Nachdem der erste Band all meine Erwartungen um Längen übertroffen hatte, kam der zweite Band leider nicht annähernd an die nun recht hohe Bar ran.
Der Plot an sich ist cool, der gesamte Verlauf lesenswert ...
Nachdem der erste Band all meine Erwartungen um Längen übertroffen hatte, kam der zweite Band leider nicht annähernd an die nun recht hohe Bar ran.
Der Plot an sich ist cool, der gesamte Verlauf lesenswert mit einem Ende nach meinem Geschmack. Allerdings hätte dieser Band stark davon profitiert, über zwei Bände gestreckt zu werden; fast jede Szene und jeder Plotpoint fühlt sich mehr nach einem Gerüst, als nach einer ausgeschriebenen Sache an.
Entsprechend dürftig waren auch die Gefühle, die ich an emotionalen Stellen aufbringen konnte. Es wirkte sehr überhetzt mit wenig Tiefe und wenig Raum für die eigentlich sehr schön gezeichneten Charaktere.
Eine Trilogie wäre es (mindestens) gewesen. So als Dilogie lässt es mich aber doch eher enttäuscht zurück.
"To Cage a Wild Bird" ist der erste Band der "Divided Fates"-Reihe von Brooke Fast.
ACHTUNG: Leider hat das Marketing bei diesem Buch massiv versagt. Es handelt sich hierbei NICHT um Fantasy oder Romantasy. ...
"To Cage a Wild Bird" ist der erste Band der "Divided Fates"-Reihe von Brooke Fast.
ACHTUNG: Leider hat das Marketing bei diesem Buch massiv versagt. Es handelt sich hierbei NICHT um Fantasy oder Romantasy. Wir haben hier einen dystopischen Science Fiction-Roman, in dem Romance vorkommt. Am ehesten lässt es sich tatsächlich mit "The Hunger Games" vergleichen (in Bezug auf das Genre, nicht in Bezug auf die Handlung).
Genau diese enttäuschte Erwartungshaltung war es auch, die mich am Anfang lange hat brauchen lassen, bis ich in das Buch gefunden habe. Versteht mich nicht falsch, es ist an sich ein sehr gut geschriebenes Buch, aber wenn ich gewusst hätte, in was für einem Genre es tatsächlich spielt, hätte ich es zu einem gänzlich anderen Zeitpunkt bzw. in einer anderen Stimmung gelesen. Wenn man jedoch mit der Erwartung rangeht, hier einfach eine mögliche Dystopie der Zukunft zu lesen, wird man vermutlich sehr viel Spaß haben.
Zudem: Selbst wenn es eine Fantasy-Geschichte gewesen WÄRE, wäre es wohl keine Romantasy gewesen, denn der Plot wäre auch 1zu1 so passiert, selbst wenn die beiden einander nicht unwiderstehlich gefunden hätten - nur mit weniger Augenrollen.
Die Geschichte selbst ist sehr kurzweilig und man fliegt ab einem gewissen Punkt förmlich durch die Seiten. Mir war sie sogar ein bisschen zu kurzweilig; die Beziehungen der Charaktere unter einander gingen teilweise etwas zu schnell, auch wenn die Figuren selbst sehr schön gezeichnet waren. Ich hätte mir gewünscht, dass dieses Buch in zwei geteilt worden wäre und somit alles etwas mehr Raum bekommen hätte. Auch die Zeit der Protagonistin als Kopfgeldjägerin war deutlich zu kurz für die Rezipierenden. Natürlich spielt der Hauptplot im Gefängnis, trotzdem hätte ich mir mehr als nur ein paar Seiten für den Status gewünscht, der später ihre gesamte Wahrnehmung beeinflusst.
Ein großes Lob muss an die Übersetzerin Bettina Ain ausgesprochen werden. Das Buch las sich, als wäre es ursprünglich auf Deutsch verfasst worden, was man heutzutage leider nicht mehr oft hat. Zudem ist es ihr gelungen, so unaufdringlich zu gendern, dass mir erst nach einer Weile auffiel, dass sie inklusiv schreibt. Absolutes Musterbeispiel von Sprachverwendung!
Eigentlich hatte mich der Klappentext von „Loki“ nicht besonders angesprochen, aber das Setting in der nordischen Mythologie hat mich dann doch zu sehr gereizt. Joke’s on me: Es bleibt nämlich nicht beim ...
Eigentlich hatte mich der Klappentext von „Loki“ nicht besonders angesprochen, aber das Setting in der nordischen Mythologie hat mich dann doch zu sehr gereizt. Joke’s on me: Es bleibt nämlich nicht beim nordischen Pantheon, sondern es kommt ein wilder Mix aus griechischer und römischer Gottheiten dazu. Das war... gewöhnungsbedürftig. Für mich fühlte es sich eher nach einem Wust als nach einem klaren Konzept an.
Besonders anstrengend fand ich die Liebesentwicklung. Harlow und Loki kennen sich gefühlt zwei Tage, und von jetzt auf gleich gibt es bei Harlow den ersten "Ich will nicht, dass wir uns wieder trennen!"-Gedanken. Das wirkte auf mich extrem gerusht. Gleiches gilt für das erste Mal: keinerlei Zweifel, keine Unsicherheiten, alles sofort perfekt – puh. Das nahm der Beziehung für mich jede Glaubwürdigkeit.
Hinzu kommt, dass man den Großteil des Buches fast ausschließlich mit Harlow und Loki in trauter Zweisamkeit verbringt. Das wurde für mich schnell ermüdend, vor allem, weil außerhalb dieser Dynamik die Welt echt spannend ist.
