deren Folgen.

Hier ist es anders - Valentin hat es überhaupt nicht mit Gewalt, dann schon eher mit Ohnmacht, aber ganz anders als seine Freundin. Er lässt sie immer wieder zurückkommen.

Doch ist dies nicht seine, sondern ganz klar Charlies Geschichte - eine darüber, ob und wie man sich in den Griff bekommt, wenn man doch eigentlich ganz und gar verloren ist.

Eine Geschichte, die mich über weite Teile nicht erreichte, war sie doch ganz weit weg von meinen eigenen Emotionen, meinem Verständnis von Beziehung und auch von meiner Generation. Dennoch verstehe ich, dass dies ein wichtiger, auch innovativer Roman ist.

Veröffentlicht am 14.01.2026

Vier sehr spezielle Frauen

Bitternis
0

Von denen drei - die Jüngste ausgenommen - permanent mit dem Leben hadern: mit ihrer Herkunft, mit ihren Müttern, falls vorhanden und vor allem mit den Männern in ihrem Leben. Dabei sind sie sehr unterschiedlich ...

Von denen drei - die Jüngste ausgenommen - permanent mit dem Leben hadern: mit ihrer Herkunft, mit ihren Müttern, falls vorhanden und vor allem mit den Männern in ihrem Leben. Dabei sind sie sehr unterschiedlich und haben es nicht leicht, ihre Leser für sich einzunehmen. Ich habe mit großem Abstand gelesen, wobei die Autorin virtuos und kraftvoll schreibt.

Mein Fazit: Eindringlich geschrieben, polarisierend, zwingt zum Nachdenken. Unvergesslich, aber schwere Kost.

Veröffentlicht am 06.11.2025

Ein Weg in die Vergangenheit

Großmutters Geheimnis
0

Kopenhagen 2015: Der Musiker Alexander hadert mit seinem Leben. Er hat einen Job als Musiker auf Abruf, um auf Festen bestellte Musik zu spielen. Zudem will seine Partnerin unbedingt ein Kind, das er ihr ...

Kopenhagen 2015: Der Musiker Alexander hadert mit seinem Leben. Er hat einen Job als Musiker auf Abruf, um auf Festen bestellte Musik zu spielen. Zudem will seine Partnerin unbedingt ein Kind, das er ihr auf normalem Wege nicht schenken kann, die künstliche Befruchtung bleibt erfolglos, er fühlt sich unter Druck gesetzt. Ebenso von seiner ausgesprochen egozentrischen, ja zickigen Mutter Lilian, die von ihm erwartet, auf Abruf zur Verfügung zu stehen.

Bei einem seiner Aufenthalte bei ihr fallen ihm Kassetten in die Hand, die seine Großmutter Ruth, die er noch nie getroffen hat, für ihn besprochen hat - offenbar vor Jahren.

Die Leser:innen tauchen mit ihm zusammen in Ruths Vergangenheit, ihr Leben in den 1930er/1940er Jahren ein und stoßen auf eine grauenvolle Geschichte: aufgrund ihrer jüdischen Abstammung wurde ihr und ihrer Familie großes Leid zugefügt.

Zunächst erfolgen Schilderungen von Alexanders und Ruths Schicksal im Wechsel, da fühlte ich mich in dem neueren Strang oft verloren, da der Eindruck entstand, dass dort eigentlich nur Menschen miteinander leben (müssen), die kreuzunglücklich sind und nicht dazu fähig, einander zu unterstützen. Etwa ab der Hälfte des Buches beginnt alles einen tieferen Sinn zu ergeben - ab da las ich mit deutlich größerem Enthusiasmus.

Für Leser:innen, die gern mehr über den Holocaust und seine Folgen erfahren möchten, ist das Buch auf jeden Fall zu empfehlen, aber Vorsicht: über längere Passagen hinweg sind die Schilderungen extrem schmerzlich, ich konnte sie auch als Leserin in meiner sicheren Wohnung kaum ertragen!

Veröffentlicht am 03.11.2025

Leben im fernen Indien

Wiedersehen in Rajasthan
0

Der historische bzw. zeitgeschichtliche Roman von Ute Krause ist auf drei verschiedenen zeitlichen Ebenen angelegt, wovon die Erste in den 1930er Jahren angelegt ist: die 17jährige Gesa folgt ihrer ersten ...

Der historische bzw. zeitgeschichtliche Roman von Ute Krause ist auf drei verschiedenen zeitlichen Ebenen angelegt, wovon die Erste in den 1930er Jahren angelegt ist: die 17jährige Gesa folgt ihrer ersten Liebe, dem Inder Ravi, in sein Heimatland. Sie reist nicht allein, sondern mit dem gemeinsamen Sohn Ashok und begegnet dort einem ganz anderen Menschen als dem Ravi, den sie in Deutschland kennengelernt hat - er unterstützt sie wenig bis gar nicht beim Einleben in dieser so fremden Kultur - dennoch bekommen sie noch einen Sohn und eine Tochter.

In den 1960er Jahren begegnet Gesa einer deutschen Familie, die sich aufgrund der beruflichen Situation des Vaters für einige Jahre in Indien aufhält - auch wenn sie sich mit der Mutter anfreundet, bleibt diese ihr aufgrund von konträren Ansichten in verschiedenen Bereichen fremd. Doch Paula, der ältesten Tochter, fühlt sie sich bald aufgrund deren Interesse an Kunst und Kultur Indiens verbunden.

In den 1990er Jahren kehrt Paula noch einmal zurück in das Land, in dem sie als junges Mädchen lebte und kann auf so manche Frage, die sie jahrzehntelang umhertrieb, eine Antwort finden.

Der Autorin ist vor allem in Bezug auf die Darstellung des Lebens in Indien und der Einbettung des Settings in die historischen Gegebenheiten insgesamt ein farbiger und anschaulicher Roman gelungen. In Bezug auf die Darstellung der Charaktere, die teilweise etwas farblos daher kommen - vieles muss man sich dazu denken - und die Erzählweise bleibt noch etwas Luft nach oben.