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Veröffentlicht am 05.03.2026

Ein leise und tief berührender Roman

Wenn die Kraniche nach Süden ziehen
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Darum geht es:

Bo ist neunundachtzig Jahre alt und spürt, dass sich sein Leben verengt. Die Tage sind still geworden, seit seine Frau in einem Pflegeheim für Menschen mit Demenz lebt. Ihr gemeinsames ...

Darum geht es:

Bo ist neunundachtzig Jahre alt und spürt, dass sich sein Leben verengt. Die Tage sind still geworden, seit seine Frau in einem Pflegeheim für Menschen mit Demenz lebt. Ihr gemeinsames Leben ist auf Erinnerungen geschrumpft. Was bleibt, ist Routine. Und sein Hund Sixten.

Als sein Sohn beginnt, ihm immer mehr Entscheidungen abzunehmen, gerät Bos fragile Ordnung ins Wanken. Plötzlich steht nicht nur seine Selbstständigkeit in Frage, sondern auch die letzte verlässliche Beziehung in seinem Alltag. In der Sorge des Sohnes liegt Fürsorge, doch Bo empfindet sie als Entmündigung. Zwischen beiden steht vieles, was nie ausgesprochen wurde.

Der drohende Verlust seines Hundes zwingt Bo, innezuhalten. Erinnerungen steigen auf. Alte Verletzungen und unausgesprochene Erwartungen drängen an die Oberfläche. Es geht um Stolz und um Liebe, um Schuld und um Versöhnung. Vor allem aber geht es um die Würde eines Menschen, der trotz seines Alters noch immer selbst über sein Leben bestimmen möchte.

Mein Leseeindruck:

Ich habe dieses Buch aufgeschlagen und war sofort in der Geschichte versunken. Schon nach wenigen Seiten war da dieses Gefühl von Nähe. Bo war mir von der ersten Minute an vertraut. Ich habe ihn tief in mein Herz geschlossen.

Die Autorin erzählt mit großer Zärtlichkeit von Veränderung und vom schmerzhaften Gefühl der Fremdbestimmung. Sie beschreibt das Altwerden ohne Beschönigung, aber mit viel Respekt. Jede Szene wirkt durchdacht. Jeder Ton sitzt. Die Traurigkeit zieht sich leise durch die Seiten, und doch ist der Text nie schwer um seiner selbst willen. Die Autorin findet eine klare, ehrliche Sprache für das, was oft unausgesprochen bleibt. Mich hat besonders berührt, wie fein die inneren Konflikte gezeichnet sind. Die Einsamkeit, die Würde, die Angst vor dem Verlust von Selbstständigkeit. All das wirkt echt und nah. Am Ende musste ich meine Tränen trocknen.

Vor dem Lesen hatte ich mir sehr gewünscht, dass dieses Buch mein Jahreshighlight wird. Ganz erreicht hat es diesen Platz für mich nicht. Und doch ist es ein grandioser Roman. Still, klug und sehr bewegend.

Mein Fazit:
4/5 ⭐️ Ein leiser, tief berührender Roman über Würde, Verlust und Liebe im Alter, der lange nachhallt.

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Veröffentlicht am 02.03.2026

Leise, schwer, nachwirkend.

Die Liebe, später
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Mein Leseeindruck:
Gisa Klönne findet für diesen einfühlsamen und lebensklugen Roman sehr präzise Worte. Mit großer Sensibilität zeichnet sie Koras innere Zerrissenheit nach und macht ihre Unsicherheit, ...

Mein Leseeindruck:
Gisa Klönne findet für diesen einfühlsamen und lebensklugen Roman sehr präzise Worte. Mit großer Sensibilität zeichnet sie Koras innere Zerrissenheit nach und macht ihre Unsicherheit, ihre Unentschlossenheit und ihre Verlorenheit eindringlich spürbar. Die oft düstere und bedrückende Stimmung passt zu diesem brüchigen Lebensgefühl und verleiht der Geschichte eine konsequente Tiefe.

Zugleich beleuchtet der Roman das fragile Gefüge einer langjährigen Partnerschaft, in der Nähe und Distanz über Jahre hinweg sorgsam austariert wurden und nun neu bestimmt werden müssen. Es geht um Identität, um unerfüllte Sehnsüchte und um die Frage, wie viel Veränderung eine Liebe tragen kann. Anselm tat mir dabei mehr als einmal leid, weil seine Hoffnung auf Gemeinsamkeit auf eine Frau trifft, die innerlich auf Abstand geht.

Der Roman hat durchaus einige Längen, und man sollte in der passenden Stimmung sein, um sich auf diese leise, intensive und zugleich spürbar schwere Geschichte einzulassen. Die Atmosphäre kann stellenweise emotional nach unten ziehen. Dennoch habe ich die Erzählung sehr gerne gelesen und sie mit einem zufriedenen Gefühl beendet.

