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Veröffentlicht am 05.06.2019

Die Toten sollen einen Namen bekommen

Unbarmherzig (Ein Gina-Angelucci-Krimi 2)
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Gina Angelucci kehrt in ihren Dienst bei der Mordkommission München, Abteilung Cold Cases, zurück. Tino Dühnfort bleibt mit Töchterchen Chiara zu Hause und nimmt jetzt seine Elternzeit. Die kleine Familie ...

Gina Angelucci kehrt in ihren Dienst bei der Mordkommission München, Abteilung Cold Cases, zurück. Tino Dühnfort bleibt mit Töchterchen Chiara zu Hause und nimmt jetzt seine Elternzeit. Die kleine Familie scheint rundum zufrieden und die Eltern bemühen sich zärtlich besorgt um das Wohlbefinden ihrer kleinen Chiara, die mit einem Herzfehler und dem Down-Syndrom geboren wurde.

Aktuell wurden in dem kleinen Ort Altbruck Schädel und Skelettteile von zwei Personen gefunden, die scheinbar 70-80 Jahre alt sind. Gina und ihr Team ermitteln. Gina erinnert sich noch gut, daß ihre enge Freundin Hermine als Teenie verschwand und man niemals wieder etwas von ihr hörte. Das ist einer der Gründe, weshalb sie den Toten einen Namen geben möchte und auch die Angehörigen verständigen will. Durch eine Isotopenanalyse stellt sich heraus, daß es sich um einen einheimischen Mann handeln muß und um eine Baltin. Als Information erfährt Gina, daß es im Ort ein Heeresmunitionslager gab, in welchem Zwangsarbeiterinnen tätig waren. In einem weiteren Strang kommt die Baltin, Kairi zu Wort und man erfährt ferner wichtige Details über die jungen, einheimischen Burschen. Damit hat der Leser eindeutig einen Vorsprung gegenüber Ginas Ermittlungsarbeit. Ein geplanter Neubau, der am Leichenfundort erstellt werden soll, wird vorerst eingestellt.

Einzelne Bewohner haben sich mit der Geschichte des Ortes befasst und können Gina weiterhelfen. Die Leichenteile wurden von der Witwe Ella gefunden, sie und ein Teil ihrer Familie sind seit vielen Jahren zerstritten. Eine Versöhnung ist gerade im Gespräch und die Alten können sich an diese Zeit noch sehr gut erinnern und etwas zur Aufklärung beitragen. Und eine Person in Altbruck kennt die Wahrheit! Wird Gina sie auch herausfinden?

In München haben Gina und Tino das Gefühl von einer Frau gestalked zu werden und es kostet sie viele Nerven, dieses Thema abzuschließen.



Ich habe tatsächlich alle bisherigen Krimis der Autorin gelesen und ihr Schreibstil ist wie immer sehr flüssig zu lesen, spannend und man legt das Buch erst aus der Hand, wenn es ausgelesen ist. Es ist wie ein Treffen mit guten Freunden, die man einige Zeit nicht gesehen hat, alles wird nach ein paar Seiten wieder lebendig und präsent.

Sie beschreibt Gina, Tino und Chiara liebevoll und ihr Leben, sowohl privat als auch beruflich, sehr realistisch. Der Strang um die Stalkerin wurde gut aufgelöst. Auch die Ermittlungsarbeit und dieses Verbeißen von Gina konnte man gut mit verfolgen. Die Bewohner und ihr Verhältnis, ihre Streitereien untereinander und die Versöhnungsversuche wurden authentisch beschrieben und könnten überall so passieren. Die Auflösung hat sich schon vorher abgezeichnet, was aber der Spannung nicht geschadet hat. Auch das Verhalten von Gina am Ende fand ich sehr sympathisch.

Von mir gibt es auf jeden Fall auch für den 2. Band um Gina eine eindeutige Leseempfehlung!

