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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 14.03.2026

Eine nachdenkliche Geschichte über Einsamkeit

Der andere Arthur
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„Der andere Arthur“ von Liz Moore erzählt eine ruhige, nachdenkliche Geschichte über Einsamkeit und ungelebte Leben. Besonders Arthur Opp ist mir sehr ans Herz gewachsen. Er ist eine liebenswerte, einsame ...


„Der andere Arthur“ von Liz Moore erzählt eine ruhige, nachdenkliche Geschichte über Einsamkeit und ungelebte Leben. Besonders Arthur Opp ist mir sehr ans Herz gewachsen. Er ist eine liebenswerte, einsame Figur, deren Geschichte berührt. Auch die Verbindung zwischen ihm und Charlene fand ich schön erzählt, zwei eher tragische Figuren, die beide ihr eigenes Päckchen tragen.

Sehr gelungen fand ich die Figurenzeichnung insgesamt. Besonders Yolanda, die plötzlich in Arthurs Leben auftaucht und vieles durcheinanderbringt, mochte ich sehr. Nach und nach entsteht zwischen den beiden eine besondere Verbindung und sie werden füreinander zu einer wichtigen Stütze.

Die Handlung rund um Kel - quasi der andere Arthur-war für mich stellenweise etwas langatmig. Vor allem der Baseball nimmt einen großen Raum ein, und einige Nebenhandlungen fand ich weniger spannend. Trotzdem war mir Kel als Figur sympathisch und er hat mich ein wenig an Demon Copperhead erinnert.

Insgesamt ein lesenswertes Buch mit starken, menschlichen Figuren und einer Geschichte, die lange nachwirkt. ⭐⭐⭐⭐

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Veröffentlicht am 14.03.2026

Schuld, Schönheit, Zugehörigkeit

Das schönste aller Leben
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„Das schönste aller Leben“ erzählt aus vier Perspektiven: der Sicht der Banater Erde, der jungen Vio, der erwachsenen Vio und der Figur Theresia aus dem 18. Jahrhundert. Im Zentrum steht Vio, die in den ...

„Das schönste aller Leben“ erzählt aus vier Perspektiven: der Sicht der Banater Erde, der jungen Vio, der erwachsenen Vio und der Figur Theresia aus dem 18. Jahrhundert. Im Zentrum steht Vio, die in den 90er Jahren mit ihren Eltern als Aussiedler aus dem rumänischen Banat nach Deutschland kommen. Wie viele Banater Schwaben hat ihre Familie deutsche Wurzeln. Sie fühlt sich jedoch weder ganz in Rumänien noch in Deutschland wirklich zugehörig.
Parallel dazu wird die Geschichte von Theresia erzählt, deren Schicksal im 18. Jahrhundert ebenfalls von gesellschaftlichen Normen und Schuldzuweisungen geprägt ist. Beide Frauen verbindet Leid, Schicksal und Schuld.

Besonders stark arbeitet Boras heraus, welche Rolle Schönheit im Leben von Frauen spielt. Theresia wird als „schuldig“ dargestellt, weil sie einen Diakon verführt haben soll. Schliesslich, so die Logik der Gesellschaft, konnte er sich als Mann ihrer Schönheit kaum entziehen. Auch Vio wächst mit der Botschaft auf, dass Schönheit über Chancen im Leben entscheidet. Mädchen lernen früh, dass sie in ein bestimmtes Korsett passen müssen. Sogar die Namen von Mädchen spiegeln oft Erwartungen und Tugenden wider („lieb“, „brav“), orientieren sich an Blumen oder bedeuten in der Übersetzung „die Schöne“. So zeigt der Roman eindrücklich, dass Schönheit eine gesellschaftliche Erwartung ist, die entweder Glück bringen oder auch zum Verhängnis werden kann.

Überzeugend fand ich, wie stark Mädchen schon früh von Schönheitsidealen geprägt werden. Dies wird vor allem an der Figur Vio deutlich. Zeitweise fand ich sie allerdings etwas anstrengend, weil sich ihre Gedanken sehr stark darum drehten, was andere über sie oder später über ihre Tochter denken könnten. Nachdem ihre Tochter durch einen Unfall Narben behält, wird diese Sorge beinahe zum einzigen Thema. Dieser Teil zog sich etwas in die Länge. Positiv fand ich aber, dass Vio eine Entwicklung durchmacht.

Am Ende wird deutlich, dass die Außenwelt zwar hart urteilt, Eltern ihren Kindern aber Resilienz und Selbstakzeptanz mitgeben können und sich für ihr Kind immer das schönste aller Leben wünschen.

