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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 26.02.2018

Stark

Zu nah
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Um es vorweg zu nehmen: Der Schluss kommt arg plötzlich, die Wendung zur Lösung so unvermittelt, dass man quasi beim Lesen aus den Seiten kippt. Das ist aber auch (fast) das Einzige, das man eher kritisch ...

Um es vorweg zu nehmen: Der Schluss kommt arg plötzlich, die Wendung zur Lösung so unvermittelt, dass man quasi beim Lesen aus den Seiten kippt. Das ist aber auch (fast) das Einzige, das man eher kritisch anmerken könnte. Die Geschichte startet schon ziemlich rasant und im ähnlichen Tempo präsentieren sich die Leichen. Während der Ermittlungen spielt immer das von der Chief Super erlebte und nicht verarbeitete Trauma unterschwellig eine Rolle und auch der Argwohn der Vorgesetzten und Kollegen. Befremdlich erscheint, dass inmitten der Ermittlungen die Einstellung des Falles droht, wenngleich munter weiter Leichen auftauchen. Das wirkt nicht wirklich real. Die Handlung bewegt sich im Sado-Maso-bereich, im Darknet und im Zwielichtigen. Die Personen, die beschrieben werden, erweisen sich allesamt als ganz anders, als vordergründig ersichtlich. Abgründe tun sich auf und vermeintlich Unschuldige wirken mehr als verdächtig. Wäre die Person des Täters vorher schon einmal ausführlicher beschrieben worden, oder hätte mehr als nur die Unmutsbezeugung eines Ermittlers hervorgerufen, wäre man auch als Leser dem Täter schon früher auf der Spur gewesen. Aber das waren die Ermittler letztendlich auch nicht. Die Geschichte hat sich sehr gut in einem Rutsch durchlesen lassen, war stets spannend und fließend geschrieben. Kann man empfehlen.

Veröffentlicht am 23.01.2018

Hochspannung

Schlüssel 17
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Eine Geschichte in der Gegenwart, die tief in der Vergangenheit wurzelt und viel mit unbewältigtem Ost-West-Trauma zu tun hat. Ich habe das Buch in zwei Tagen weggelesen, konnte es kaum aus der Hand legen. ...


Eine Geschichte in der Gegenwart, die tief in der Vergangenheit wurzelt und viel mit unbewältigtem Ost-West-Trauma zu tun hat. Ich habe das Buch in zwei Tagen weggelesen, konnte es kaum aus der Hand legen. Hervorragende Protagonisten, die alle ihr "Päckchen" zu tragen haben und aus unterschiedlichen Gründen und nicht bewältigten Erlebnissen selbst traumatisiert sind. Ein sehr gelungener Wechsel zwischen den gegenwärtigen Handlungen und den zurückliegenden Ereignissen, die Ursache für die aktuellen Taten sind. Man weiß zwischendurch nicht, wem man trauen kann und wem nicht, wer Schuld auf sich geladen hat und warum. Die Handlung strebt unaufhaltsam und zügig ihrer Aufklärung entgegen, wobei letztendlich nicht alles geklärt ist und viele Fragen offen bleiben. Das ist ein kleiner Wermutstropfen, tut der Spannung und dem insgesamt sehr gelungenen Werk aber keinen Abbruch. Sollte man unbedingt lesen.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Familiengeheimnis, Leichen, Happy End

Die rubinrote Kammer
2

London 1907. Kein Pflaster für alleinstehende junge Frauen ohne Einkommen und ohne nennenswerte liquide Mittel. Zwei Galane - allerdings nicht ganz so galant. Butler, Zugehfrau, ungeliebter Großvater und ...

London 1907. Kein Pflaster für alleinstehende junge Frauen ohne Einkommen und ohne nennenswerte liquide Mittel. Zwei Galane - allerdings nicht ganz so galant. Butler, Zugehfrau, ungeliebter Großvater und ebenso ungeliebte Großtante. Dazu mehrere Tote sowie ein Familiengeheimnis. Gespart wird in diesem Roman wahrlich nicht. Nicht mit Ermordeten, nicht mit Klischees, nicht mit Drohungen jeder Art. Zum Schluss lösen die Protagonisten sowohl die Mordfälle als auch das Familiengeheimnis und ohne Happy End kommt das Buch auch nicht aus. Die Rubinrote Kammer ist spannend geschrieben und vermittelt auch recht gut, das gesellschaftliche Leben in dieser Zeit. Allerdings wird dadurch manches umso unglaubwürdiger, eben weil es d i e s e Zeit ist. Aber wer gerne eintaucht in Sitten und Gebräuche früherer Zeiten und dabei auch noch einen Kriminalroman vorfindet, ist mit diesem Buch ganz gut aufgehoben.

