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Veröffentlicht am 28.01.2026

Arthur und der andere Arthur

Der andere Arthur
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Der ehemalige Literaturprofessor Arthur Opp hat sich in seinem Haus von der Welt zurückgezogen – und ein Stück weit auch von sich selbst. Er verschanzt sich hinter Bücherbergen und betäubt seine Sinne ...

Der ehemalige Literaturprofessor Arthur Opp hat sich in seinem Haus von der Welt zurückgezogen – und ein Stück weit auch von sich selbst. Er verschanzt sich hinter Bücherbergen und betäubt seine Sinne mit belanglosen Fernsehsendungen. Nur gelegentlich wird sein monotoner Alltag durch einen Lieferdienst oder durch gedankliche Blitzlichter an seine frühere große Liebe Charlene unterbrochen.
Als Charlene sich eines Tages tatsächlich telefonisch bei ihm meldet, gerät diese erstarrte Ordnung ins Wanken. Sie braucht seine Hilfe: Arthur soll ihrem Sohn Kel Keller – der sich selbst Arthur nennt – bei seinen Collegebewerbungen helfen. Doch wie soll das gehen? Arthur Opp und auch sein Haus sind verwahrlost. Und trotzdem stellt sich die Frage: Kann man einer Liebe von früher einen solchen Wunsch abschlagen? Manchmal muss man sich, trotz größter Angst, auf Veränderung einlassen.

„Der andere Arthur“ ist ein Roman von Liz Moore, der bereits 2012 in den USA erschienen ist. Im Zentrum stehen zwei Außenseiter, die jeweils auf ihre eigene Weise mit ihrem Schicksal hadern, der eine mit 17, der andere jenseits der 50.
Die Autorin erzählt ihre Geschichten empathisch und feinfühlig aus den jeweiligen Perspektiven. Dadurch kommt man beiden Arthurs sehr nahe. Mir fiel es oft schwer, die Lektüre überhaupt für eine Pause aus der Hand zu legen.

Ganz ohne Einschränkung bleibt es für mich allerdings nicht. Das mag auch an meiner Erwartung gelegen haben: Ich hatte damit gerechnet, dass sich die beiden Protagonisten früher begegnen und man sie gemeinsam begleitet. (Hier ein kleiner Spoiler: Das ist nicht der Fall.) Das fand ich sehr schade.
Gleichzeitig lässt sich an diesem Roman sehr schön „sehen“, wie sich Liz Moores Schreibstil weiterentwickelt hat. So gut „Der andere Arthur“ auch geschrieben ist – „Der Gott des Waldes“ ist stilistisch noch einmal eine andere Hausnummer.

Fazit:
Eine leise, bewegende Geschichte mit Figuren, die einen auch nach dem letzten Kapitel noch eine Weile begleiten.

Veröffentlicht am 25.01.2026

Vanillekipferl

Weihnachten in der wundervollen Buchhandlung
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Bereits im ersten Band durften wir die Buchhändlerin und ihre Familie beim Kauf der Wiener Traditionsbuchhandlung im 18. Bezirk begleiten. Nun steht Weihnachten vor der Tür – und mit ihm das alljährliche ...

Bereits im ersten Band durften wir die Buchhändlerin und ihre Familie beim Kauf der Wiener Traditionsbuchhandlung im 18. Bezirk begleiten. Nun steht Weihnachten vor der Tür – und mit ihm das alljährliche Weihnachtsgeschäft. Eine anstrengende Zeit, nicht nur für Kundinnen und Kunden, die Geschenke und Festessen organisieren müssen. Auch für die Autorin und ihre Belegschaft bleibt zwischen Wünschen, Erwartungen und gelegentlichen Mäkeleien kaum Zeit, sich selbst auf das heilige Fest einzustimmen.

Besonders gefallen haben mir Petra Hartliebs kurzweilige und sehr nahbare Schilderungen des Literaturbetriebs. Man fühlt sich schnell selbst wie ein Teil der Belegschaft. Dieses kleine Büchlein eignet sich perfekt für zwischendurch: Man kann es häppchenweise lesen oder auch einfach in einem Rutsch „wegsnacken“.

Ein Backlist-Titel, den man nicht vergessen darf.