Veröffentlicht am 27.03.2026

SOKO Spielmann

Mensch töte Dich nicht!
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Im Mai wird in Greetsiel die Meeresbiologin Fenne Jansen mit einem Fahrradschloß an einen Verankerungspfahl gefesselt gefunden. Auf dem Kopf trug sie eine Narrenkappe. Ihre Freundin, die Hauptkommissarin ...

Im Mai wird in Greetsiel die Meeresbiologin Fenne Jansen mit einem Fahrradschloß an einen Verankerungspfahl gefesselt gefunden. Auf dem Kopf trug sie eine Narrenkappe. Ihre Freundin, die Hauptkommissarin Tjalda Hoekstra kann sie zwar in letzter Minute retten, aber seither liegt sie im Koma.

Im September wird in Chur Sarah Bachmann tot an ein Windrad gelehnt und mit einer Narrenkappe auf dem Kopf gefunden. Giulia de Medici und die Profilerin Nadia Caminada bilden hier die Einsatzleitung. Nachdem die Forensikerin „Narrenkappe“ in die länderübergreifende Datenbank eingegeben hat, meldet sich Tjalda bei den Schweizer Kollegen und Giulia wird nach Greetsiel geschickt, um die Fälle abzugleichen und noch mehr Gemeinsamkeiten herauszuarbeiten. Eine grenzüberschreitende SOKO Spielmann wird gegründet.

Es kommt zu einem dritten Mord. Ein Schweizer Lkw-Fahrer wird in Falkenberg, Nähe Bremen tot an eine Hauswand gelehnt, ebenfalls mit Narrenkappe, gefunden. Außerdem gibt es noch eine weitere Gemeinsamkeit – Stichwort Gesellschaftsspiele!

Und dann erlebt der Leser noch Alexander Grolimund kennen, einen fast schon depressiven Millionär, der nach einem neuen Lebensinhalt sucht.

Ein komplexes Unterfangen, das alles unter einen Hut zu bekommen und eine Lösung zu finden.


Für mich war es das erste Buch von Philipp Gurt, für Giulia de Medici bereits der vierte Fall. Die Kurzbeschreibung hat mich neugierig gemacht. Den Plot fand ich in dieser Form innovativ und in der Ausarbeitung hat der Autor eine emotionale Tiefe entstehen lassen. Giulia und Tjalda werden ausführlich charakterisiert. Sie sind sympathisch, tough, kämpferisch und ihre Zusammenarbeit ist erfolgreich, frei von jeglichen Zickereien und sie verbringen in der jeweils anderen Region auch private Zeit miteinander. Die dritte im Bunde ist Nadia, die ihnen mit ihrer Sichtweise als Profilerin zur Seite steht. Leider gerät das Trio dabei in äußerst gefährliche Situationen. Der dramatische Schluß und die Auflösung blieben bis zum Ende rätselhaft und sie konnten nicht erahnt werden.

Ich hatte spannende Lesestunden und empfehle diesen Thriller gerne weiter!

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Veröffentlicht am 26.03.2026

Lebenszeit - noch 5 Tage

Noch fünf Tage
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Angefangen hat es mit einem exklusiven Silvestermenu, das die 45jährige Spitzenköchin Liselotte Castrop für ihre Arbeitgeberfamilie Harmans gekocht hat. Das Milliardär-Ehepaar Harman und ihre beiden Kinder ...

Angefangen hat es mit einem exklusiven Silvestermenu, das die 45jährige Spitzenköchin Liselotte Castrop für ihre Arbeitgeberfamilie Harmans gekocht hat. Das Milliardär-Ehepaar Harman und ihre beiden Kinder wurden mit Polonium210 vergiftet und Liselotte selbst landet mit Vergiftungserscheinungen im Krankenhaus. Aufgrund dessen, daß sie nur eine geringere Menge des Giftes zu sich genommen hat, geben ihr die Ärzte noch fünf Tage bis zu ihrem Ableben. Diese Zeit möchte sie vom Krankenbett aus unbedingt nutzen, um den oder die Täter ausfindig zu machen und die Zukunft für ihre 12jährige Tochter Cosima zu sichern. Vor allem möchte sie klären, wo und bei wem Cosima künftig leben soll und von welchem Geld. Wird Liselotte diese Vorhaben noch umsetzen können? Reicht die Zeit?

