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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 23.03.2026

interessante Frauen

Niemands Töchter
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„Niemands Töchter“ ist ein beeindruckendes Debüt, das mich trotz kleinerer Längen sehr berührt hat. Der Roman erzählt von Alma, die in den 80er-Jahren in der Eifel aufwächst und sich in ihrer eigenen Familie ...

„Niemands Töchter“ ist ein beeindruckendes Debüt, das mich trotz kleinerer Längen sehr berührt hat. Der Roman erzählt von Alma, die in den 80er-Jahren in der Eifel aufwächst und sich in ihrer eigenen Familie fremd fühlt, weil ihre Herkunft von einem hartnäckigen Schweigen umgeben ist. Parallel dazu begleitet man Isabell im Jahr 2019 in Berlin, die unter dem Verlust ihrer Mutter leidet und merkt, wie sehr diese Leerstelle ihr ganzes Leben beeinflusst. Als sich die Lebenswege der beiden Frauen schließlich auf besondere Weise verbinden, entsteht eine generationenübergreifende Geschichte über Identität, Verlust und die Suche nach einem Platz im Leben.

Was mir besonders gefallen hat, ist die ruhige, sensible Art, mit der Themen wie Familiengeheimnisse und Selbstfindung erzählt werden. Man muss sich Zeit nehmen und auch zwischen den Zeilen lesen, um die volle Tiefe zu erfassen – das ist kein Buch, das man einfach so „wegsuchtet“. An manchen Stellen plätschert die Handlung etwas dahin, doch genau dieses entschleunigte Erzählen passt auch zur Stimmung der Geschichte.

Trotz kleinerer Längen habe ich das Buch sehr gern gelesen. Es entfaltet eine leise, aber nachhaltige Wirkung und bleibt noch eine Weile im Kopf. Ein gelungenes Debüt, das neugierig auf mehr macht

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Veröffentlicht am 23.03.2026

spannender Jugendthriller

Revenge
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Mit „Revenge. Heute Abend bist du tot“ hat Svenja Diel einen spannenden Jugendthriller geschrieben, der mich schnell in seinen Bann gezogen hat. Das Buch ist sehr gut lesbar und genau auf die Zielgruppe ...

Mit „Revenge. Heute Abend bist du tot“ hat Svenja Diel einen spannenden Jugendthriller geschrieben, der mich schnell in seinen Bann gezogen hat. Das Buch ist sehr gut lesbar und genau auf die Zielgruppe zugeschnitten – spannend, emotional und mit Themen, die Jugendliche ernst nehmen.

Im Mittelpunkt stehen Liv, Sara und Vince, deren Leben sich schlagartig verändert, als sie in Köln Zeugen eines brutalen Verbrechens werden: Ein Schuss in einer Tankstelle reißt sie aus ihrem Alltag und plötzlich geraten sie mitten in eine Situation voller Angst, Schuldgefühle und Adrenalin. Während die Polizei versucht herauszufinden, was wirklich passiert ist, müssen die drei Jugendlichen selbst mit den Folgen kämpfen – mit Gewalt, traumatischen Erfahrungen und dunklen Geheimnissen aus der Vergangenheit. Freundschaft wird dabei gleichzeitig zum Halt und zur Belastungsprobe, denn nicht mehr jeder scheint die Wahrheit zu sagen.

Besonders gut gefallen haben mir die wechselnden Perspektiven. Dadurch bekommt man einen viel besseren Einblick in die Gedanken und Gefühle der Figuren und versteht nach und nach, wie alles zusammenhängt. Das sorgt auch dafür, dass die Spannung konstant hoch bleibt.

Der Thriller behandelt durchaus schwere Themen, bleibt dabei aber immer altersgerecht erzählt. Genau deshalb funktioniert er für mich so gut als Jugendthriller: spannend, emotional und mit Figuren, mit denen man mitfiebern kann.

Insgesamt ein packendes und gut geschriebenes Buch für junge Thrillerfans – von mir gibt es 4 Sterne

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Veröffentlicht am 22.02.2026

Freundschaft

Spielverderberin
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Spielverderberin von Marie Menke ist für mich vor allem eines: ein sprachliches Highlight. Selten habe ich einen Roman gelesen, der Atmosphäre so dicht und zugleich so feinfühlig einfängt.

Im Zentrum ...

