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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 16.12.2018

Spannende Dystopie mit einigen Schwächen

Vox
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„Vox“ von Christina Dalcher erinnert an eine Neuauflage von Margaret Atwoods „The Handmaid‘s Tale“. Es spielt in Washington, DC in der heutigen Zeit. Ein erster afroamerikanischer Präsident hat bis vor ...

„Vox“ von Christina Dalcher erinnert an eine Neuauflage von Margaret Atwoods „The Handmaid‘s Tale“. Es spielt in Washington, DC in der heutigen Zeit. Ein erster afroamerikanischer Präsident hat bis vor kurzem regiert. Nun sind ultrakonservative Christen an der Macht, und von einem auf den anderen Tag wird den Frauen das Sprechen verboten. Nur noch 100 Wörter dürfen Frauen und Mädchen pro Tag sprechen. Überprüft wird dies mittels eines Wörterzählers am Handgelenk. Bei Übertreten gibt es einen Stromschlag. Das Verbot, Bücher zu lesen und Elektronik zu benutzen erinnert ebenfalls an Margaret Atwoods bekannte Dystopie. Jean McClellan ist Linguistin und muss plötzlich miterleben, wie sie von heute auf morgen nicht mehr sprechen, lesen oder arbeiten darf. Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt…

Dalcher schreibt sehr spannend und mitreißend. Dennoch erinnert mich das Buch immer wieder an eine moderne Version von „The Handmaid‘s Tale“, was mich irgendwie gestört hat. Die Geschichte ist alles andere als vorhersehbar, liest sich flüssig und hat mir gut gefallen. Einige Handlungspunkte sind nicht unbedingt realistisch. Gepaart mit einer etwas kitschigen Liebensgeschichte gibt’s von mir deshalb nur 3.5 Sterne. Dennoch ein lesenswertes Buch, das zum Denken anregt.

Veröffentlicht am 06.03.2018

Sehr unterhaltsame Suche nach der Wahrheit

Das Flüstern der Insel
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Den Moment, an dem Alice einen Anruf bekommt und erfährt, dass ihr Mann einen Autounfall hatte, wird sie nie wieder vergessen. Auch nicht den nächsten. Im Krankenhaus erfährt sie kurze Zeit später, dass ...

Den Moment, an dem Alice einen Anruf bekommt und erfährt, dass ihr Mann einen Autounfall hatte, wird sie nie wieder vergessen. Auch nicht den nächsten. Im Krankenhaus erfährt sie kurze Zeit später, dass ihr geliebter Chris verstorben ist. Doch etwas passt nicht zusammen: Chris hat sich gemäß seiner letzten Nachricht ganz woanders aufgehalten als dort, wo er schlussendlich verunglückt ist. Was ist passiert? Was hat Chris ihr verheimlicht? Und wie kann Alice es herausfinden?

Alice, nun Witwe mit einer sechsjährigen Tochter und hochschwanger mit der zweiten, findet sich plötzlich alleine. Was bleibt sind die Fragen. Wer war Chris? War ihre Liebe wirklich so vollendet, wie sie immer dachte? Was hatte er für Geheimnisse? Wo war er in der Nacht, als er verunglückt ist? Und so macht sie sich daran, es herauszufinden. Immer tiefer wird sie in eine Spirale gezogen. Sie beginnt, zahlreiche Menschen zu überwachen, immer mehr und immer ausführlicher. Sie findet zahlreiche Geheimnisse, jedoch scheinen diese alle nichts mit Chris zu tun haben. Warum hat Chris auf einer Insel vor Cape Cod, Robin Island, Zeit verbracht, wo er doch Cape Cod so überhaupt nicht ausstehen konnte? Was hat Chris auf der Insel gemacht?

Daniel Sánchez Arévalo führt uns immer tiefer in die menschlichen Abgründe. Alice wird immer verzweifelter, Chris Geheimnis zu entdecken und nimmt immer mehr Abstriche dafür in Kauf. Die ersten ca. hundert Seiten sind etwas langatmig. Der Schreibstil ist jedoch wirklich fesselnd, und den Rest der Zeit konnte ich das Buch kaum aus der Hand legen. Teils erinnert das Buch an einen Film bzw. ein Drehbuch. Insgesamt zwar nicht unbedingt tiefgründig aber gut durchdacht mit einer interessanten Geschichte, so dass man gerne weiterliest.

Veröffentlicht am 23.04.2026

Für mich zu oberflächlich

Pause
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Hanna, sechsunddreissig, landet nach einem "einschneidenden Erlebnis" mit Panikattacke und psychogenen Krampfanfällen im Krankenhaus. Ihrer Reaktion zufolge kennt sie solche Episoden schon und möchte so ...

