Profilbild von skiaddict7

skiaddict7

Lesejury Star
offline

skiaddict7 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit skiaddict7 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 23.09.2019

Surreales Leseerlebenis

Das flüssige Land
0

Ruth Schwarz, eine junge theoretische Physikerin, die an ihrer Habilitation arbeitet, verliert beide Eltern unerwartet bei einem Autounfall. Die Eltern wollten in der Heimatstadt beerdigt werden. Und so ...

Ruth Schwarz, eine junge theoretische Physikerin, die an ihrer Habilitation arbeitet, verliert beide Eltern unerwartet bei einem Autounfall. Die Eltern wollten in der Heimatstadt beerdigt werden. Und so macht sich Ruth auf die Suche nach Groß-Einland, einen Ort, den sie bisher nie besucht hat. Doch Groß-Einland ist gar nicht so leicht zu finden, steht es doch auf keiner Karte, und auch die Auskunft kennt es nicht. Ruth beschließt, alle Hinweise zusammenzutragen, an die sie sich noch erinnern kann, und nähert sich so langsam dem Ort, bis sie ihn mehr zufällig findet. Doch Groß-Einland ist ein seltsames Pflaster: unter der Stadt ist eine alte Mine, auch „das Loch“ genannt, und regelmäßig sackt die Stadt ein paar Centimeter bis Meter tiefer hinab. Häuser sacken ab, verschieben sich, brechen in der Mitte auseinander. Menschen verschwinden. Auch gibt es hier keine Demokratie, sondern eine Gräfin, die die Entscheidungen trifft; die alles zu wissen und jeden zu kennen scheint. Ruth beschließt kurzerhand, in die Stadt zu ziehen, und die Geschehnisse nehmen ihren Lauf…

Sehr flüssig beschreibt Edelbauer die surrealen Vorkommnisse in Groß-Einland, von denen sowohl Ruth Schwarz als auch der Leser in ihren Bann gezogen wird. Die Grenzen von Raum und Zeit scheinen zu verschwimmen. Vieles versteht man nicht, es wird auch nie erklärt. So würde man viele Erlebnisse normalerweise hinterfragen, die Ruth aber einfach als gegeben hinnimmt. Genauso scheint das in Groß-Einland gehandhabt zu werden, ist aber für den Leser nicht minder seltsam. Irgendwie wurde ich beim Lesen wie in einen surrealen Strudel hineingezogen, aus dem ich mich nicht mehr retten konnte, bis ich schließlich am Ende des Buches angelangt war. Dies spricht sicher für die Autorin, allerdings hätte ich mir mehr Erklärungen und eine stärkere Protagonistin gewünscht, die es schafft, für ihre Wünsche einzustehen. Ein skurriles, originelles, außergewöhnliches Buch. Von mir gibt’s 3.5 Sterne.

Veröffentlicht am 27.01.2019

Eine Sammlung seltsamer, teils perverser Geschichten, die zum Nachdenken anregen und noch lange nachwirken.

Cat Person
0

„Cat Person“ ist eine Sammlung von Kurzgeschichten. Ich hatte im Vorfeld sehr viel über dieses Buch gehört, das vor dem deutschen Erscheinungsdatum ordentlich gehypt wurde. Die Autorin wurde ursprünglich ...

„Cat Person“ ist eine Sammlung von Kurzgeschichten. Ich hatte im Vorfeld sehr viel über dieses Buch gehört, das vor dem deutschen Erscheinungsdatum ordentlich gehypt wurde. Die Autorin wurde ursprünglich mit der Kurzgeschichte „Cat Person“ im Magazin „The New Yorker“ bekannt. Ich hatte schon zuvor die Kurzgeschichte im New Yorker auf Englisch gelesen und fand sie wirklich toll, sehr zeitgemäss, sehr #metoo. Daher wollte ich dieses Buch unbedingt lesen. Was mich am Buch auf den ersten Blick störte, ist, dass der Untertitel „Storys“ lautet. Die Plural von story ist stories, was gerade bei einem Buch ja nicht falsch geschrieben sein sollte.

Das Buch enthält insgesamt 12 Kurzgeschichten. Entgegen meiner vorherigen Meinung behandeln die Kurzgeschichten völlig verschiedene Themen. Einmal geht es um eine die Geburtstagsparty eines elfjährigen Mädchens, einmal um ein Paar, die einen gemeinsamen Freund sexuell unterwerfen, dann gibt es da noch eine Prinzessin, die nur sich selbst lieben kann… Am besten gefiel mir die Kurzgeschichte „Cat Person“, die im New Yorker publiziert wurde, und „Matchbox sign“, in dem eine junge Frau einen Dermatozoenwahn entwickelt. Roupenian illustriert mit ihrer Geschichte sehr schön die Auswirkungen auf das Leben der Frau und auf ihre Beziehung.

Viele der Geschichten sind ein wenig seltsam, mit einem Hauch an Verbotenem, sodass man immer weiterlesen will. An manche der Geschichten musste ich immer wieder denken. Dennoch hätte ich mir doch mehr erhofft, manche der Geschichten wirkten unfertig oder gehetzt. Auf seltsame Art gefällt doch jeder der Geschichten, der Schreibstil macht süchtig. Von mir gibt’s 3.5 Sterne. Was sicher ist: Roupenian hat sehr viel Potential als Schriftstellerin. Ich hoffe, dass wir in den nächsten Jahren einen Roman von ihr zu lesen kriegen.