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Veröffentlicht am 04.01.2026

Magisch

Magie des Lesens
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Dieses kleine Büchlein ist keine klassische Geschichte, aber auch kein Sachbuch im eigentlichen Sinne. Vielmehr handelt es sich um eine Sammlung von Texten, die sich mit der Liebe zum Buch beschäftigen.
Annemarie ...

Dieses kleine Büchlein ist keine klassische Geschichte, aber auch kein Sachbuch im eigentlichen Sinne. Vielmehr handelt es sich um eine Sammlung von Texten, die sich mit der Liebe zum Buch beschäftigen.
Annemarie Stoltenberg versammelt darin Aussagen, Beobachtungen und Anekdoten darüber, wie und warum Menschen lesen. Dabei greift sie nicht nur auf ihre eigenen Erfahrungen zurück, sondern auch auf die Lesegewohnheiten und Erlebnisse verschiedener Persönlichkeiten wie E.T.A. Hoffmann, Charlotte Brontë, Virginia Woolf oder Martin Walser. Einige dieser Einblicke waren für mich neu – und überraschend interessant.
Mit ihrer Geschichtensammlung lotet Stoltenberg den ganz persönlichen Zauber des Lesens aus: Lesen beflügelt die Fantasie, ist Begegnungsstätte und Trostspender und öffnet neue Wege – zu anderen Menschen, aber auch zu sich selbst.

Fazit:
Das richtige Buch zur richtigen Zeit ist einfach magisch.

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Veröffentlicht am 03.01.2026

Zartes Grün, leise Rache

Plant Lady
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Yu-hee ist in ihrem Bürojob unglücklich. Irgendwann hält sie es nicht mehr aus, kündigt und eröffnet in einem zunächst eher abgelegenen Wohnviertel in Sejin einen kleinen Pflanzenshop. Allen Zweifeln zum ...

Yu-hee ist in ihrem Bürojob unglücklich. Irgendwann hält sie es nicht mehr aus, kündigt und eröffnet in einem zunächst eher abgelegenen Wohnviertel in Sejin einen kleinen Pflanzenshop. Allen Zweifeln zum Trotz floriert das Geschäft. Der Laden entwickelt sich schnell über die Grenzen des Viertels hinaus zu einem echten Szene-Tipp.
Yu-hee geht dabei nicht nur mit ihren Pflanzen, sondern auch mit den Tieren in der Nachbarschaft sehr achtsam um. Ihre Toleranz gegenüber Männern, die andere abschätzig behandeln, ist hingegen gleich null. Kein Wunder also, wenn genau diese Personen plötzlich verschwinden.

Übersetzt wurde die Geschichte von Kyong-Hae Flügel.

Minyoung Kang erzählt die Geschichte in einer sehr ruhigen und gefassten Sprache. Sie schildert die Erlebnisse von Yu-hee und den anderen Protagonistinnen zunächst zurückhaltend. Auch wie Yu-hee sich gegen diese Männer zur Wehr setzt, bleibt anfangs ausgespart, wird später eher umschrieben, bis es schließlich doch recht detailliert wird. Zwar war ich anfangs ein wenig enttäuscht, dass die Autorin vieles der eigenen Vorstellungskraft überlässt. Im weiteren Verlauf wurde mir allerdings stellenweise regelrecht schlecht und ich wäre über das Aussparen froh gewesen.
Gecatcht hat mich Minyoung Kang vor allem mit ihrer Protagonistin. Ich habe mit Yu-hee mitgefiebert, sie nicht immer verstanden, aber doch durchgehend gehofft, dass der Kommissar, der im Laufe der Geschichte auftaucht, keinen Erfolg haben wird.

Das Hörbuch wird von Rubina Nath eingesprochen. Der japanisch-deutschen Synchronsprecherin gelingt es hervorragend, Yu-hees ruhige und abgeklärte Art hörbar zu machen. Durch ihre Stimme wird die Geschichte lebendig, und man kommt den Figuren in den einzelnen Szenen erstaunlich nah.

Fazit:
Eine Geschichte, die ruhig daher kommt und gerade durch seine Zurückhaltung überzeugt. Treffend im Hörbuchformat vertont!

