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Veröffentlicht am 23.04.2026

ADHS

Ich erzähle von meinen Beinen
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„Ich erzähle von meinen Beinen“ ist ein kluger, ungewöhnlicher und stellenweise sehr unterhaltsamer Roman, der mich vor allem wegen seines Themas sofort gepackt hat. ADHS aus der Perspektive einer erwachsenen ...

„Ich erzähle von meinen Beinen“ ist ein kluger, ungewöhnlicher und stellenweise sehr unterhaltsamer Roman, der mich vor allem wegen seines Themas sofort gepackt hat. ADHS aus der Perspektive einer erwachsenen Frau zu erleben, fand ich unglaublich spannend – und genau das setzt Cornelia Travnicek auf eine sehr eigene, literarisch überzeugende Weise um. Für mich sind das starke 4 Sterne.

Im Zentrum steht Wally, die nach außen hin ein funktionierendes Leben führt: Familie, Haus, Alltag – alles scheint geregelt. Doch innerlich sieht es ganz anders aus. Während ihre Tochter bereits eine ADHS-Diagnose hat, beginnt Wally, ihr eigenes Verhalten zunehmend zu hinterfragen: die ständige Unruhe, das Chaos im Kopf, das Gefühl, nie wirklich alles im Griff zu haben. Gleichzeitig gerät ihr Leben immer mehr aus dem Gleichgewicht – nicht zuletzt durch ihre fragwürdige Entscheidung, die Medikamente ihrer Tochter selbst zu nehmen.

Besonders gelungen finde ich, wie der Roman dieses innere Durcheinander einfängt. Man spürt beim Lesen förmlich, wie überfordernd sich der Alltag für Wally anfühlt – dieses Jonglieren zwischen Verpflichtungen, Gedanken, Ängsten und körperlichen Empfindungen. Gleichzeitig hat das Buch immer wieder sehr humorvolle Momente, die das Ganze auflockern, ohne das Thema ins Lächerliche zu ziehen.

Das Thema ADHS wird hier nicht trocken erklärt, sondern erfahrbar gemacht – inklusive der Grauzonen zwischen „funktionieren“ und „überfordert sein“. Gerade dieser Fokus auf Mental Load, gesellschaftliche Erwartungen und Neurodivergenz im Alltag von Frauen hat mir besonders gut gefallen.

Ein kleiner Kritikpunkt ist, dass die Erzählweise stellenweise etwas sprunghaft und chaotisch wirkt. Das passt zwar zum Inhalt, hat mich aber gelegentlich ein wenig aus dem Lesefluss gebracht.

Insgesamt ist es aber ein eindrucksvoller, oft witziger und gleichzeitig nachdenklich stimmender Roman über Kontrolle, Überforderung und die Frage, wie wir mit uns selbst umgehen. Ein Buch, das im Kopf bleibt.

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Veröffentlicht am 23.04.2026

tolles Setting

Alma
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„Alma“ von Federica Manzon ist ein eindrucksvoller, atmosphärisch dichter Roman, den ich insgesamt sehr gerne gelesen habe. Besonders begeistert hat mich das Setting in Triest – diese Stadt zwischen Ost ...

„Alma“ von Federica Manzon ist ein eindrucksvoller, atmosphärisch dichter Roman, den ich insgesamt sehr gerne gelesen habe. Besonders begeistert hat mich das Setting in Triest – diese Stadt zwischen Ost und West wird so lebendig und vielschichtig beschrieben, dass man beim Lesen das Gefühl hat, selbst durch die Straßen zu gehen, in den alten Kaffeehäusern zu sitzen und die Geschichte in der Luft zu spüren.

