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Veröffentlicht am 13.03.2026

Gegensätze

Ist es Liebe
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»Mit Richard aber bekam sie eine Kontur. Sie war die Freundin eines schwarzen Mannes. Sie stand zu ihm, ging an seiner Hand, sie stellte sich dem Unbekannten.« (Seite 74)

Anne hat gerade die Schauspielschule ...

»Mit Richard aber bekam sie eine Kontur. Sie war die Freundin eines schwarzen Mannes. Sie stand zu ihm, ging an seiner Hand, sie stellte sich dem Unbekannten.« (Seite 74)

Anne hat gerade die Schauspielschule beendet, als sie auf Richard trifft. Sie, die freiheitsliebende Tochter aus der Mittelschicht, er der schillernde Paradiesvogel, immer bunt gekleidet, ein Geflüchteter aus Kenia, der geduldet wird, finden zusammen. Von Anfang an prallen Welten aufeinander, Anne will fragen, Richard antwortet nicht. Als Anne nach einer dreimonatigen Beziehung schwanger wird, steht mehr im Raum als die Frage, ob das Liebe ist.

»Manchmal hatte Anne den Eindruck, dass Richard Worte zuwider waren. Das Suchen nach ihnen in einer fremden Sprache, die sowieso nie ausdrücken würde, was er empfand.« (Seite 71)

Ein Zufall, ein kurzer Blick, das Ungewohnte und Unbekannte, der Reiz und der Nervenkitzel des Fremden und Neuen. Was geschieht danach, wenn der erste Glitzer der Verliebtheit schwindet, die rosarote Brille durch die mit der gewöhnlichen Fassung ersetzt wird und die Welt einen fordert, weil der Alltag gemeistert werden muss? Kulturen prallen aufeinander, die weggeräumten Päckchen der Kindheit öffnen sich und vergangene Schmerzen, Taten und Gräuel fordern ihren Tribut. Ist Liebe hier das Zauberwort?

Wer Vorurteile hat, fühlt sich hier bestätigt, wer nicht voreingenommen ist, bekommt ebenfalls recht. Es gibt neben der Schwarzweiß-Malerei nämlich eine ganze Palette an Farben, die die Liebe mit sich bringt. Ein zarter, leiser Roman, der dadurch umso lauter zu den Leserinnen und Lesern spricht. Und genau das gefällt mir!

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Veröffentlicht am 09.03.2026

Witzig und bissig

Die Unbußfertigen
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Deutschland, irgendwann in der Zukunft. Zehn Personen, darunter drei Frauen, werden ausgewählt, ein Wochenende miteinander zu verbringen in einem abgelegenen Herrenhaus. Sie alle sind in der Welt der Sozialen ...

Deutschland, irgendwann in der Zukunft. Zehn Personen, darunter drei Frauen, werden ausgewählt, ein Wochenende miteinander zu verbringen in einem abgelegenen Herrenhaus. Sie alle sind in der Welt der Sozialen Medien unterwegs, wenn auch auf unterschiedliche Weise. Alle von ihnen haben Geheimnisse und um dabei sein zu dürfen, haben sie diese Geheimnisse Haimlik, einer App, anvertraut, um Rank 10 zu erreichen und eine Einladung zu bekommen. Von der Welt abgeschnitten, ohne Empfang, Likes und Herzchen, fallen bald die Masken. Plötzlich verschwindet eine Person und sie wird nicht die letzte sein.

Ich habe keine Ahnung, wie ich dieses Buch beschreiben soll. Bissige Satire auf die Welt der Social Media trifft es nicht einmal annähernd, ist aber nah dran. Die Kritik ist hier so formuliert, dass hervorgehoben wird, was falsch läuft, aber auch das, was positiv am großen Ganzen zu sehen ist. Die zehn sehr unterschiedlichen Kandidatinnen und Kandidaten werden nach und nach vorgestellt, jede und jeder kommt zu Wort, darf seine Meinung äußern und auch verteidigen, was ihrer oder seiner Ansicht nach richtig ist. Ich fand es faszinierend, beide Seiten zu hören, wobei die Autorin manchmal nah an der Grenze war, jedoch nie über diese getreten ist, was den erhobenen Zeigefinger angeht. Ein Experiment, das für mich persönlich geglückt ist.

