Bereits im ersten Band durften wir die Buchhändlerin und ihre Familie beim Kauf der Wiener Traditionsbuchhandlung im 18. Bezirk begleiten. Nun steht Weihnachten vor der Tür – und mit ihm das alljährliche ...
Bereits im ersten Band durften wir die Buchhändlerin und ihre Familie beim Kauf der Wiener Traditionsbuchhandlung im 18. Bezirk begleiten. Nun steht Weihnachten vor der Tür – und mit ihm das alljährliche Weihnachtsgeschäft. Eine anstrengende Zeit, nicht nur für Kundinnen und Kunden, die Geschenke und Festessen organisieren müssen. Auch für die Autorin und ihre Belegschaft bleibt zwischen Wünschen, Erwartungen und gelegentlichen Mäkeleien kaum Zeit, sich selbst auf das heilige Fest einzustimmen.
Besonders gefallen haben mir Petra Hartliebs kurzweilige und sehr nahbare Schilderungen des Literaturbetriebs. Man fühlt sich schnell selbst wie ein Teil der Belegschaft. Dieses kleine Büchlein eignet sich perfekt für zwischendurch: Man kann es häppchenweise lesen oder auch einfach in einem Rutsch „wegsnacken“.
Dieses kleine Büchlein ist keine klassische Geschichte, aber auch kein Sachbuch im eigentlichen Sinne. Vielmehr handelt es sich um eine Sammlung von Texten, die sich mit der Liebe zum Buch beschäftigen.
Annemarie ...
Dieses kleine Büchlein ist keine klassische Geschichte, aber auch kein Sachbuch im eigentlichen Sinne. Vielmehr handelt es sich um eine Sammlung von Texten, die sich mit der Liebe zum Buch beschäftigen.
Annemarie Stoltenberg versammelt darin Aussagen, Beobachtungen und Anekdoten darüber, wie und warum Menschen lesen. Dabei greift sie nicht nur auf ihre eigenen Erfahrungen zurück, sondern auch auf die Lesegewohnheiten und Erlebnisse verschiedener Persönlichkeiten wie E.T.A. Hoffmann, Charlotte Brontë, Virginia Woolf oder Martin Walser. Einige dieser Einblicke waren für mich neu – und überraschend interessant.
Mit ihrer Geschichtensammlung lotet Stoltenberg den ganz persönlichen Zauber des Lesens aus: Lesen beflügelt die Fantasie, ist Begegnungsstätte und Trostspender und öffnet neue Wege – zu anderen Menschen, aber auch zu sich selbst.
Fazit:
Das richtige Buch zur richtigen Zeit ist einfach magisch.
Yu-hee ist in ihrem Bürojob unglücklich. Irgendwann hält sie es nicht mehr aus, kündigt und eröffnet in einem zunächst eher abgelegenen Wohnviertel in Sejin einen kleinen Pflanzenshop. Allen Zweifeln zum ...
Yu-hee ist in ihrem Bürojob unglücklich. Irgendwann hält sie es nicht mehr aus, kündigt und eröffnet in einem zunächst eher abgelegenen Wohnviertel in Sejin einen kleinen Pflanzenshop. Allen Zweifeln zum Trotz floriert das Geschäft. Der Laden entwickelt sich schnell über die Grenzen des Viertels hinaus zu einem echten Szene-Tipp.
Yu-hee geht dabei nicht nur mit ihren Pflanzen, sondern auch mit den Tieren in der Nachbarschaft sehr achtsam um. Ihre Toleranz gegenüber Männern, die andere abschätzig behandeln, ist hingegen gleich null. Kein Wunder also, wenn genau diese Personen plötzlich verschwinden.
Übersetzt wurde die Geschichte von Kyong-Hae Flügel.
Minyoung Kang erzählt die Geschichte in einer sehr ruhigen und gefassten Sprache. Sie schildert die Erlebnisse von Yu-hee und den anderen Protagonistinnen zunächst zurückhaltend. Auch wie Yu-hee sich gegen diese Männer zur Wehr setzt, bleibt anfangs ausgespart, wird später eher umschrieben, bis es schließlich doch recht detailliert wird. Zwar war ich anfangs ein wenig enttäuscht, dass die Autorin vieles der eigenen Vorstellungskraft überlässt. Im weiteren Verlauf wurde mir allerdings stellenweise regelrecht schlecht und ich wäre über das Aussparen froh gewesen.