Eine der stärksten Ideen des Buches ist für mich beispielweise Harlows Abstammung. Wer ihr Vater ist, bleibt lange ein Rätsel und wird erst im Verlauf der Geschichte aufgelöst – und damn, auf die Herkunft hab ich Bock. Ich hoffe sehr, dass ihr Vater im zweiten Band eine größere Rolle spielt und diese familiären Verbindung noch ausgearbeitet wird, denn das hat enormes Potenzial.
Insgesamt hatte „Loki“ für mich starke Ansätze und interessante Ideen, die aber unter einer sehr fokussierten Zweisamkeit, einer überhasteten Liebesgeschichte und einem etwas chaotischen Mythologie-Mix leiden.
„Deathless One“ ist eines dieser Bücher, bei denen man sehr schnell merkt: Entweder es funktioniert für einen – oder gar nicht. Der Einstieg ist hart und direkt: Jessamine wird ermordet, und wir sind sofort ...
„Deathless One“ ist eines dieser Bücher, bei denen man sehr schnell merkt: Entweder es funktioniert für einen – oder gar nicht. Der Einstieg ist hart und direkt: Jessamine wird ermordet, und wir sind sofort mitten im Geschehen. Rückblicke, Kontext oder ein richtiges Gefühl für die Welt davor gibt es kaum. Stattdessen sammelt man Informationen häppchenweise, was für mich eher verwirrend als spannend war und dem Worldbuilding nicht gerade geholfen hat.
Das Buch setzt stark auf feminine Rage und Rachefantasie, aber mir fehlte dafür das emotionale Fundament. Jessamine soll ihr Volk lieben und für ihr Reich kämpfen, wirkt aber erstaunlich ahnungslos, was die tatsächlichen Probleme angeht. Dadurch fühlte sich ihre Motivation weniger wie Fürsorge und mehr wie verletzter Stolz an. Auch ihre Charakterentwicklung ist extrem abrupt: von „lieb und sanft“ zu „rächende Hexe“ in gefühlt wenigen Seiten.
Die Romance war für mich der größte Knackpunkt. Insta-Lust vom Feinsten, inklusive Shadow-Daddy-Gott Elric, der eher wie ein edgy Teenager mit Hormonen als wie ein uralter Gott wirkt. Dass er sie sehr früh schon will, während Jessamine gleichzeitig oft kindlich und trotzig rüberkommt, hat das Ganze für mich eher unangenehm als prickelnd gemacht. Chemie ersetzt hier leider keine echte Entwicklung.
Stilistisch ist das Buch repetitiv und wenig fein gearbeitet – bestimmte Bilder und Begriffe tauchen gefühlt im Dauerschleifenmodus auf. Sobald die beiden Hauptfiguren aufeinandertreffen, tritt der Plot größtenteils auf der Stelle, bevor am Ende alles sehr hastig abgewickelt wird.
Unterm Strich: Gute Grundidee, aber schwache Umsetzung. Wer Dark Romantasy mit Shadow Daddy, Rache-Plot und viel Fokus auf Stimmung statt Tiefe liebt, könnte hier durchaus Spaß haben. Für mich blieb „Deathless One“ jedoch hinter seinem Potenzial zurück – zu unausgereift, zu insta-lastig und emotional nicht überzeugend genug.
Einziger unangefochtener Pluspunkt beim Hörbuch: Die Sprecherin Viola Müller, die auch schon die "Book of Azrael"-Reihe vertont hat. Ihretwegen habe ich mich ursprünglich für diese Medium entschieden und dies auch nicht bereut. Abwechslungsreich und gefühlvoll, ohne dabei gekünstelt zu wirken!
„Medea – Die Hexe von Kolchis“ ist ein eigenständiges Retelling, das Medea kompromisslos in den Mittelpunkt stellt. Sie ist keine Figur, die man mögen soll, doch gerade ihre Härte und Widersprüchlichkeit ...
„Medea – Die Hexe von Kolchis“ ist ein eigenständiges Retelling, das Medea kompromisslos in den Mittelpunkt stellt. Sie ist keine Figur, die man mögen soll, doch gerade ihre Härte und Widersprüchlichkeit wirken schmerzhaft realistisch. Auch Jason ist überzeugend dargestellt: ein narzisstischer Mann, dessen Manipulation und Anspruchshaltung viel zu vertraut wirken.
Trotz Medeas späterer Vergehen bleibt ihre innere Logik nachvollziehbar. Man versteht, warum sie handelt, wie sie handelt, selbst wenn man sich wünscht, sie würde es nicht tun. Was allerdings anstrengend ist: Gerade am Anfang verliert sich Medea in endloser Schwärmerei für Jason. Diese innere Schmachterei zieht sich unnötig und bremst die Geschichte.
Sehr stark gelingt dem Buch die Darstellung einer Welt, die Frauen klein hält. Viele Szenen lösen echte feminine rage aus, weil sie so präzise zeigen, wie patriarchale Strukturen funktionieren. Ein besonderes Highlight ist Hekate, die Medea ihre Macht verleiht. Ihre Auftritte sind atmosphärisch, kraftvoll und rundum gelungen.
Problematisch bleibt jedoch die Gewichtung der Motivation. Medeas gesamtes Handeln kreist fast durchgängig um Jason. Sie opfert, kämpft und klammert sich an diese Liebe viel zu lange. Gerade in einem modernen Retelling wäre es schön gewesen, ihr neben der romantischen Besessenheit weitere Beweggründe zu geben. Die wirklich große, mächtige Medea, die man aus der Mythologie kennt, erscheint erst ganz zum Schluss und bleibt eher im Hintergrund, was wie eine verpasste Chance wirkt.