Wer sich in den letzten Jahren mit der Sprache von Teenagern und jungen Menschen auseinandergesetzt hat, wer gerne in den sozialen Medien unterwegs ist und dem dortigen Sprachgebrauch folgen sowie Grundkenntnisse der englischen Sprache vorweisen kann, der wird Spaß und Freude an dieser Geschichte haben. Der Humor ist großartig, viele Denkansätze diskussionswürdig und trotz meiner Zweifel fand ich das Ende einfach wunderbar. Dies wird nicht das letzte Buch der Autorin bleiben für mich.

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Veröffentlicht am 04.03.2026

Phänomenal!

Wolfssommer
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In der schwedischen Stadt Haparanda wird eine tote Wölfin gefunden, in deren Magen sich menschliche Überreste befinden. Die Spuren führen die Ermittler nach Nordfinnland, wo ein Drogendeal ein blutiges ...

In der schwedischen Stadt Haparanda wird eine tote Wölfin gefunden, in deren Magen sich menschliche Überreste befinden. Die Spuren führen die Ermittler nach Nordfinnland, wo ein Drogendeal ein blutiges Ende nahm. Drogen und Geld sind verschwunden, man schickt eine Profikillerin nach Schweden, um beides zu finden und die schuldige Person zu töten.

Hans Rosenfeldt hat als Teil des Autorenduos Hjorth & Rosenfeldt bereits sieben Kriminalromane der großartigen Buchreihe um Sebastian Bergman geschrieben, die mich und viele andere Leserinnen und Leser auf der ganzen Welt seit Jahren begeistern. Der vorliegende Thriller ist das erste Buch des Autors, das er allein geschrieben hat, und bereits jetzt gehört der Auftakt der Reihe um die Polizistin Hannah Wester, die an der schwedisch-finnischen Grenze ermittelt, für mich zu den besten Reihenstarts, die ich gelesen habe im Genre. Der Einfallsreichtum des Autors ist unglaublich, es gab keine Sekunde im Buch, die mir Zeit zum Verschnaufen gelassen hätte. Die sehr komplexe Story ließ keine Wünsche offen und punktete mit Spannung, überraschenden Wendungen und Figuren, die unfassbar vielschichtig waren. Bis zur letzten Seite schaffte Hans Rosenfeldt, mich zu verblüffen und Dinge einzubauen, die sich perfekt einfügten in das Gesamtbild. Bevor ich vor lauter Begeisterung gleich noch eine Lobeshymne singe, schließe ich lieber mit folgenden Worten: Lest dieses Buch!

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Veröffentlicht am 02.03.2026

Bin restlos begeistert!

Wer Zwietracht sät
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Der Unternehmer Michael Lobb wird ermordet aufgefunden, einige Familienmitglieder geraten in den polizeilichen Fokus, besonders seine wesentlich jüngere Frau Kayla profitiert von seinem Tod. Besonderer ...

Der Unternehmer Michael Lobb wird ermordet aufgefunden, einige Familienmitglieder geraten in den polizeilichen Fokus, besonders seine wesentlich jüngere Frau Kayla profitiert von seinem Tod. Besonderer Augenmerk liegt zusätzlich auf einem Unternehmen, das an dem Land des Toten interessiert gewesen ist, allerdings wollte Lobb unter keinen Umständen einem Verkauf zustimmen, obwohl der Miteigentümer der Firma nicht abgeneigt war. An Verdächtigen mangelt es der Polizei nicht, dennoch ist die zuständige Ermittlerin damit einverstanden, dass Detective Inspector Thomas Lynley sich hinzuschaltet, der persönliche Gründe dafür hat, zu erfahren, wer der Mörder gewesen ist.

