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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 18.03.2026

Spuren eines Lebens

Muttermale
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»Ich stelle dir nach, ich fahnde nach dir, ich nehme dich in Beschlag - und du bringst mich in große Verlegenheit, denn du hast keinen Namen. Mutter. Behausung. Kerker. Verschlusssache. Oberbefehlshaberin.« ...

»Ich stelle dir nach, ich fahnde nach dir, ich nehme dich in Beschlag - und du bringst mich in große Verlegenheit, denn du hast keinen Namen. Mutter. Behausung. Kerker. Verschlusssache. Oberbefehlshaberin.« (Seite 11)

Die Mutter der Autorin ist einst aus Preußen geflohen, also spürt Dagmar Leupold deren Spuren nach, versucht zu ergründen, wer diese Frau war und wie sie durch die Kriegs- und Nachkriegsjahre geprägt worden ist. Hierbei springt sie zwischen eigenen Erlebnissen mit der Mutter als auch denen, die sich lange vor ihrer Zeit ereigneten, hin und her, was es für mich unmöglich macht, mitzukommen. Die Erzählung selbst ist so persönlich, so unfassbar intim, dass nur nahestehende Personen darin etwas finden.

Gegenstände wurden erwähnt, Situationen analysiert und an Tragödien erinnert, die bei mir selbst keinen Eindruck hinterließen, keinen solchen hinterlassen können, weil sie so personenbezogen sind. Dies machte das Lesen des Buches leider etwas schwierig, es erlaubte mir nicht, es mir in der Geschichte bequem zu machen, wie ich es mir gewünscht hätte. Dennoch war es bereichernd, einige Situationen fand ich berührend und erinnerte mich an eigene Erlebnisse mit meiner Familie. Ein leiser Roman mit einer sprachlichen Eleganz, die durch die Seiten fließt.

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Veröffentlicht am 17.02.2026

Fatale Entscheidung

Kopflos
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»Er hat anderthalb Stunden, um sich zu entspannen, ich anderthalb Stunden, um Mutter zu sein.« (Seite 22)

Mitten in einem Sorgerechtsprozess gefangen, verliert Lisa irgendwann die Nerven, nachdem sie ...

»Er hat anderthalb Stunden, um sich zu entspannen, ich anderthalb Stunden, um Mutter zu sein.« (Seite 22)

Mitten in einem Sorgerechtsprozess gefangen, verliert Lisa irgendwann die Nerven, nachdem sie das Umgangsrecht mit ihren Söhnen verloren hat und sich dem Haus der Familie nicht mehr nähern darf. Ihre Söhne sieht sie einmal im Monat an einem neutralen Ort, allein zu sein mit ihnen wird ihr nicht erlaubt. Völlig kopflos trifft Lisa eine fatale Entscheidung und schlittert unausweichlich auf eine Katastrophe zu.

»Wenn die Angst die Seite wechselt, ist das Gerechtigkeit. Keine Anhörung in Sicht, auch keine Antwort vom Gericht, keine Strategie, keine Gegenüberstellung. Dieser Moment, in dem alles kippt, wo kann ich hinkommen und sie mitnehmen?« (Seite 46)

Für diese Erzählung hat die Autorin einen ungewöhnlichen Stil bevorzugt, das Buch liest sich nicht flüssig, es ist chaotisch und wirr. Dies passt zur Gemütslage der Erzählerin, die mich davon überzeugen möchte, nein, überzeugen will, dass es richtig ist, was sie getan hat. Ihre Erinnerungen vermischen sich mit Wahrheit und Lüge, eine passende Realität wird geschaffen, die zuweilen dazu führt, dass ich Situationen nicht einschätzen und auch nicht erkennen kann, was wahr ist und was nicht. Dies hört sich anspruchsvoll an und ist es auch, der Nachteil davon ist aber, dass ich zwischendurch den Faden verloren habe. Die Geschichte selbst ist darin versteckt, aus Andeutungen und Fragmenten reime ich mir diese zurecht, bin aber bis zum Schluss nicht sicher, ob ich dahinter gestiegen bin. Eine Auflösung liefert das Ende, einiges erklärt sich, anderes bleibt nebulös. Ich interpretiere eigenes hinzu und bin zufrieden, dass ich drangeblieben bin.

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Veröffentlicht am 13.02.2026

Freunde nicht fürs Leben

Die Sonne und die Mond
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Als Jana von Mond im Bestattungsinstitut von Sonja »Sonne« Meling auftaucht, ist letztere nicht begeistert, was weniger an dem ungewöhnlichen Wunsch der Mond liegt, ihren Mann zusammen mit dessen Geliebten ...

Als Jana von Mond im Bestattungsinstitut von Sonja »Sonne« Meling auftaucht, ist letztere nicht begeistert, was weniger an dem ungewöhnlichen Wunsch der Mond liegt, ihren Mann zusammen mit dessen Geliebten zu bestatten, als daran, dass ihre Freundschaft bereits vor Jahren zerbrochen ist. Die Sonne und die Mond, das war einmal, denkt Sonja - Jana allerdings drängt mit aller Macht in ihr Leben und bringt das Chaos mit.

