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Veröffentlicht am 29.03.2021

Politkrimi mit Schwächen

Geiger
12

Die Enkelkinder wurden abgeholt, die Großeltern sind wieder alleine. Stellan setzt sich in seinen Lesesessel, um Musik zu hören, Agneta winkt ihren Enkeln zum Abschied. Als das Telefon klingelt, geht sie ...

Die Enkelkinder wurden abgeholt, die Großeltern sind wieder alleine. Stellan setzt sich in seinen Lesesessel, um Musik zu hören, Agneta winkt ihren Enkeln zum Abschied. Als das Telefon klingelt, geht sie dran. Eine Stimme sagt „Geiger“ und legt auf. Agneta holt aus einem Versteck eine Waffe mit einem Schalldämpfer, geht ins Wohnzimmer, setzt den Lauf an die Schläfe ihres Mannes und drückt ab.

Schon der Klappentext hörte sich nach einem spannenden und unterhaltsamen Thriller an, die Leseprobe hatte mich dann endgültig gepackt. Diese Geschichte hörte sich genau nach meinem Geschmack an. Wer oder was ist „Geiger“ und wie kaltblütig muss man sein, den eigenen Mann, mit dem man seit Jahrzehnten verheiratet ist, ohne mit der Wimper zu zucken zu erschießen?

Was dramatisch anfängt, versiegt dann leider schnell und plätschert vor sich hin. Sara, eine frühere Freundin der Töchter von Agneta und Stellan, mischt sich in die Ermittlungen ein, seitenweise lesen wir über ihr Leben. Die Ermittlungen durch ihre Kollegen werden dilettantisch geführt, lediglich Sara hat den richtigen Riecher und beißt sich in die Ermittlung fest. Aus dem Thriller wird plötzlich ein Politkrimi, die Story dreht sich um die DDR, die Sowjetunion, den Kalten Krieg, Spione, Agenten und Waffen. Über große Passagen hinweg erfährt der Leser immer mehr Einzelheiten aus der damaligen Zeit und die Verwicklung von Schweden. Dies mag interessant sein für Leser, die dies erwarten und daran interessiert sind, für mich war es stellenweise eine Qual. Zwischendurch gibt es zwar viele interessante Ansätze und auch die Spannung ist immer wieder spürbar, alles in allem aber ist bis zum letzten Drittel von einem Thriller nichts zu spüren.

Zum Ende hin wurde es dann tatsächlich doch noch interessant und das Buch endet mit einem großen Knall. Leider hat der Autor dann für mich persönlich viel zu viel reingepackt, zu verworren und chaotisch fand ich den Schluss. Wahrscheinlich soll das so sein, um daran in den nächsten Büchern anknüpfen zu können, handelt es sich ja um eine Trilogie. Es bleibt aber ein unbefriedigendes Gefühl bei mir. Eines aber hat das Ende erreicht: ich wäre nun nicht gänzlich abgeneigt, den nächsten Teil zu lesen. Und das meine ich total ehrlich. Von mir gibt es 3 Sterne.

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Veröffentlicht am 16.02.2021

hat mich nicht überzeugt

Meine dunkle Vanessa
0

Meine dunkle Vanessa von Kate Elizabeth Russell

Vanessa überredet mit vierzehn ihre Eltern, sie auf ein Internat zu schicken, die Browick School in Norumbega. Mit der einzigen Freundin auf der Highschool ...

Meine dunkle Vanessa von Kate Elizabeth Russell

Vanessa überredet mit vierzehn ihre Eltern, sie auf ein Internat zu schicken, die Browick School in Norumbega. Mit der einzigen Freundin auf der Highschool hat sie sich am Ende des letzten Schuljahres wegen einem Jungen zerstritten, sodass sie nun ziemlich isoliert ins zehnte Schuljahr startet, ihr zweites Jahr im Internat. Vanessa ist still, zurückhaltend, chaotisch, schlampig und ziemlich faul. Als sie im Leistungskurs Amerikanische Literatur den Lehrer Mr. Strane kennenlernt, hat dieser mit dem fünfzehnjährigen Mädchen, das einsam ist und nach Aufmerksamkeit giert, leichtes Spiel. Was mit Gesprächen, Berührungen und Küssen anfängt, endet irgendwann im Bett des Lehrers, der fast dreißig Jahre älter ist als Vanessa.

Wir erfahren abwechselnd, angefangen mit dem Jahr 2000, dem Jahr, an dem Vanessa ihren Lehrer kennenlernt, und dem Jahr 2017 in der Gegenwart, was passiert. Vanessa erinnert sich, wie alles anfing und erzählt, was sie gerade erlebt. Dies ist teilweise langatmig, dies ist sehr oft uninteressant, dies soll wahrscheinlich zeigen, wie einsam und isoliert Vanessa war und ist. Ihre gestörte Wahrnehmung, was die ungesunde Beziehung zu Strane angeht, zieht sich durch das Buch. Natürlich ist es wichtig, zu erfahren, wie ein fast dreißig Jahre älterer Mann ein junges Mädchen dazu bekommt, Sachen zu tun, die es tatsächlich gar nicht tun möchte. Leider geschieht dies hier in langwierigen Ausführungen über seitenlange Kapitel, die einfach nur ermüdend waren. Ich habe darauf gewartet, dass das Buch mich packt und es den Moment gibt, wo Vanessa mich berührt. Leider war und blieb Vanessa für mich seltsam farblos, distanziert und, ja, unsympathisch. Der Missbrauch an sich, der seitenweise explizit beschrieben wird, ist schlimm und an Widerlichkeit nicht zu überbieten. Die restliche Geschichte flog an mir vorbei, sodass ich nach zwei Dritteln abgebrochen habe, was mir tatsächlich seit langem nicht mehr passiert ist. Aus Respekt vor dem Thema vergebe ich 3 Sterne.