Im Mittelpunkt steht Alma, die nach dem Tod ihres Vaters in ihre Heimat zurückkehrt. Dort trifft sie nicht nur auf ihre Vergangenheit, sondern auch auf Vili, ihre Jugendliebe, der eine wichtige Rolle im Zusammenhang mit dem väterlichen Erbe spielt. Während sie sich durch Erinnerungen an ihre Kindheit, an ihre Familie und an die rätselhafte Figur ihres Vaters bewegt, stellen sich immer drängendere Fragen nach ihrer eigenen Herkunft, nach Liebe und danach, wer sie eigentlich ist. Gleichzeitig liegt über allem der Schatten der politischen Spannungen jenseits der Grenze, die einst auch ihre Beziehung zu Vili geprägt haben.

Was mir besonders gefallen hat, ist die dichte, fast melancholische Stimmung und die Art, wie persönliche Geschichte und große historische Zusammenhänge miteinander verwoben werden. Die Figuren wirken vielschichtig und glaubwürdig, und Triest wird fast selbst zu einer Hauptfigur.

Ein kleiner Kritikpunkt ist jedoch die Erzählstruktur: Stellenweise springt die Geschichte etwas, sowohl zeitlich als auch in den Perspektiven, was mich gelegentlich verwirrt hat. Man muss beim Lesen aufmerksam bleiben, um den Faden nicht zu verlieren.

Trotzdem überwiegt für mich klar der positive Eindruck. „Alma“ ist ein poetischer, kluger Roman über Erinnerung, Identität und die Spuren, die Orte und Menschen in uns hinterlassen – mit einem ganz besonderen Schauplatz, der lange nachwirkt. 4 von 5 Sternen.

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Veröffentlicht am 23.04.2026

sehr emotionales Thema

Schlaf
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„Schlaf“ von Honor Jones ist ein Buch, das mich wirklich beeindruckt hat – auch wenn es emotional alles andere als leicht zu lesen ist.

Die Geschichte begleitet Margaret, die mit ihren eigenen Töchtern ...

„Schlaf“ von Honor Jones ist ein Buch, das mich wirklich beeindruckt hat – auch wenn es emotional alles andere als leicht zu lesen ist.

Die Geschichte begleitet Margaret, die mit ihren eigenen Töchtern in ihr Elternhaus zurückkehrt, während ihre Mutter im Sterben liegt. Dieser Ort ist jedoch weit mehr als nur ein Zuhause – er ist gefüllt mit Erinnerungen, Konflikten und lange verdrängten Erfahrungen. Während dieses intensiven Sommers setzt sich Margaret nicht nur mit dem Abschied auseinander, sondern auch mit ihrer eigenen Vergangenheit: mit Situationen aus ihrer Kindheit, in denen sie mit unangenehmer Aufmerksamkeit umgehen musste, mit einer Mutter, die Fürsorge oft mit Kontrolle verwechselte, und mit Momenten, die ihr Verhältnis für immer geprägt haben.

Was mir besonders gefallen hat, ist die Art, wie das Buch zeigt, dass sich Perspektiven im Laufe des Lebens verändern. Als Kind nimmt man vieles anders wahr, oft unreflektiert oder ohnmächtig – während man als Erwachsene, und vor allem als Mutter, beginnt, Zusammenhänge neu zu verstehen und anders einzuordnen. Genau diese unterschiedlichen Blickwinkel werden hier sehr eindringlich und glaubwürdig dargestellt.

Gleichzeitig macht genau dieses Hintergrundwissen das Lesen manchmal schwer. Die Themen sind sensibel und gehen unter die Haut, sodass man das Buch nicht einfach „weglesen“ kann. Es fordert einen emotional heraus und zwingt zum Innehalten.

Trotzdem – oder gerade deshalb – mochte ich das Buch sehr. Es ist tiefgründig, ehrlich und regt zum Nachdenken an, auch über die eigene Wahrnehmung von Familie, Kindheit und Selbstbestimmung.

Ein sehr bewegender Roman, der nicht immer leicht ist, aber lange nachwirkt.