Gecatcht hat mich Minyoung Kang vor allem mit ihrer Protagonistin. Ich habe mit Yu-hee mitgefiebert, sie nicht immer verstanden, aber doch durchgehend gehofft, dass der Kommissar, der im Laufe der Geschichte auftaucht, keinen Erfolg haben wird.
Das Hörbuch wird von Rubina Nath eingesprochen. Der japanisch-deutschen Synchronsprecherin gelingt es hervorragend, Yu-hees ruhige und abgeklärte Art hörbar zu machen. Durch ihre Stimme wird die Geschichte lebendig, und man kommt den Figuren in den einzelnen Szenen erstaunlich nah.
Fazit:
Eine Geschichte, die ruhig daher kommt und gerade durch seine Zurückhaltung überzeugt. Treffend im Hörbuchformat vertont!
Im Mittelpunkt von „Hotel Drei Jahreszeiten“ steht die Buchhändlerin Carla, die gerade beginnt, ihren neuen Nachbarn Kramer besser kennenzulernen. Viel weiß sie noch nicht über ihn. Nur, dass er kürzlich ...
Im Mittelpunkt von „Hotel Drei Jahreszeiten“ steht die Buchhändlerin Carla, die gerade beginnt, ihren neuen Nachbarn Kramer besser kennenzulernen. Viel weiß sie noch nicht über ihn. Nur, dass er kürzlich einen alten Mercedes geerbt hat.
Durch einen Zufall begegnet Carla außerdem dem Studenten Carlo, dem sie einen Brief vorbeibringt, der versehentlich bei ihr gelandet ist. Bei ihrem Gespräch erzählt er ihr von seinem letzten Aufenthalt in Lissabon und von einem Zimmermädchen, in das er sich dort verliebt hat und das ihm seitdem nicht mehr aus dem Kopf geht.
Diese Geschichte bringt Carla auf eine ebenso spontane wie verrückte Idee: Warum nicht einfach nach Lissabon fahren und Carlo helfen, seine große Liebe wiederzufinden? Kurzentschlossen schmieden sie einen Plan. Wie wäre es mit einem gemeinsamen Roadtrip? So wie früher, voller Hoffnung, Abenteuerlust und der leisen Frage, was am Ende dieser Reise wohl auf sie wartet.
Stefan Gärtner war viele Jahre Redakteur der Satirezeitschrift Titanic, ist Kolumnist und Autor. Genau das merkt man seinem Roman auch an, finde ich. Seine Schreibweise hat einen ganz eigenen Rhythmus. Die Sätze sind teilweise verschachtelt und wirken fast essayistisch, sodass ich mich beim Lesen erst einmal auf diesen Stil einstellen musste.
Erzählt wird die Geschichte aus Carlas Perspektive. Sie berichtet ihrer Freundin, einer Psychotherapeutin, von dem ungewöhnlichen Roadtrip nach Lissabon. Dadurch entsteht immer wieder eine Art Metaebene, wenn die Therapeutin von außen auf diese etwas zusammengewürfelte Reisegruppe blickt und Carlas Erzählungen einordnet.
Was alle Figuren verbindet, ist eine Sehnsucht. Eine Sehnsucht nach früheren Zeiten, in denen man jung, spontan und ungebunden war. Genau diese verlorene Spontaneität, dieses kleine Stück „Verrücktsein“ versuchen sie mit ihrer spontanen Fahrt nach Lissabon wiederzufinden. Und genau dieser Teil der Geschichte hat mir auch am besten gefallen. Es hat Spaß gemacht, die Figuren auf der Reise zu begleiten, ihre Gedanken zu verfolgen und ihre Dynamik untereinander zu beobachten.
Doch mit der Ankunft in Lissabon kippt für mich die Stimmung. Plötzlich scheint die Luft ein wenig aus der Geschichte heraus zu sein. Das Ziel ist erreicht und gleichzeitig merken die Figuren, dass die Realität doch anders aussieht als die romantische Vorstellung eines spontanen Roadtrips. Solche Fahrten bringen eben auch Rückenschmerzen und andere kleine Unannehmlichkeiten mit sich, auf die man im jetzigen Lebensabschnitt vielleicht gar nicht mehr so viel Lust hat. Gleichzeitig schleicht sich die Erkenntnis ein, dass der eigene Alltag womöglich doch nicht so schlecht ist, wie man ihn sich manchmal einredet.
