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Veröffentlicht am 10.05.2026

Island im Jahre 1949

Moosland
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Im Sommer 1949 kamen knapp dreihundert junge, ledige deutsche Frauen im Alter zwischen zwanzig und dreißig Jahren nach Island, um dort auf Höfen zu arbeiten. Diese Maßnahme war nötig, da es während des ...

Im Sommer 1949 kamen knapp dreihundert junge, ledige deutsche Frauen im Alter zwischen zwanzig und dreißig Jahren nach Island, um dort auf Höfen zu arbeiten. Diese Maßnahme war nötig, da es während des Krieges und danach in Island zu einer regelrechten Landflucht kam. So tauchten auch Frauen, die bisher in der Stadt lebten, nicht nur in ein neues Land, sondern auch sonst in jeder Hinsicht in eine ganz neue Welt ein.
Diese jungen Frauen mussten also nicht nur den Krieg hinter sich lassen, sondern sich auch in einem völlig neuen und fremden Land und in einer völlig neuen und fremden Welt zurechtfinden. Eine völlig neue und fremde Sprache kam hinzu, dass die Frauen schon deshalb sehr alleine waren, weil sie nicht mit den Isländern reden konnten. Viele von ihnen lebten nie zuvor auf dem Land und auf einem Hof und hatten keine Ahnung, was sie erwartet. Und das Island der damaligen Zeit war zudem ganz anders als das Island, das wir heute kennen.
Erstaunlich viele dieser Frauen fanden sich erstaunlich schnell und gut zurecht und blieben auf der Insel. Doch es gab auch die, die Schwierigkeiten hatten. Von einer solchen Frau erzählt Katrin Zipse in "Moosland". Diese Frau ist Elsa. Wir begleiten sie ab ihrer Ankunft auf der Insel eine ganze Weile - ihre Gefühle und Gedanken, ihren Alltag, ihr Leben, ihre Entscheidungen, wir lernen auch die Familie, der der Hof gehört und mit der sie zusammenlebt, sehr gut kennen ...
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Obwohl ich Island liebe, hatte ich noch nie zuvor von diesen Frauen, die damals auf die Insel kamen, gehört. Ich fand es sehr spannend, darüber zu lesen. Dass man so viel über sie und alles, was damit zu tun hat, erfährt liegt auch an dem hervorragenden und wirklich lesenswerten Nachwort der Autorin. Auch dies war ein Highlight für mich. Auch deshalb hat sich "Moosland" gelohnt.
Überhaupt fand ich diese Idee sehr spannend, wichtig und gut. Katrin Zipse lässt Geschichte wieder lebendig werden bzw. macht Geschichte überhaupt sichtbar und beleuchtet, wie es ist, sich nach dem Krieg als junge Frau in einem völlig fremden Land, einer völlig fremden Welt, einer völlig fremden Sprache zurechtfinden zu müssen. Dies ist ihr jedenfalls über weite Strecken sehr gut gelungen. Andererseits blieben mir sowohl Elsa als auch diese isländische Familie aber leider auch streckenweise einfach zu fremd und distanziert, hatte ich leider streckenweise keinerlei Verbindung zu ihnen, sondern habe nur oberflächlich gelesen. Dies auch deshalb, weil der Roman meiner Meinung nach leider immer wieder Längen aufweist. Auch deshalb fiel es mir stellenweise leider schwer, dranzubleiben, und war ich froh, als ich dann die letzte Seite gelesen hatte. Sehr schade, denn auch Katrin Zipses Schreibstil fand ich großartig. Sie erzählt nüchtern, aber doch extrem atmosphärisch und bildhaft. Ich habe die Atmosphäre dieses Romans geliebt.
Fazit: Tolle Idee, toller Schreibstil, aber leider mit Längen und daher nicht ganz überzeugend.
Wer aber gute Literatur, Romane der leisen Töne liebt und nach Island reisen und mehr über das Land, die Leute und die Frauen, die damals nach Island kamen, und damit auch über die Geschichte erfahren möchte, dem kann man "Moosland" nur empfehlen! Obwohl ich am Ende leider nicht ganz überzeugt war, hat sich die Lektüre doch gelohnt.

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Veröffentlicht am 04.05.2026

Zu märchenhaft und zu düster

Flora Brimble und der verlorene Frühling
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Eine Geschichte, die in dem englischen Dorf Rye beginnt - hier wohnt Flora Brimble.
Flora liebt es, Geschichten zu schreiben. Eines Tages findet sie sich selbst inmitten einer solchen wieder, nachdem der ...

