Gegensätze
Ist es Liebe»Mit Richard aber bekam sie eine Kontur. Sie war die Freundin eines schwarzen Mannes. Sie stand zu ihm, ging an seiner Hand, sie stellte sich dem Unbekannten.« (Seite 74)
Anne hat gerade die Schauspielschule ...
»Mit Richard aber bekam sie eine Kontur. Sie war die Freundin eines schwarzen Mannes. Sie stand zu ihm, ging an seiner Hand, sie stellte sich dem Unbekannten.« (Seite 74)
Anne hat gerade die Schauspielschule beendet, als sie auf Richard trifft. Sie, die freiheitsliebende Tochter aus der Mittelschicht, er der schillernde Paradiesvogel, immer bunt gekleidet, ein Geflüchteter aus Kenia, der geduldet wird, finden zusammen. Von Anfang an prallen Welten aufeinander, Anne will fragen, Richard antwortet nicht. Als Anne nach einer dreimonatigen Beziehung schwanger wird, steht mehr im Raum als die Frage, ob das Liebe ist.
»Manchmal hatte Anne den Eindruck, dass Richard Worte zuwider waren. Das Suchen nach ihnen in einer fremden Sprache, die sowieso nie ausdrücken würde, was er empfand.« (Seite 71)
Ein Zufall, ein kurzer Blick, das Ungewohnte und Unbekannte, der Reiz und der Nervenkitzel des Fremden und Neuen. Was geschieht danach, wenn der erste Glitzer der Verliebtheit schwindet, die rosarote Brille durch die mit der gewöhnlichen Fassung ersetzt wird und die Welt einen fordert, weil der Alltag gemeistert werden muss? Kulturen prallen aufeinander, die weggeräumten Päckchen der Kindheit öffnen sich und vergangene Schmerzen, Taten und Gräuel fordern ihren Tribut. Ist Liebe hier das Zauberwort?
Wer Vorurteile hat, fühlt sich hier bestätigt, wer nicht voreingenommen ist, bekommt ebenfalls recht. Es gibt neben der Schwarzweiß-Malerei nämlich eine ganze Palette an Farben, die die Liebe mit sich bringt. Ein zarter, leiser Roman, der dadurch umso lauter zu den Leserinnen und Lesern spricht. Und genau das gefällt mir!