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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 27.03.2026

Umfassender Ratgeber

Nimm den Zwängen die Macht
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Ich glaube, fast jeder und fast jede denkt, ein Sklave zwanghafter Handlungen zu sein. In diesem Fall bietet der Ratgeber "Nimm den Zwängen die Macht" von Ulrich Voderholzer, Stefan Koch und Rebecca Schennach ...

Ich glaube, fast jeder und fast jede denkt, ein Sklave zwanghafter Handlungen zu sein. In diesem Fall bietet der Ratgeber "Nimm den Zwängen die Macht" von Ulrich Voderholzer, Stefan Koch und Rebecca Schennach schnelle Ersthilfe. Der allumfassende Ratgeber hilft erst einmal dabei, genau einzuordnen, ob man wirklich unter Zwängen leidet oder ob die Zwänge eher als Marotte durchgehen können.

Mir hat es sehr geholfen, zwischen beidem zu unterscheiden, wobei ich eher bei der Marotte gelandet bin, was dann wieder sehr erleichternd war. Liest man den Ratgeber, so erfährt man aber auch, welche Zwänge es so gibt: Vieles hat man schon gehört, anderes war mir neu. Viele Menschen "müssen" bestimmte Dinge tun, z.B. Treppenstufen zählen, doch wenn es für sie nicht einschränkend ist und andere nicht darunter leiden oder darauf hinweisen, ist dies kein Problem.

Eine echte Zwangserkrankung jedoch schränkt das Leben immens ein und kann z.B. auch zur Vereinsamung führen. In diesem Fall brauchen Betroffene Hilfe. Der Ratgeber ist allumfassend und daher sehr wertvoll für alle, die glauben, eine Zwangserkrankung zu haben. Und so kann es sein, dass man entweder mit der Marotte leben kann oder noch zusätzliche Hilfe in Anspruch nehmen muss, denn eine solche Erkrankung muss möglicherweise doch professionell behandelt werden. Alles in allem sehe ich den Ratgeber vor allem als Hilfe, auszuloten, wo man steht. Dass man sich dem Zwang durch ihn entziehen kann, wäre toll, darf man aber nicht erwarten.

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Veröffentlicht am 17.02.2026

Himmel ohne Flügel

Der letzte Sommer der Tauben
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Abbas Khider hat viel erlebt, und er weiß davon zu erzählen. Ich habe seine eigene Lebensgeschichte bereits in "Palast der Miserablen" als Hörbuch gehört, mit dem sehr poetischen Titel "Der letzte Sommer ...

Abbas Khider hat viel erlebt, und er weiß davon zu erzählen. Ich habe seine eigene Lebensgeschichte bereits in "Palast der Miserablen" als Hörbuch gehört, mit dem sehr poetischen Titel "Der letzte Sommer der Tauben" ist nun ein Roman erschienen, der zwar fiktiv zu sein scheint, doch auch sehr persönlich, sehr biographisch klingt. Dabei beschreibt der Autor in kurzen Kapiteln, mit dichten und sehr eindrücklichen Worten, wie das Kalifat nach und nach alle Lebensbereiche der Bewohner über- und ihnen damit die Luft zum Atmen nimmt.

Protagonist ist der Teenager Noah, sicher ein Abbild von Khider selbst, der vor allem Freude an seiner Taubenzucht findet, wie so viele andere im Viertel. Während die Freiheit der Bewohner immer mehr eingeschränkt wird - erst wird nur nackte Haut auf den Bildern geschwärzt, später alle weltlichen Dinge abgegeben - sind die Tauben noch frei, sie können ihre Runden am Himmel ziehen und auch zu manch einer Botensendung herangezogen werden.

Während die Tauben noch frei sind, verschwinden Menschen, werden Jugendliche in "Freizeitlagern" umerzogen, und die Menschen versuchen sich kleine Freuden heimlich zu bewahren, während sie die offensichtlichen (z.B. Fernseher, Handy) abgeben müssen. Und auch die Tauben werden nicht mehr lange fliegen...

