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Veröffentlicht am 18.11.2025

Ein Jahreshighlight

Der Schlaf der Anderen
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"Der Schlaf der Anderen" von Tamar Noort gehört zu einen meiner gelesenen Bücher-Highlights in diesem Jahr.

Es ist ein berührender Roman zweier Frauen, die langsam eine Freundschaft aufbauen. Sina und ...


"Der Schlaf der Anderen" von Tamar Noort gehört zu einen meiner gelesenen Bücher-Highlights in diesem Jahr.

Es ist ein berührender Roman zweier Frauen, die langsam eine Freundschaft aufbauen. Sina und Janis lernen sich im Schlaflabor kennen. Sina leidet unter Schlaflosigkeit und Janis arbeitet im Schlaflabor.

Janis lebt ein total zurückgezogenes Leben, während Sina als junge Mutter und Lehrerin immer mehr an ihre Grenzen kommt. Es entsteht eine Verbindung zwischen ihnen. Beide Leben fangen an, sich langsam zu ändern. Es zeigt, wie zwei Menschen, die beide an einem Wendepunkt angekommen sind und allein nicht weiterkommen, sich gegenseitig ein Stück weiterbringen können.
Besonders gefallen hat mir, wie Noort herausgearbeitet hat, dass die Begegenung und der Austausch mit anderen viel bewirken und verändern kann, um wieder zu sich selbst zu finden.

Überzeugt haben mich vor allem die herausgearbeiteten Frauenfiguren. Sina und Janis kommen authentisch rüber, ihre menschlichen Probleme sind nachvollziehbar.

Noorts Roman ist kein "lauter" Roman. Die Geschichte lebt von den Zwischentönen und von Reflektionen. Das meiste passiert zwischen den Zeilen und weniger in der Handlung.

Der Roman ist vor allem für Leserinnen und Leser geeignet, die Geschichten über zwischenmenschliche Beziehungen, Lebensumbrüche, Veränderung und menschliches Miteinander mögen.

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Veröffentlicht am 16.09.2025

Tief bewegender und emotionaler Roman

Du musst meine Hand fester halten, Nr. 104
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Das ist eine geballte Portion an Emotionen, die uns Susanne Abel hier bietet.

In diesem Roman gibt es zwei Handlungsstränge. Ein Handlungsstrang spielt in dem Zeitraum zwischen 2006 und 2017. Emily wächst ...

Das ist eine geballte Portion an Emotionen, die uns Susanne Abel hier bietet.

In diesem Roman gibt es zwei Handlungsstränge. Ein Handlungsstrang spielt in dem Zeitraum zwischen 2006 und 2017. Emily wächst bei ihren Ur-Großeltern Margret und Hardy auf, da ihre Mutter Julia sich immer wieder sehr verantwortungslos zeigt. Auch bei ihrer Oma Sabine findet sie keinen richtigen Halt und so sehen sich Margret und Hardy in der Pflicht, sich um das junge Mädchen zu kümmern. Immer wieder kommt es zu großen und kleineren Streitereien. Emily hält es irgendwann nicht mehr aus bei ihren Großeltern und sehnt sich den Tag ihrer Volljährigkeit herbei, um endlich alleine wohnen zu können. Sie versteht das Handeln ihrer Ur-Großeltern oftmals nicht.

Im zweiten Handlungsstrang bekommt der Leser immer wieder Rückblicke in die Zeit, in der Hardy und Margret Kinder waren. Am Ende des Zweiten Weltkrieges kommen Hardy und Margret in ein katholisches Kinderheim, in dem sie schlimmste Misshandlungen erleben. Nach und nach erschließt sich dem Leser, warum zum Beispiel Margret oftmals impulsiv handelt und alles dafür tut, ihre kleine Enkelin zu schützen. Ihre Sprachlosigkeit und das Verdrängen der grausamen Zeit steht aber immer zwischen ihnen.


Susanne Abel ist ein tief bewegender Familienroman gelungen, der einen nicht loslässt. Sie schafft es mit diesem Roman, die grausamen Verbrechen an Kindern in christlichen Kinderheimen nach dem Zweiten Weltkrieg ins Blickfeld zu rücken. Die Sprachlosigkeit, das Verdrängen dieser grausamen Zeit schafft sie zu transportieren und nachvollziehbar zu machen.

Der Roman ist definitiv keine leichte Kost, dennoch steckt er auch voller Hoffnung und Zuversicht.

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Veröffentlicht am 07.03.2026

Ein Coming-of-Age-Roman

Prep
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Curtis Sittenfelds Roman „Prep“ erzählt die Geschichte der 14-jährigen Lee Fiora, die dank eines Stipendiums das Eliteinternat „Ault“ in Boston besuchen darf. Lee findet sich plötzlich in einer Welt wieder, ...

