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Veröffentlicht am 15.09.2016

Spannende Geschichte, Ende aber zu konstruiert

Das Seehaus
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Ich lese sehr gerne Bücher über Familiengeheimnisse, die auf zwei Zeitebenen spielen. Erstaunlicherweise habe ich aber noch nie etwas von Kate Morton gelesen, was ich nun mit dem aktuellen Buch endlich ...

Ich lese sehr gerne Bücher über Familiengeheimnisse, die auf zwei Zeitebenen spielen. Erstaunlicherweise habe ich aber noch nie etwas von Kate Morton gelesen, was ich nun mit dem aktuellen Buch endlich einmal ändern konnte.

Sadie ist Polizistin in London. Bei ihrem letzten Fall hat sie sich zu sehr in eine Theorie verbissen, hat die nötige Distanz zu den Beteiligten verloren und stand kurz vor einer Suspendierung. Um dem zuvorzukommen, nimmt sie Urlaub und besucht ihren Vater, der vor kurzem nach Cornwall gezogen ist. Wirklich zur Ruhe kommt sie dort allerdings nicht. Bei ihren Streifzügen entdeckt sie eines Tages ein verlassenes Herrenhaus, wunderschön gelegen an einem See, in einem großen Park.
Sadie beginnt nachzuforschen, was es mit dem Anwesen auf sich hat.

Die zweite Handlungsebene spielt größtenteils in den 30er Jahren und schildert das Leben der Familie Edevane, die damals in dem Haus am See gelebt hat und die von einer schrecklichen Katastrophe erschüttert wurden.
Für den Leser enthüllt sich ganz langsam eine spannende Geschichte voller dramatischer Geheimnisse. In der Vergangenheitshandlung gibt es immer wieder kleinere Zeitsprünge, so dass wir miterleben, wie die junge Eleanor vor dem Ersten Weltkrieg ihren Mann kennenlernte, wie sie eine Familie gründeten und nach Cornwall zogen. Viele der dann folgenden Ereignisse erleben wir dann aus der Perspektive ihrer Tochter Alice ganz direkt mit.

Sehr geschickt baut die Autorin die Geschichte auf, legt immer wieder falsche Spuren und schickt den Leser gekonnt in die Irre. So suggeriert sie dem Leser immer wieder, dass sich etwas in bestimmter Weise abgespielt hätte, um später mit einer ganz anderen Auflösung anzukommen, bei der man aber immer zugeben muss, dass die erste eigene Interpretation eben nicht wirklich belegt war und es auch ganz andere Möglichkeiten gegeben hat.
So bleibt das Spannungslevel nach einem eher gemächlichen Beginn dann bis zum Ende hoch und ich mochte das Buch kaum aus den Händen legen. Durch die vielen Personen und Details und die ganzen Verwicklungen ist es auch empfehlenswert, das Buch möglichst in einem Rutsch zu lesen und nicht zu lange Pausen zu machen, schnell besteht sonst die Gefahr, den Faden zu verlieren.

Der Schluss war mir dann aber doch etwas zu konstruiert, zu viel des Guten. Die Autorin strapaziert den Zufall hier dann doch zu sehr, hier wäre für mich weniger mehr gewesen.

Veröffentlicht am 21.02.2018

Halbwegs unterhaltsam

Die Bernsteinhexe
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Usedom, während des Dreißigjährigen Krieges. In der Bevölkerung herrschen Hunger und Armut. Auf der Insel Usedom ist es noch nicht ganz so schlimm wie anderswo, aber im Luxus schwelgen sie auch nicht. ...

Usedom, während des Dreißigjährigen Krieges. In der Bevölkerung herrschen Hunger und Armut. Auf der Insel Usedom ist es noch nicht ganz so schlimm wie anderswo, aber im Luxus schwelgen sie auch nicht. Maria ist die Tochter des örtlichen Pfarrers, ihr Vater und sie geben alles, um ihren Schäfchen so gut wie möglich zu helfen und beizustehen. Doch ihr Vater ist ein streitbarer Mann und wettert immer wieder von seiner Kanzel gegen den zuständigen Hauptmann, der Geld, das der Gemeinde zusteht, nicht auszahlt und somit das Elend noch verschlimmert. Der Hauptmann wiederum lässt das natürlich nicht auf sich sitzen und rächt sich bei jeder Gelegenheit am Pfarrer und seiner Tochter.