Leider verliert die Geschichte auch an sich in diesem letzten Teil deutlich an Schwung. Der Spannungsbogen flacht ab, der Text zieht sich stellenweise und es gelingt Gärtner für mich nicht mehr, die anfängliche Neugier aufrechtzuerhalten. Gegen Ende musste ich mich tatsächlich etwas durch die Seiten kämpfen.
Fazit:
Ein Roadtrip, der verheißungsvoll beginnt und einige schöne Gedanken über Sehnsucht, Vergangenheit und Lebensentwürfe bereithält, der mich am Ende jedoch im übertragenen Sinn alleine am Straßenrand stehen gelassen hat.
Die glücklose Hutmacherin“ von Jessica Bull entführt die Leserinnen und Leser in das England des späten 18. Jahrhunderts. Im Mittelpunkt steht eine junge Frau, die Literaturfans sofort bekannt vorkommen ...
Die glücklose Hutmacherin“ von Jessica Bull entführt die Leserinnen und Leser in das England des späten 18. Jahrhunderts. Im Mittelpunkt steht eine junge Frau, die Literaturfans sofort bekannt vorkommen dürfte: Jane Austen.
Jane freut sich auf einen besonderen Abend. Ein großer Ball steht bevor, und dort wird auch ihr Schwarm Tom Lefroy anwesend sein. Die Aufregung ist entsprechend groß. Als Jane und Tom sich während der Feier kurz aus dem Trubel zurückziehen und in ein Gewächshaus verschwinden, ahnt noch niemand, dass sich im Haus eine Tragödie ereignet.
Während im Gewächshaus zarte Gefühle im Raum stehen, wird im Herrenhaus eine Frau ermordet aufgefunden – blutüberströmt und ohne jede Erklärung. Bei der Toten handelt es sich ausgerechnet um eine Hutmacherin, die Jane erst kürzlich auf dem Markt getroffen hat, als diese versuchte, ihr einen Hut zu verkaufen.
Doch was hatte diese Frau überhaupt auf dem vornehmen Fest zu suchen? Und weshalb wurde aus dem Haus nichts entwendet – außer dem Medaillon, das die Hutmacherin um den Hals trug?
Als dann auch noch einer von Janes Brüder verdächtigt wird, muss die junge Dame selbst die Ermittlungen übernehmen.
Der Roman wurde von Susanne Wallbaum aus dem Englischen übersetzt. Mit Die glücklose Hutmacherin gelingt der englischen Autorin Jessica Bull ein solides Debüt – das lässt sich gleich vorwegnehmen.
Besonders reizvoll ist die Idee, die bekannte literarische Persönlichkeit Jane Austen selbst zur Protagonistin eines Kriminalfalls zu machen. Es macht Spaß, sie durch diese Geschichte zu begleiten und mit ihr in die Gesellschaft des späten 18. Jahrhunderts einzutauchen. Die Autorin passt die Ausdrucksweise ihrer Figuren spürbar an die damalige Zeit an, wodurch eine stimmige Atmosphäre entsteht. Auch die Beschreibungen der Umgebung und der gesellschaftlichen Gepflogenheiten tragen dazu bei, dass man sich gut in diese Epoche hineinversetzen kann. Nicht zuletzt erlebt die Regency-Zeit derzeit auch in Film und Fernsehen wieder große Beliebtheit, was dem Setting zusätzlich einen gewissen Reiz verleiht.
Ein kleiner Schwachpunkt liegt allerdings in der Aufklärung des Falls. Die Handlung entwickelt sich stellenweise recht schleppend, wodurch der Spannungsbogen nicht immer auf dem gewünschten Niveau bleibt. Selbst die durchaus unterhaltsamen und unterschiedlich gezeichneten Figuren können dieses Tempo nicht vollständig ausgleichen.
Der Mordfall und sein Ablauf sind natürlich frei erfunden und entsprechen nicht zwingend der historischen Realität. Dennoch bietet der Roman solide Unterhaltung – besonders für Leserinnen und Leser, die Cosy Crime in der Regency-Zeit mögen und Freude daran haben, eine bekannte literarische Figur einmal in einer ganz anderen Rolle zu erleben.
Fazit:
Ein interessant konzipierter Krimi mit einer charmanten Idee und stimmungsvoller Atmosphäre, dessen Spannungsbogen jedoch gern etwas höher hätte sein dürfen.