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Veröffentlicht am 07.03.2026

Ein Coming-of-Age-Roman

Prep
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Curtis Sittenfelds Roman „Prep“ erzählt die Geschichte der 14-jährigen Lee Fiora, die dank eines Stipendiums das Eliteinternat „Ault“ in Boston besuchen darf. Lee findet sich plötzlich in einer Welt wieder, ...

Curtis Sittenfelds Roman „Prep“ erzählt die Geschichte der 14-jährigen Lee Fiora, die dank eines Stipendiums das Eliteinternat „Ault“ in Boston besuchen darf. Lee findet sich plötzlich in einer Welt wieder, die von Reichtum, Selbstbewusstsein und sozialen Codes geprägt ist, die ihr völlig fremd sind. Als Mädchen aus einfachen Verhältnissen fühlt sie sich unter ihren wohlhabenden Mitschülerinnen und Mitschülern oft fehl am Platz und isoliert.

Im Fokus des Romans steht Lees intensive Gefühls- und Gedankenwelt. Lee ist im Inneren sehr unsicher und ängstlich, beobachtet ihre Umgebung ständig und versucht verzweifelt, ihren Platz in dieser neuen sozialen Ordnung zu finden. Gerade diese Selbstzweifel und ihr starkes Bedürfnis dazuzugehören machen sie zu einer glaubwürdigen Figur. Sittenfeld gelingt eine authentische Figurenzeichnung, die typische Wünsche, Unsicherheiten und sozialen Ängste von Jugendlichen einfängt. Der Roman beschreibt ehrlich, wie stark Klassenunterschiede das Selbstbild prägen können und wie schwierig es sein kann, in einer neuen Umgebung Freundschaften zu schließen. Trotz ihrer Unsicherheit findet Lee schließlich eine wichtige Bezugsperson. Ihre Mitschülerin Martha wird zu ihrer engsten Freundin.

„Prep“ ist ein klassischer Coming-of-Age-Roman, der die Entwicklung einer Jugendlichen über mehrere Jahre begleitet. Gerade junge Leserinnen und Leser dürften sich in Lees Unsicherheiten gut wiederfinden. Aus heutiger Perspektive bin ich allerdings nicht mehr ganz die Zielgruppe des Buches. Als Jugendliche hätte mir der Roman sicher noch besser gefallen.

Ein Kritikpunkt ist die Länge. Mit fast 600 Seiten wirkt die Handlung stellenweise sehr langatmig. Da der Roman stark auf innere Beobachtungen und weniger auf äußere Ereignisse setzt, bleibt die Spannung manchmal gering. Für die kleinen High-school-Dramen ist der Roman, meiner Meinung nach, etwas zu lang.

Insgesamt ist „Prep“ dennoch ein ehrliches und fein beobachtetes Buch über Selbstzweifel, soziale Unterschiede und das Erwachsenwerden. Trotz einiger Längen überzeugt der Roman durch seine authentische Darstellung jugendlicher Gedanken und Gefühle.

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Veröffentlicht am 04.03.2026

Eine schonungslose Abrechnung

Ein Versuch, meine Liebe zu ordnen
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„ Ein Versuch, meine Liebe zu ordnen“ von Christien Brinkgreve ist ein beeindruckend ehrliches Buch. Über mehr als 40 Jahre hinweg war sie verheiratet und blickt nun, nach dem Tod ihres Mannes, mit großer ...

„ Ein Versuch, meine Liebe zu ordnen“ von Christien Brinkgreve ist ein beeindruckend ehrliches Buch. Über mehr als 40 Jahre hinweg war sie verheiratet und blickt nun, nach dem Tod ihres Mannes, mit großer Klarheit auf eine Ehe zurück, die alles andere als glücklich war. Es ist keine romantische Rückschau, sondern eine schonungslose Bestandsaufnahme.

Radikal ehrlich schreibt Brinkgreve über Verletzungen, Sprachlosigkeit und die schleichende Entfremdung in ihrer Ehe. Besonders eindrücklich, aber auch irritierend ist, dass die Kommunikation am Ende nur per E-Mail zwischen ihnen stattfand. Von Angesicht zu Angesicht fiel ihnen die Kommunikation immer schwerer. Dies spiegelt die emotionale Distanz zwischen ihnen gut wider. Nähe war kaum noch vorhanden. Beim Lesen stellt man sich unweigerlich immer wieder die Frage: Warum hat sie ihn nicht verlassen? Gerade weil sie die Unzufriedenheit so klar benennt.