Als Maria in der Nähe auf eine reiche Bernsteinader stößt, sieht es zunächst so aus, als könnten sie damit den Dorfbewohnern helfen. Maria macht sich auf eine gefährliche Reise durch das kriegsgebeutelte Land, um den Bernstein in der reichen Kaufmannsstadt Danzig zu verkaufen.
Doch als sie wieder zurückkehrt und sich alles zum Guten zu wenden scheint, kommt auch erstes Misstrauen über den plötzlichen Reichtum der Gemeinde auf. Schnell ist eine Schuldige gefunden: Maria muss eine Hexe sein!

Mich konnte das Buch leider nicht wirklich überzeugen. Ich habe schon einige Bücher über Hexenverfolgung gelesen und bin von dem Thema vielleicht etwas übersättigt. Allerdings spielt diese Thematik hier erst im letzten Drittel des Buches wirklich eine Rolle. Vorher geht es um das Leben auf der Insel, die Dorfbewohner, einen Fremden, der plötzlich auftaucht und sich in der Nähe ansiedelt, die Streitereien zwischen dem Pfarrer und dem Hauptmann und dann um Marias Reise nach Danzig. Das liest sich alles ganz nett, aber nicht sonderlich fesselnd. Gut dargestellt fand ich allerdings die Dorfgemeinschaft und wie einfach es ist, in Zeiten von Not und Elend Misstrauen zu wecken und Zwietracht zu säen, insbesondere gegen jeden Fremden, aber in diesen abergläubischen Zeiten auch gegen jemand, von dem die Menschen es eigentlich besser wissen müssten – wir verbrennen heute keine Hexen mehr, aber wenn man sich manche Auswüchse in TV und Social Media so ansieht, sind wir davon gar nicht so weit entfernt.

Relativ unglaubwürdig kam für mich die eingebaute Liebesgeschichte daher. Ich hatte sogar auf einen anderen Kandidaten gesetzt und war daher recht erstaunt über die Wendung in dieser Hinsicht.

Insgesamt ein halbwegs unterhaltsamer historischer Roman vor der Kulisse Usedoms und des Dreißigjährigen Krieges, aber für mich leider kein Highlight.

Veröffentlicht am 21.02.2018

Hexenjagd und Kölnisch Wasser

Der Duft des Teufels
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Köln, Ende des 17. Jahrhunderts. Der Italiener Paolo Feminis handelt mit allerlei Waren, nebenbei versucht er, ein altes Erbe seines Großvaters umzusetzen. Dieser hat die Rezeptur eines ganz besonderen ...

Köln, Ende des 17. Jahrhunderts. Der Italiener Paolo Feminis handelt mit allerlei Waren, nebenbei versucht er, ein altes Erbe seines Großvaters umzusetzen. Dieser hat die Rezeptur eines ganz besonderen Duftwassers aufgezeichnet, doch diese ist nicht einfach nachzuvollziehen und Paolo experimentiert nun schon lange an der Herstellung dieses besonderen „Aqua mirabilis“ herum.

Doch nun wird unter der Hand ein anderes Duftwasser in Köln verkauft und es zeigt ganz erstaunliche Wirkungen, insbesondere in sexuell enthemmender Weise. Das ruft schnell die Kirche auf den Plan und genauso schnell ist vom Teufel die Rede!
Paolo stellt seine eigenen Experimente ein, doch ist ihm bewusst, dass auch er schnell in den Kreis der Verdächtigen geraten könnte.

Kathrina ist eigentlich eine unbescholtene junge Frau, doch als Hebamme und Witwe eines Protestanten ist sie schnell ein gefundenes Opfer für diejenigen, die mit dem Finger auf jemanden zeigen wollen. Ein abgewiesener Verehrer sieht hier einen geeigneten Weg, sich zu rächen und bei dem fanatischen Dominikanerbruder Martin findet er schnell ein geneigtes Ohr. Zum Glück hat Kathrina in dem jungen Daniel einen liebevollen und einflussreichen Unterstützer, der seinerseits alles tut, um den Verdacht von der jungen Frau zu nehmen.