Curtis Sittenfelds Roman „Prep“ erzählt die Geschichte der 14-jährigen Lee Fiora, die dank eines Stipendiums das Eliteinternat „Ault“ in Boston besuchen darf. Lee findet sich plötzlich in einer Welt wieder, die von Reichtum, Selbstbewusstsein und sozialen Codes geprägt ist, die ihr völlig fremd sind. Als Mädchen aus einfachen Verhältnissen fühlt sie sich unter ihren wohlhabenden Mitschülerinnen und Mitschülern oft fehl am Platz und isoliert.

Im Fokus des Romans steht Lees intensive Gefühls- und Gedankenwelt. Lee ist im Inneren sehr unsicher und ängstlich, beobachtet ihre Umgebung ständig und versucht verzweifelt, ihren Platz in dieser neuen sozialen Ordnung zu finden. Gerade diese Selbstzweifel und ihr starkes Bedürfnis dazuzugehören machen sie zu einer glaubwürdigen Figur. Sittenfeld gelingt eine authentische Figurenzeichnung, die typische Wünsche, Unsicherheiten und sozialen Ängste von Jugendlichen einfängt. Der Roman beschreibt ehrlich, wie stark Klassenunterschiede das Selbstbild prägen können und wie schwierig es sein kann, in einer neuen Umgebung Freundschaften zu schließen. Trotz ihrer Unsicherheit findet Lee schließlich eine wichtige Bezugsperson. Ihre Mitschülerin Martha wird zu ihrer engsten Freundin.

„Prep“ ist ein klassischer Coming-of-Age-Roman, der die Entwicklung einer Jugendlichen über mehrere Jahre begleitet. Gerade junge Leserinnen und Leser dürften sich in Lees Unsicherheiten gut wiederfinden. Aus heutiger Perspektive bin ich allerdings nicht mehr ganz die Zielgruppe des Buches. Als Jugendliche hätte mir der Roman sicher noch besser gefallen.

Ein Kritikpunkt ist die Länge. Mit fast 600 Seiten wirkt die Handlung stellenweise sehr langatmig. Da der Roman stark auf innere Beobachtungen und weniger auf äußere Ereignisse setzt, bleibt die Spannung manchmal gering. Für die kleinen High-school-Dramen ist der Roman, meiner Meinung nach, etwas zu lang.

Insgesamt ist „Prep“ dennoch ein ehrliches und fein beobachtetes Buch über Selbstzweifel, soziale Unterschiede und das Erwachsenwerden. Trotz einiger Längen überzeugt der Roman durch seine authentische Darstellung jugendlicher Gedanken und Gefühle.

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Veröffentlicht am 04.03.2026

Eine schonungslose Abrechnung

Ein Versuch, meine Liebe zu ordnen
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„ Ein Versuch, meine Liebe zu ordnen“ von Christien Brinkgreve ist ein beeindruckend ehrliches Buch. Über mehr als 40 Jahre hinweg war sie verheiratet und blickt nun, nach dem Tod ihres Mannes, mit großer ...

„ Ein Versuch, meine Liebe zu ordnen“ von Christien Brinkgreve ist ein beeindruckend ehrliches Buch. Über mehr als 40 Jahre hinweg war sie verheiratet und blickt nun, nach dem Tod ihres Mannes, mit großer Klarheit auf eine Ehe zurück, die alles andere als glücklich war. Es ist keine romantische Rückschau, sondern eine schonungslose Bestandsaufnahme.

Radikal ehrlich schreibt Brinkgreve über Verletzungen, Sprachlosigkeit und die schleichende Entfremdung in ihrer Ehe. Besonders eindrücklich, aber auch irritierend ist, dass die Kommunikation am Ende nur per E-Mail zwischen ihnen stattfand. Von Angesicht zu Angesicht fiel ihnen die Kommunikation immer schwerer. Dies spiegelt die emotionale Distanz zwischen ihnen gut wider. Nähe war kaum noch vorhanden. Beim Lesen stellt man sich unweigerlich immer wieder die Frage: Warum hat sie ihn nicht verlassen? Gerade weil sie die Unzufriedenheit so klar benennt.