Spielverderberin von Marie Menke ist für mich vor allem eines: ein sprachliches Highlight. Selten habe ich einen Roman gelesen, der Atmosphäre so dicht und zugleich so feinfühlig einfängt.

Im Zentrum steht eine intensive Dreierfreundschaft. Sophie und Lotte kennen sich seit Kindheitstagen, aufgewachsen in derselben ländlichen Bauerschaft im Süthland. Ihre Verbindung ist tief verwurzelt, fast selbstverständlich. Erst in der Oberstufe kommt Romy dazu – Großstadt, wilder, freier, unberechenbarer. Zwischen den drei jungen Frauen entsteht eine Mischung aus Bewunderung, Begehren, Konkurrenz und Abhängigkeit. Diese neue Konstellation wirkt elektrisierend – und gleichzeitig fragil.

Was zunächst nach jugendlicher Nähe klingt, entwickelt sich zu einer obsessiven Dynamik. Als sie versuchen, ihre Freundschaft in ihre frühen Zwanziger und nach Köln hinüberzuretten, geraten alte Muster ins Wanken. Die Stadt bietet neue Freiheiten, aber auch neue Unsicherheiten. Und als Romy plötzlich verschwindet, brechen alte Konflikte auf. Zwischen all den sommerlichen Erinnerungen an Baggerseen, Hitze und verschwitzte Haut liegt auch eine Nacht verborgen, über die nicht gesprochen werden darf – und die doch alles überschattet.

Ich fand alle drei Charaktere unglaublich gut gezeichnet. Keine ist nur Opfer oder Täterin, keine eindeutig sympathisch oder unsympathisch. Jede bringt ihre eigene Verletzlichkeit, ihre eigenen Sehnsüchte und Abgründe mit. Gerade diese Ambivalenz macht das Buch so stark.

Besonders beeindruckt hat mich die Sprache. Bildreich, sinnlich, manchmal beinahe poetisch – und doch nie überladen. Marie Menke schafft es, Zartheit und Bedrohung gleichzeitig spürbar zu machen. Man fühlt sich beim Lesen regelrecht hineingezogen in diese flirrende, leicht beklemmende Atmosphäre zwischen Dorfjugend und Großstadtanonymität.

Warum „nur“ vier Sterne? Die emotionale Intensität ist durchgehend hoch, fast schon drückend. Manchmal hätte ich mir etwas mehr Distanz oder einen ruhigeren Gegenpol gewünscht. Doch das ändert nichts daran, dass „Spielverderberin“ ein starkes, sprachlich herausragendes Buch über Freundschaft, Macht und die dünne Linie zwischen Nähe und Zerstörung ist.

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Veröffentlicht am 22.02.2026

charmanter Wohlfühlroman

Mathilde und Marie
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„Mathilde und Marie“ ist ein warmherziger, leiser Roman, der mich mit seinem Setting und seiner Atmosphäre sofort für sich eingenommen hat – auch wenn er für mich nicht ganz so perfekt war, wie viele andere ...

„Mathilde und Marie“ ist ein warmherziger, leiser Roman, der mich mit seinem Setting und seiner Atmosphäre sofort für sich eingenommen hat – auch wenn er für mich nicht ganz so perfekt war, wie viele andere Stimmen es beschreiben.

Die Geschichte spielt in Redu, diesem kleinen Bücherdorf in den belgischen Ardennen, in dem die Uhren gefühlt langsamer ticken. Umgeben von Wäldern, Flüssen und Hügeln scheint die Zeit hier kein Feind, sondern ein alter Bekannter zu sein. Es gibt nur einen Fernseher im Ort, das Internet ist streng limitiert, und selbst der schiefe Kirchturm mit seiner unzuverlässigen Uhr wird eher mit einem Achselzucken als mit Sorge betrachtet. Dieses leicht aus der Welt gefallene Dorf hat einen ganz eigenen Zauber – entschleunigt, eigenwillig und voller kleiner Schrullen.

Als die junge Französin Marie ins Dorf kommt, bringt sie frischen Wind mit. Mit ihr zieht nicht nur der Frühling ein, sondern auch Bewegung in die festgefahrenen Strukturen. Besonders Mathilde, die eher mürrisch und zurückgezogen durchs Leben geht, kann sich dieser Veränderung nicht entziehen. Die Annäherung zwischen den beiden ist zart erzählt, voller leiser Momente und kleiner Gesten.

