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Veröffentlicht am 01.06.2026

Venez - Kommen Sie

The Artist
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1920: Der junge Journalist Joseph Adelaide will seinem tristen Leben in London entrinnen und bittet den seit Jahren aus der Öffentlichkeit verschwundenen französischen Maler Tartuffe schriftlich um ein ...

1920: Der junge Journalist Joseph Adelaide will seinem tristen Leben in London entrinnen und bittet den seit Jahren aus der Öffentlichkeit verschwundenen französischen Maler Tartuffe schriftlich um ein Interview. Er kann sein Glück kaum fassen, als er die knappe Antwort erhält: Venez – Kommen Sie! Was ihn in der Provence erwartet, hätte er sich anders vorgestellt. Tartuffe, ein wortkarger, griesgrämiger und ganz und gar egozentrischer Mann, lebt in einem heruntergekommenen Bauernhaus außerhalb eines kleinen Dörfchens. Versorgt wird er von seiner Nichte Ettie, die für ihn kocht und putzt und dafür sorgt, dass seine Malutensilien parat liegen. Ettie erscheint wie ein Schatten, hält sich still im Hintergrund. Auch Joseph, den Tartuffe als Modell für sein neuestes Werk auserkoren hat, muss stundenlang in unbequemer Stellung stillsitzen. Er beobachtet den Maler genau, schließlich ist der Hauptzweck seines Aufenthalts, über den großen Meister und seine Herangehensweise an die Kunst zu schreiben.
Lucy Steeds versteht es in ihrem Debütroman hervorragend, die Atmosphäre in dem staubigen und heruntergekommen Künstlerdomizil und die drückend schwüle Hitze der Provence heraufzubeschwören. Vieles ist unausgesprochen, beispielsweise, was den Künstler dazu bewogen hat, Paris zu verlassen und ein Einsiedlerleben in der Provence zu führen. Auch die Rolle von Ettie wirft Fragen auf. Sie unterwirft ihre eigenen Bedürfnisse komplett denen des Onkels, der sie denkbar schlecht behandelt. Joseph fühlt sich schnell von der rätselhaften Ettie angezogen und spürt, dass auch sie vieles vor ihm verbirgt.
Ich fand den Roman von Anfang an faszinierend. Im Prolog erfahren wir, dass Tartuffes Werke mit einer Ausnahme in einem Brand zerstört wurden, danach beginnt erst die eigentliche Geschichte um Tartuffe, Ettie und Joseph. Der Mittelteil zieht sich ein wenig in die Länge, die bleierne Hitze und die unausgesprochenen Konflikte drückten auf meine Stimmung, und doch musste ich fast zwanghaft weiterlesen, um zu erfahren, was genau Ettie dazu bringt, diesem Gefängnis nicht so schnell wie möglich zu entfliehen. Der Schluss ist teilweise nicht wirklich überraschend, ein Detail setzt allerdings einen fulminanten Schlusspunkt.
Ein sprachlich versierter, atmosphärisch dichter Roman. Lesenswert!

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Veröffentlicht am 05.05.2026

Abwechslungsreiches Buch mit vielen guten Nachmachideen

Die Vorschulprofis: Wir sind die Großen in der Kita
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Alma, Pippa, Emil, Kisi und Aziz sind Vorschulkinder, die einmal in der Woche mit ihrem Erzieher Joschi etwas Besonderes basteln oder spielen und auch die Schule, in die sie nächstes Jahr gehen werden, ...