Hanna, sechsunddreissig, landet nach einem "einschneidenden Erlebnis" mit Panikattacke und psychogenen Krampfanfällen im Krankenhaus. Ihrer Reaktion zufolge kennt sie solche Episoden schon und möchte so schnell wie möglich nach Hause. Ihr Freund Paul, mit dem sie seit vier Jahren zusammen ist, hat leider keine Zeit um sie abzuholen. So holen sie ihre Eltern ab und nehmen sie erst mal mit zu ihrem zuhause in Lüneburg, wo Hanna aufgewachsen ist. Und so ist sie plötzlich weit ab von Berlin, ihrem hippen zuhause, den teuren Hipster Cafes und ihrem Job.

Ich wurde mit "Pause" leider nicht ganz warm. Obwohl ich gleich alt bin wie die Protagonistin konnte ich die meisten ihrer Probleme nicht ganz nachvollziehen. Sowohl Hanna als auch Eltern und Schwester haben sehr viele Glaubenssätze, die sie nie hinterfragt haben, sie reagieren oft aus solchen heraus und reflektieren nicht wirklich. Auch während der Erzählung findet hier kein wirkliches Wachstum der Protagonisten statt. Die Geschichte ist ganz unterhaltsam, aber ich hätte ehrlich gesagt auch darauf verzichten können.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 24.03.2026

Skurril und mal was anderes

Grüne Welle
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Die namenlose Protagonistin fährt nach einem Kinobesuch in der Stadt mit dem Auto nach Hause. Durch eine Umleitung kommt sie nicht auf die geplante Autobahnauffahrt. Das Handy hat keinen Akku mehr, ihr ...



Die namenlose Protagonistin fährt nach einem Kinobesuch in der Stadt mit dem Auto nach Hause. Durch eine Umleitung kommt sie nicht auf die geplante Autobahnauffahrt. Das Handy hat keinen Akku mehr, ihr altes Auto offensichtlich auch kein Navi. So fährt sie die Landstrasse entlang, immer weiter, durch Dörfer, die ganze Nacht…

Die Idee des Romans fand ich super. Der Roman spielt sich grösstenteils im Auto ab. Die Frau scheint zumindest unbewusst begriffen zu haben, dass sie in einer gewalttätigen Beziehung ist und eigentlich ihren Mann besser verlassen sollte. Wie viel bewusst ist wird allerdings nicht klar. Sie scheint froh, durch den leeren Akku keine Rechenschaft schuldig zu sein, offensichtlich war das vorher nie eine Option. Die Sprache ist interessant, mit langen, verschachtelten Sätzen und lauter namenlosen Protagonisten („die Frau“, „der Mann“, „die Freundin der Frau“), was es manchmal auch etwas kompliziert zu verstehen macht. Die beiden Anhalterinnen, die sie zwischendurch mitnimmt, bringen zusätzlich etwas Leben und neue Ideen in die Geschichte. Ohne jetzt zu Spoilern bin ich vom Ende etwas enttäuscht und hätte mir doch erhofft, dass sich die Protagonistin insgesamt reflektierter zeigt, allerdings scheint mir das Ende durchaus realistisch.

Veröffentlicht am 20.09.2025

Ein gefährliches Spiel

Heimat
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Jana und Noah ziehen mit Kindern Ella und Louis aufs Land. Jana ist beruflich erfolgreich, wieder schwanger und kündigt scheinbar sehr unüberlegt und unabgesprochen mit Noah ihren Job. Auf dem Land lernt ...

Jana und Noah ziehen mit Kindern Ella und Louis aufs Land. Jana ist beruflich erfolgreich, wieder schwanger und kündigt scheinbar sehr unüberlegt und unabgesprochen mit Noah ihren Job. Auf dem Land lernt sie Karolin kennen: Influencerin, Tradwife, religiös, viele Kinder. Irgendwie fasziniert sie Karolins scheinbar perfektes Leben und so rutscht sie ganz leise immer weiter in dieses Leben...

Ich finde die Geschichte eigentlich spannend und habe das Buch schnell gelesen. Allerdings bin ich nicht sicher, wie die Autorin ihre Erzählung meint. Für mich als Links-Mitte Feministin zeigt es, wie schnell und einfach es ist, in rechte Kreise zu rutschen: im Buch scheint Jana das lange gar nicht zu merken, wie rechts Karolin und ihre Freundinnen sind. Allerdings: es wird nie offen angesprochen. Vielleicht will die Autorin damit inspirieren? Zeigen, wie schön es sein könnte, als Tradwife? Vieles im Buch wird nur angedeutet und bleibt unausgesprochen. Eine Geschichte mit Potential, aber auch Gefahr. Ich bin hin- und hergerissen.