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Veröffentlicht am 23.09.2021

Porträt Harlems

Harlem Shuffle
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Colson Whitehead zeichnet ein Porträt Harlems, wie es kaum ein anderer kann. Er nimmt die Leser:innen mit auf eine Reise in eine den meisten wohl fremde Welt, die zwar schon oft dargestellt wurde, aber ...

Colson Whitehead zeichnet ein Porträt Harlems, wie es kaum ein anderer kann. Er nimmt die Leser:innen mit auf eine Reise in eine den meisten wohl fremde Welt, die zwar schon oft dargestellt wurde, aber noch nie so realistisch und lebensnahe wirkte. Er schafft es zu zeigen, wie hart der Alltag in den Straßen dieses Stadtteils ist, in dem Gangs über das Leben aller herrschen und ihre Finger sogar in der Wirtschaft mit drin haben. Dabei schafft er es, dass es nicht, wie so viele andere Werke, nur schockierend und "mitleidssuchend" wirkt, sondern gleichzeitig auch positive Aspekte dieses Lebens zeigt - den Zusammenhalt unter der schwarzen Bevölkerung und vieles mehr.
Whitehead weckt mit diesem Buch gemischte Gefühle in den Leser:innen, am Ende möchte man dieses Harlem selbst erleben, gleichzeitig ist man froh, dass man all das nicht erleben muss. Eine Stimmung, die schwierig zu erreichen ist, aber umso schöner und magischer auf die Leser:innen ist. Eine Stimme, die scheint, als würde sie genau aus diesem Harlem kommen.
Harlem Shuffle schlägt vielleicht nicht so ein wie "Die Nickel Boys" und lässt die Leser:innen nicht so geschockt zurück, ist aber auf jeden Fall auch wichtig und lesenswert.

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Veröffentlicht am 26.02.2026

Interesse lässt mit den Seiten nach

Ich, die ich Männer nicht kannte
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Jacqueline Harpman schreibt in ihrem Roman "Ich, die ich Männer nicht kannte" über eine Gruppe Frauen, die in einem Untergrundgefängnis festgehalten werden. Sie wissen weder, wie sie dorthin gekommen sind, ...

Jacqueline Harpman schreibt in ihrem Roman "Ich, die ich Männer nicht kannte" über eine Gruppe Frauen, die in einem Untergrundgefängnis festgehalten werden. Sie wissen weder, wie sie dorthin gekommen sind, noch wie lange sie schon dort sind. Die Ich-Erzählerin, die als kleines Kind eingesperrt wurde, weiß nicht einmal, wie die reale Welt aussieht. Eines Tages jedoch bekommen die Frauen eine Möglichkeit, an die Oberfläche zu kommen.
Anfangs ist es noch interessant, zu beobachten, wie die Frauen sich sozialisieren, was die Protagonistin kann, weiß und auch von den älteren Frauen lernt. Doch mit der Zeit treten immer wieder Unstimmigkeiten auf und das Rätselraten mit den wenigen wirren Hinweisen tritt zu sehr in den Vordergrund, sodass das Interesse an der Geschichte sinkt. Ich erwarte mir keine klare Antwort, was passiert ist und wieso die Frauen eingesperrt waren, aber den ein oder anderen Hinweis, den man logisch mit einem anderen verknüpfen kann, wäre schon schön gewesen.

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Veröffentlicht am 15.03.2025

Sanfter Roman über Veränderung

Die Magnolienkatzen
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Der Roman "Die Magnolienkatzen" von Noriko Morishita erzählt die berührende Geschichte von Noriko, einer in die Jahre gekommenen Schriftstellerin, die im Leben feststeckt. Sie lebt mit ihrer Großmutter ...

