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Veröffentlicht am 24.03.2026

Skurril und mal was anderes

Grüne Welle
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Die namenlose Protagonistin fährt nach einem Kinobesuch in der Stadt mit dem Auto nach Hause. Durch eine Umleitung kommt sie nicht auf die geplante Autobahnauffahrt. Das Handy hat keinen Akku mehr, ihr ...



Die namenlose Protagonistin fährt nach einem Kinobesuch in der Stadt mit dem Auto nach Hause. Durch eine Umleitung kommt sie nicht auf die geplante Autobahnauffahrt. Das Handy hat keinen Akku mehr, ihr altes Auto offensichtlich auch kein Navi. So fährt sie die Landstrasse entlang, immer weiter, durch Dörfer, die ganze Nacht…

Die Idee des Romans fand ich super. Der Roman spielt sich grösstenteils im Auto ab. Die Frau scheint zumindest unbewusst begriffen zu haben, dass sie in einer gewalttätigen Beziehung ist und eigentlich ihren Mann besser verlassen sollte. Wie viel bewusst ist wird allerdings nicht klar. Sie scheint froh, durch den leeren Akku keine Rechenschaft schuldig zu sein, offensichtlich war das vorher nie eine Option. Die Sprache ist interessant, mit langen, verschachtelten Sätzen und lauter namenlosen Protagonisten („die Frau“, „der Mann“, „die Freundin der Frau“), was es manchmal auch etwas kompliziert zu verstehen macht. Die beiden Anhalterinnen, die sie zwischendurch mitnimmt, bringen zusätzlich etwas Leben und neue Ideen in die Geschichte. Ohne jetzt zu Spoilern bin ich vom Ende etwas enttäuscht und hätte mir doch erhofft, dass sich die Protagonistin insgesamt reflektierter zeigt, allerdings scheint mir das Ende durchaus realistisch.

Veröffentlicht am 20.09.2025

Ein gefährliches Spiel

Heimat
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Jana und Noah ziehen mit Kindern Ella und Louis aufs Land. Jana ist beruflich erfolgreich, wieder schwanger und kündigt scheinbar sehr unüberlegt und unabgesprochen mit Noah ihren Job. Auf dem Land lernt ...

Jana und Noah ziehen mit Kindern Ella und Louis aufs Land. Jana ist beruflich erfolgreich, wieder schwanger und kündigt scheinbar sehr unüberlegt und unabgesprochen mit Noah ihren Job. Auf dem Land lernt sie Karolin kennen: Influencerin, Tradwife, religiös, viele Kinder. Irgendwie fasziniert sie Karolins scheinbar perfektes Leben und so rutscht sie ganz leise immer weiter in dieses Leben...

Ich finde die Geschichte eigentlich spannend und habe das Buch schnell gelesen. Allerdings bin ich nicht sicher, wie die Autorin ihre Erzählung meint. Für mich als Links-Mitte Feministin zeigt es, wie schnell und einfach es ist, in rechte Kreise zu rutschen: im Buch scheint Jana das lange gar nicht zu merken, wie rechts Karolin und ihre Freundinnen sind. Allerdings: es wird nie offen angesprochen. Vielleicht will die Autorin damit inspirieren? Zeigen, wie schön es sein könnte, als Tradwife? Vieles im Buch wird nur angedeutet und bleibt unausgesprochen. Eine Geschichte mit Potential, aber auch Gefahr. Ich bin hin- und hergerissen.

Veröffentlicht am 20.09.2025

Gut gemeint, teils fragwürdig umgesetzt

QUID+ Aber warum?
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„QUID+ Aber warum?“ von Barbara Franco wird von 3 - 6 Jahren empfohlen. Es enthält 27 Vorlesegeschichten und einen Teil für Eltern. Ich finde die Idee dahinter gut. Das Format ist angenehm, das gebundene ...