Vieles wirkt erst im Rückblick, nach dem Tod des Mannes, für Brinkgreve wirklich verstehbar. Beim Aufräumen des gemeinsamen Hauses steigen Erinnerungen auf und verdrängte Gefühle kehren zurück. Das Haus wird zum Symbol eines Lebens, das sie, wie sie selbstkritisch einräumt, sehr vernachlässigt hat. An dieser Stelle im Buch bringt sie es selbst gut auf den Punkt: „ Sie (die Tochter) schüttelt den Kopf über all die verkümmerten Gegenstände, konstatiert grübelnd, dass dieser Hang zum Aufbewahren auch eine Form der Vernachlässigung ist. Die schönen Dinge verschwinden im Chaos.“ (S.120)

Brinkgreve bemüht sich immer wieder, auch ihren Ehemann zu verstehen, seine Schwächen und Prägungen mitzudenken.

Es ist definitiv ein mutiges Buch. Dennoch liest sich das Buch an vielen Stellen als eine späte Abrechnung mit ihrem verstorbenen Mann. Brinkgreve benennt Kränkungen und Versäumnisse klar und ungeschönt. Ihr Mann erscheint dabei fast durchweg emotional unzugänglich, oft unsympathisch und sehr verletzend. Zwar bemüht sie sich stellenweise, seine Prägungen und Schwächen zu verstehen, doch das Gesamtbild bleibt einseitig. Man lernt ihn fast ausschließlich aus der Perspektive ihrer Enttäuschung kennen. Und genau hier bin ich im Zwiespalt. Schreiben als Therapie und als Versuch der Aufarbeitung ist absolut nachvollziehbar. Aber ist es auch notwendig, ein so persönliches und letztlich einseitiges Zeugnis zu veröffentlichen? Der Mann, über den sie schreibt, lebt nicht mehr. Er kann sich nicht äußern, nicht widersprechen, keine eigene Sicht beisteuern. Damit habe ich meine Probleme.

Insgesamt ist es eine eindringliche Auseinandersetzung mit Liebe, Abhängigkeit, Entfremdung und der Frage, warum wir manchmal in Beziehungen bleiben, die uns nicht guttun. Vier Sterne für diese radikale Ehrlichkeit und emotionale Tiefe.

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Veröffentlicht am 10.02.2026

Eine scheinbar perfekte Familie

Alle glücklich
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Was bedeutet es, wirklich glücklich zu sein?

Kira Mohn erzählt in ihrem Roman "Alle glücklich" von Familie, Liebe und den Herausforderungen des Lebens.

Im Fokus des Romans steht die Familie Holtstein: ...

Was bedeutet es, wirklich glücklich zu sein?

Kira Mohn erzählt in ihrem Roman "Alle glücklich" von Familie, Liebe und den Herausforderungen des Lebens.

Im Fokus des Romans steht die Familie Holtstein: Mutter Nina, Vater Alexander, Sohn Ben (19) und Tochter Emilia (16). Die Geschichte wird aus allen vier Perspektiven erzählt, wodurch ich als Leser tief in die Gedanken, Gefühle und Konflikte jeder Figur eintauche und die familiären Dynamiken aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln erlebe. Die Holtsteins sind nach außen hin eine scheinbar perfekte Familie. Hinter der Fassade verbergen sich aber innere Konflikte, persönliche Sorgen und zerbrechliche Beziehungen, die jede Figur auf ihre eigene Weise prägen. Unausgesprochene Erwartungen und alte Wunden kommen zum Vorschein, Zerreißproben, die Beziehungen mit sich bringen.

"Alle glücklich" ist aber mehr als nur eine Familiengeschichte. Es geht um persönliche Entwicklung, Selbstreflexion und den Mut, eigene Wünsche und Bedürfnisse nicht hintenanzustellen.

Meiner Meinung nach ist es Kira Mohn gelungen, die Dynamiken innerhalb einer Familie realistisch darzustellen. Der Roman überzeugt durch seine emotionale Tiefe und die ehrliche Auseinandersetzung mit dem Thema "Familie" und dem oft trügerischen Ideal nach außen, dass doch alle glücklich sein müssten. Kira Mohn zeigt in dem Roman, wie komplex familiäre Beziehungen sein können, die geprägt sind von Verantwortung, Erwartungen und dem Wunsch, gesehen zu werden.

Besonders spannend und realistisch ist die Beziehung zwischen Emilia und ihrer Freundin Alina, die den Kontakt abbricht. Dieser Moment zeigt, wie verletzlich Beziehungen sein können.

Berührend finde ich vor allem Bens Schicksal. Seine große Einsamkeit und sein Kampf, seinen Platz im Leben zu finden, machen ihn zu einer besonders nahbaren und mitfühlenswerten Figur.

Ein kleiner Kritikpunkt von meiner Seite ist, dass an einigen Stellen die Handlung etwas vorhersehbar ist. Das Ende jedoch hat mich wiederum überrascht.

"Alle glücklich" ist ein Roman, der zum Nachdenken über Familie und eigenes Glück anregt.

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