Fazit:
4/5 ⭐️ Leise, schwer, nachwirkend.

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Veröffentlicht am 01.03.2026

Berührt still, aber intensiv!

Mathilde und Marie
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Darum geht es:

Redu ist ein kleines Bücherdorf in den belgischen Ardennen, ein Ort, an dem Ruhe und Gelassenheit den Alltag prägen. Die junge Französin Marie verlässt ihr gewohntes Leben in Paris, um ...

Darum geht es:

Redu ist ein kleines Bücherdorf in den belgischen Ardennen, ein Ort, an dem Ruhe und Gelassenheit den Alltag prägen. Die junge Französin Marie verlässt ihr gewohntes Leben in Paris, um einen Neuanfang zu wagen. Auf der Zugfahrt begegnet sie Jónína, einer Frau mit einem bemerkenswerten Gespür für Menschen, die erkennt, was Marie gerade braucht. Durch diese Begegnung findet Marie ihren Weg nach Redu, wo sie eine Gemeinschaft entdeckt, die das Leben bewusst und achtsam gestaltet und die kleinen Momente schätzt. Hier lernt sie, wie wertvoll Aufmerksamkeit, Freundschaft und bewusstes Erleben sind.

Mein Leseeindruck:

Der Autor Torsten Woywod schreibt mit einem ruhigen, leisen Ton, der dennoch sehr eindringlich wirkt und beim Lesen wie eine warme, sanfte Umarmung erscheint. Besonders deutlich wird, wie kostbar Zeit ist und wie wertvoll es sein kann, bewusst mit ihr umzugehen. Man muss nicht durch das Leben hetzen, sondern kann mit Achtsamkeit und Minimalismus die Augenblicke wahrnehmen, die wirklich zählen. Ich habe Redu während der Geschichte sofort ins Herz geschlossen. Es war eine große Freude, Marie auf ihrer Reise zu begleiten, ihre inneren Veränderungen mitzuerleben und die anderen Bewohner kennenzulernen, die alle auf ihre eigene, lebendige Weise einzigartig sind. Die Geschichte vermittelt ein tiefes Gefühl von Ruhe und Geborgenheit, aber auch eine inspirierende Botschaft darüber, wie erfüllend ein Leben sein kann, das nicht vom Tempo, sondern von Aufmerksamkeit und Wertschätzung geprägt ist.
Als ich die letzte Seite schloss, war mein Herz erfüllt von Wärme, Dankbarkeit und einer leisen Sehnsucht nach diesem besonderen Ort.

Fazit:
4/5 ⭐️ Der Roman berührt still, aber intensiv und erinnert daran, wie wertvoll Gemeinschaft, Achtsamkeit und bewusstes Leben sind.

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Veröffentlicht am 26.01.2026

Ein emotional stark erzählter Roman mit eindrucksvollen Figuren

Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel
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Darum geht es:

Im Mai 1945 versteckt sich die vierzehnjährige Marlen in einem verlassenen Forsthaus vor den russischen Soldaten. Wilma, eine Frau aus der Umgebung, rettet ihr das Leben und nimmt das ...


Darum geht es:

Im Mai 1945 versteckt sich die vierzehnjährige Marlen in einem verlassenen Forsthaus vor den russischen Soldaten. Wilma, eine Frau aus der Umgebung, rettet ihr das Leben und nimmt das Waisenmädchen bei sich auf. Zwischen den beiden entsteht eine enge Verbindung, die von Anfang an unter einem Schatten steht. Wilma verschweigt Marlen etwas. Ein Porträt, das Marlen im Forsthaus findet, wird zum stillen Zeugen dieses unausgesprochenen Geheimnisses.

Fast achtzig Jahre später lebt Hannah in Berlin. Als ihr Vater nach langer Abwesenheit wieder ernsthaft Kontakt sucht, gerät das Familiengefüge ins Wanken. Hannah beginnt zu begreifen, dass ihre Mutter und Großmutter Entscheidungen getroffen haben, deren Gründe ihr nie erklärt wurden. Und dann ist da immer noch die verschwundene wertvolle Leinwand von Hannahs Urgroßmutter, die wie ein ungelöstes Rätsel über der Familiengeschichte schwebt.

Mein Leseeindruck:
Dieser Roman hat mich vor allem durch seinen Ton berührt. Alena Schröders Schreibstil ist warmherzig, feinfühlig und von großer emotionaler Tiefe. Ihre Sprache nimmt sich Zeit für die Figuren. Sie urteilt nicht. Sie lässt Nähe entstehen.