Dies ist der zweiundzwanzigste Band der Krimiserie um den adeligen Polizisten Thomas Lynley, der zusammen mit seiner Partnerin, Detective Sergeant Barbara Havers, ermittelt. Das ungleiche Duo begeistert mich bereits seit 1989, als in Deutschland der zweite Band mit dem Titel »Gott schütze dieses Haus« erschienen ist, noch vor dem eigentlichen ersten Teil »Mein ist die Rache«, der erst zwei Jahre später veröffentlicht wurde. Seitdem stimmt die Reihenfolge und ich erwarte jede Übersetzung voller Ungeduld, denn bereits nach dem ersten Buch dachte ich, dass diese Buchreihe für mich persönlich die beste im Krimi-Genre ist - sie blieb es bis heute.

Auf über 750 Seiten die Spannung zu halten, ist schwer, aber Elizabeth George schafft dies spielend, denn es ist keine Passage im Buch vorhanden, die unnötig, geschweige denn langweilig war. Die Figuren sind perfekt ausgearbeitet, falsche Fährten gelegt und auch im privaten Bereich der ermittelnden Personen gibt es so viele aufregende Dinge, dass es mir erneut eine große Freude bereitet hat, dieses Buch zu lesen. Früh hatte ich einen Verdacht, der sich bestätigt hat, was aber wahrscheinlich Absicht war. Insgesamt ein spannender und interessanter Kriminalroman, der viel zu früh zu Ende ging. Ich bekomme einfach nicht genug und freue mich bereits jetzt auf eine Fortsetzung. Genial!

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Veröffentlicht am 24.02.2026

Großartig!

Ich, die ich Männer nicht kannte
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»Meine Erinnerungen reichen nicht weiter zurück als bis zu der Zeit im Keller. Kann man das überhaupt Erinnerungen nennen?« (Seite 10)

In einem Käfig, tief unter der Erde, werden vierzig Frauen gefangen ...

»Meine Erinnerungen reichen nicht weiter zurück als bis zu der Zeit im Keller. Kann man das überhaupt Erinnerungen nennen?« (Seite 10)

In einem Käfig, tief unter der Erde, werden vierzig Frauen gefangen gehalten, eine unter ihnen ist noch ein halbes Kind. Sie unterscheidet sich von den übrigen Frauen, eine andere Welt als die gegenwärtige kennt sie als einzige nicht. Ihre Wächter, sechs Männer in Uniform, sprechen nicht mit ihnen, versorgen sie lediglich mit dem Nötigsten und geben darauf acht, dass sie sich nicht berühren oder umbringen. Als eines Tages ein Alarm ertönt, fliehen die Wachen, die Tür verschließen sie bei ihrem Rückzug nicht. Die Welt, die die Frauen draußen vorfinden, bringt jedoch nicht die erhoffte Freiheit.

»Lange verliefen unsere Tage stets nach demselben Muster - dann fing ich an zu denken, und alles veränderte sich. Bis dahin hatte es nichts gegeben außer der ewigen Wiederholung des Immergleichen, die Zeit schien stillzustehen, nur verschwommen nahm ich wahr, dass sie verging und ich älter wurde. Meine Erinnerungen beginnen mit meiner Wut.« (Seite 11)

Die namenlose Erzählerin, von den anderen Frauen nur »die Kleine« genannt, schreibt nieder, was geschah, erinnert sich an die zurückliegenden Jahre und verspürt schon lange keine Wut mehr. Ungeheuerliches weiß sie zu berichten, schildert das Leben im Käfig, erzählt von der Flucht und der jahrelangen Odyssee, die dieser folgt. Einerseits passiert nicht viel, andererseits vergeht so ein ganzes Leben, man klebt an den Seiten, fiebert mit und wartet darauf, was da noch kommt.

Ich habe das Buch nicht aus der Hand legen können, bis die letzte Seite gelesen war. Die Autorin erzählt so fesselnd, dass ich am Ende etwas traurig, aber auch sehr glücklich gewesen bin, dass ich Teil der Geschichte sein durfte. Für mich ein Highlight, über das ich noch lange nachdenken und diskutieren werde, Stoff dafür bietet es genug. Ich finde das wunderbar!

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