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Veröffentlicht am 15.03.2026

Saudade

Hotel Drei Jahreszeiten
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Im Mittelpunkt von „Hotel Drei Jahreszeiten“ steht die Buchhändlerin Carla, die gerade beginnt, ihren neuen Nachbarn Kramer besser kennenzulernen. Viel weiß sie noch nicht über ihn. Nur, dass er kürzlich ...

Im Mittelpunkt von „Hotel Drei Jahreszeiten“ steht die Buchhändlerin Carla, die gerade beginnt, ihren neuen Nachbarn Kramer besser kennenzulernen. Viel weiß sie noch nicht über ihn. Nur, dass er kürzlich einen alten Mercedes geerbt hat.
Durch einen Zufall begegnet Carla außerdem dem Studenten Carlo, dem sie einen Brief vorbeibringt, der versehentlich bei ihr gelandet ist. Bei ihrem Gespräch erzählt er ihr von seinem letzten Aufenthalt in Lissabon und von einem Zimmermädchen, in das er sich dort verliebt hat und das ihm seitdem nicht mehr aus dem Kopf geht.
Diese Geschichte bringt Carla auf eine ebenso spontane wie verrückte Idee: Warum nicht einfach nach Lissabon fahren und Carlo helfen, seine große Liebe wiederzufinden? Kurzentschlossen schmieden sie einen Plan. Wie wäre es mit einem gemeinsamen Roadtrip? So wie früher, voller Hoffnung, Abenteuerlust und der leisen Frage, was am Ende dieser Reise wohl auf sie wartet.

Stefan Gärtner war viele Jahre Redakteur der Satirezeitschrift Titanic, ist Kolumnist und Autor. Genau das merkt man seinem Roman auch an, finde ich. Seine Schreibweise hat einen ganz eigenen Rhythmus. Die Sätze sind teilweise verschachtelt und wirken fast essayistisch, sodass ich mich beim Lesen erst einmal auf diesen Stil einstellen musste.
Erzählt wird die Geschichte aus Carlas Perspektive. Sie berichtet ihrer Freundin, einer Psychotherapeutin, von dem ungewöhnlichen Roadtrip nach Lissabon. Dadurch entsteht immer wieder eine Art Metaebene, wenn die Therapeutin von außen auf diese etwas zusammengewürfelte Reisegruppe blickt und Carlas Erzählungen einordnet.
Was alle Figuren verbindet, ist eine Sehnsucht. Eine Sehnsucht nach früheren Zeiten, in denen man jung, spontan und ungebunden war. Genau diese verlorene Spontaneität, dieses kleine Stück „Verrücktsein“ versuchen sie mit ihrer spontanen Fahrt nach Lissabon wiederzufinden. Und genau dieser Teil der Geschichte hat mir auch am besten gefallen. Es hat Spaß gemacht, die Figuren auf der Reise zu begleiten, ihre Gedanken zu verfolgen und ihre Dynamik untereinander zu beobachten.
Doch mit der Ankunft in Lissabon kippt für mich die Stimmung. Plötzlich scheint die Luft ein wenig aus der Geschichte heraus zu sein. Das Ziel ist erreicht und gleichzeitig merken die Figuren, dass die Realität doch anders aussieht als die romantische Vorstellung eines spontanen Roadtrips. Solche Fahrten bringen eben auch Rückenschmerzen und andere kleine Unannehmlichkeiten mit sich, auf die man im jetzigen Lebensabschnitt vielleicht gar nicht mehr so viel Lust hat. Gleichzeitig schleicht sich die Erkenntnis ein, dass der eigene Alltag womöglich doch nicht so schlecht ist, wie man ihn sich manchmal einredet.
Leider verliert die Geschichte auch an sich in diesem letzten Teil deutlich an Schwung. Der Spannungsbogen flacht ab, der Text zieht sich stellenweise und es gelingt Gärtner für mich nicht mehr, die anfängliche Neugier aufrechtzuerhalten. Gegen Ende musste ich mich tatsächlich etwas durch die Seiten kämpfen.

Fazit:
Ein Roadtrip, der verheißungsvoll beginnt und einige schöne Gedanken über Sehnsucht, Vergangenheit und Lebensentwürfe bereithält, der mich am Ende jedoch im übertragenen Sinn alleine am Straßenrand stehen gelassen hat.

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