Eine Geschichte, die in dem englischen Dorf Rye beginnt - hier wohnt Flora Brimble.
Flora liebt es, Geschichten zu schreiben. Eines Tages findet sie sich selbst inmitten einer solchen wieder, nachdem der Winter einfach nicht mehr enden wollte und sie loszog, um den Frühling zu suchen. Nur die Maikönigin kann ihn zurückbringen - also muss Flora die Maikönigin finden. Auf ihrer Reise und Suche ist Flora nicht alleine, denn sie begegnet u.a. einem anderen Mädchen, Harriet, einem Kobold und einem Eichhörnchen.
Doch auf dem Weg zu ihrem Ziel müssen sie Dunkelheit und Kälte und eine entsprechende Gegnerin besiegen ...
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"Flora Brimble" ist ein Buch, auf das wir uns sehr gefreut hatten und das wir so gerne geliebt hätten, das uns letztlich aber leider nicht wirklich überzeugen und begeistern konnte.
Das Cover ist wunderschön, ebenso die Illustrationen zu Beginn eines jeden Kapitels, die Leseprobe war so gut ... vielleicht waren die Erwartungen dadurch zu hoch.
Marcus Raffels Schreibstil ist wirklich großartig - er hat mir als Erwachsener mit am besten an diesem Buch gefallen. Raffel schreibt anspruchsvoll, aber doch angenehm und flüssig lesbar, und sein Schreibstil macht diese Geschichte unglaublich atmosphärisch und bildhaft.
Die Figuren sind gelungen, v.a. Flora und Harriet sowie das Eichhörnchen.
Der Beginn der Geschichte, der in Rye spielt, hat uns noch richtig gut gefallen, aber leider änderte sich das dann schnell.
Uns war die Geschichte insgesamt erstens zu märchenhaft, was uns schon nicht gefallen hat. Wenn man Märchen lesen will, greift man zu einem Märchen, wenn man andere Geschichten lesen will, greift man zu anderen Büchern ... wir haben nicht erwartet und nicht damit gerechnet, dass "Flora Brimble" so sehr einem Märchen ähnelt.
Zweitens ist die Geschichte leider auch sehr düster. Schon mir war das zu viel, den Kindern noch mehr.
Das Buch wird ab 10 Jahren empfohlen ... ich bin nicht sicher, ob dieses empfohlene Lesealter wirklich passt. Man sollte das sehr individuell entscheiden. Ich kenne viele Kinder, denen ich dieses Buch nicht schon mit 10 Jahren geben würde. Wenn, dann nur, wenn man darüber spricht oder gleich zusammen liest - aber selbst zum Vorlesen wäre das für viele Kinder, die ich kenne, zu früh. Man sollte das Buch also am besten zuerst selbst lesen und dann entscheiden, wann man es seinen Kindern vorlesen oder geben möchte.
Wir waren also leider eher enttäuscht von "Flora Brimble" und landen bei 3-3,5 Sternen.
Fantasy, Magie, Freundschaft, Licht und Schatten, Angst und Mut, Menschen, Tiere und Natur, Spannung, Gefahr und ein großes Abenteuer stehen hier im Mittelpunkt.

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Veröffentlicht am 29.03.2026

Enttäuschend

Der Briefladen, in dem die Zeit stillstand
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Vielleicht lag es an diesem Roman, vielleicht ist man aktuell generell etwas übersättigt, was Romane aus Japan und auch aus Korea betrifft, vielleicht trifft beides zu ... ich weiß es nicht.
Was ich aber ...

Vielleicht lag es an diesem Roman, vielleicht ist man aktuell generell etwas übersättigt, was Romane aus Japan und auch aus Korea betrifft, vielleicht trifft beides zu ... ich weiß es nicht.
Was ich aber weiß, ist, dass "Der Briefladen, in dem die Zeit stillstand" mich leider nicht überzeugt hat und eine ziemliche Enttäuschung für mich war.
Ich hatte mich auf den Roman gefreut, da der Klappentext nach einer sehr schönen und berührenden Geschichte klang. Da ich selbst schon seit meiner Kindheit und Jugend Brieffreundinnen in aller Welt habe und Briefe und Brieffreundschaften liebe, schien es der perfekte Roman für mich zu sein. Das konnte nur gut werden ... dachte ich.
Leider hielt der Inhalt nicht, was der Klappentext versprach. Ja, es geht um diesen Briefladen, um Menschen, die Briefe schreiben, um Brieffreundschaften ... aber: der Klappentext klang nach einem berührenden Roman. Ich konnte aber leider keinerlei Verbindung aufbauen, weder zur Handlung noch zu den Figuren. Mir blieb alles sehr distanziert und vage. Es berührte mich leider einfach gar nicht.
Immerhin lässt sich der Schreibstil der Autorin gut lesen, stets angenehm und flüssig. Aber das war es leider auch schon.
Wer eine Liebeserklärung an das Briefeschreiben sucht, generell Lust auf einen typisch koreanischen/asiatischen Roman hat, der sollte es vielleicht auf einen Versuch ankommen lassen, da die Geschmäcker bekanntlich verschieden sind.
Ich war leider froh, als die letzte Seite gelesen war, und blieb ziemlich enttäuscht und unbefriedigt zurück, da ich viel mehr von "Der Briefladen, in dem die Zeit stillstand" erwartet hatte. Die Idee ist toll, aber die Umsetzung ist leider nicht gelungen.