Der Roman "Die Magnolienkatzen" von Noriko Morishita erzählt die berührende Geschichte von Noriko, einer in die Jahre gekommenen Schriftstellerin, die im Leben feststeckt. Sie lebt mit ihrer Großmutter und ihrer Mutter in einem Haus, bekommt kaum Aufträge und kann sich für die wenigen, die sie bekommt nicht motivieren. Doch plötzlich taucht vor ihrer Tür eine Katzenmama auf, die fünf kleine Kätzchen gebärt. Die geschworenen Hundemenschen der Familie, wollen die Katzen ins Tierheim bringen, dort ist jedoch kein Platz, als nehmen sie diese widerwillig auf.
Mimi, wie sie die Katzenmama nennen, und ihre Kinder werden zum Mittelpunkt des Lebens Norikos und ihrer Mutter und mit der Zeit verändern sie deren Leben und ihre Einstellung zu Katzen.
"Die Magnolienkatzen" ist ein Roman, der so sanft daherkommt, wie die Pfoten der Kätzchen, um die es geht. Erzählt wird das ganze erste Jahr mit den Katzen, wie sie sich verändern, welche Probleme es gibt, was sie alles für sie tun und wie sie dann auch neue Familien finden. Dabei verlässt diese Handlung nie die vier Wände des Hauses, alles was außerhalb passiert, wird in Gesprächen erzählt - es zeigt : Mittelpunkt sind eigentlich die Katzen, nicht Noriko. Einfühlsam und ohne großes Aufregen erzählt der Roman, wie sich Noriko und ihre Mutter verändern, einander annähern, eine neue Aufgabe finden und wieder Halt im Leben finden.

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Veröffentlicht am 22.08.2024

Bereichernde Familiengeschichte

Die Perserinnen
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Sanam Mahloudji schreibt in ihrem Debütroman über die Frauen einer iranischen Familie, die zu Zeiten des Shahs von Bedeutung waren. Doch nach der islamische Revolution und der Flucht nach Amerika (von ...

Sanam Mahloudji schreibt in ihrem Debütroman über die Frauen einer iranischen Familie, die zu Zeiten des Shahs von Bedeutung waren. Doch nach der islamische Revolution und der Flucht nach Amerika (von den meisten Frauen) bleibt ihnen nur noch ihr Geld.
Für den deutschsprachigen Raum ist dieser Roman besonders wichtig, da er eine neue Perspektive bietet, eine neue "Erfahrungswelt". Den Leser:innen wir eine neue Welt präsentiert, die den meisten vermutlich komplett unbekannt ist. Man kann die Welt der "Exil-Perserinnen" kennenlernen und die derer, die aus diversen Gründen im Iran zurückgeblieben sind und deren Leben sich durch die islamische Revolution komplett geändert hat.
Der Roman ist komplex und braucht stellenweiße doch große Aufmerksamkeit, denn viel kultureller Kontext wird nicht erklärt. Viel Wissen über die islamische Revolution und den Kulturwechsel im Iran wird vorausgesetzt, eine kurze Recherche vorab wird also empfohlen. Dann kann der Roman sehr bereichernd sein und einem die Augen öffnen.
Ab und zu wird es anstrengend, da sehr viele Namen (für deutschsprachige Leser:innen fremde Namen) vorkommen und man leicht den Überblick verlieren kann, wer mit wem wie verwandt ist. Eine kleine Übersicht am Anfang oder Ende hätte hier sehr geholfen.
Es hat zwar etwas gebraucht, bis mich das Buch überzeugen konnte, am Ende bin ich aber froh, es gelesen zu haben.

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Veröffentlicht am 12.08.2024

Interessante Neuinterpretation

Perfekte Menschen
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Perfekte Menschen erzählt den albanischen Volksmythos von Ballaban Badera neu, dafür versetzt die Autorin ihr Leser:innen in eine nicht näher bestimmte Zukunft, in der Flüsse trocken gelegt werden, da ...

Perfekte Menschen erzählt den albanischen Volksmythos von Ballaban Badera neu, dafür versetzt die Autorin ihr Leser:innen in eine nicht näher bestimmte Zukunft, in der Flüsse trocken gelegt werden, da Kinder darin ertrinken könnten.
In dieser zukünftigen Welt werden Jungen mit 8 Jahren ihren Familien weggenommen und zu emotionslosen, regimetreuen Soldaten ausgebildet. Genau so einen Jungen verfolgen wir, einen Jungen, der eigentlich Gärtner werden wollte, der ich selbst das Schreiben beibringt, in einer Welt in der niemand mehr mit der Hand schreibt. Andrea Grill erzählt einfühlsam, wenn auch etwas kurz, von einer Welt, in der toxische Männlichkeit auf die Spitze getrieben wird.
Ein interessanter Roman, der sich aufgrund seiner Kürze gut für zwischendurch eignet.

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