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Veröffentlicht am 26.04.2026

Urlaubslektüre

Totentanz
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Merkwürdige Dinge tragen sich in Südtirol zu. Ein Holzklotz wird auf einer kurvenreichen Straße platziert, was einen Motorradunfall verursacht mit einer Toten und einem Schwerverletzten. Merkwürdigerweise ...

Merkwürdige Dinge tragen sich in Südtirol zu. Ein Holzklotz wird auf einer kurvenreichen Straße platziert, was einen Motorradunfall verursacht mit einer Toten und einem Schwerverletzten. Merkwürdigerweise wird diesem Holzklotz keine Bedeutung beigemessen, obwohl im Bild dokumentiert. Man lässt ihn einfach liegen, woraufhin er verschwindet. Dann wird ein Juwelier getötet und die Leiche eines Spediteurs, grotesk inszeniert, aufgefunden. Immer am Puls des Geschehens, die Journalistin Marie Pichler, die einen Zusammenhang vermutet, mit dieser Idee aber auf taube Ohren stößt. Sie tut sich mit ihren Recherchen schwer, findet keine Anhaltspunkte, aber nach einem Hinweis von dem ehemaligen Journalisten und Freund Tom Bauer versteigt sie sich in eine abenteuerliche Theorie rund um ein Plauser Kunstwerk. Aber auch hier nimmt sie niemand ernst. Eine merkwürdige Geschichte, sehr verwickelt und am Schluss ohne klare Motivlage. Eher ruhig erzählt, liest sich mehr wie ein Bericht. Ein bisschen Reiselektüre, bei der man viel aus seinen eigenen Südtirol Besuchen wieder erkennt, bis auf das titelgebende Kunstwerk, das sich sicher einmal zu besuchen lohnt. Eigentlich eher weniger ein Thriller. Das liegt natürlich im Auge des Betrachters. Lohnende Urlaubslektüre aber allemal.

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Veröffentlicht am 24.03.2026

Erschütternd

Dein ist die Sühne
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Eine erschütternde Geschichte, die etwas holprig beginnt. Dorothea, Inspektorin in der Abteilung „Gegen Leib und Leben“, aber im Archiv tätig - es wird nicht schlüssig erklärt, warum das so ist - wird ...

Eine erschütternde Geschichte, die etwas holprig beginnt. Dorothea, Inspektorin in der Abteilung „Gegen Leib und Leben“, aber im Archiv tätig - es wird nicht schlüssig erklärt, warum das so ist - wird von der jungen Theresa bedrängt, sich des Falles ihres ermordeten Vaters anzunehmen, der vor fast zwanzig Jahren Opfer eines Raubmordes wurde. Theresa glaubt nicht an Raubmord und will den Fall neu aufgerollt sehen. Sie hofft, dass Dorothea inoffiziell ermitteln kann. Aber Dorothea hat selbst mit vielfältigen Problemen zu kämpfen, u.a. mit dem unaufgeklärten Mord an ihrem Vater, der nun auch schon annähernd zwei Jahrzehnte zurückliegt. Und mit ihrer inneren Zerrissenheit, ihren Selbstzweifeln, ihrem Gefühl von Unzulänglichkeit. Die nehmen am Anfang so überhand, dass man von ihr schwer genervt ist. Das ändert sich zum Glück im Verlauf der Ereignisse und ihrer ungenehmigten Ermittlungen, die erst ganz am Ende zu einer ungewollten Auflösung führen und die Frage aufwerfen, ob nicht doch einiges besser im Dunkeln geblieben wäre. Das was Dorothea gemeinsam mit Konstantin, einem Kollegen, aufdeckt, ist erschütternd. Die Geschichte, bis auf den Anfang, flüssig und temporeich erzählt. Mit einem bedrückenden Schluss und sehr nachdenklich stimmend.

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