Bisher ist "Der letzte Sommer der Tauben" mein Lesehighlight des Jahres, ein Meisterwerk, das von der dichten Sprache und den kurzen Kapiteln mit vielen schockierenden Wendungen lebt. Das, was man sonst in den Berichten und Nachrichten hört, bekommt durch den Jungen Noah ein Gesicht.

Ich habe während des gesamten Buches ein bedrückendes Gefühl nicht ablegen können. Ich finde den Gegensatz der freien Tauben und unfreien Menschen sowie die Entwicklung in diesem Roman sehr gut gelungen und sehr intensiv. Doch auch die Tauben verlieren am Ende, nur eine Flucht kann noch der Ausweg sein, denn Abbas Khider nehmen konnte, so viele andere aber nicht.

Da der Autor erst 19 Jahre in Bagdad gelebt und dann erst die deutsche Sprache gelernt hat, finde ich seinen Schreibstil bewundernswert und habe dies auch beim Lesen im Hinterkopf. "Der letzte Sommer der Tauben" ist für mich natürlich ein 5-Sterne-Buch!

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Veröffentlicht am 08.02.2026

Der "spürnasigste" Kommissaranwärter von allen

Kommissar Pfote (Band 6) - Ein Einbruch ohne Spuren
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Kommissar Pfote ist ein cleverer, aufgeweckter, liebenswerter Spürhund im Training. Er löst schon seinen sechsten Fall in "Kommissar Pfote - Ein Einbruch ohne Spuren" von Katja Reider und Dirk Hennig. ...

Kommissar Pfote ist ein cleverer, aufgeweckter, liebenswerter Spürhund im Training. Er löst schon seinen sechsten Fall in "Kommissar Pfote - Ein Einbruch ohne Spuren" von Katja Reider und Dirk Hennig. Der Fall ist gut durchdacht, spannend und einfach herzig illustriert. Ich würde sagen: Hier stimmt einfach alles!

Die Illustrationen sind der Hingucker, weil immer wieder auf Details geachtet wurde. So wächst Nasrins Blume im Haar z.B. auch auf der Wiese, und wer die Bilder genau betrachtet, erfährt auch schon viel über den Taschendieb. Weiterhin war die Story für mich auch nicht gleich überschaubar, Überraschungen sind garantiert!

Alles in allem würde ich diesen Fall für Kleine und Große gern empfehlen. Es ist mein erster Fall von Kommissar Pfote, ich freue mich aber auf weitere Bände und werde auch die ersten fünf noch lesen. Sehr gelungen!

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Veröffentlicht am 08.02.2026

Kaum zu ertragen (Hörbuchrezension)

Der Reisende
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Ulrich Alexander Boschwitz' "Der Reisende" ist mir seit seinem Erscheinen 2018 im Kopf geblieben, doch erst jetzt habe ich das erschütternde Hörbuch gehört. Das Buch ist zum ersten Mal bereits 1939 erschienen ...

Ulrich Alexander Boschwitz' "Der Reisende" ist mir seit seinem Erscheinen 2018 im Kopf geblieben, doch erst jetzt habe ich das erschütternde Hörbuch gehört. Das Buch ist zum ersten Mal bereits 1939 erschienen und daher ein eindringliches Zeugnis seiner Zeit, das man kaum ertragen kann. So wird der Roman manchem vielleicht etwas langatmig scheinen, da der Reisende Otto Silbermann eben stets auf Reisen ist, doch nur die Länge der Erzählung und die langsame, aber stetige Verschlimmerung der Situation zeigen die Ausweglosigkeit der Situation, aber auch die Unbarmherzigkeit der meisten Begegnungen des Herrn Silbermann auf.