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Veröffentlicht am 23.03.2026

interessante Frauen

Niemands Töchter
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„Niemands Töchter“ ist ein beeindruckendes Debüt, das mich trotz kleinerer Längen sehr berührt hat. Der Roman erzählt von Alma, die in den 80er-Jahren in der Eifel aufwächst und sich in ihrer eigenen Familie ...

„Niemands Töchter“ ist ein beeindruckendes Debüt, das mich trotz kleinerer Längen sehr berührt hat. Der Roman erzählt von Alma, die in den 80er-Jahren in der Eifel aufwächst und sich in ihrer eigenen Familie fremd fühlt, weil ihre Herkunft von einem hartnäckigen Schweigen umgeben ist. Parallel dazu begleitet man Isabell im Jahr 2019 in Berlin, die unter dem Verlust ihrer Mutter leidet und merkt, wie sehr diese Leerstelle ihr ganzes Leben beeinflusst. Als sich die Lebenswege der beiden Frauen schließlich auf besondere Weise verbinden, entsteht eine generationenübergreifende Geschichte über Identität, Verlust und die Suche nach einem Platz im Leben.

Was mir besonders gefallen hat, ist die ruhige, sensible Art, mit der Themen wie Familiengeheimnisse und Selbstfindung erzählt werden. Man muss sich Zeit nehmen und auch zwischen den Zeilen lesen, um die volle Tiefe zu erfassen – das ist kein Buch, das man einfach so „wegsuchtet“. An manchen Stellen plätschert die Handlung etwas dahin, doch genau dieses entschleunigte Erzählen passt auch zur Stimmung der Geschichte.

Trotz kleinerer Längen habe ich das Buch sehr gern gelesen. Es entfaltet eine leise, aber nachhaltige Wirkung und bleibt noch eine Weile im Kopf. Ein gelungenes Debüt, das neugierig auf mehr macht

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Veröffentlicht am 23.03.2026

spannender Jugendthriller

Revenge
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Mit „Revenge. Heute Abend bist du tot“ hat Svenja Diel einen spannenden Jugendthriller geschrieben, der mich schnell in seinen Bann gezogen hat. Das Buch ist sehr gut lesbar und genau auf die Zielgruppe ...

Mit „Revenge. Heute Abend bist du tot“ hat Svenja Diel einen spannenden Jugendthriller geschrieben, der mich schnell in seinen Bann gezogen hat. Das Buch ist sehr gut lesbar und genau auf die Zielgruppe zugeschnitten – spannend, emotional und mit Themen, die Jugendliche ernst nehmen.

Im Mittelpunkt stehen Liv, Sara und Vince, deren Leben sich schlagartig verändert, als sie in Köln Zeugen eines brutalen Verbrechens werden: Ein Schuss in einer Tankstelle reißt sie aus ihrem Alltag und plötzlich geraten sie mitten in eine Situation voller Angst, Schuldgefühle und Adrenalin. Während die Polizei versucht herauszufinden, was wirklich passiert ist, müssen die drei Jugendlichen selbst mit den Folgen kämpfen – mit Gewalt, traumatischen Erfahrungen und dunklen Geheimnissen aus der Vergangenheit. Freundschaft wird dabei gleichzeitig zum Halt und zur Belastungsprobe, denn nicht mehr jeder scheint die Wahrheit zu sagen.

Besonders gut gefallen haben mir die wechselnden Perspektiven. Dadurch bekommt man einen viel besseren Einblick in die Gedanken und Gefühle der Figuren und versteht nach und nach, wie alles zusammenhängt. Das sorgt auch dafür, dass die Spannung konstant hoch bleibt.

Der Thriller behandelt durchaus schwere Themen, bleibt dabei aber immer altersgerecht erzählt. Genau deshalb funktioniert er für mich so gut als Jugendthriller: spannend, emotional und mit Figuren, mit denen man mitfiebern kann.

Insgesamt ein packendes und gut geschriebenes Buch für junge Thrillerfans – von mir gibt es 4 Sterne

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