Um eine gewisse Spannung zu erzeugen, werden die Kapitel wie bei einem Countdown mit den Resttagen und den Uhrzeiten überschrieben. So ist der Leser stets im Bilde, wie lange Liselotte voraussichtlich noch am Leben ist. Auf der einen Seite wird ihr Krankenhausalltag geschildert mit Krankenschwester Esme, auf der anderen Seite erfährt man ihren beruflichen Werdegang und auch Details zu Familie Harman und ihren Freunden.


Der Klappentext hatte mich neugierig gemacht und dieser Thriller oder besser spannender Kriminalroman ließ sich flüssig lesen. Zu Liselotte hatte ich bis zum Ende ein distanziertes Verhältnis, mir fehlten bei ihr die Emotionen. Ihre Schilderungen waren eher sachlich gehalten. Meine Lieblingsfigur blieb bis zum Ende die Krankenschwester Esme, ihr liebevolles Kümmern um die Patientin und auch ihre Unterstützung bei der Recherche gefielen mir ausgesprochen gut. Das Eintauchen in dieses Milieu der Reichen war ok, allerdings das ständige Erwähnen von Markennamen war mir zu viel und unnötig. Das Cover finde ich passend zur Story und gut gewählt.

Ich hatte unterhaltsame Lesestunden, aber so richtig packen konnte mich das Buch nicht.

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Veröffentlicht am 22.02.2026

Spannend und aktuell

Schattenmädchen
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Schauplatz Schweden im unglaublich heißen Mai
Die Soziologiestudentin Isabella Karlsson wird vermißt. Sie ist 25 Jahre und galt als introvertiert. Zuletzt gesehen wurde sie auf einer Relaese-Party der ...

Schauplatz Schweden im unglaublich heißen Mai
Die Soziologiestudentin Isabella Karlsson wird vermißt. Sie ist 25 Jahre und galt als introvertiert. Zuletzt gesehen wurde sie auf einer Relaese-Party der Firma BubbleBuy. Das Unternehmen wurde von zwei ehemaligen Studenten der LTH in Lund gegründet und hat eine App zur Einkaufshilfe entwickelt. Nun soll das Unternehmen an einen chinesischen Investor verkauft werden. Von Isabelle fehlt seit der Feier jegliche Spur. In mühsamer Kleinarbeit werden einzelne Puzzleteilchen von Fredrika Storm und Henry Calment mit Unterstützung des Teams zusammengetragen. Und dann kommt plötzlich ein alter, abgeschlossener Fall bei den Ermittlungen in den Fokus. Ebenfalls eine Studentin, Petra Olsen, verschwand vor 7 Jahren, ihr Mörder wurde verurteilt und beging aus Verzweiflung Suizid. Er hatte bis zum Schluß seine Unschuld beteuert. Fedrika glaubt der Familie und den Angehörigen, verbeißt sich förmlich in den alten Fall, da sie eindeutige Zusammenhänge zu Isabella erkennt und sich scheinbar alles um die Uni, Studenten und Studentenvereinigungen dreht. Gegen alle Widerstände ermittelt sie und will unbedingt den einen Täter finden, dabei bekommt sie einen gewissen Tunnelblick. Vor allem haben hier sehr viele Beteiligte Geheimnisse. Das Ende und der Ausgang überrascht!


