Profilbild von lielo99

lielo99

Lesejury Star
offline

lielo99 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit lielo99 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 30.03.2026

Hans Christian Andersen hautnah erleben

Die Liste der Lebenden
0

Am 13. September 1858 geschah das Unglaubliche. Das eigentlich unsinkbare Schiff, mit modernster Technik ausgestattet, sank. 495 Menschen starben. Unter ihnen auch eine enge Freundin des berühmten Dänen ...

Am 13. September 1858 geschah das Unglaubliche. Das eigentlich unsinkbare Schiff, mit modernster Technik ausgestattet, sank. 495 Menschen starben. Unter ihnen auch eine enge Freundin des berühmten Dänen Hans Christian Andersen, Henriette Wulff. Sie rettete sich zunächst auf eine Türe und hoffte stundenlang auf die Erlösung. Dabei schrieb sie fiktive Briefe. Also in Gedanken. Alles, was sie Herrn Christian schon immer sagen wollte, kam ihr im Angesicht des Todes in den Sinn.

In Kopenhagen wartete der Dichter auf ein Lebenszeichen von Henriette. Obwohl er sehr verärgert war, dass sie ihn verließ und in die USA auswandern wollte. Sie fehlt ihm schon jetzt. Um seine Sorgen zu vergessen, schreibt auch er Briefe. Beide trauen sich endlich, ihre Gefühle füreinander zu offenbaren. Gleichzeitig erfährt der Leser auch noch eine Menge über das Leben von Andersen und Wulff.

Ein Buch, das nicht mit Spannung oder Erotik aufwartet. Leise Töne und versteckte Sympathiebekundungen machen es so lesenswert. Die Sprache ist ein genaues Abbild jener Zeit. Ein wunderschönes Stück Vergangenheit, das mir den Dichter noch ein Stück näher brachte. Die Recherchen des Autors waren äußerst umfangreich, denn über Frau Wulff gibt das Netz nur wenig her. Interessant fand ich seinen Verweis auf Artikel zu den beiden Briefschreibern.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 27.03.2026

Ein gutes Buch, das volle Konzentration verlangt

Das glückliche Schicksal
0

Wandas Vater war Zwangsarbeiter in Deutschland. Mittlerweile kann er nicht mehr arbeiten. Die Folgen von Hunger, Misshandlungen und Überlastung machen sich immer häufiger bemerkbar. Wie Wanda lebt er in ...

Wandas Vater war Zwangsarbeiter in Deutschland. Mittlerweile kann er nicht mehr arbeiten. Die Folgen von Hunger, Misshandlungen und Überlastung machen sich immer häufiger bemerkbar. Wie Wanda lebt er in Krakau und von hier aus macht sich die Tochter auf den Weg in den Westen. Zum ersten Mal. Ihr Ziel ist Venedig, wo das das Ehepaar Mrugalski lebt. Sie möchte ein Interview mit Herrn Henryk Mrugalski machen. Die beiden nehmen sie herzlich auf.

"Das glückliche Schicksal" taucht ein in die Erinnerungen von Henryks Lagerhaft im Ural. Er wurde verurteilt, weil er angeblich flüchten wollte. Kaum mehr lebensfähig wurde er begnadigt und das Schicksal meinte es gut mit ihm. Er fand nämlich auch seine jüdische Frau und beide konnten als Exilanten nach London reisen. Zunächst hat Wanda es nicht leicht mit dem Herren. Es sieht aus, als sei eine Mauer zwischen ihnen aufgebaut. Zum Glück währte diese Befangenheit nicht lange.

Der Roman ist fesselnd und zugleich stimmt er sehr nachdenklich. Es werden Ereignisse aufgeführt, die sich im grausamen Krieg und seinen Nachwehen ereigneten. Kein Buch, das mit erhobenem Zeigefinger oder gar Verurteilungen daherkommt. Sachlich und klug ausgearbeitet, so empfand ich es beim Lesen. Mein Fazit: Hervorragende Lektüre, die volle Aufmerksamkeit verlangt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 27.03.2026

Männer wie Willy Brandt fehlen mehr denn je

Nein sagen
0

Am 20. Juli 1944 wurde ein Attentat auf den „Führer“ verübt. Tapfere Männer wollten auf diese Weise dem Grauen de Krieges ein Ende bereiten. Leider misslang die Aktion und es folgte eine Flut von Hinrichtungen. ...

Am 20. Juli 1944 wurde ein Attentat auf den „Führer“ verübt. Tapfere Männer wollten auf diese Weise dem Grauen de Krieges ein Ende bereiten. Leider misslang die Aktion und es folgte eine Flut von Hinrichtungen. In jedem Jahr wird dieser Helden gedacht und so geschah es auch im Jahr 2025. Zu den geladenen Rednern gehörte Matthias Brandt und er überlegte lange, ob er dieser Einladung folgen sollte. Aber sein Pflichtbewusstsein besonders im Hinblick auf seine Eltern, ließen ihn zusagen. Seine Gedanken dazu schrieb er in seinem Buch "Nein sagen" nieder.