Vom Flair her hat mich das Buch stellenweise sehr an Der Buchspazierer von Carsten Henn erinnert: Diese Liebe zu Büchern, dieses Gefühl von Gemeinschaft, diese sanfte Melancholie, gepaart mit Hoffnung und Menschlichkeit. Auch hier stehen zwischenmenschliche Begegnungen im Mittelpunkt, die zeigen, wie sehr wir einander brauchen – selbst (oder gerade) in den ruhigsten Winkeln der Welt.

Warum „nur“ vier Sterne? So sehr ich die Atmosphäre genossen habe, so sehr blieb für mich manches ein wenig vorhersehbar. Die Entwicklung war süß und stimmig, aber selten überraschend. Ich habe mich wohlgefühlt beim Lesen – aber ich wurde emotional nicht ganz so tief getroffen, wie ich es mir erhofft hatte.

Trotzdem ist „Mathilde und Marie“ ein charmanter Wohlfühlroman über Neuanfänge, über das Auftauen alter Herzen und darüber, dass es manchmal nur eine Person braucht, um ein ganzes Dorf – oder zumindest einen einzelnen Menschen – wieder zum Blühen zu bringen. Süß, warm und absolut lesenswert.

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Veröffentlicht am 22.02.2026

irre und liebenswert

Die Enthusiasten
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Die Enthusiasten ist ein großartiges, völlig verrücktes und dabei unglaublich liebenswertes Buch. Eines von denen, bei denen man als Leser:in irgendwann merkt: Entweder man lässt sich darauf ein – oder ...

Die Enthusiasten ist ein großartiges, völlig verrücktes und dabei unglaublich liebenswertes Buch. Eines von denen, bei denen man als Leser:in irgendwann merkt: Entweder man lässt sich darauf ein – oder man scheitert. Ich habe mich sehr gern darauf eingelassen.

Im Zentrum steht eine höchst ungewöhnliche Familie, in der Sprache, Geschichten und Bücher nicht einfach wichtig sind, sondern alles bedeuten. In diesem Haushalt hängen Bücherkonstruktionen von der Decke, Geschichten werden nicht nur erzählt, sondern gelebt, und Regeln der Realität gelten höchstens eingeschränkt. Drei Geschwister verbindet eine enge, fast symbiotische Beziehung, die von einem schmerzhaften Verlust überschattet wird – ein emotionaler Kern, der dem ganzen erzählerischen Wahnsinn Halt gibt.

Der Roman springt mit Begeisterung zwischen Figuren und Ideen: Ein fanatischer Laurence-Sterne-Leser begibt sich auf die absurde Suche nach einem angeblich verschollenen Band von Tristram Shandy, eine Teilchenphysikerin lauscht tief unter der Erde auf die leisesten Spuren Dunkler Materie, ein Filmbegeisterter tüftelt an radikalen Experimentalfilmen. Dazu kommen eine geheimnisvolle Thailänderin, eine verschwundene, buchverliebte Mutter und ein Vater, der ausschließlich auf Fragen antwortet, die noch nie gestellt wurden. Klingt wild? Ist es auch.

Und genau das ist die große Stärke dieses Romans: Markus Orths feiert Sprache, Erzählen und menschliche Obsessionen mit einem spürbaren Enthusiasmus. Die vielen Sprachspiele, gedanklichen Schleifen und erzählerischen Experimente machen ungeheuren Spaß. Man merkt auf jeder Seite, wie sehr hier jemand Sprache liebt – und das steckt an. Wäre Markus Orths mein erklärter Lieblingsautor, ich hätte vermutlich genauso fanatisch, verspielt und kompromisslos gehandelt wie seine Figuren.

Gleichzeitig ist Die Enthusiasten kein leichtes Buch. Es fordert Aufmerksamkeit, Geduld und die Bereitschaft, sich auf Chaos einzulassen. Nicht jede Idee zündet sofort, nicht jede Abschweifung fühlt sich notwendig an. Aber selbst dann bleibt das Gefühl: Hier passiert etwas Besonderes.

Unterm Strich ist Die Enthusiasten ein Roman für Menschen, die Bücher lieben, Sprache feiern und Freude daran haben, wenn Literatur ihre eigenen Grenzen infrage stellt. Großartig, mutig, ein bisschen irre – und genau deshalb so lesenswert.

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