Alma, Pippa, Emil, Kisi und Aziz sind Vorschulkinder, die einmal in der Woche mit ihrem Erzieher Joschi etwas Besonderes basteln oder spielen und auch die Schule, in die sie nächstes Jahr gehen werden, besuchen. Dabei haben sie jede Menge Spaß und lernen viele neue Sachen. Sie erfinden selbst Spiele, bauen einen Vulkan, erfahren, dass man Knete auch selbst anrühren kann und lernen dabei spielerisch Sozialverhalten, schulen ihre Feinmotorik und Kreativität. Das Beste dabei ist, dass den einzelnen Kapiteln Seiten folgen, auf denen genau beschrieben ist, wie die Aktivitäten zuhause nachgemacht werden können und erklärt wird, welche Fähigkeiten durch die Aktivitäten trainiert werden. Wie es sich für ein Kinderbuch der Jetztzeit gehört, kommen die Vorschulkinder nicht nur aus klassischen Mutter-Vater-Kind(er)-Familien, sondern Pippa hat beispielsweise zwei Väter. Diese „political correctness“ in Kinderbüchern finde ich in diesem Fall ein wenig übertrieben, da ich in letzter Zeit schon mehrere Kinderbücher gekauft habe, in denen es entweder zwei Mütter oder zwei Väter gab. So wie diese Familienkonstellation früher gar nie in Kinderbüchern vorkam, ist sie meiner Meinung nach jetzt überrepräsentiert. Gut finde ich allerdings, dass eines der Kinder, Emil, ein Cochlea-Implantat hat und deshalb bei wilden Spielen nicht mitmachen kann. Auf diese Weise erfahren Kinder, dass es bei ihren Spielkameraden körperliche Einschränkungen geben kann und es Rücksicht zu nehmen gilt.
Das Buch ist liebevoll gestaltet und sehr farbenfroh. Die Sprache ist kreativ, was mir mal mehr, mal weniger gefallen hat. „Rappelzappelig“ und „nörgelmotzig“ ist ja ganz nett und lautmalerisch, aber „es riecht nudelig“? Über einen QR-Code gelangt man zum Vorschullied, dessen eingängige Melodie wohl jeder kennt. Hier hätte ich allerdings eine Bande von Vorschulkindern erwartet, die das Lied vorsingt, und nicht die Autorin.
Alles in allem finde ich das Buch allerdings sehr gelungen. Es gibt eine Fülle von Anregungen, von denen wir mit Sicherheit viele aufgreifen werden (zum Beispiel das „Wehe, du lachst“ Spiel)! Ein Buch, das sich hervorragend als Geburtstagsgeschenk für ein Vorschulkind eignet.

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Veröffentlicht am 21.03.2026

Warum leuchtet der Mond?

Kleine und große Wunder des Weltalls
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Als ich das Buch „Kleine und große Wunder des Weltalls“ des Carlsen Verlags zum ersten Mal durchgeblättert habe, hatte ich die Befürchtung, meinen fast fünfjährigen Enkel mit den geballten Informationen, ...

Als ich das Buch „Kleine und große Wunder des Weltalls“ des Carlsen Verlags zum ersten Mal durchgeblättert habe, hatte ich die Befürchtung, meinen fast fünfjährigen Enkel mit den geballten Informationen, die in diesem Buch präsentiert werden, zu überfordern. Doch ich hätte mir keine Gedanken zu machen brauchen, denn er stürzte sich mit Begeisterung auf die Seiten und ich bin erstaunt, wie viel Fachwissen bei ihm hängenbleibt. So erklärte er später seinen Eltern, wieso der Mond leuchtet und warum Pluto traurig ist. Sehr hilfreich sind die schönen Illustrationen, zum Beispiel die schwitzende Venus, die anschaulich zeigt, wie heiß es auf ihrem Planeten ist! Auch das Kapitel über die Milchstraße muss ich immer wieder vorlesen, vor allem schwarze Löcher, die alles verschlucken, findet er faszinierend. Im Übrigen bietet das Buch auch für Erwachsene so manche neue Information. Ich hatte zumindest noch nie von der Oortschen Wolke gehört!
Wir haben noch längst nicht alle Kapitel gelesen und dieses schöne und informative Buch wird uns sicher noch lange begleiten! Herausheben möchte ich noch die wirklich ansprechende Gestaltung und den stabilen Einband mit Golddruck, auf dem sich die Planeten um die Sonne scharen. Ein schönes und lehrreiches Buch für wissbegierige Kinder.

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Veröffentlicht am 15.01.2026

Auf der Suche nach der eigenen Identität

Niemands Töchter
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Judith Hoerschs Debütroman „Niemands Töchter“ handelt von vier Frauen, Marie, Gabriele, Alma und Isabell. Am Anfang fand ich es ausgesprochen verwirrend, zwischen den Kapiteln, die aus der Sicht der einzelnen ...

