Hebamme und Heilerin
Der gefrorene FlussMartha ist eine Hebamme und als solche wird sie oft mitten in der Nacht aus dem Bett gerissen, um Kindern auf die Welt zu helfen. Gerade jetzt, zu Beginn des Winters, ist das nicht immer ungefährlich. ...
Martha ist eine Hebamme und als solche wird sie oft mitten in der Nacht aus dem Bett gerissen, um Kindern auf die Welt zu helfen. Gerade jetzt, zu Beginn des Winters, ist das nicht immer ungefährlich. Als sie erfährt, dass ein toter Mann aus dem Eis geschnitten wurde, untersucht sie ihn. Ihrer Meinung nach wurde der Mann ermordet, doch kaum jemand wird ihm eine Träne nachweinen. Er war ein Vergewaltiger und Widerling. Dennoch findet Martha es richtig, dass in seinem Fall ermittelt wird, doch ausgerechnet der Richter der Stadt legt ihr dabei Steine in den Weg. Und so wird dieser lange, kalte Winter nicht nur wettertechnisch eine Herausforderung des Überlebens ...
Martha Ballard hat Ende des 18. Jahrhunderts tatsächlich in Maine gelebt, allerdings ist diese Geschichte keine Biographie. Sie orientiert sich zwar an ihren Tagebucheinträgen, aber da ansonsten nicht viel über diese wohl sehr faszinierende Frau bekannt ist, ist das ein "So hätte es sein können". Wer dieses Buch also liest, erhält kein historisch korrektes Buch, aber immerhin eines, das sich mit einer historisch tatsächlich existierenden Person beschäftigt und vor allem auch einer, die das mal wirklich verdient hat. Sie war anscheinend jemand, die sich nicht den Mund verbieten ließ und sich auch gegenüber Männern behauptete, obwohl das zur damaligen Zeit nicht ungefährlich war. Allerdings kommen mir einige ihrer Aktionen für diese Zeit dann doch ein bisschen zu feministisch rüber, genauso wie ihr Mann, der als absolute green flag und ally beschrieben wird. Ob sich Martha - Hebamme und Heilerin, die sie war - wirklich so viel herausnehmen konnte, lasse ich mal dahingestellt. Das Leben, wie es sich im 18. Jahrhundert darstellt, hat mich schon fasziniert, auch wenn das Buch wahrlich so einige Längen hatte. Auf jeden Fall fand ich gut, was mit dem Antagonisten passierte, obwohl er noch immer gut weggekommen ist. Und der Erzählstrang mit der Füchsin ließ mich eher ratlos zurück. Alles in allem ein durchaus ansprechendes Buch in der Kür, in der Pflicht jedoch gab es ein paar Abzüge. 3.5/5 Punkten.