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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 24.03.2026

Ffions dritter Fall

Die Toten der anderen
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Eine Immobilienmaklerin wird tot aufgefunden, sie treibt in einem Kajak auf einem walisischen See. Detective Constable Ffion Morgan geht von Mord aus. Im englischen Cheshire hat Detective Sergeant Leo ...

Eine Immobilienmaklerin wird tot aufgefunden, sie treibt in einem Kajak auf einem walisischen See. Detective Constable Ffion Morgan geht von Mord aus. Im englischen Cheshire hat Detective Sergeant Leo Brady ebenfalls viel zu tun, eine Einbruchsserie erschüttert das noble Viertel The Hill. Im Laufe der Ermittlung ergeben sich plötzlich Parallelen zwischen den Fällen und bald ist klar, dass diese zusammenhängen.

Beim vorliegenden Buch handelt es sich um den dritten Teil der großartigen Reihe mit Ffion Morgan und Leo Brady. Man muss die vorherigen Bücher nicht zwingend gelesen haben, allerdings würde ich dies, zumindest was den ersten Band betrifft, empfehlen, denn das Aufeinandertreffen der beiden Protagonisten sowie deren persönliche Situation und Entwicklung sind maßgeblich für das bessere Verständnis ihrer Beziehung untereinander sowie der zu anderen Beteiligten. Wer dies nicht möchte: Die wichtigsten Aspekte werden am Rande in diesem Buch wiederholt und erklärt, sodass es keine Probleme geben dürfte, die Zusammenhänge zu verstehen.

Nach einem phänomenalen ersten Teil und einer etwas schwächeren Fortsetzung war ich gespannt, wie es mit Ffion und Leo weitergeht. Meine Vorfreude wurde nicht enttäuscht, der aktuelle Kriminalroman war genau nach meinem Geschmack. Der ermittlungstechnische Anteil ist diesmal deutlich geringer, die Geschichte mehr Roman als Krimi, aber dies hat meinen Lesegenuss nicht geschmälert, eher im Gegenteil! Ein bisschen True Crime, ein wenig Drama, eine große Prise Desperate Housewives und fertig ist eine Geschichte, die, zumindest für mich, keine Wünsche offen ließ. Ich habe mich köstlich amüsiert, wäre bereit für ein weiteres Treffen mit den beiden Akteuren und freue mich drauf.

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Veröffentlicht am 20.03.2026

Spannung pur!

Dorn. Ruf der Toten
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Simon Dorn, Ex-Kriminalpsychologe beim Bundeskriminalamt in Wien, wird über das Internet von einer mysteriösen Klientin kontaktiert und beauftragt. Trotz seines unguten Gefühls nimmt er den Auftrag an, ...

Simon Dorn, Ex-Kriminalpsychologe beim Bundeskriminalamt in Wien, wird über das Internet von einer mysteriösen Klientin kontaktiert und beauftragt. Trotz seines unguten Gefühls nimmt er den Auftrag an, der Kontakt bricht allerdings kurz darauf ab. Dorn bittet Lea Wagner, nach der Frau zu schauen, die diese jedoch nur noch leblos vorfindet; sie ist verdurstet, allerdings bereits Wochen zuvor. Dorn sieht Parallelen zu einem alten Fall und beginnt zusammen mit Wagner weiterzugraben. Derweil läuft einem weiteren Opfer die Zeit davon.

»Meine Anweisungen lauten, deinen Tod abzuwarten. Aber wenn ich deinen Platz einnehme - wenn ich du bin -, dann darf ich nicht zulassen, dass du stirbst. Ich muss eingreifen. Jetzt.« (Seite 304)

Vor über einem Jahr durfte ich den Reihenauftakt der neuen Buchserie von Jan Beck lesen und hatte einiges kritisiert. Unter anderem störte mich, dass es fast die Hälfte des Buches gedauert hat, bis die Story mich mitgerissen hat. Natürlich war einer der Gründe dafür darin zu finden, dass es der Beginn einer Buchreihe war, sodass die einzelnen Charaktere vorzustellen waren. Dennoch ging es mir damals nicht schnell genug. Dies ist hier, im vorliegenden zweiten Band, anders, denn fast sofort ist man drin in der Geschichte und ab da gibt es wenige Stellen im Buch, die Platz zum verschnaufen lassen. Schlag auf Schlag wechselt die Perspektive, faszinierende Komponenten hinsichtlich der KI kommen hinzu, im privaten Bereich gibt es Ärger und auch der Fall selbst entwickelt sich anders, als ich dachte. Nach dem Fall ist vor dem Fall, sodass ich bereits auf den letzten Seiten ahne, dass etwas Großes auf uns zukommen. Ich freue mich unbändig darauf!

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Veröffentlicht am 16.03.2026

Einfach meisterlich!

The Final Score
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»Zu behaupten, Don Winslows Stimme sei einzigartig, wird ihm nicht gerecht. Don lässt sich, anders als die meisten, die wir uns in diesem Gewerbe tummeln, nicht auf eine Stimme, einen Stil, einen Ton, ...