Dabei ist Silbermann ein großer Sympathieträger: Als ehrbarer Geschäftsmann mit erwachsenem Sohn und Ehefrau ist er zu einigem Wohlstand gekommen. Er scheint tugendhaft, gebildet, er steht auch voll im Leben. Doch die Verfolgung der Juden holt auch ihn ein, der einzige (kurzfristige) Ausweg scheint das Reisen durch Deutschland zu sein. Dabei versucht Silbermann alles, um der Lage zu entkommen.

Ich fand die Handlung von Anfang bis Ende sehr spannend und habe mitgefiebert. Man wünscht Herrn Silbermann einen guten Ausweg aus der Lage, ist er doch ein guter Deutscher (der im 1. Weltkrieg für Deutschland an der Westfront war), der nun aber nur noch zwei Dinge hat, die ihm auf seinem Weg helfen: sein Geld und sein nichtjüdisches Aussehen.

Der Roman zeigt die Grausamkeit der Zeit auf, zeigt, wie die anderen nun Silbermanns Situation schamlos ausnutzen oder ihn fallenlassen oder sich gar gegen ihn wenden. Er macht sich so unsichtbar wie möglich, muss stets aufmerksam bleiben und bewegt sich in der Menschenmenge doch relativ selbstsicher. Überhaupt hat mich sein Durchhaltevermögen überrascht, da die Situation auch immer auswegloser wird, wobei man aber nicht vergessen darf, dass sich die gesamte Handlung nur über wenige Tage erstreckt.

"Der Reisende" hat mich emotional sehr berührt. Besser als jedes Sachbuch ist dieser Roman ein Geschichtsdokument, das als Schullektüre gelesen werden sollte. Ich denke, diesem Buch sollte mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden. Für mich war es ein Hörhighlight des Jahres und bekommt natürlich die volle Sternzahl.

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Veröffentlicht am 08.02.2026

Frischer Look

Pflück dich glücklich!
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Sandra Jägers' "Pflück dich glücklich!" ist eine Einladung, sich einen Naschgarten anzulegen. Dies kann auch auf kleinen Gartenflächen oder auf dem Balkon gut gelingen. Während früher jede Ecke im Garten ...

Sandra Jägers' "Pflück dich glücklich!" ist eine Einladung, sich einen Naschgarten anzulegen. Dies kann auch auf kleinen Gartenflächen oder auf dem Balkon gut gelingen. Während früher jede Ecke im Garten für die Selbstversorgung genutzt wurde, herrschen heute fast nur noch Ziergärten vor, wenn nicht sogar die pflegeleichten, unproduktiven Schottergärten.

Mir gefällt das Layout des Buches sehr, vor allem auch, dass die meisten Fotos eine Bildunterschrift haben. Das ist nur leider nicht bei allen so. Weiterhin sind die meisten Koch- und Gartenbücher heute lediglich eine Inszenierung der Autorin. Hier gibt es zwar auch Fotos der Autorin im Buch, sie scheint mir aber nicht komplett in den Vordergrund gerückt zu sein.

Das Buch stellt eine Vielzahl von Naschgartenpflanzen vor; hier gibt es manche, an die ich nicht gedacht hätte. Natürlich sind nicht alle Pflanzen Naschpflanzen (z.B. Spargel, Meerettich), aber man kann ja selbst überlegen, was einem passt.

Weiterhin gibt es viele Anleitungen zu den Arbeiten, die über das Jahr verrichtet werden müssen, ebenso sehr viele interessante Infos zu Schädlingen, dazu sehr gute Fotos. Und auch Wildobst (sehr interessant) und die Pflege der (gewünschten) Insekten im Garten findet einen Raum in diesem Ratgeber.

Alles in allem würde ich eine volle Empfehlung aussprechen für alle, die sich endlich an einen Naschgarten wagen, die bisher aber noch nicht viel über das Thema wissen. Hier bekommt man viele Inspirationen, die einem bei gezielter Internetrecherche nicht begegnen würden. Es bleibt die Hoffnung, dass mehr Hobbygärtnernde wieder leckere Pflanzen selbst anbauen.

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