Die Geschichte wird auf zwei Zeitebenen erzählt, die sich abwechseln. So durfte ich zwei Frauen über einen langen Weg begleiten. Marlen, die als junges Mädchen das Ende des Krieges erlebt, und Hannah, die viele Jahrzehnte später beginnt, die Risse in ihrer eigenen Familie zu erkennen. Beide Frauen sind unterschiedlich, aber gleichermaßen glaubwürdig. Ihre Lebenswege habe ich mit Spannung verfolgt. Beide haben mich auf ihre eigene Weise tief berührt.

Besonders Marlens Geschichte hat lange nachgewirkt. Ihre Verletzlichkeit, ihre Stärke und das Schweigen, das sie umgibt, sind eindrücklich erzählt. Aber auch Hannahs Suche nach Wahrheit und Zugehörigkeit ist nahbar und leise, ohne je belanglos zu wirken. So sehr mich beide Erzählstränge für sich genommen überzeugt haben, blieb für mich ein entscheidender Punkt unbefriedigend. Der rote Faden zwischen den beiden Zeitebenen hat sich für mich nicht klar genug herausgebildet. Die Verbindung wirkte stellenweise zu lose. Ich habe lange darauf gewartet, dass sich die Geschichten stärker ineinanderschieben und einander vertiefen. Dieses Gefühl stellte sich für mich nicht vollständig ein.

Fazit:
4/5 ⭐️ Ein emotional stark erzählter Roman mit eindrucksvollen Figuren, der mich sehr berührt hat, auch wenn die Verbindung der Zeitebenen für mich nicht ganz aufgegangen ist.

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Veröffentlicht am 14.01.2026

Ein stimmungsvoller, gefühlvoller Abschluss der Reihe, der Herz und Seele wärmt.

Liebesglück in der Bergpraxis
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Darum geht es:

Im dritten Band der Bergpraxis Reihe steht die Versorgungsassistentin Mila Abendroth aus der Bergpraxis Waldkirch im Mittelpunkt. Geprägt von einer belastenden Kindheit auf einem Bauernhof ...

Darum geht es:

Im dritten Band der Bergpraxis Reihe steht die Versorgungsassistentin Mila Abendroth aus der Bergpraxis Waldkirch im Mittelpunkt. Geprägt von einer belastenden Kindheit auf einem Bauernhof hat Mila dieses Leben bewusst hinter sich gelassen und verfolgt klare Vorstellungen von Unabhängigkeit und persönlicher Selbstverwirklichung.

Als sie nach einem Unfall den Bio Landwirt Jonas Wolff betreut, wird sie erneut mit dem ländlichen Alltag konfrontiert. Die regelmäßigen Besuche auf seinem Hof führen dazu, dass Mila sich nicht nur mit ihrer Abneigung gegenüber bäuerlichen Lebensformen auseinandersetzen muss, sondern auch Gefühle entwickelt, die sie verunsichern. Zusätzlich begegnet sie Leon, einem erfolgreichen Anwalt aus München, der für ein Leben steht, das Milas bisherigen Zielen entspricht. Zwischen Vergangenheit und Zukunft, Vertrautem und Verlockendem muss Mila entscheiden, welcher Lebensweg wirklich zu ihr passt.

Mein Leseeindruck:
Mit diesem dritten und letzten Band der Bergpraxis Reihe habe ich mich sofort wieder zu Hause gefühlt. Die Rückkehr in die Allgäuer Hochalpen, nach Waldkirch und in die vertraute Atmosphäre der Bergpraxis war wie ein heimlicher Kurzurlaub für Herz und Seele. Ich habe es geliebt, bekannte Figuren wiederzutreffen und gleichzeitig Milas ganz persönliche Geschichte zu begleiten.

Besonders beeindruckt hat mich, wie authentisch und einfühlsam Milas innerer Konflikt dargestellt wird. Ihr Ringen mit der eigenen Vergangenheit, das Wiederfinden auf einem Bauernhof, den sie eigentlich hinter sich lassen wollte, und die aufkeimenden Gefühle für Jonas sind sehr glaubwürdig und emotional mitreißend erzählt. Die Entwicklung ihrer Beziehung zu Jonas ist zart und realistisch, ohne überschnappende Dramatik, genau richtig für diese Art von Wohlfühlroman. Der Schreibstil von Jana Lukas ist wie immer erstklassig: leicht, humorvoll und romantisch, dabei nie kitschig. Die Figuren wirken lebendig, die Dialoge natürlich, und die Landschaftsbeschreibungen entführen einen direkt ins Allgäu. Besonders die Mischung aus Humor, Romantik und emotionalen Momenten macht das Lesen zu einem echten Vergnügen.

Fazit:
4/5⭐ Ein stimmungsvoller, gefühlvoller Abschluss der Reihe, der Herz und Seele wärmt. ❤️

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