»Zu behaupten, Don Winslows Stimme sei einzigartig, wird ihm nicht gerecht. Don lässt sich, anders als die meisten, die wir uns in diesem Gewerbe tummeln, nicht auf eine Stimme, einen Stil, einen Ton, eine Zeit, ein Genre, oder Subgenre beschränken. Don ist ein Chamäleon im bestmöglichen Sinne.« (Vorwort von Reed Farrel Coleman, Seite 11)

Eine bessere Zusammenfassung als das Vorwort des Schriftstellers Reed Farrel Coleman hätte ich mir nicht wünschen dürfen, dieses ist ein einziges Loblied auf den außergewöhnlichen Autor Don Winslow, der sich tatsächlich in keine feste Kategorie eingrenzen lässt. Zum Glück, wie ich sagen muss, denn so schafft er es seit vielen Jahren, mich immer wieder zu überraschen, obwohl ich nach so langer Zeit eigentlich wissen müsste, was mich erwartet. Fast zwei Jahre musste ich auf ein neues Buch warten, aber diese Wartezeit hat sich gelohnt, denn auch mit den sechs im Band enthaltenen Geschichten konnte mich Don Winslow regelrecht entzücken. Jede Story entführte mich in eine eigene Welt, in die ich eintauchen, die ich erleben und spüren durfte, als wäre ich mittendrin. Müsste ich mich für eine davon entscheiden, so könnte ich das nicht, denn jede davon war anders, einmalig und so perfekt, dass sie alle zu meinen Favoriten zählen. Ich verneige mich vor so viel Genialität!

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Veröffentlicht am 13.03.2026

Gegensätze

Ist es Liebe
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»Mit Richard aber bekam sie eine Kontur. Sie war die Freundin eines schwarzen Mannes. Sie stand zu ihm, ging an seiner Hand, sie stellte sich dem Unbekannten.« (Seite 74)

Anne hat gerade die Schauspielschule ...

»Mit Richard aber bekam sie eine Kontur. Sie war die Freundin eines schwarzen Mannes. Sie stand zu ihm, ging an seiner Hand, sie stellte sich dem Unbekannten.« (Seite 74)

Anne hat gerade die Schauspielschule beendet, als sie auf Richard trifft. Sie, die freiheitsliebende Tochter aus der Mittelschicht, er der schillernde Paradiesvogel, immer bunt gekleidet, ein Geflüchteter aus Kenia, der geduldet wird, finden zusammen. Von Anfang an prallen Welten aufeinander, Anne will fragen, Richard antwortet nicht. Als Anne nach einer dreimonatigen Beziehung schwanger wird, steht mehr im Raum als die Frage, ob das Liebe ist.

»Manchmal hatte Anne den Eindruck, dass Richard Worte zuwider waren. Das Suchen nach ihnen in einer fremden Sprache, die sowieso nie ausdrücken würde, was er empfand.« (Seite 71)

Ein Zufall, ein kurzer Blick, das Ungewohnte und Unbekannte, der Reiz und der Nervenkitzel des Fremden und Neuen. Was geschieht danach, wenn der erste Glitzer der Verliebtheit schwindet, die rosarote Brille durch die mit der gewöhnlichen Fassung ersetzt wird und die Welt einen fordert, weil der Alltag gemeistert werden muss? Kulturen prallen aufeinander, die weggeräumten Päckchen der Kindheit öffnen sich und vergangene Schmerzen, Taten und Gräuel fordern ihren Tribut. Ist Liebe hier das Zauberwort?

Wer Vorurteile hat, fühlt sich hier bestätigt, wer nicht voreingenommen ist, bekommt ebenfalls recht. Es gibt neben der Schwarzweiß-Malerei nämlich eine ganze Palette an Farben, die die Liebe mit sich bringt. Ein zarter, leiser Roman, der dadurch umso lauter zu den Leserinnen und Lesern spricht. Und genau das gefällt mir!

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Veröffentlicht am 09.03.2026

Witzig und bissig

Die Unbußfertigen
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Deutschland, irgendwann in der Zukunft. Zehn Personen, darunter drei Frauen, werden ausgewählt, ein Wochenende miteinander zu verbringen in einem abgelegenen Herrenhaus. Sie alle sind in der Welt der Sozialen ...

Deutschland, irgendwann in der Zukunft. Zehn Personen, darunter drei Frauen, werden ausgewählt, ein Wochenende miteinander zu verbringen in einem abgelegenen Herrenhaus. Sie alle sind in der Welt der Sozialen Medien unterwegs, wenn auch auf unterschiedliche Weise. Alle von ihnen haben Geheimnisse und um dabei sein zu dürfen, haben sie diese Geheimnisse Haimlik, einer App, anvertraut, um Rank 10 zu erreichen und eine Einladung zu bekommen. Von der Welt abgeschnitten, ohne Empfang, Likes und Herzchen, fallen bald die Masken. Plötzlich verschwindet eine Person und sie wird nicht die letzte sein.

Ich habe keine Ahnung, wie ich dieses Buch beschreiben soll. Bissige Satire auf die Welt der Social Media trifft es nicht einmal annähernd, ist aber nah dran. Die Kritik ist hier so formuliert, dass hervorgehoben wird, was falsch läuft, aber auch das, was positiv am großen Ganzen zu sehen ist. Die zehn sehr unterschiedlichen Kandidatinnen und Kandidaten werden nach und nach vorgestellt, jede und jeder kommt zu Wort, darf seine Meinung äußern und auch verteidigen, was ihrer oder seiner Ansicht nach richtig ist. Ich fand es faszinierend, beide Seiten zu hören, wobei die Autorin manchmal nah an der Grenze war, jedoch nie über diese getreten ist, was den erhobenen Zeigefinger angeht. Ein Experiment, das für mich persönlich geglückt ist.

Wer sich in den letzten Jahren mit der Sprache von Teenagern und jungen Menschen auseinandergesetzt hat, wer gerne in den sozialen Medien unterwegs ist und dem dortigen Sprachgebrauch folgen sowie Grundkenntnisse der englischen Sprache vorweisen kann, der wird Spaß und Freude an dieser Geschichte haben. Der Humor ist großartig, viele Denkansätze diskussionswürdig und trotz meiner Zweifel fand ich das Ende einfach wunderbar. Dies wird nicht das letzte Buch der Autorin bleiben für mich.

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