Dennoch, die Stimmung in Köln brodelt und droht überzukochen. Der einzige Weg, wie Paolo und Kathrina sich schützen könnten, wäre es, den wahren Hersteller und Verkäufer des angeblichen Wunderwassers zu finden. Doch wird ihnen dies gelingen?

Das Buch beginnt recht gemächlich und es dauert seine Zeit, bis sich so langsam Spannung aufbaut. Die Liebesgeschichte zwischen Daniel und Kathrina war für mich ziemlich unglaubwürdig. Er ist ein Sohn aus wohlhabendem Haus und sie steht gesellschaftlich weit unter ihm. Dass er sich darum so wenig schert, ist zwar löblich, aber eben nicht sonderlich glaubwürdig für diese Zeit und Gesellschaft.

Erschreckend realistisch dargestellt fand ich hingegen den Hass von Kathrinas Verehrer Hans und den fanastischen religiösen Eifer von Bruder Martin. Beide empfand ich beim Lesen als schwer erträglich, aber leider auch als glaubwürdig.

Insgesamt hat mich das Buch ganz gut unterhalten, aber letztlich hatte ich das Gefühl, hier wurden Handlungsstränge zusammen gepfropft, die nicht so recht zusammenpassten.

Veröffentlicht am 21.02.2018

Die Reformation kommt nach Köln

Die Reformatorin von Köln
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Köln, Anfang des 16. Jahrhunderts, zu Beginn der Reformation. Jonatas Bruder Lucas ist tot und sie und ihr Vater sind in tiefer Trauer. Wie soll es nun weitergehen mit der Brauerei, die Lucas doch hätte ...

Köln, Anfang des 16. Jahrhunderts, zu Beginn der Reformation. Jonatas Bruder Lucas ist tot und sie und ihr Vater sind in tiefer Trauer. Wie soll es nun weitergehen mit der Brauerei, die Lucas doch hätte übernehmen sollen? Jonatas anderer Bruder Enderlin ist schon seit Jahren Mönch in einem Dominikanerkloster und entsagt der Welt außerhalb der Klostermauern so weit wie möglich.

Jonata wird von ihrem Vater mit einer Geschäftsreise nach Sachsen beauftragt, um dort Hopfen einzukaufen. Auf dem Weg dorthin hört sie das erste Mal von Martin Luther und seinen Thesen. Jonata beginnt, an dem zu zweifeln, was sie bisher von der Kirche und ihren Vertretern gehört hat. Ist der Ablassbrief, den sie für teures Geld gekauft hat, etwa doch kein Garant dafür, dass ihr geliebter Bruder nicht im Fegefeuer schmoren muss? Reicht es, aufrichtig zu bereuen, um ganz ohne Ablass von seinen Sünden befreit zu werden? Jonata fühlt die Richtigkeit dieser revolutionären Gedanken und will Luthers Schriften auch nach Köln bringen, um sie dort zu verbreiten. Unterstützung findet sie in dem jungen Drucker Simon von Werden, dessen Vater gerade gestorben ist und der nun mit einer schrecklichen Enthüllung zurechtkommen muss, die ihn und seinen Bruder zu entzweien droht.

Doch die Kirche sieht in Luther einen Ketzer, seine Schriften, Gedanken und Unterstützer müssen unter allen Umständen bekämpft werden. Ausgerechnet Enderlin wird von seinem Prior damit beauftragt, Köln rein davon zu halten! Wird er in seinem fanatischen Glauben auch vor seiner eigenen Schwester nicht Halt machen?

Einerseits hat mich das Buch ganz gut unterhalten, andererseits fand ich doch auch so einiges nicht schlüssig und somit etwas unglaubwürdig. Das fängt schon damit an, dass der Vater Jonata auf diese Reise schickt, wo er ihr als Frau doch eigentlich nicht wirklich viel zutraut. Dann war mir das ganze hinundher rund um Simon, seinen Bruder und die Druckerei einfach zu viel, auch wenn ich die Informationen zum Druckwesen an sich durchaus interessant fand.