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Veröffentlicht am 22.03.2026

Viel Potenzial, nicht ganz ausgeschöpft

Unter Wasser
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Als Kind zieht Marissa mit ihrem Vater, einem Meeresbiologen, nach Thailand. Dort lernt sie Arielle kennen. Die beiden Mädchen werden unzertrennlich. Es ist eine wunderschöne Freundschaft. Es ist ein Leben ...

Als Kind zieht Marissa mit ihrem Vater, einem Meeresbiologen, nach Thailand. Dort lernt sie Arielle kennen. Die beiden Mädchen werden unzertrennlich. Es ist eine wunderschöne Freundschaft. Es ist ein Leben in atemberaubender Natur. Doch dann kommt der 25. Dezember 2004 ... Marissa überlebt knapp, Arielle stirbt.
Jahre später wird Marissa in den USA erneut mit einer Naturkatastrophe konfrontiert - und alle Erinnerungen an Arielle, Thailand und diesen Tag im Jahre 2004 kehren mit aller Macht zurück ...

Der Roman wird aus Marissas Sicht erzählt, auf zwei Zeitebenen und an zwei Orten - Thailand Ende 2004 und New York Ende 2012.

Der Schreibstil der Autorin gefiel mir unglaublich gut; er ist unglaublich gut! Auch die ganzen Naturbeschreibungen sind großartig. Der Roman ist sehr atmosphärisch.
Diese Kindheit, diese Freundschaft, diese Naturkatastrophe, die uns allen noch in Erinnerung ist, die Trauer, das Weiterleben, die Themen, die Marissa beschäftigen und um die es in "Unter Wasser" geht ... dieses Werk hat so viel Potenzial.
Und doch wurde dieses Potenzial in der Umsetzung leider nicht ganz ausgeschöpft, konnte mich "Unter Wasser" letztlich doch nicht ganz überzeugen.
Meiner Meinung nach hat die Autorin einfach zu viele Themen und Problematiken in diese knapp über 200 Seiten gepackt. Weniger wäre hier eindeutig mehr gewesen, denn so wirkt dieser Roman einfach überfrachtet und werden zu viele Dinge nur angekratzt.
Oftmals plätschert die Geschichte leider auch eher vor sich hin.
Und leider blieben mir persönlich sowohl die Figuren als auch die Handlung zu fremd und distanziert.

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Veröffentlicht am 20.02.2026

Netter Auftakt, jedoch mit Luft nach oben

Mord & Breakfast
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Melody Moss, eine Journalistin, verliert ihren Job in London - und erbt kurz darauf das Bed & Breakfast ihrer Tante Mabel an der Ostküste Schottlands.
Angeblich ein Unfall - Mabel soll sich auf der Terrasse ...

Melody Moss, eine Journalistin, verliert ihren Job in London - und erbt kurz darauf das Bed & Breakfast ihrer Tante Mabel an der Ostküste Schottlands.
Angeblich ein Unfall - Mabel soll sich auf der Terrasse zu weit über die Blumen gebeugt haben und so die Klippen hinabgestürzt sein. Doch Melody glaubt, dass es Mord war, da Mabel viele Feinde hatte. Sie beobachtete alles und jeden, erpresste die Leute mit ihrem Wissen ... es gibt viele Verdächtige und Motive.
Und so macht Melody sich daran, den Tod ihrer Tante aufzuklären ...
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Ich liebe cosy crime, lese jedoch meist den Schauplatz England, sodass Schottland eine schöne Abwechslung war. Die Hoffnung auf eine tolle neue Reihe war groß.
Anne Gordons Schreibstil ist ok, nicht herausragend, aber guter Durchschnitt und angenehm und flüssig lesbar.
Die Figuren, die Handlung, der Aufbau ... konnten mich nicht ganz überzeugen. Alles bleibt recht simpel, keine der Figuren sticht besonders hervor, keine bleibt besonders in Erinnerung - und auch der Fall an sich ist alles andere als spektakulär. Überraschende, geniale Wendungen gibt es nicht, die Auflösung ist relativ früh klar und somit vorhersehbar.
Insgesamt also ein solider cosy crime - weder besonders gut noch besonders schlecht. Das erhoffte Highlight war es für mich leider nicht.
Dennoch ist es ein Auftakt, der einem ein paar nette Lesestunden schenkt. Die Kulisse und die Atmosphäre haben mir wie gesagt gefallen.
Den Kitsch am Ende, das rosarote happy end, fand ich ehrlich gesagt nicht wirklich passend. Das hat mir ebenfalls weniger gut gefallen.
Dennoch bin ich gespannt auf Melody´s nächsten Fall, der im Frühjahr 2027 erscheint und interessant klingt. Ich werde die Reihe vorerst weiter verfolgen - vielleicht kann die Autorin sich ja noch steigern.
Lesern, die cosy crime lieben, könnte dieser erste Mord & Breakfast-Band trotz der Kritikpunkte gefallen.

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