Vieles wirkt erst im Rückblick, nach dem Tod des Mannes, für Brinkgreve wirklich verstehbar. Beim Aufräumen des gemeinsamen Hauses steigen Erinnerungen auf und verdrängte Gefühle kehren zurück. Das Haus wird zum Symbol eines Lebens, das sie, wie sie selbstkritisch einräumt, sehr vernachlässigt hat. An dieser Stelle im Buch bringt sie es selbst gut auf den Punkt: „ Sie (die Tochter) schüttelt den Kopf über all die verkümmerten Gegenstände, konstatiert grübelnd, dass dieser Hang zum Aufbewahren auch eine Form der Vernachlässigung ist. Die schönen Dinge verschwinden im Chaos.“ (S.120)

Brinkgreve bemüht sich immer wieder, auch ihren Ehemann zu verstehen, seine Schwächen und Prägungen mitzudenken.

Es ist definitiv ein mutiges Buch. Dennoch liest sich das Buch an vielen Stellen als eine späte Abrechnung mit ihrem verstorbenen Mann. Brinkgreve benennt Kränkungen und Versäumnisse klar und ungeschönt. Ihr Mann erscheint dabei fast durchweg emotional unzugänglich, oft unsympathisch und sehr verletzend. Zwar bemüht sie sich stellenweise, seine Prägungen und Schwächen zu verstehen, doch das Gesamtbild bleibt einseitig. Man lernt ihn fast ausschließlich aus der Perspektive ihrer Enttäuschung kennen. Und genau hier bin ich im Zwiespalt. Schreiben als Therapie und als Versuch der Aufarbeitung ist absolut nachvollziehbar. Aber ist es auch notwendig, ein so persönliches und letztlich einseitiges Zeugnis zu veröffentlichen? Der Mann, über den sie schreibt, lebt nicht mehr. Er kann sich nicht äußern, nicht widersprechen, keine eigene Sicht beisteuern. Damit habe ich meine Probleme.

Insgesamt ist es eine eindringliche Auseinandersetzung mit Liebe, Abhängigkeit, Entfremdung und der Frage, warum wir manchmal in Beziehungen bleiben, die uns nicht guttun. Vier Sterne für diese radikale Ehrlichkeit und emotionale Tiefe.

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Veröffentlicht am 10.02.2026

Eine scheinbar perfekte Familie

Alle glücklich
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Was bedeutet es, wirklich glücklich zu sein?

Kira Mohn erzählt in ihrem Roman "Alle glücklich" von Familie, Liebe und den Herausforderungen des Lebens.

Im Fokus des Romans steht die Familie Holtstein: ...

Was bedeutet es, wirklich glücklich zu sein?

Kira Mohn erzählt in ihrem Roman "Alle glücklich" von Familie, Liebe und den Herausforderungen des Lebens.

Im Fokus des Romans steht die Familie Holtstein: Mutter Nina, Vater Alexander, Sohn Ben (19) und Tochter Emilia (16). Die Geschichte wird aus allen vier Perspektiven erzählt, wodurch ich als Leser tief in die Gedanken, Gefühle und Konflikte jeder Figur eintauche und die familiären Dynamiken aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln erlebe. Die Holtsteins sind nach außen hin eine scheinbar perfekte Familie. Hinter der Fassade verbergen sich aber innere Konflikte, persönliche Sorgen und zerbrechliche Beziehungen, die jede Figur auf ihre eigene Weise prägen. Unausgesprochene Erwartungen und alte Wunden kommen zum Vorschein, Zerreißproben, die Beziehungen mit sich bringen.

"Alle glücklich" ist aber mehr als nur eine Familiengeschichte. Es geht um persönliche Entwicklung, Selbstreflexion und den Mut, eigene Wünsche und Bedürfnisse nicht hintenanzustellen.

Meiner Meinung nach ist es Kira Mohn gelungen, die Dynamiken innerhalb einer Familie realistisch darzustellen. Der Roman überzeugt durch seine emotionale Tiefe und die ehrliche Auseinandersetzung mit dem Thema "Familie" und dem oft trügerischen Ideal nach außen, dass doch alle glücklich sein müssten. Kira Mohn zeigt in dem Roman, wie komplex familiäre Beziehungen sein können, die geprägt sind von Verantwortung, Erwartungen und dem Wunsch, gesehen zu werden.

Besonders spannend und realistisch ist die Beziehung zwischen Emilia und ihrer Freundin Alina, die den Kontakt abbricht. Dieser Moment zeigt, wie verletzlich Beziehungen sein können.

Berührend finde ich vor allem Bens Schicksal. Seine große Einsamkeit und sein Kampf, seinen Platz im Leben zu finden, machen ihn zu einer besonders nahbaren und mitfühlenswerten Figur.

Ein kleiner Kritikpunkt von meiner Seite ist, dass an einigen Stellen die Handlung etwas vorhersehbar ist. Das Ende jedoch hat mich wiederum überrascht.

"Alle glücklich" ist ein Roman, der zum Nachdenken über Familie und eigenes Glück anregt.

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