»Hatte sie keine Menschen, die sich um sie scheren? Kannte sie niemanden, den sie jederzeit anrufen konnte, ohne dafür bezahlen zu müssen? Niemand strahlte weniger Einsamkeit aus als Jana von Mond, aber irgendwie war das auch ihr Beruf, nicht einsam zu erscheinen, fand Sonne.« (Seite 157)

Der Klappentext versprach eine ungewöhnliche Geschichte und der Anfang war tatsächlich vielversprechend. Zwei vollkommen gegensätzliche Frauen, die früher ein trauriges und traumatisches Erlebnis verband, deren Freundschaft jedoch bestimmte Ereignisse nicht überstanden hat. Welche das sind, blieb zu Beginn im Dunkeln, erst allmählich entfaltete das damalige Drama sich vor meinen Augen und erklärte dadurch einiges. Ein ziemlich makabrer Humor zog sich durch das Buch, es gab viele amüsante, wenn auch oft respektlose Situationen rund um das Bestattungswesen, ich persönlich hatte damit aber keine Probleme, tot sind wir schließlich alle früh genug.

Leider ließ meine Begeisterung im Laufe der Geschichte ziemlich nach, was in erster Linie daran lag, dass ich beide Frauen äußerst unsympathisch fand und ihr Aufeinandertreffen meistens nur peinlich, die Charakterentwicklung ging nicht sehr tief. Die Rückblicke ihre Freundschaft betreffend und auch die Erzählungen zu anderen Personen in der Vergangenheit fand ich ungleich faszinierender, die Gegenwart interessierte mich einfach nicht genug. Dazu gab es für mich persönlich zu viele Längen, ein fast 600 Seiten langes Werk zu füllen, ist keine einfache Aufgabe. Insgesamt ein unterhaltsamer Roman, den ich trotzdem gerne gelesen habe.

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Veröffentlicht am 03.01.2026

Wunderschön illustriert

Katzentage
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Als die Bahn streikt, stranden die Kollegen Paula und Peter in einer fremden Stadt. Seit längerer Zeit gibt es eine Anziehungskraft zwischen ihnen, nun wird sich zeigen, ob diese bei der unfreiwilligen ...

Als die Bahn streikt, stranden die Kollegen Paula und Peter in einer fremden Stadt. Seit längerer Zeit gibt es eine Anziehungskraft zwischen ihnen, nun wird sich zeigen, ob diese bei der unfreiwilligen Auszeit weiterhin Bestand haben wird.

»Es prickelte, so zu tun, als seien sie ein Paar. Als hätten sie gemeinsame Rituale. Auf der einen Seite sich darüber lustig zu machen und auf der anderen Seite auszuprobieren, wie es sich anfühlte. Mit dir, Paula. Mit dir, Peter.« (Seite 25)

Ich muss zugeben, ich bin ein wenig enttäuscht von der Geschichte, die überwiegend ein fast schon peinlicher Balz-Tanz zwei erwachsener Menschen voller Selbstzweifel ist. Sie möchte am liebsten die Devise von Harald Juhnke umsetzen, der einst sagte: »Meine Definition von Glück? Keine Termine und leicht einen sitzen«. Er hingegen nach einer miteinander verbrachten Nacht das Eheversprechen erhalten. Es gibt zwar einige vielversprechende Ansätze, die aber letztendlich nicht umgesetzt werden. Die Illustrationen von Florian Bayer hingegen sind eine Augenweide und der Grund dafür, dass meine Bewertung nicht ins bodenlose fällt. Die wunderschönen Bilder ergänzen die Erzählung und bereichern diese. Insgesamt eine nette Kurzgeschichte für zwischendurch, passend und perfekt bebildert.

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Veröffentlicht am 15.12.2025

Solide Unterhaltung

Das Internat
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Einen Tag nach Halloween wird in den Wäldern, am Fuße eines berühmt- berüchtigten Turms, die Leiche eines Mädchens gefunden, bekleidet mit einem weißen Kleid und einer seltsamen Vogelmaske im zerschmetterten ...

Einen Tag nach Halloween wird in den Wäldern, am Fuße eines berühmt- berüchtigten Turms, die Leiche eines Mädchens gefunden, bekleidet mit einem weißen Kleid und einer seltsamen Vogelmaske im zerschmetterten Gesicht. Schnell ist klar, dass es sich um eine Schülerin des in der Nähe befindlichen Privatinternats handelt. Detective Ben Chase wird mit den Ermittlungen betraut, obwohl seine Tochter das Internat besucht, in dem seine Ex-Frau arbeitet, nicht ahnend, welche Verstrickungen es in diesem Zusammenhang gibt.

»Zögernd lässt sie den Blick den Körper entlang nach oben wandern, auf der Suche nach einem Gesicht, doch da ist keins, da sind nur blau verfärbte Lippen, leicht geöffnet wie zu einem letzten Atemzug, darüber schimmerndes, schwarzes Gefieder, ein krummer Schnabel, der im Morgenlicht matt glänzt.« (Seite 17)

Ich habe das neue Buch von Hannah Richell sehnsüchtig erwartet, ihr letzter Thriller »Das Wochenende« ist mir positiv in Erinnerung geblieben. Nach einem gruseligen Prolog sprang die Story direkt zum Abend des Verbrechens und dann ging es direkt auch schon los. Der Schreibstil der Autorin war hier sehr bildhaft, um nicht zu sagen ausschweifend, was zu Lasten der Geschichte ging, denn von einem Thriller erwarte ich nicht so viele Nebensächlichkeiten, wie mir hier präsentiert wurden. Die Spannung wurde hier regelrecht totgeredet, oft auch totgedacht, wenn einzelne Figuren sich gedanklich im Kreis drehten, was mich an mancher Stelle schier wahnsinnig machte. Dies ist schade, denn interessant genug war er ja der Plot. Insgesamt ein solider Spannungsroman, der mich auf den letzten Metern fast verloren hat. Für Fans ruhiger Bücher sicherlich die richtige Lektüre.

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