Es ist bereits der dritte Band der Reihe, für mich allerdings das erste Buch der Autorin. Es gibt immer wieder Hinweise auf die Vorgängerbände, das stellte aber für mich als Neueinsteigerin kein Problem dar. Die Ermittlungen im Vermißtenfall nehmen erst langsam Fahrt auf, werden dann allerdings immer rasanter und als Leser stellt man seine eigenen Vermutungen an. Es werden etliche Verdächtige ins Spiel gebracht und die Autorin schürt bei ihren Lesern immer wieder Zweifel über den zeitlichen Ablauf. Verschiedene Alternativen was geschehen sein könnte, werden aufgezeigt und am Ende ist es doch anders. Es geht sowohl um aktuelle politische Themen als auch um Machtmißbrauch und geheime Verbindungen. Das jeweilige Privatleben von Fredrike und Henry wird ausführlich behandelt und nimmt einen für mich zu großen Part im Buch ein. Das hätte gerne etwas zurückgenommen werden können. Beide haben ihre sehr unterschiedlichen Probleme zu bewältigen, die sie über den Büroalltag hinaus beschäftigen, für mich waren es allerdings Unterbrechungen in der Story und im Lesefluß. Ansonsten fand ich das Zusammenspiel der beiden sehr gut und ihre unterschiedlichen Charaktere und Herangehensweisen haben sich gut ergänzt.

Positiv fand ich, daß die Autorin am Ende des Buches erwähnt, daß der vorliegende Fall auf wahren Begebenheiten basiert. Nicht so gut fand ich die Covergestaltung. Es ist zwar schön zum Anschauen und paßt zu den Vorgängerbänden, aber zum Inhalt des vorliegenden Buches hat es keinen Bezug – schade.

Trotz meiner Kritik hatte ich spannende Lesestunden. Die Autorin konnte mich mit diesem Krimi überzeugen und ich empfehle ihn gerne weiter!

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Veröffentlicht am 13.02.2026

Nazaré, die Stadt des Windes und ein Surferparadies

Die Tote von Nazaré
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Die Kölner Hauptkommissarin Maren Berger wurde bei einem Banküberfall angeschossen und will nach einer langen Reha-Zeit zurück ins Leben finden. Allerdings hat sie Erinnerungslücken und ein Dienst ist ...

Die Kölner Hauptkommissarin Maren Berger wurde bei einem Banküberfall angeschossen und will nach einer langen Reha-Zeit zurück ins Leben finden. Allerdings hat sie Erinnerungslücken und ein Dienst ist zur Zeit undenkbar. Deshalb fliegt sie zu ihrer deutschen Freundin Dagmar nach Portugal. Bei einem ersten Spaziergang entdeckt sie neben einer Statue, dem Wahrzeichen Nazarés, eine weibliche Frauenleiche. Sie erkennt die Tote. Es ist die russische Schriftstellerin Ludmilla Donzowa, die sie gestern in einem Cafe auf Englisch angesprochen hat. Als jedoch die Polizei eintrifft, ist die Leiche verschwunden. Hier lernt sie Inspetor João Ferreira von der Policia Judiciária in Leiria kennen, der sehr gut Deutsch spricht, da er längere Zeit in Köln gelebt hat und mit einer Deutschen verheiratet war. Doch eine Leiche ist nicht genug, kurz darauf wird ein deutscher Kollege, Wolfgang Schremp mit einer Kugel im Kopf aufgefunden. Aber Schremp war nicht dienstlich hier, sondern er hatte sich krank gemeldet. Aber aus welchem Grund hat er diese Reise unternommen? Mit Unterlagen von zu Hause versucht Maren ihre Erinnerungen zu ihrem letzten Fall wieder zurückzuerlangen. Daraus resultiert bei ihr ein bestimmter Verdacht, dann erhält sie eine rätselhafte Nachricht und sie gerät durch einen Alleingang in persönliche Gefahr.


Miguel Silva hat einen soliden Krimi geschrieben. Er läßt sich flüssig und durchaus spannend lesen. Der Plot und die Zusammenhänge waren mir persönlich dann doch sehr konstruiert. Es ist der Startband einer neuen Reihe und die beiden Hauptakteure Maren Berger und Inspetor João Ferreira werden eingeführt. Hier hätte ich mir mehr Tiefe gewünscht. Das Urlaubsland Portugal, damit verbunden Essen, Trinken und Saudade, wurden einladend geschildert.

Das Cover wurde perfekt zum Thema ausgewählt. Mit diesen Krimi, der Luft nach oben hat, hatte ich unterhaltsame Lesestunden.

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