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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 30.03.2026

Spannend, intensiv, drastisch

Böse geboren
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Eine albtraumhafte Story, die sich extensiv um die Frage dreht, ob jemand bereits böse zur Welt kommt und die so extreme Situationen schildert, dass man möglicherweise an seinen festen Überzeugungen zweifelt. ...

Eine albtraumhafte Story, die sich extensiv um die Frage dreht, ob jemand bereits böse zur Welt kommt und die so extreme Situationen schildert, dass man möglicherweise an seinen festen Überzeugungen zweifelt. Tom, ein tieftrauriger Mensch, der über die Ermordung seiner Frau, den frühen Tod seines Bruders und dessen Frau, nicht hinwegkommt, an der Verantwortung für seine Nichte, deren Entführung und mühseligen Aufarbeitung dieses traumatischen Erlebnisses zu scheitern droht, wird mit einer Leiche im Hamburger Hafengebiet konfrontiert, die offenbar längere Zeit tiefgefroren war. Er und sein Team sehen sich vor einem Rätsel eingedenk der Tatsache, dass die Tote bereits vor Monaten in Köln als vermisst gemeldet wurde, zu Tode etwa vor 60 Tagen, plus/minus, kam. Wo war sie in der Zwischenzeit? Todesursächlich sind mehrere Stiche in den Rücken. Kaum mit den Ermittlungen begonnen, werden sie zu einem Leichenfund bei Hannover gerufen, weil die Fundsituation und die Todesursache ähnlich sind, die Leiche aber auch über längere Zeit tiefgefroren war. Diese kam ursprünglich aus Göttingen. Man sieht sich an einen Serientäter erinnert, der vor zehn Jahren sein Unwesen trieb und für die Entführung von Toms Nichte verantwortlich war, aber nie gefasst wurde. Sehr intensiv und bildhaft geschrieben. Sehr viele Zeitsprünge und Retrospektiven. Eine sehr detaillierte Selbstreflektion des Täters vor zehn Jahren und der Täter in den aktuellen Fällen. Die Auflösung überraschend und drastisch.

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Veröffentlicht am 20.03.2026

Sehr emotional

Das Gehöft
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Lara ist auf dem Weg zu einer Hallig, die nur über zwei Gehöfte verfügt. Das eine unbewohnt, heißt es, das andere hat sie gekauft und will dies mit Freund Henry ökologisch bewirtschaften. Jetzt sind sie ...

Lara ist auf dem Weg zu einer Hallig, die nur über zwei Gehöfte verfügt. Das eine unbewohnt, heißt es, das andere hat sie gekauft und will dies mit Freund Henry ökologisch bewirtschaften. Jetzt sind sie erst einmal dahin unterwegs, um die Räume zu renovieren und einzurichten. Im Gefolge befinden sich der autistische Bruder Malte und die beste Freundin Silke mit deren Freund Kenan. Die haben sich kurzerhand angeschlossen – Henry scheint davon nur mäßig begeistert. Die Hallig ist nur mit dem Boot zu erreichen, für die Kommunikation muss erst ein Funkmast aufgebaut werden, ansonsten ist man von der Außenwelt völlig abgeschnitten. Schon bei der Ankunft gibt es eine Sturmwarnung – diese Sturmwarnung und entsetzliches Wetter ziehen sich durch das ganze Buch durch. Man wird selbst schon beim Lesen ganz durchnässt, vom Winde verweht und schrecklich durchgefroren. Kurz nach ihrer Ankunft kommt es zu einem fürchterlichen Streit zwischen Henry und Malte, in dem sie aufeinander losgehen. Malte läuft in das Unwetter hinaus und ward nie mehr gesehen, trotz intensivster Suche. Und mit ihm das Boot, mit dem man aufs Festland hätte fahren und Hilfe holen können. Dann fällt auch noch der Funkmast aus. Das belastet die Gruppe enorm, zumal Lara mehrmals einen Unbekannten in der Nachbar-Warft sowie in ihrem Schlafzimmer gesehen haben will, Untereinander misstraut man sich auch reichlich, insbesondere Lara wird von einem stärker werdenden Misstrauen Henry gegenüber geplagt. Nicht nur das Wetter wird immer mehr zur Katastrophe, auch was sich in der Gruppe ereignet. Sehr emotional und spannend geschrieben, sehr eindringlich und anschaulich bis zum dramatischen Schluss.

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Veröffentlicht am 25.02.2026

Spannende Exkurse

Commissario Leone und die Toten von Rom
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Da muss eine ungeheure Wut im Spiel gewesen sein bei dem Toten auf dem nicht katholischen Friedhof im Rom, auf dem mehr Engländer und Verstorbene anderer Nationalitäten als Römer begraben sind, wie man ...

