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Veröffentlicht am 23.03.2026

Ein herausforderndes Leseerlebnis!

Die Dinner Party
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"Die Dinner Party" handelt von der niederländischen Literaturstudentin Franca, die aus Einsamkeit zu dem reichen Andrew von Utrecht nach England zieht, kurz nachdem sie sich kennengelernt haben. Franca ...

"Die Dinner Party" handelt von der niederländischen Literaturstudentin Franca, die aus Einsamkeit zu dem reichen Andrew von Utrecht nach England zieht, kurz nachdem sie sich kennengelernt haben. Franca setzt ihr Studium nicht fort, die beiden verloben sich und Franca lebt von nun an ein häusliches Leben, versorgt von Andrew. Bei wem schrillen noch nicht sämtliche Alarmglocken?
Andrew bittet Franca, für ihn und seine Arbeitskollegen spontan eine Dinnerparty zu organisieren, bei der alles aus dem Ruder läuft. Die Handlung spitzt sich rasant zu, als Franca mit ihrer Vergangenheit und ihren Entscheidungen konfrontiert wird und zu einem Messer greift...

Die Handlung wird nicht linear erzählt, sondern wir haben drei verschiedene Zeitebenen. In der Gegenwart lebt Franca in Berlin und befindet sich in Therapie, da sie sich nicht an diesen verhängnisvollen Moment mit dem Messer erinnern kann. Ihre Therapeutin rät ihr deshalb, einen Brief über das alles an eine geliebte Person zu schreiben, um das Erlebte verarbeiten zu können. So ist dieser Roman, den wir lesen, der Brief an Harry (eine wichtige Person aus Francas Vergangenheit), in dem Franca ihre Vergangenheit schildert. Das ist richtig cool gemacht!
Der Schreibstil ist sehr vulgär, was gut zu dieser verstörenden Geschichte passt, da auch auf sprachlicher Ebene nichts beschönigt wird.

Keine der Figuren war mir sonderlich sympathisch, bis auf Harry und die Therapeutin Stella. Franca tat mir einfach nur leid und ich habe sehr mit ihr mitgefühlt. Sie macht Furchtbares durch und versucht nun, alles zu verarbeiten. Ich habe ihre Figur als sehr realistisch empfunden. Auf Andrew habe ich einen richtigen Hass entwickelt und die anderen Gäste der Dinnerparty (Andrews bester Freund Evan und ein alter, weißer, männlicher Literaturkritiker namens Gerald) betrachte ich ambivalent.

Die Spannung wurde so doll gesteigert, dass es kaum auszuhalten war. Ich wollte unbedingt wissen, was genau mit dem Messer passiert ist, an das Franca sich nicht erinnern kann und warum sie jetzt in Berlin ist. Ich bin irgendwann nicht mehr mitgekommen bei dem was real war und was nicht. Das war sehr anstrengend zu lesen und hat Francas Gefühl der Überforderung für mich spürbar gemacht.
Und dann diese Plottwists! Ich habe so vieles nicht kommen sehen und ab einem bestimmten Punkt, sieht man das Buch mit ganz anderen Augen. Ich wurde mit meiner normativen Sicht konfrontiert, die die Autorin auf großartige Weise dekonstruiert! Ich ziehe meinen Hut vor dieser Frau! Gleichzeitig bringt sie Diskussionen über einen Literaturkanon auf grandiose Weise in die Handlung mit ein. Das heißt, wir haben hier viele feministische Themen drin, die miteinander verwoben werden.

Generell habe ich das Leseerlebnis als unbequem und herausfordernd wahrgenommen. Es ist ganz sicher nicht das, was ich von dem Buch erwartet habe, aber es ist absolut genial! Definitiv etwas, über das ich noch sehr lange nachdenken werde. Jetzt brauche ich aber erstmal Erholung davon... Ich kann "Die Dinner Party" sehr empfehlen, allerdings sollte man sich vorher unbedingt mit den Content Notes auseinandersetzen, denn das Buch hat es echt in sich und es war auch für mich teilweise sehr hart zu lesen. Großen Katzenliebhaber:innen rate ich eher vom Lesen ab, da hier die Gewalt gegen ein Haustier schon sehr arg ist.

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Veröffentlicht am 19.03.2026

Persönlich und informativ

Oststolz
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Ich verfolge den Dunklen Parabelritter mit seinen hochinformativen politischen Beiträgen schon eine Weile auf YouTube, deshalb war ich direkt neugierig auf sein Buch (auch wenn ich das Cover furchtbar ...

Ich verfolge den Dunklen Parabelritter mit seinen hochinformativen politischen Beiträgen schon eine Weile auf YouTube, deshalb war ich direkt neugierig auf sein Buch (auch wenn ich das Cover furchtbar finde) und habe es mir ausgeliehen, sobald es bei der Onleihe verfügbar war.

"Oststolz" ist nicht einfach nur eine Autobiographie, sondern soll das Leben in Ostdeutschland der Nach-Wende Generation darstellen. Als westdeutsche Gen Z habe ich die Wende nicht miterlebt und auch keinen Bezug zum Osten (bis auf den Geschichtsunterricht), weshalb ich genau in die Zielgruppe falle und viel gelernt habe. Es geht um die strukturelle Benachteiligung der Neuen Bundesländer und dem daraus entstehenden defätistischen Lebensgefühl. Der Autor betont allerdings, dass die politische Radikalisierung aufgrunddessen kein rein ostdeutsches Phänomen ist, sondern gesamtgesellschaftlich zu beobachten ist.