Gut beschrieben fand ich den revolutionären Einfluss von Luthers Gedanken und Schriften, ebenso natürlich die Reaktion der Kirche, die ihre Einnahmen aus dem höchst einträglichen Ablasshandel dahinschwinden sah. Weniger glaubwürdig war für mich Enderlin, der sich mehr als einmal eher tollpatschig verhält und irgendwie keine gerade Linie findet. Er tat mir beinahe schon leid.

Insgesamt zog sich die Handlung für mich an vielen Stellen ziemlich. Die Autorin hat zwar einen gut zu lesenden Schreibstil, aber das konnte die Längen nicht immer wettmachen.

Veröffentlicht am 02.01.2018

Die schöne Insel

Die schöne Insel
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Shanghai, im Jahr 1900. Anastassia wächst als Tochter russischer Einwanderer in Shanghai auf. Nach dem Tod ihres geliebten Vaters eröffnet ihr die Mutter, dass sie zurück nach Russland gehen wird, Anastassia ...

Shanghai, im Jahr 1900. Anastassia wächst als Tochter russischer Einwanderer in Shanghai auf. Nach dem Tod ihres geliebten Vaters eröffnet ihr die Mutter, dass sie zurück nach Russland gehen wird, Anastassia aber nicht mitnehmen wird, da diese nicht ihre leibliche Tochter ist. Ana hat nun die Wahl, zu heiraten oder sich selbst durchzuschlagen. Sie wählt letztere Option und hat Glück, eine Anstellung im Laden von Felix Hoffmann zu bekommen, der ihr in vielen Dingen hilfreich zur Seite steht. Ob sich hier noch mehr entwickeln könnte? Doch Felix Hoffmann scheint sich eher für Clio zu interessieren, eine junge Chinesin, die aus einem Bordell geflohen und dabei zufällig Ana über den Weg gelaufen ist. Die beiden ungleichen jungen Frauen tun sich zusammen und trotz aller Unterschiede in Herkunft, Erziehung und Charakter werden sie Freundinnen. Diese Freundschaft geht so weit, dass Ana schließlich gemeinsam mit Clio in deren Heimat, auf die Insel Formosa reist, wo die junge Chinesin einst ihre große Liebe zurückgelassen hat. Dort angekommen, findet auch Ana endlich ein wirkliches Ziel in ihrem Leben.

Das Buch ist die lose Fortsetzung der China-Reihe der Autorin, die bisher die beiden Bände „Das Geheimnis der Jaderinge“ und „Die Rebellin von Shanghai“ umfasste. Man kann „Die schöne Insel“ aber problemlos ohne Vorkenntnisse lesen, denn Ana ist eine neue Protagonistin, die nur kurz in einem der Vorgängerbände erwähnt wurde.

Mir hat das Buch wieder gut gefallen, wenn auch etwas weniger als die beiden Vorgänger. Der Schreibstil der Autorin ist gewohnt angenehm und einfach zu lesen. Die fremde, exotische Welt wird anschaulich beschrieben und es entsteht so ein gutes Bild vor meinen Augen. Etwas Schwierigkeiten hatte ich mit einigen Figuren des Buches, deren Handlungen und Motivation ich nicht so recht greifen konnte. Ana hingegen entwickelt sich glaubwürdig und ist eine sympathische Protagonistin, auch wenn ich nicht jede ihrer Entscheidungen nachvollziehen konnte – das muss aber ja auch nicht sein.
Ein großer Fokus des Buches liegt auf Beziehungen von Menschen aus unterschiedlichen Kulturen und den daraus entstehenden Problemen und Schwierigkeiten. Das fand ich sehr spannend und interessant zu lesen. Auch die Beschreibung der Insel Formosa (heute Taiwan) und ihrer Geschichte war für mich sehr lehrreich, da ich hierüber bisher kaum etwas wusste.

Insgesamt ist der Autorin hier wieder ein schöner historischer Liebesroman vor interessanter Kulisse gelungen – ich bin gespannt, wohin sie uns beim nächsten Mal entführen wird!