Da muss eine ungeheure Wut im Spiel gewesen sein bei dem Toten auf dem nicht katholischen Friedhof im Rom, auf dem mehr Engländer und Verstorbene anderer Nationalitäten als Römer begraben sind, wie man in einem kleinen Exkurs erfährt. Der Tote wurde bis zur Unkenntlichkeit erschlagen. Quasi übertötet. Und nicht nur dass: Der Tote war ein bekannter Politiker, Minister, und angeblich sehr beliebt. Aber wie immer, wenn von Toten in den höchsten Tönen gelobt wird, gibt es da auch eine Kehrseite der Medaille. In wieweit das hier zum Tod geführt hat, gilt es, herauszufinden. Sowohl vom Tod, als auch von ebendieser Kehrseite erfährt die Presse früher, als gewollt, was die Ermittler erheblich unter Druck setzt. Es gibt eine Zeugin, die aber schweigt. Es hätten weitere Tote bzw. versuchte Totschläge verhindert werden können. So aber versuchen Enzo Leone und sein Team unter den vielen Verdächtigen und Motiven die Spreu vom Weizen zu trennen. Ruhig und zügig erzählt, mit schnellen Szenenwechseln und vielen Details zu diesem speziellen Friedhof, der Katzencommunity dort, zu Roms Geschichte insgesamt. Diese kleinen „Exkurse“ sind sehr erfrischend und lehrreich. Die Spannung bleibt bis zum Schluss, der dann noch mal eine neue Wendung bietet.

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Veröffentlicht am 24.02.2026

Unterhaltsam

Mira Belgusto und die tote Winzerin
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Man liest sich hungrig - oder extrem satt - je nach Blickwinkel. Dem Kulinarischen wird viel Raum eingeräumt, den Destinationen auch. Eine Reiselektüre mit Schwerpunkt Essen und Trinken. Aber eben auch ...

Man liest sich hungrig - oder extrem satt - je nach Blickwinkel. Dem Kulinarischen wird viel Raum eingeräumt, den Destinationen auch. Eine Reiselektüre mit Schwerpunkt Essen und Trinken. Aber eben auch ein Krimi, denn Mira und ein bekannter Fernsehmoderator (ausgerechnet mit Namen Claudio Bertami: die Mon Cheri Werbung lässt grüßen) stolpern auf dem Rückweg von einer Weinverkostung über eine herrenlose Hündin, die aber offenbar kein Streuner ist. Anhand der Marke können sie die Adresse ausfindig machen, um die Hündin ihren Besitzern zu übergeben. Dort finden sie eine offenbar erschlagene Frau vor und eine völlig konfuse Frau, die angibt, deren Freundin und auf der Suche nach deren Hündin zu sein. Und da sie schon mal involviert sind, mischen sich die Beiden kräftig in die Ermittlungen ein, sehr zum Verdruss von Capitano Natalina Moro und Sottotenente Rezi. Ruhig, locker und leicht erzählt. Man kann trefflich miträtseln. Bei den vielen Gerichten, die Mira und Claudio während ihrer Laienermittlungen zu sich nehmen, bekommt man gleichzeitig Appetit und - ob der Mengen, die da vertilgt werden - das Gefühl, als würden die Pölsterchen am eigenen Leibe wachsen. Insgesamt eine unterhaltsame Lektüre.

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Veröffentlicht am 23.02.2026

Intensiv

Giftiger Grund
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Was verbindet Joran, Charu und Edda miteinander? Der eine gerade aus dem Knast entlassen, in dem er für sieben Jahre nach einem schrecklich schief gelaufenen Tankstellenüberfall einsaß. Die andere eine ...

Was verbindet Joran, Charu und Edda miteinander? Der eine gerade aus dem Knast entlassen, in dem er für sieben Jahre nach einem schrecklich schief gelaufenen Tankstellenüberfall einsaß. Die andere eine mittelmäßige Bloggerin, die Aufnahmen von Lost Places postet. Und dann noch das kleine Kind, das sich im Schlafgewand und Gummistiefeln nachts herumtreibt. Sie alle treffen sich in der Waschstraße einer aufgelassenen Tankstelle. Eben jener, die Ziel des Überfalls vor sieben Jahre war. Während Joran und Charu versuchen, ihr mehr oder minder verkorkstes Leben in den Griff zu bekommen, läuft Edda eindeutig vor etwas davon. In den allnächtlichen Treffen in der Waschstraße kommen sie allmählich ihren Geheimnissen auf die Spur und sich näher, nicht ohne dabei immer weiter in einem undurchdringlichen Sumpf zu versinken. Aus dem können sie sich gemeinsam retten, aber mit beträchtlichen Schäden, falls man das so bezeichnen möchte. Der Schluss gibt dann doch moralische Bedenken auf. Kriminalroman steht auf dem Cover. Das trifft es nicht. Es ist mehr eine spannende Aneinanderreihung der Beschreibung des Scheiterns von mehreren Leben. Lebenswege, die sich kreuzen und sich eine Weile begleiten, bevor sie sich wieder trennen und den künftigen Weg alleine, mit etwas positiveren Zeichen weiter beschreiten. Aber zu welchem Preis! Sehr intensiv geschrieben, aus wechselnder Sicht der drei Protagonisten. Ein bisschen literarisch.

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