Alexander Prinz stellt von seinem Einzelschicksal und seinem persönlichen Umfeld ausgehend, mit wissenschaftlichen Studien den Bezug auf das Gesamtbild her. Das ist nicht nur persönlich und berührend, sondern durch die exemplarische Darstellung sehr anschaulich und verständlich. Ich konnte viel für mich daraus mitnehmen. Mit seiner persönlichen ostdeutschen Erfolgsgeschichte, allen in diesem Buch beschriebenen Widrigkeiten zum Trotz, appelliert Prinz an den Osten, sich selbst nicht aufzugeben.

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Veröffentlicht am 17.03.2026

Hier steckt soooo viel drin!

Corpus Delicti
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Ich habe mein Deutsch Vorabitur über „Corpus Delicti“ geschrieben und es war eine Schullektüre, die ich gerne gelesen habe. Sie ist von der Sprache her leicht verständlich, allerdings stecken viele Symbole ...

Ich habe mein Deutsch Vorabitur über „Corpus Delicti“ geschrieben und es war eine Schullektüre, die ich gerne gelesen habe. Sie ist von der Sprache her leicht verständlich, allerdings stecken viele Symbole darin, bei denen es sich sehr lohnt, einen genaueren Blick darauf zu werfen.

In einer Welt, in der es keine Krankheiten mehr gibt und die Gesundheit des Einzelnen Staatsräson ist, wird Moritz Holl für einen Mord verurteilt, den er nicht begangen hat, woraufhin er Suizid begeht. Dies stürzt seine Schwester, die Naturwissenschaftlerin Mia Holl in schwere Depressionen, wodurch sie für die Gesundheitsdiktatur ebenfalls nicht mehr tragbar ist. Nach und nach offenbaren sich die Schwächen eines Systems, das die Gesundheit aller, über die Freiheit des Einzelnen stellt. Definitiv ein hochpolitisches Buch, das viele Kontroversen enthält, über die es sich nachzudenken und zu diskutieren lohnt! Ich konnte einige Anregungen daraus mitnehmen.

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Veröffentlicht am 16.03.2026

Ein eindrückliches Buch über Depressionen

Die Glasglocke
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„Die Glasglocke“ handelt von der jungen, privilegierten Esther, die für ein tolles Praktikum in New York ist. Doch anstatt die Zeit ihres Lebens zu haben, ist sie schwer depressiv und gerät immer weiter ...

„Die Glasglocke“ handelt von der jungen, privilegierten Esther, die für ein tolles Praktikum in New York ist. Doch anstatt die Zeit ihres Lebens zu haben, ist sie schwer depressiv und gerät immer weiter unter diese „Glasglocke“, die sie vom Leben abschottet.
Dieses Gleichnis finde ich sehr passend.
Esther ist eine sehr unsympathische Figur, die nicht immer nachvollziehbar ist, allerdings finde ich es sehr spannend, in ihrem Kopf zu sein.

Das Buch behandelt psychische Erkranungen und feministische Themen der damaligen Zeit auf eine sehr kluge Art und Weise. Darüber werde ich noch länger nachdenken. Jedoch sind viele rassistische Äußerungen und das N-Wort enthalten, was heute absolut verwerflich ist, in den 60er Jahren allerdings normal war. Ich würde mir wünschen, dass diese aus den aktuellen Ausgaben herausgestrichen oder zensiert werden.

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Veröffentlicht am 20.02.2026

Ein gelungener Reihenabschluss!

Today I’ll Fall For Him (3)
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In "Today I'll Fall For Him" kehren wir ein letztes Mal nach Harpersville zu unserer liebsten Volleyballmannschaft und ihrem Kleinstadt-Umfeld zurück. Ein letztes Mal Volleyball, Mr. Grumpy, Pflanzen beerdigen ...

In "Today I'll Fall For Him" kehren wir ein letztes Mal nach Harpersville zu unserer liebsten Volleyballmannschaft und ihrem Kleinstadt-Umfeld zurück. Ein letztes Mal Volleyball, Mr. Grumpy, Pflanzen beerdigen und Krisenliegen auf dem Boden und all diese liebevollen Details, die Bianca Wege in ihre Trilogie eingebaut hat.

Diesmal geht es um Lina (die kleine Schwester von Asher aus den vorigen Bänden) und den Trainer Riven (keine Sorge, es wird nicht kriminell, der Altersunterschied beträgt vier Jahre...).
Beide wollen eigentlich nicht in Harpersville leben, Lina holt hier eine, in New York verpatzte, Jura Prüfung nach und Riven trauert seiner Sportlerkarriere nach, die seit einer schweren Verletzung vorbei ist und ihn zu einem Schicksal als Trainer verdammt. Doch die Beiden treffen recht schnell aufeinander und schließen eine To-Do-Listen Wette ab, die ich anfangs albern und später sehr lustig fand. Dabei finde ich sehr süß, wie sie sich gegenseitig positiv beeinflussen.

Generell ist dieses Buch die perfekte Mischung aus albern und ernst. Es vermittelt die Botschaft, dass man im Leben selbst mit perfektem Plan nicht immer ans Ziel kommt, wenn man das eigene Wohlbefinden aus den Augen verliert und sich selbst zu viel aufhalst. Und vielleicht ist man auch schon längst am Ziel angekommen, ohne es gemerkt zu haben...

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