Veröffentlicht am 06.01.2019

Ein schönes, inspirierendes Buch für junge Mädchen

Good Night Stories for Rebel Girls 2
0

Dies ist kein Buch, das man einfach von vorne bis hinten durchliest. Jede linke Seite enthält eine Geschichte zu einer besonderen Frau, rechts ist ein Bild derjenigen. Der Text ist stets eine Seite lang ...

Dies ist kein Buch, das man einfach von vorne bis hinten durchliest. Jede linke Seite enthält eine Geschichte zu einer besonderen Frau, rechts ist ein Bild derjenigen. Der Text ist stets eine Seite lang und beginnt mit „es war einmal…“ was dem Ganzen ein bisschen den Charakter eines Märchenbuches gibt. Die Bilder sind künstlerisch gestaltet und wirklich besonders. Es ist ein perfektes Buch, um Mädchen oder auch Jungs am Abend ein bis zwei der Geschichten daraus vorzulesen. Wenn eine Person einen mehr inspiriert könnte man sich dann auch in deren Geschichte mit anderen Büchern oder Ressourcen mehr vertiefen. Die Frauen sind bunt gemischt von Wissenschaftlerinnen, Künstlerinnen und politisch aktiven Frauen. Allen gemeinsam: es sind starke, inspirierende Frauen, von denen wir lernen können und sollten!
Ein tolles, wirklich inspirierendes Gute-Nacht-Geschichten-Buch für Jung und Alt.

Veröffentlicht am 16.12.2018

Spannende Dystopie mit einigen Schwächen

Vox
0

„Vox“ von Christina Dalcher erinnert an eine Neuauflage von Margaret Atwoods „The Handmaid‘s Tale“. Es spielt in Washington, DC in der heutigen Zeit. Ein erster afroamerikanischer Präsident hat bis vor ...

„Vox“ von Christina Dalcher erinnert an eine Neuauflage von Margaret Atwoods „The Handmaid‘s Tale“. Es spielt in Washington, DC in der heutigen Zeit. Ein erster afroamerikanischer Präsident hat bis vor kurzem regiert. Nun sind ultrakonservative Christen an der Macht, und von einem auf den anderen Tag wird den Frauen das Sprechen verboten. Nur noch 100 Wörter dürfen Frauen und Mädchen pro Tag sprechen. Überprüft wird dies mittels eines Wörterzählers am Handgelenk. Bei Übertreten gibt es einen Stromschlag. Das Verbot, Bücher zu lesen und Elektronik zu benutzen erinnert ebenfalls an Margaret Atwoods bekannte Dystopie. Jean McClellan ist Linguistin und muss plötzlich miterleben, wie sie von heute auf morgen nicht mehr sprechen, lesen oder arbeiten darf. Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt…

Dalcher schreibt sehr spannend und mitreißend. Dennoch erinnert mich das Buch immer wieder an eine moderne Version von „The Handmaid‘s Tale“, was mich irgendwie gestört hat. Die Geschichte ist alles andere als vorhersehbar, liest sich flüssig und hat mir gut gefallen. Einige Handlungspunkte sind nicht unbedingt realistisch. Gepaart mit einer etwas kitschigen Liebensgeschichte gibt’s von mir deshalb nur 3.5 Sterne. Dennoch ein lesenswertes Buch, das zum Denken anregt.

Veröffentlicht am 06.03.2018

Sehr unterhaltsame Suche nach der Wahrheit

Das Flüstern der Insel
0

Den Moment, an dem Alice einen Anruf bekommt und erfährt, dass ihr Mann einen Autounfall hatte, wird sie nie wieder vergessen. Auch nicht den nächsten. Im Krankenhaus erfährt sie kurze Zeit später, dass ...

Den Moment, an dem Alice einen Anruf bekommt und erfährt, dass ihr Mann einen Autounfall hatte, wird sie nie wieder vergessen. Auch nicht den nächsten. Im Krankenhaus erfährt sie kurze Zeit später, dass ihr geliebter Chris verstorben ist. Doch etwas passt nicht zusammen: Chris hat sich gemäß seiner letzten Nachricht ganz woanders aufgehalten als dort, wo er schlussendlich verunglückt ist. Was ist passiert? Was hat Chris ihr verheimlicht? Und wie kann Alice es herausfinden?

Alice, nun Witwe mit einer sechsjährigen Tochter und hochschwanger mit der zweiten, findet sich plötzlich alleine. Was bleibt sind die Fragen. Wer war Chris? War ihre Liebe wirklich so vollendet, wie sie immer dachte? Was hatte er für Geheimnisse? Wo war er in der Nacht, als er verunglückt ist? Und so macht sie sich daran, es herauszufinden. Immer tiefer wird sie in eine Spirale gezogen. Sie beginnt, zahlreiche Menschen zu überwachen, immer mehr und immer ausführlicher. Sie findet zahlreiche Geheimnisse, jedoch scheinen diese alle nichts mit Chris zu tun haben. Warum hat Chris auf einer Insel vor Cape Cod, Robin Island, Zeit verbracht, wo er doch Cape Cod so überhaupt nicht ausstehen konnte? Was hat Chris auf der Insel gemacht?

Daniel Sánchez Arévalo führt uns immer tiefer in die menschlichen Abgründe. Alice wird immer verzweifelter, Chris Geheimnis zu entdecken und nimmt immer mehr Abstriche dafür in Kauf. Die ersten ca. hundert Seiten sind etwas langatmig. Der Schreibstil ist jedoch wirklich fesselnd, und den Rest der Zeit konnte ich das Buch kaum aus der Hand legen. Teils erinnert das Buch an einen Film bzw. ein Drehbuch. Insgesamt zwar nicht unbedingt tiefgründig aber gut durchdacht mit einer interessanten Geschichte, so dass man gerne weiterliest.