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Veröffentlicht am 30.03.2026

Zu einseitig für mich

2033
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Deutschland im Jahr 2033. Die rechtsextreme Partei AUFSTAND ist an der Macht. Als auf die Parteizentrale ein Anschlag verübt und die Generalsekretärin der Oppositionspartei REFORM angeklagt wird, hinter ...

Deutschland im Jahr 2033. Die rechtsextreme Partei AUFSTAND ist an der Macht. Als auf die Parteizentrale ein Anschlag verübt und die Generalsekretärin der Oppositionspartei REFORM angeklagt wird, hinter dem Bombenanschlag zu stecken, soll die junge Anwältin Marie Wigand ihrer Chefin im Strafverfahren assistieren bei deren Vertretung. Es steht einiges auf dem Spiel. Sollte die Politikerin verurteilt werden, droht ein Verbotsverfahren ihrer Partei, was wiederum zur Folge hätte, dass der AUFSTAND das Grundgesetz abschaffen würde.

Seit ich vor Jahren DER WÜRFEL gelesen habe, wartete ich auf ein neues Buch des Autors, der Jurist, Politologe sowie Bürgerrechtler ist und deutsch-iranische Wurzeln hat. Weil mir sein erstes Werk wirklich sehr gefallen hat, habe ich zugegriffen, obwohl ich politische Bücher nicht gerne lese, sogar dann nicht, wenn es Thriller sind. Das Gedankenexperiment hat mich wahrscheinlich deswegen auch nicht überzeugt, denn die Geschichte war nicht nur überspitzt, sondern auch überzeichnet und ziemlich einseitig. David gegen Goliath, das Gute gegen das Böse und dazwischen das große Nichts. Das ist mir persönlich zu wenig und nicht realistisch genug. Ich empfehle jedem, sich selbst ein eigenes Bild zu machen.

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Veröffentlicht am 29.03.2026

Leicht und voller Optimismus

Drei Tage im Schnee
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Hannah nimmt sich eine Auszeit, ganze drei Tage fährt sie weg, hat ein kleines Häuschen gemietet und will entspannen. Als die kleine Sophie auftaucht und sie auffordert, ihr beim Bau einer Schneefigur ...

Hannah nimmt sich eine Auszeit, ganze drei Tage fährt sie weg, hat ein kleines Häuschen gemietet und will entspannen. Als die kleine Sophie auftaucht und sie auffordert, ihr beim Bau einer Schneefigur zu helfen, zögert Hannah erst, lässt sich dann aber auf das Abenteuer ein und kommt bald zu überraschenden Erkenntnissen.

»Ich fragte mich, wann mir zuletzt etwas so viel Freude bereitet hatte. Oder vielmehr, ob Spaß in meinem Leben überhaupt eine Rolle spielte, ein Kriterium war. Die meisten Dinge, die ich tat, tat ich nur, weil man das eben so machte. Weil andere das so machten.« (Seite 24)

Dieses kleine Büchlein ist perfekt für Leserinnen und Leser, die nach Entschleunigung suchen, nach einer bewussten Verlangsamung ihres Lebensrhythmus, um ihre Lebensqualität zu steigern und vielleicht auch, um achtsamer mit sich und den eigenen Bedürfnissen umzugehen. Die Erkenntnisse sind nicht neu, aber es ist schön, sich diese mit dieser Geschichte noch einmal ins Gedächtnis zu rufen. Sich daran zu erinnern, was wichtig ist im Alltag und was nicht. Besinnen wir uns darauf, wie schön das Leben sein kann.

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Veröffentlicht am 18.03.2026

Spuren eines Lebens

Muttermale
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»Ich stelle dir nach, ich fahnde nach dir, ich nehme dich in Beschlag - und du bringst mich in große Verlegenheit, denn du hast keinen Namen. Mutter. Behausung. Kerker. Verschlusssache. Oberbefehlshaberin.« ...

»Ich stelle dir nach, ich fahnde nach dir, ich nehme dich in Beschlag - und du bringst mich in große Verlegenheit, denn du hast keinen Namen. Mutter. Behausung. Kerker. Verschlusssache. Oberbefehlshaberin.« (Seite 11)

Die Mutter der Autorin ist einst aus Preußen geflohen, also spürt Dagmar Leupold deren Spuren nach, versucht zu ergründen, wer diese Frau war und wie sie durch die Kriegs- und Nachkriegsjahre geprägt worden ist. Hierbei springt sie zwischen eigenen Erlebnissen mit der Mutter als auch denen, die sich lange vor ihrer Zeit ereigneten, hin und her, was es für mich unmöglich macht, mitzukommen. Die Erzählung selbst ist so persönlich, so unfassbar intim, dass nur nahestehende Personen darin etwas finden.

Gegenstände wurden erwähnt, Situationen analysiert und an Tragödien erinnert, die bei mir selbst keinen Eindruck hinterließen, keinen solchen hinterlassen können, weil sie so personenbezogen sind. Dies machte das Lesen des Buches leider etwas schwierig, es erlaubte mir nicht, es mir in der Geschichte bequem zu machen, wie ich es mir gewünscht hätte. Dennoch war es bereichernd, einige Situationen fand ich berührend und erinnerte mich an eigene Erlebnisse mit meiner Familie. Ein leiser Roman mit einer sprachlichen Eleganz, die durch die Seiten fließt.

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