Judith Hoerschs Debütroman „Niemands Töchter“ handelt von vier Frauen, Marie, Gabriele, Alma und Isabell. Am Anfang fand ich es ausgesprochen verwirrend, zwischen den Kapiteln, die aus der Sicht der einzelnen Frauen erzählt werden, hin- und herzuspringen, zumal auch die Zeitebenen ständig wechseln. Auch die Beziehung der Frauen untereinander ist lange unklar. Nachdem ich den Versuch aufgegeben habe, die Puzzlestücke zeitlich einzuordnen, und einfach darauf vertraut habe, dass alles irgendwann Sinn ergibt, fand ich das Buch deutlich angenehmer zu lesen.
Es geht um die Themenbereiche „wer bin ich und wo gehöre ich hin?“. Alma spürt schon seit ihrer frühen Kindheit in ihrer Familie, die aus Mutter und Großeltern besteht, dass sie nicht nur äußerlich anders ist. Die Frage nach dem Vater wird ausweichend beantwortet. Als sie als junge Frau erfährt, dass sie adoptiert ist, bricht sie den Kontakt zur Mutter ab und zieht nach Berlin. Diesen Teil der Geschichte konnte ich nicht ganz nachvollziehen. Warum dieser unerbittliche Bruch mit der Adoptivmutter, die doch alles für ihr Kind getan hat?
Isabell, die andere Tochter in der Geschichte, wächst mit Mutter und Vater gutsituiert in Berlin auf. Der Vater, ein erfolgreicher Arzt, ist an seiner Tochter nicht sonderlich interessiert und betrachtet Isabells Mutter mehr oder weniger als „trophy wife“, eine hübsche Frau, mit der man angeben kann. Als diese stirbt, bricht für die zehnjährige Isabell eine Welt zusammen.
Das Schicksal führt Alma und Isabell beide in dieselbe psychotherapeutische Praxis. Die beiden lernen sich kennen und merken, dass sie viel mehr gemeinsam haben als geahnt.
Obwohl ich mich mit keiner der Personen wirklich identifizieren konnte und so manche Entscheidung für mich nicht nachvollziehbar war, hat mich die Geschichte gefesselt. Der Schreibstil ist packend, die Personen und ihre Lebenssituationen gut beschrieben. Vor allem Almas Kindheit in einem kleinen Dorf in der Eifel im Haus ihrer bodenständigen Großeltern fand ich äußerst realistisch dargestellt. Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 26.08.2025

Bis dass der Tod euch scheidet

Very Bad Widows
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Pam, Marlene, Shalisa und Nancy sind seit über dreißig Jahren befreundet. Gemeinsam mit ihren Ehemännern verbringen die vier viel Zeit miteinander und führen ein angenehmes Leben ohne Geldprobleme. Nachdem ...

Pam, Marlene, Shalisa und Nancy sind seit über dreißig Jahren befreundet. Gemeinsam mit ihren Ehemännern verbringen die vier viel Zeit miteinander und führen ein angenehmes Leben ohne Geldprobleme. Nachdem die Ehemänner vor ein paar Jahren bei einer riskanten Investition ihr Erspartes in den Sand gesetzt haben, hängt jedoch der Ehesegen schief. Im Übrigen hat sich bei allen vier Paaren im Laufe der Jahre Routine breitgemacht und vom großen Glück ist nicht mehr viel zu spüren.
Als Marlenes Ehemann Dave bei einem Unfall stirbt und Marlene überraschenderweise eine hohe Lebensversicherungssumme ausbezahlt bekommt, die ihr ein sorgloses Leben sichert, kommen die anderen drei ins Grübeln. Wäre es nicht schön, ebenfalls so viel Geld zur Verfügung zu haben? Durch Zufall erfahren sie, dass auch ihre Ehemänner die entsprechenden Lebensversicherungen abgeschlossen haben…
„Very Bad Widows“ ist eine höchst amüsante und schräge Krimikomödie, die hoffentlich verfilmt wird. Sie überrascht immer wieder durch unterwartete Wendungen. Allerdings hätte sie für meine Begriffe etwas kürzer ausfallen dürfen, das letzte Drittel ist doch ziemlich langatmig und das Ende ein bisschen zu bonbonrosa. Aber alles in allem war es die perfekte Sommerlektüre.

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