„QUID+ Aber warum?“ von Barbara Franco wird von 3 - 6 Jahren empfohlen. Es enthält 27 Vorlesegeschichten und einen Teil für Eltern. Ich finde die Idee dahinter gut. Das Format ist angenehm, das gebundene Buch auch gut geeignet zum wiederholten Vorlesen. Die Illustrationen sind toll. Auch die Themen sind überwiegend gut gewählt (u.a. Hautfarbe, Sprache, Krieg, Armut, Tod, Angst…). Jedoch finde ich die Umsetzung teils fragwürdig. Zum Beispiel werden bei „Warum sehen Jungen und Mädchen unterschiedlich aus?“ die Geschlechtsteile als „Wurm“ und „Schmetterling“ bezeichnet. Ganz am Schluss fällt ein mal das Wort Penis, Vulva wird gar nicht erwähnt. Ich finde das wirklich schwach und absolut nicht zeitgemäss! Auch das Kapitel Streit ist fragwürdig. Hier müsste man nochmal nachjustieren! So kann man die Geschichten zwar als Grundlage nehmen, muss jedoch manches selbst anpassen. Den Elternteil finde ich insgesamt hilfreich und gelungen.

Veröffentlicht am 13.05.2025

Schönes Buch, das leider eher mehr Lust auf den Schnulli macht

Schnulli, du nervst!
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"Schnulli, du nervst!" ist ein liebevoll illustriertes Pappbilderbuch, das ab 2 Jahren empfohlen wird. Qualitativ ist es hochwertig. Nur: da der Schnulli sich in jede Situation "hineinschleicht" wird ...


"Schnulli, du nervst!" ist ein liebevoll illustriertes Pappbilderbuch, das ab 2 Jahren empfohlen wird. Qualitativ ist es hochwertig. Nur: da der Schnulli sich in jede Situation "hineinschleicht" wird das Kind nur immer an den Schnulli erinnert. Ein richtiger Abschied wird leider nicht gefördert. Die Eltern bzw. der Vorleser müssen hier einiges zusätzlich erklären. Von daher erreicht das Buch leider sein Ziel nicht. Dennoch: das Buch heisst bei meinem Kind nun das "Schnulli-Buch"!

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Veröffentlicht am 21.10.2022

Ergreifende, aber langatmige Erzählung

Dein Schweigen, Vater
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«Spielt da der Sohn eines Täters, die Enkelin eines Opfers? Lässt sich die Rolle nur einer Nation zuordnen? Kann man überhaupt nur auf einer der beiden Seiten stehen, oder trägt man nicht doch immer beides ...

«Spielt da der Sohn eines Täters, die Enkelin eines Opfers? Lässt sich die Rolle nur einer Nation zuordnen? Kann man überhaupt nur auf einer der beiden Seiten stehen, oder trägt man nicht doch immer beides in sich? Ist Vergessen das Beste, und heilt die Zeit wirklich alle Wunden?»

Paul ist zwölf, als er im Mai 1945 aus seinem unbeschwerten, glücklichen Leben aus Brünn gerissen wird. Er muss mit seiner Familie bis zur österreichischen Grenze marschieren, im sogenannten Brünner Todesmarsch. 27000 deutschstämmige Bewohner von Brünn wurden damals aus der Stadt vertrieben. Viele kamen dabei ums Leben, auch ein Teil seiner Familie. Manche seiner Freunde musste Paul in Brünn zurücklassen, andere verlor er im Marsch aus den Augen. Jahre später hat er Familie: seine Frau Christa und die beiden Kinder, Maria und Uli. Er spricht nie über die Vertreibung aus Brünn, obwohl er sie nie vergessen wird. Auch später kehrt er nie nach Tschechien zurück. Seine beiden Kinder leiden darunter, dass Paul nie viel spricht – die Familiengeschichte bleibt geheim. Erst nach seinem Tod beginnen sie, sich mit der Vergangenheit zu beschäftigen, und reisen schliesslich nach Brünn, um Vaters Wurzeln kennenzulernen…

Das Debüt von Susanne Benda beginnt stark und behandelt ein sehr interessantes, trauriges Thema. Der Teil des Buches, der von der Vertreibung aus Tschechien erzählt, ist unglaublich ergreifend und eindrücklich geschrieben. Dann wird es häufig etwas langatmig: das Aufwachsen von Maria und Uli, ihre spätere Suche, das alles war oft mühsam zu lesen und es geschah wenig. Ich habe im Nachhinein viel zum Thema Brünner Todesmarsch gelesen und dadurch viel gelernt. Das Buch bekommt von mir drei Sterne.

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