Ich hörte mir das Buch als Hörbuch an und war gefesselt. Als Sohn des ehemaligen Kanzlers Willy Brandt berichtet er Ereignisse aus seinem Leben, die ich nicht kannte. Ja, der „Kniefall von Warschau“ ist wohl den meisten Deutschen ein Begriff. Für Willy Brandt war wichtig, dass sich die ehemaligen Feinde annähern und das Verhältnis begann, sich zu entspannen. Aber auch, dass er vor Hitler und seinen Schergen fliehen musste? Dass er aktiv im Widerstand kämpfte und das von Norwegen aus? Willy Brandt ist in meinen Augen noch immer ein Vorbild. Politiker, wie er es war, die fehlen heute. Auf welche Weise er damals seinen Platz räumen musste, ist für mich bis heute nicht nachvollziehbar. Mehr werde ich nicht offenbaren, denn dieses Buch sollte auf vielen Wunsch- und Einkaufslisten stehen.

Neben dem Inhalt des Buches gefiel mir der Vortrag des Autors ebenfalls sehr gut. Er präsentiert sein Werk völlig unaufgeregt, aber im Verweis auf die nationalsozialistischen Kräfte in Deutschland, sehr deutlich. Ganz klare Empfehlung gibt es daher von mir.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 24.03.2026

Spannend bis zum fulminanten Finale

Die Tote von Nazaré
0

Maren Berger lag lange im Koma und kämpfte sich mühsam ins Leben zurück. An die Zeit vor ihrer Verletzung kann sie sich nicht erinnern. Jetzt muss sie auch noch regelmäßig einen Polizeipsychologen besuchen. ...

Maren Berger lag lange im Koma und kämpfte sich mühsam ins Leben zurück. An die Zeit vor ihrer Verletzung kann sie sich nicht erinnern. Jetzt muss sie auch noch regelmäßig einen Polizeipsychologen besuchen. Irgendwann reicht es ihr und sie reist kurzentschlossen nach Portugal. Sie möchte wieder ganz gesund werden. Als Ermittlerin tätig sein und den Verbrechern in Köln das Fürchten lehren.
"Die Tote von Nazaré" ist ein fesselnder Krimi mit spannungsreichen Wendungen. Frau Berger möchte sich von ihrem Trauma erholen und gerät dann doch wieder in den Strudel von Gewalt und Tod. Nur langsam kehrt die Erinnerung an Ereignisse vor ihrer Verletzung zurück und bis zum fulminanten Schluss bleibt das Buch äußerst spannend und nicht vorhersehbar. Die Sprecherin gefiel mir sehr gut. Ihr Vortrag war lebendig und zog mich neben der Story ebenfalls in ihren Bann.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 21.03.2026

Ein Krimi, der das Leid der Menschen nach der Flut bestens darstellt

Eine Nacht im Juli
0

Jana Vogt ist Tatortfotografin. Sie lebt im Ahrtal, in Bad Neuenahr-Ahrweiler. Als die Flut über das Tal hinwegrollte, war sie nicht zuhause. Zum Glück. Ihre Wohnung direkt unterm Dach war zwar nicht betroffen, ...

Jana Vogt ist Tatortfotografin. Sie lebt im Ahrtal, in Bad Neuenahr-Ahrweiler. Als die Flut über das Tal hinwegrollte, war sie nicht zuhause. Zum Glück. Ihre Wohnung direkt unterm Dach war zwar nicht betroffen, aber die anderen Etagen wurden von den Wassermassen geflutet. Am Tag nach der Flutwelle wollte sie in ihre Wohnung. Das war nicht möglich. Daher nahm sie sehr gerne ein Angebot ihres freundlichen Nachbarn an. Sie zog in ein Dorf im Höhengebiet der Eifel. In ein Ferienhaus. Wie es der Zufall will, wird sie hier direkt mit einem Mordfall konfrontiert. Und nicht nur das. Es gibt weitere Todesfälle, von denen einige bereits Jahre zurückliegen.

Der Kriminalroman „Eine Nacht in Juli“ setzt sich eindringlich mit der Tragödie in 2021 auseinander. Die Autorin lebte damals im Ahrtal und beschreibt absolut authentisch, wie es den Bewohnern nach der Flut ging. Beim Lesen war ich sofort mittendrin und immer wieder kamen mir die Tränen. Aber auch die Ermittlungen fesselten mich. So viele falsche Spuren und etliche Verdächtige machen das Buch zu einem kurzweiligen und spannenden Krimi. Wenn, ja wenn es nicht immer wieder Hinweise auf das Leid der Menschen im Tal geben würde.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere