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Veröffentlicht am 30.03.2026

Little Women Crime

Beth is dead
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Seit der Vater der Schwestern Meg, Jo, Beth und Amy ein Buch geschrieben hat, in dem er das Leben seiner Töchter beschreibt, ist deren Leben nicht mehr dasselbe. Die Menschen unterscheiden nicht zwischen ...

Seit der Vater der Schwestern Meg, Jo, Beth und Amy ein Buch geschrieben hat, in dem er das Leben seiner Töchter beschreibt, ist deren Leben nicht mehr dasselbe. Die Menschen unterscheiden nicht zwischen literarischen Kunstfiguren und echten Menschen und so sehen sich die Schwestern gefangen zwischen Häme und Verehrung. Besonders Beth, die ihr Vater im Buch hat sterben lassen, leidet darunter. Und dann ... wird sie ermordet. War es eine von ihnen? Jo, die als Influencerin mehr Follower wünscht? Oder Amy, die Jüngste, die so gern auf die Kunstschule gehen will, die Beth finanziert wird? Da ihr Vater schon seit einem halben Jahr verschwunden ist, müssen die Schwestern mit ihrer Mutter allein klarkommen und herausfinden, was passiert ist.

Ich bin ehrlich, ohne den Bezug zu dem Klassiker von Louisa May Alcott hätte mich das Buch rein vom Klappentext her nicht interessiert, von daher war es ein gelungener Kniff, sich dieser Vorlage zu bedienen. Die Mädels sind dann auch gut in die Gegenwart übertragen worden. Und egal, was Meg am Ende sagt, es WAR übergriffig von ihrem Vater, ihre Leben zu beschreiben. Er hätte ja zumindest die Namen ändern können, sodass den Lesenden klar gewesen wäre, dass es sich um eine reine Geschichte handelt. Dafür gibt es keine Entschuldigung, das braucht man dann zum Schluss nicht abschwächen. Was mich gestört hat, waren die Rückblicke aus Beths Sicht. Da man weiß, dass das Mädchen ermordet wird, finde ich es eher unangenehm und gerade zum Schluss absichtlich tränenrührig, es so zu schreiben, wie es getan wird. Auch finde ich die verschiedenen falschen Fährten gut gemacht, allerdings gibt es einen ziemlichen Logikfehler. Es lag Schnee, was bedeutet, man hätte an dem schneebedeckten Hang, an dem Beth gefunden wurde, Dutzende und Aberdutzende Spuren finden müssen, die nicht von den Schwestern zertrampelt worden waren, denn nichts in der Geschichte deutet darauf hin, dass die Täterperson sie verwischt oder gar entfernt hat. Und selbst wenn - schon mal das Wort Kontaktspuren gehört, Frau Autorin? Was soll's. Als Jugendthriller funktioniert es ganz gut, obwohl es für mich auch ein bisschen straffer hätte sein können. Es zog sich in der Mitte schon ordentlich, zumal noch die Sache mit dem pädophilen Künstler ins Spiel gebracht wurde. 3.5/5 Punkten.

Veröffentlicht am 16.03.2026

Mnemoskopie

Die Geister von La Spezia
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1822. Mary Shelley, die berühmte Autorin von Frankenstein, lebt im Exil in Italien. Ihr Mann Percy ist vor kurzem beim Segeln ertrunken und sie trauert, als plötzlich eine exzentrische Person bei ihr auftaucht: ...

1822. Mary Shelley, die berühmte Autorin von Frankenstein, lebt im Exil in Italien. Ihr Mann Percy ist vor kurzem beim Segeln ertrunken und sie trauert, als plötzlich eine exzentrische Person bei ihr auftaucht: Pat Colombari. Pat ist eine Spezialagentin und arbeitet tatsächlich an sehr speziellen Fällen und mit sehr speziellen Methoden. Dazu gehören Erinnerungsreisen, die Mnemoskopie, die sie mit wundersamen technischen Mitteln vollbringt. Dabei reist sie in und mit den Erinnerungen ihrer Klienten in die Zeit zurück, um herauszufinden, was wirklich passiert ist. Dabei lernt Pat nicht nur Lord Byron und dessen Freunde kennen, sondern auch, welche unheimlichen Ereignisse stattgefunden haben.

Ich mochte wirklich sehr die Atmosphäre, die der Autor die meiste Zeit heraufbeschwören konnte. Wie er die wahrscheinlich tatsächlichen Ereignisse am Genfer See mit seinen fantastischen Ausführungen verbindet, gefällt mir gut. Auch Pat selbst mochte ich, obwohl sie mir ein bisschen zu modern vorkam, selbst wenn man bedenkt, dass sie sich durch Mary im Dunstkreis von Lord Byron bewegt hat mit ihren Erinnerungsreisen. Und so sehr ich auch oft eine Art Sog beim Lesen verspürt hatte, so zog sich doch manches, gerade im Mittelteil des Buches, arg dahin, sodass ich nicht immer den unbedingten Willen zum Weiterlesen hatte. Alles in allem ist das Ganze ein guter Abstecher in einen modernen Schauerroman, dem ein paar Kürzungen oder zumindest Straffung gutgetan hätte. 3.5/5 Punkten.

Veröffentlicht am 13.02.2026

Weeping Willow Society

A Lesson in Murder
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Astoria Blairwood gehört zur Elite. Ihr Dad arbeitet im Ministerium, sie selbst geht auf die mega elitäre St. Moriarty, wo unter anderem Kriminologie gelehrt wird. Sie liebt es, Fälle zu lösen und ist ...

Astoria Blairwood gehört zur Elite. Ihr Dad arbeitet im Ministerium, sie selbst geht auf die mega elitäre St. Moriarty, wo unter anderem Kriminologie gelehrt wird. Sie liebt es, Fälle zu lösen und ist ein Sherlock-Holmes-Fangirl. Doch dann wird an dieser Schule ihre Ex-Freundin ermordet und sie selbst gerät unter Mordverdacht. Wenn sie nicht unschuldig im Knast landen will, muss sie diesen Fall lösen. Wie gut, dass ausgerechnet jetzt die beiden hottesten Jungs der Schule beschließen, ihr zu helfen. Doch der eine ist seltsam und der andere ihr Erzfeind und beide ihre Konkurrenten um den besten Abschluss ...

Also vorneweg: Es hat Spaß gemacht zu lesen. Astoria ist meistens ziemlich cool und sie verliert trotz der heißen Jungs nur selten den Verstand. Und auch die Jungs sind ziemlich cool. Allerdings ist die Wahrscheinlichkeit, dass Astoria in den Knast gegangen wäre, irgendwo bei Null, egal ob ein mächtiger Politiker ihr droht (und warum hat er das überhaupt getan? Er verbreitete so sinnlose Schurkenvibes um der Vibes Willen). Da die Türen immer auf sein müssen, besteht keine Gefahr, dass sie die Mordanklage überhaupt am Hals hat. Auch ein bisschen spät kam die Sache mit der Entführung, das war ein bisschen aus dem Hut gezaubert. Die Lösung war auch ein bisschen arg konstruiert, aber gut. Alles in allem war es ein solides Debüt. 3.5/5 Punkten.

Veröffentlicht am 11.02.2026

Heimsuchung

Good Spirits
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Harriet York stammt aus einer wohlhabenden Anwaltsfamilie, zu der sie kaum noch Kontakt hat. Sie führt einen Antiquitätenladen und versucht, ein guter Mensch zu sein. Dass also ausgerechnet sie Anfang ...

Harriet York stammt aus einer wohlhabenden Anwaltsfamilie, zu der sie kaum noch Kontakt hat. Sie führt einen Antiquitätenladen und versucht, ein guter Mensch zu sein. Dass also ausgerechnet sie Anfang Dezember von dem Geist der Vergangenheit heimgesucht wird, ist ihr unverständlich. Da sie jedoch ein People Pleaser ist, möchte sie auch dem Geist, einem mürrischen Mann namens Nolan Calahan, helfen. Die beiden machen sich also mehrmals auf, ihre Vergangenheit zu erkunden. Dabei kommen sie sich näher, als man bei einem Geist und seiner Heimgesuchten erwarten sollte und plötzlich spielt die Magie von Nolan verrückt ...

Mir hat das Buch im Großen und Ganzen gut gefallen. Die beiden Protagonisten sind sehr sympathische Leute, Nolan ist eine ziemliche green flag, obwohl er aus dem 19. Jahrhundert stammt, und Harriet ist wirklich so gut wie behauptet. Daraus ergibt sich ein richtig cosy read, der manchmal so cosy wurde, dass ich beim Lesen eingeschlafen bin. Das ist nicht unbedingt schlecht, nur sollte man Bescheid wissen, dass trotz familiärer Konflikte keine wirklichen Spannungen in irgendeinem Umfeld auftauchen. Wem das taugt, der wird hier mega gut bedient. Was mich auch ein bisschen irritiert hat, war diese Verbindung, die da zwischen Harriet und Nolan geschaffen wurde; die hätte es für mich nicht gebraucht. Alles in allem: ganz nett. 3.5/5 Punkten.

Veröffentlicht am 05.02.2026

Metoo

Hazel sagt Nein
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Die Familie Blum zieht von New York nach Riverburg, ins Hinterland von Maine. Gus, der Vater, hat dort an der Universität einen guten Job erhalten, außerdem ist hier alles billiger und es lebt sich einfacher. ...

Die Familie Blum zieht von New York nach Riverburg, ins Hinterland von Maine. Gus, der Vater, hat dort an der Universität einen guten Job erhalten, außerdem ist hier alles billiger und es lebt sich einfacher. Oder sollte es. Denn gleich am ersten Tag in der neuen Schule erlebt Hazel Blum, die achtzehnjährige Tochter, etwas Schreckliches. Der Direktor der Schule erklärt ihr, dass er jedes Jahr Sex mit einer Schülerin der Abschlussklasse hat und er dieses Jahr sie auswählt. Geschockt sagt Hazel Nein und dieses Nein zieht Wellen nach sich, die nicht nur die Gemeinde von Riverburg erschüttern.

Das ist mit Sicherheit ein wichtiges Buch und es sollte gelesen werden. Denn das, was Hazel hier passiert, passiert noch immer überall. Und wie auch im Buch gehen die Täter auf Konfrontation, versuchen es mit Täter-Opfer-Umkehr, mit Drohungen, Einschüchterungen, Lügen, Manipulation. Das Schlimme daran ist, dass sie oft genug damit durchkommen - nicht nur, weil sie in Machtpositionen sitzen, sondern weil sie Hilfe und Unterstützung von Leuten in Machtpositionen bekommen. Wie sich das auf die Überlebenden - ich werde nicht Opfer schreiben! - auswirkt, kann man sich vorstellen. Das wird hier im Buch auch teilweise gut vermittelt. Manchmal jedoch auch zu oberflächig aufgeführt. So entscheidet sich Hazel irgendwann, dass sie genug von ihrer Depression hat, steht auf und geht joggen und bekommt ihr Leben wieder in den Griff. Einfach so. Es wäre schön, wenn mit Depressionen sensibler, auch in Büchern, umgegangen wird. Auch verliert sich die Autorin mit ihrem ganzen Bücher/Agenten/Filmstrang. Vielleicht soll das Hoffnung vermitteln, aber es nimmt den Impact aus der Geschichte, zerfasert sie, macht sie kleiner. Und das hat dieses Buch nicht verdient, es sollte und könnte weitaus intensiver sein, eine Stimme für alle Überlebenden. Ein Plädoyer dafür, dass die Scham endlich die Seiten wechseln muss, dass niemand mehr wegsieht oder sich hinter die Täter stellt. 3.5/5 Punkten.